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Zähneknirschen © djma

Zähneknirschen (Bruxismus)

Etwa jeder fünfte Mensch knirscht mit den Zähnen – häufig unbewusst nachts im Schlaf, aber auch bewusst wahrnehmbar tagsüber. Zähneknirschen (Bruxismus) ist oft nicht nur akustisch unangenehm, sondern kann auch die Zähne massiv schädigen. Die Ursachen können vielfältig sein, die Behandlung gestaltet sich meist nicht gerade einfach . . .

Was ist Bruxismus?

Bruxismus ist eine sich wiederholende Kaumuskelaktivität, die durch Knirschen oder Pressen auf den Zähnen und/oder durch Anspannung bzw. Pressen der Kiefer (bei Betroffenen mit Zahnersatz) aufeinander gekennzeichnet ist. Er kann während des Schlafes (Schlafbruxismus) oder im Wachzustand (Wachbruxismus) auftreten. Die Häufigkeit wird insgesamt mit ungefähr 20 Prozent in der Bevölkerung angegeben, wobei Schlafbruxismus mit zunehmendem Alter seltener zu werden scheint. So sind etwa 14 bis 18 Prozent der Kinder, fünf bis sechs Prozent der Erwachsenen, aber nur noch drei Prozent der über 60-Jährigen betroffen.

Schlafbruxismus wird von der Amerikanischen Akademie für Schlafmedizin als schlafassoziierte Bewegungsstörung angesehen und tritt üblicherweise mit Schlaf-Wach-Reaktionen auf. Darüber hinaus wird vermutet, dass Schlafbruxismus auch eine normale Komponente zur Sicherung geöffneter Atemwege darstellt.

Ursachen

Schlafbruxismus: Aktuelle Studien weisen auf ein vom Hirnstamm initiiertes, autonomes Geschehen hin, das auch als rhythmische Kaumuskelaktivität bezeichnet wird. Diese findet vor allem am Übergang zu unterschiedlichen Schlafstadien statt und ist dabei insbesondere mit sogenannten Weckreaktionen während des Schlafes verbunden. So wurden für schlafbedingte Atmungsstörungen, wie die obstruktive Schlafapnoe (OSA) und Schnarchen signifikante Zusammenhänge mit Schlafbruxismus beschrieben. Rauchen, Koffein, übermäßiger Alkoholkonsum, Angststörungen und bestimmte Medikamente sind weitere Risikofaktoren. Etwa 20 bis 30 Prozent der Patientinnen/Patienten mit Schlafbruxismus berichten über hauptsächlich beim Erwachen auftretende Schmerzen im Mund- oder Gesichtsbereich. Je nach Ursache werden drei Formen von Schlafbruxismus unterschieden:

  • Primärer Schlafbruxismus: bei Fehlen einer klaren Ursache,
  • Sekundärer Schlafbruxismus: in Zusammenhang mit einer Reihe von Erkrankungen,
  • Iatrogener Schlafbruxismus: durch Medikamente verursacht.

Bruxismus – insbesondere Wachbruxismus – ist häufig psychischer Natur und wird v.a. mit sozialem Stress wie z.B. familiären oder beruflichen Belastungen in Zusammenhang gebracht. Bei manchen Kindern kommt im Milchzahngebiss ein physiologischer Bruxismus vor, der nicht notwendigerweise behandelt werden muss.

Mögliche Folgen

Als Folge von stark ausgeprägtem Bruxismus können Defekte an der Zahnhartsubstanz (Zahnschmelz und Zahnbein) – im Extremfall bis zur Eröffnung des Zahnmarkes (Pulpa) oder der weitgehenden Zerstörung der Zahnkrone auftreten (nähere Informationen über den Aufbau des Zahnes finden Sie unter Vom Milchzahn bis zum Weisheitszahn). Auch an Zahnfüllungen, Zahnersatz oder Implantaten kann es zu Schäden kommen.
Die Rolle von Bruxismus als Risikofaktor für die Entstehung schmerzhafter Fehlregulationen des Kauapparates (craniomandibuläre Dysfunktionen) wird kontrovers diskutiert.

