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Schwangerer Teenager © S.Kobold

Wenn Teenager schwanger werden

So jung und schon ein Kind erwarten. Trotz intensiver sexueller Aufklärung in den vergangenen Jahrzehnten werden nach wie vor viele junge Mädchen ungewollt schwanger. Teenagerschwangerschaften sind in Österreich keine Seltenheit. Jedes Jahr werden etwa 2.000 Mädchen vor ihrem 20. Lebensjahr schwanger. Im Jahr 2013 waren zehn Mädchen sogar jünger als 15, als sie ihr erstes Kind zur Welt gebracht haben. 

Der Hauptgrund für die frühen Schwangerschaften liegt in der falschen oder nicht erfolgten Verwendung von Verhütungsmitteln, wie eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Deutschland festgestellt hat.

Informationsdefizit bei Jugendlichen

Laut einer Umfrage des österreichischen Instituts für Sexualpädagogik unter Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren wird die Schule von über der Hälfte aller Jugendlichen als Informationsquelle zum Thema Sexualität genannt, gefolgt von Medien wie Zeitschriften, Fernsehen und Internet. Dabei hat sich gezeigt, dass Mädchen ihr Wissen zur Sexualität überwiegend aus Zeitschriften oder Broschüren, Burschen eher aus dem Internet beziehen. Diese Informationsquellen sind jedoch sehr stark von der Qualität des Mediums abhängig und führen bei schlechter Auswahl häufig zu Fehleinschätzungen und Missverständnissen.

Mädchensprechstunde

Um das Informationsdefizit zum Thema „Sexualität“ bei jungen Mädchen auszugleichen, hat der Berufsverband österreichischer Gynäkologen die Initiative „Mädchensprechstunde“ ins Leben gerufen. Junge Mädchen werden von Gynäkologinnen und Gynäkologen in die Praxis eingeladen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, diese zunächst kennen zu lernen, Fragen zu stellen und für den Fall der Fälle eine Anlaufstelle zu haben.

Das Informationsgespräch ist nicht an eine Untersuchung gebunden. Mit der nötigen Information zu Sexualität und Verhütung verlassen die Mädchen die Praxis und haben eine Vertrauensperson an der Hand, an die sie sich bei späteren Fragen wenden können. Welche Praxen von Frauenärztinnen/Frauenärzten dieses Service bereits anbieten, finden Sie unter www.maedchensprechstunde.com.

Hinweis Mädchen ab 14 Jahren können – bei Vorweisen der e-card– die Pille auch ohne dem elterlichen Einverständnis von ihrer Frauenärztin oder von ihrem Frauenarzt verschrieben bekommen.

Ungewollt schwanger – was nun?

Jetzt schon Mutter werden – schaffe ich das? Die Entscheidung für oder gegen eine Mutterschaft ist besonders im jungen Alter nicht leicht zu treffen. Ein Kind bringt für ein junges Mädchen bzw. junge Eltern eine völlige Umstellung ihrer Lebenssituation.

Bei einer ungewollten Schwangerschaft gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • das Kind bekommen und die Erziehung selbst übernehmen
  • das Kind austragen, aber die Obhut für bestimmte Zeit einer Pflegefamilie übertragen
  • das Kind zur Adoption freigeben
  • oder aber auch die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs bis zum 3. Monat der Schwangerschaft

Schwangerschaftsabbruch

Manchmal scheint ein Schwangerschaftsabbruch die einzige mögliche Lösung. Ob ein Abbruch durchgeführt werden soll, entscheidet die Schwangere selbst. Ab dem 14. Lebensjahr kann ein Mädchen einen Schwangerschaftsabbruch ohne die Einverständniserklärung ihrer Erziehungsberechtigten durchführen lassen. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Schwangerschaftsabbruch.

