Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Mann in Jean und Hemd hält sich Hände vor die Körpermitte © dy13

Hodenverletzungen

Hodenverletzungen gehen mit starken Schmerzen einher. Sie betreffen Männer meist zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr. Sehr häufig entstehen Hodenverletzungen beim Sport oder durch Fußtritte. Je nach Auslöser und Schwere der einwirkenden Gewalt sind mehrere Verletzungsarten möglich, die unterschiedliche Behandlungen erfordern. Schädigungen des samen- bzw. testosteronbildenden Gewebes des Hodens können zu Unfruchtbarkeit (Infertilität) führen. Daher müssen Hodenverletzungen besonders sorgfältig untersucht und behandelt werden.

Kühlung und Ruhiglagerung der Hoden führen zu einer Schmerzlinderung. Bei manchen leichten Verletzungen kann die Fachärztin/der Facharzt für Urologie unter regelmäßiger Kontrolle abwarten, ob eine Therapie notwendig ist. 

Welche Ursachen haben Hodenverletzungen?

Neben Fußtritten sind Unfälle beim Ballspielen, mit Motor- oder Fahrrädern häufige Ursachen. Darüber hinaus kann es auch zu Biss-, Stich- und Schnittverletzungen sowie Verbrennungen und Verbrühungen kommen. Auch im Rahmen von Unfällen mit schweren Verletzungen vieler Körperregionen (Polytrauma) kommen Hodenverletzungen vor. Seltener werden Hodenverletzungen durch rotierende Maschinen oder Schusswaffen verursacht. Offene Verletzungen (Riss- oder Schnittverletzungen) entstehen bei starken Gewalteinwirkungen oder Verletzungen mit scharfen Gegenständen (z.B. im Rahmen eines Verkehrsunfalls). Eine Verletzung des Hodens beim Fall auf spitze Gegenstände (z.B. einen Gartenzaun) wird Pfählungsverletzung genannt. Hodenverletzungen können bei sexuellen Handlungen, auch im Rahmen von sexueller Gewalt oder durch Selbstverstümmelung entstehen.   

Verletzungsarten

  • Blutgerinnsel (Hämatome): Sie entstehen bei stumpfen – also nicht durch scharfe oder spitze Gegenstände verursachten – Verletzungen unter der Haut des Hodensackes oder im Hoden selbst;
  • Skrotalhautablederung (Décollement): Ablösung der Haut des Hodensacks;
  • Verbrennungen und Verbrühungen;
  • Hodendislokation: Verlagerung des Hodens aus dem Hodensack in
    • die oberflächliche Leistengegend,
    • den Bauchraum,
    • den Dammbereich zwischen Penis und Darmausgang,
    • den Leistenkanal,
    • den Penis,
    • den Oberschenkelbereich oder
    • den Bereich hinter bzw. über dem Schambein;
  • Hodenruptur: Einreißen der Hodenkapsel (Tunica albuginea), die samen- und testosteronproduzierendes Gewebe des Hodens ummantelt;
  • Hodenzertrümmerung: Sie kommt bei schweren Gewalteinwirkungen vor;
  • Hodentorsion: Verdrehung des Hodens um die Blutgefäße, die ihn versorgen;
  • Ein- bzw. Abreißen des Hodensackes, des Samenleiters bzw. der Hodenkapsel (eventuell mit Verlust von samen- bzw. testosteronbildendem Gewebe);            
  • Schnitt- und Schussverletzungen: Sie verursachen neben der Zerstörung von Hodengewebe oft schwere Blutungen;
  • Bissverletzungen: Hier ist das Infektionsrisiko höher als bei anderen Verletzungsarten.