Diagnose

Bei einfachem Bruxismus mit abgeschliffenen Zähnen und eventuellem Auftreten morgendlicher Schmerzen erfolgt die Diagnose anhand eines Gesprächs mit der Zahnärztin/dem Zahnarzt und einer Zahnuntersuchung. Bei dauerhaften Kiefergelenksproblemen ist eine genaue Analyse des gesamten Kauapparates – vor allem seiner Bewegungen – sinnvoll. Zur Erfassung der Bewegungsmuster wird eine sogenannte Axiographie durchgeführt. Dabei werden durch elektronische Sensoren im Bereich der Kiefergelenke und mit dem Unterkiefer verbundene „Schreibstifte“ die Bewegungen der Kiefergelenke beim Kauen, beim Öffnen, Schließen und bei Seitwärtsbewegungen registriert. Entsprechende Geräte finden sich selten bei Zahnärztinnen/Zahnärzten, sondern eher in Krankenhäusern mit zahnmedizinischer oder kieferchirurgischer Abteilung bzw. Universitätszahnkliniken.

Hinweis Der Diagnosefindung dienen Fragebögen, die körperliche Untersuchung, elektromyelografische Methoden und die Polysomnografie (PSG).

Therapie

Eine Therapie ist erforderlich, wenn der Bruxismus chronische Schmerzen und muskuläre Verspannungen im Bereich der Kiefergelenke verursacht oder wenn die Mahlbewegungen der Zähne im Schlaf das Gebiss der Betroffenen nachhaltig schädigen bzw. Kopfschmerzen verursachen. Prinzipiell sollte möglichst versucht werden, die Ursache zu beseitigen. Allerdings gelingt dies nur in wenigen Fällen. Daher werden meistens nur die Beschwerden behandelt. Folgende Methoden kommen zur Anwendung:

  • Knirscherschienen: werden von der Zahntechnikerin/vom Zahntechniker angepasst. Sie werden abends über die Zähne (meist) des Unterkiefers stülpt und verhindern durch Vertiefungen für die gegenüberliegenden Zähne das Knirschen. Damit kann mitunter ein sehr guter Effekt erzielt werden, die Wirkung hält jedoch nur während der Anwendungszeit an und lässt danach meistens relativ rasch wieder nach.
  • Biofeedbackverfahren: zeigen teilweise ähnliche Wirkungen wie Schienen.
  • Verhaltenstherapie und psychologische Beratungen: erzielen ebenfalls eine Reduktion der nächtlichen Bruxismusaktivität, allerdings ist ihr Wert als Langzeittherapie umstritten.
  • Medikamentöse Behandlung: Muskelrelaxantien zeigen mitunter positive Effekte, werden jedoch aufgrund möglicher Nebenwirkungen meist nur kurzzeitig empfohlen. Akute Gelenkschmerzen werden mittels Antirheumatika gelindert.
  • Korrektur von Schäden an Zähnen oder Kiefer: richtet sich u.a. nach dem Schweregrad der Veränderungen, dem Alter und den Bedürfnissen der Patientin/des Patienten.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Bruxismus oder bestehendem Verdacht sollten Sie sich an die Zahnärztin/den Zahnarzt wenden. Diese/dieser wird Sie bei Bedarf an weiterführenden Untersuchungen an entsprechende Krankenhausabteilungen bzw. Ambulatorien überweisen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für Diagnose und Therapie von Brusixmus werden nur zum Teil von den Krankenversicherungsträgern übernommen. So sind eine Axiographie sowie eine „Knirscherschiene“ gewöhnlich selbst zu bezahlen. Für kieferorthopädische Behandlungen leisten die Krankenversicherungsträger unter gewissen Umständen einen Zuschuss.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Gesunder Schlaf.

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