Adoption

Wenn Teenager keine Möglichkeit sehen, ihr Kind zu behalten, aber auch keinen Schwangerschaftsabbruch möchten, kann die Freigabe zur Adoption eine Alternative sein. Auch minderjährige Mütter haben das Recht, ihr Kind zur Adoption freizugeben. Das Jugendamt sucht für das Kind geeignete Adoptiveltern, die durch eine entsprechende Schulung gut auf ihre künftige Aufgabe vorbereitet sind. Es gibt unterschiedliche Arten 
der Adoption:


  • Offene Adoption: Der direkte Kontakt zum Kind und zu den Adoptiveltern ist möglich.
  • Halboffene Adoption: Es kann über das Jugendamt mit den Adoptiveltern Kontakt aufgenommen werden.
  • Inkognito-Adoption: Es ist kein Kontakt vorgesehen. Die Wünsche der Mutter bzw. der Eltern werden jedoch bei der Suche nach Adoptiveltern mitberücksichtigt.

Mehr Informationen zum Thema Adoption finden Sie unter www.help.gv.at.

Pflegefamilie

Neben der Adoption gibt es auch die Möglichkeit, ein Kind für bestimmte oder unbestimmte Zeit zu einer Pflegefamilie zu geben. Im Unterschied zur Adoption behalten die leiblichen Eltern ihre Rechte weitgehend und treten nur die Pflege und Erziehung des Kindes an das Jugendamt ab, das dann die Pflegeeltern damit beauftragt (Kurzzeitpflege ein bis zwei Jahre). Die leibliche Mutter bzw. die leiblichen Eltern können während der Pflegezeit immer mit ihrem Kind in Kontakt bleiben. Es gibt sogenannte Besuchszeiten, die mit den Pflegeeltern vereinbart werden können (Pflegevereinbarung).

Mehr Informationen zum Thema Pflegeeltern finden Sie unter www.help.gv.at.

Anlauf- und Beratungsstellen

Die Zeit der Schwangerschaft, der Geburt und der ersten Lebensjahre des Kindes stellt an junge Mütter bzw. junge Eltern hohe Anforderungen und ist eine Zeit großer Veränderungen. Sie fühlen sich häufig hin und her gerissen zwischen den eigenen jugendlichen Wünschen und Bedürfnissen und der Verantwortung, die das Leben mit einem Kind mit sich bringt.

Hilfe und Unterstützung bei der Entscheidungsfindung bieten neben vertrauten Personen auch Beraterinnen und Berater in folgenden Einrichtungen:  

"YoungMum" – Begleitung für schwangere Teenager

YoungMum“ ist eine kostenlose Anlaufstelle für schwangere Mädchen im Alter von 14 bis 20 Jahren und ihre Partner, die sich dazu entschlossen haben, ihr Kind trotz aller Schwierigkeiten auf die Welt zu bringen. Die Mädchen werden während der Schwangerschaft, der Geburt und darüber hinaus im ersten Lebensjahr des Neugeborenen von einem Team – bestehend aus Hebammen, Gynäkologinnen und Gynäkologen, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Psychologinnen und Psychologen – betreut.

Die Betreuung nach der Geburt umfasst vor allem Stillberatung, die Organisation des Babyalltages unter Einbindung des Partners oder der Eltern sowie die Organisation materieller Hilfsmitteln (Babynahrung, Windeln, Babybekleidung und Pflegeartikel etc.).

Mehr Informationen für junge Mütter finden Sie unter  www.young-mum.at oder www.khgh.at.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Beratungen sind kostenlos und erfolgen immer streng vertraulich.

Die rechtliche Situation minderjähriger Mütter

Wenn die Mutter minderjährig ist, hat sie zunächst keinen Anspruch auf das Sorgerecht. Bis zu ihrem 18. Geburtstag wird vom Jugendamt ein Vormund für das Kind bestellt. Das können zum Beispiel der Vater des Kindes oder auch die Eltern der jungen Mutter sein. Der Vater muss für Kind und Mutter Unterhalt bezahlen. Ist er dazu finanziell nicht in der Lage, kann beim zuständigen Bezirksgericht ein Antrag auf Unterhaltsvorschuss gestellt werden.

Nähere Informationen zum Thema Kindesunterhalt finden Sie unter: www.help.gv.at

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