Einteilungen der Hoden- und Hodensackverletzungen  

In Befunden ist häufig die Einteilung der American Association for the Surgery of Trauma (AAST) zu finden:

Grad Hoden Hodensack
I   (1)

Prellung oder Blutgerinnsel (Kontusion oder Hämatom) 

Prellung oder Blutgerinnsel (Kontusion oder Hämatom) 

II  (2)

Eröffnung der Hodenkapsel ohne Schädigung des samen- und testosteronbildenden Gewebes

(subklinische Lazeration der Tunica albuginea)  

offene Wunde von weniger als einem Viertel des Durchmessers des Hodensackes (Lazeration <25% des Skrotaldurchmessers)  

III (3)

Eröffnung der Hodenkapsel – Verlust von weniger als der Hälfte des Hodengewebes

(Lazeration der Tunica albuginea mit <50% Parenchymverlust)  

offene Wunde von über einem Viertel des Durchmessers des Hodensackes (Lazeration >25% des Skrotaldurchmessers)  

IV (4)

ausgeprägtes Einreißen der Hodenkapsel – Verlust von mehr als der Hälfte des Hodengewebes (ausgeprägte Lazerationen der Tunica albuginea mit >50% Parenchymverlust) 

Ausriss – weniger als die Hälfte des Hodensackes (Avulsion <50%)  

V (5)

komplette Zerstörung des Hodens oder Ausriss (komplette testikuläre Destruktion oder Avulsion)  

Ausriss – über die Hälfte des Hodensackes (Avulsion >50%)  


Durch die Zerstörung des testosteronbildenden Gewebes kann ein Testosteronmangel auftreten. Ausgeprägte Verletzungen bzw. die Entfernung beider Hoden oder die Durchtrennung der Samenleiter können zu Unfruchtbarkeit (Infertilität) führen. Unfruchtbarkeit bzw. Testosteronmangel stellen ebenso wie die Gewalterfahrung, vor allem im Rahmen sexueller Gewalt, ein erhöhtes Risiko für die Entstehung psychischer Störungen dar. Dazu zählen etwa die Depression oder die posttraumatische Belastungsreaktion.

Welche Symptome können auftreten?

Hodenverletzungen führen meist zu starken Schmerzen, die in die Leiste und/oder in den Bauchraum ziehen. Sie werden oft von Übelkeit und Erbrechen, manchmal auch von Ohnmacht begleitet. Je nach Verletzungsart können eine Schwellung, eine Rötung und/oder eine Blutung auftreten.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Anfangs fragt die Ärztin/der Arzt den Betroffenen – wenn möglich – genau, wann, wo und wie die Verletzung entstanden ist, ob Medikamente eingenommen werden und ob Begleiterkrankungen vorliegen (Anamnese). Sie/er führt eine körperliche Untersuchung durch, bei der sie/er die Verletzung begutachtet und die Hoden abtastet. Danach folgt eine Ultraschalluntersuchung und bei Bedarf eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT).

Wie erfolgt die Behandlung einer Hodenverletzung?

Zusätzlich zu schmerzlindernder Kühlung und Ruhigstellung des verletzten Hodens können bei stärkeren Schmerzen Schmerzmittel eingesetzt werden.

Offene Verletzungen behandelt die Ärztin/der Arzt immer chirurgisch. Zusätzlich überprüft sie/er, ob ein ausreichender Impfschutz gegen  Tetanus besteht, und verabreicht – wenn nötig – eine Tetanusschutzimpfung (aktive Immunisierung) und Tetanus-Antikörper (passive Immunisierung). Zusätzlich leitet sie/er vorsorgliche eine Behandlung mit Antibiotika ein. Bei schweren, offenen Verletzungen kann die Ärztin/der Arzt die Hoden zur Verbesserung des Heilungsverlaufs unter die Haut des Oberschenkels verlagern. Nach einiger Zeit bringt sie/er die Hoden bei einer zweiten Operation wieder in ihre normale Position und überdeckt sie mit Haut oder Muskelgewebe. Auch bei einer Verletzung der Hodenkapsel und bei einer Schädigung des samen- und hormonbildenden Gewebes wird zum Schutz des gesunden Gewebes operiert.    

Bei Operationen achtet die Ärztin/der Arzt immer darauf, dass – wenn möglich – ein Teil des samen- und testosteronbildenden Hodengewebes erhalten bleibt (Teilresektion). Wenn die Verletzung so schwer ist, dass beide Hoden entfernt werden müssen, leitet die Ärztin/der Arzt eine lebenslange Testosteronbehandlung ein. 

Psychische Folgen, wie z.B. Depression oder posttraumatische Belastungsreaktion, können mittels Psychotherapie und/oder medikamentös behandelt werden.

Behandlungen spezieller Verletzungen:

  • Blutgerinnsel (Hämatome): Bei kleinen Blutgerinnseln wartet die Ärztin/der Arzt ab und kontrolliert regelmäßig, ob es zu einer guten Rückbildung kommt. Größere Blutgerinnsel müssen chirurgisch entfernt werden.
  • Skrotalhautablederung (Décollement): Hier versorgt die Ärztin/der Arzt durch Überdeckung des Hodens mit Muskelgewebe des Betroffenen. Dieses entnimmt die Ärztin/der Arzt meist aus der Beinregion.                
  • Hodenverlagerung: Diese Verletzung macht es nötig, den Hoden freizulegen und ebenfalls wieder in der natürlichen Position zu fixieren.
  • Verbrennungen und Verbrühungen: Diese behandelt die Ärztin/der Arzt je nach Schweregrad. In oberflächlichen leichten Fällen reichen oft Kühlung, Desinfektion und die Behandlung mit einer antibiotischen Salbe aus. In schwereren Fällen muss sie/er –  je nachdem wie viel Gewebe zerstört wurde – die Haut des Hodensacks, abgestorbenes Gewebe des Hodens oder den gesamten Hoden entfernen (Orchidektomie). Weitere Informationen unter Verbrennungen und Verbrühungen..
  • Hodentorsion: Die Ärztin/der Arzt versucht nur in Ausnahmefällen (z.B. wenn eine Operation nicht schnell genug erfolgen kann), den Hoden mit den Händen wieder in die richtige Position zu drehen. Schon beim Verdacht auf eine Hodentorsion wird sofort operiert, da eine Unterbrechung der Blutversorgung des Hodens schnell zu einer Schädigung des testosteron- und samenbildenden Gewebes führen kann. Dabei öffnet die Ärztin/der Arzt den Hodensack, um die Verdrehung rückgängig zu machen. Danach vernäht sie/er den Hoden mit der Hodenkapsel (Orchidopexie), um so eine erneute Hodentorsion zu verhindern.
  • Durchtrennung des Samenleiters: Hier kann die Ärztin/der Arzt versuchen, die Enden wieder zusammenzunähen (Vasovasostomie). Wenn der Betroffene durch eine schwere Verletzung stark geschwächt ist, muss dieser Eingriff nicht sofort durchgeführt werden. Er kann auch später nach Verbesserung des Allgemeinzustandes erfolgen.                                   

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Verletzungen des Hodens ist eine Fachärztin/ein Facharzt für Urologie die richtige Ansprechpartnerin/der richtige Ansprechpartner. Schwere Verletzungen werden im Krankenhaus an einer Abteilung für Urologie behandelt. Bei einer Skrotalhautablederung oder Verbrühung/Verbrennung kann eine Fachärztin/ein Facharzt für Hauterkrankungen (Dermatologie) miteinbezogen werden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Unfall- bzw. Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt (Behandlungsbeitrag) für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine Bewilligung des leistungszuständigen Krankenversicherungsträgers (medizinischer Dienst – „Chefarzt“) erforderlich sein, ebenso wie bei bestimmten medikamentösen oder nicht medikamentösen Behandlungen (z.B. eine psychotherapeutische Behandlung), in manchen Fällen erst beim Erreichen eines bestimmten Ausmaßes. Bei bestimmten Leistungen (z.B. stationäre Aufenthalte, Hilfsmittel und Heilbehelfe) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Die meisten Krankenversicherungsträger sehen – teilweise abhängig von der Art des Heilbehelfs – eine Bewilligung vor. Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse