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Paar im Bett © Jacob Lund

Sexsucht

Unendlich viel Sex. Das klingt vielleicht im ersten Moment für viele Menschen ansprechend. Doch hinter einem Übermaß an sexuellen Aktivitäten kann sich Sexsucht (sexuelle Sucht) verbergen. Diese ist durch fehlende Kontrolle über das eigene Sexualverhalten gekennzeichnet. Negative, teils schwerwiegende Folgen werden dabei nicht beachtet. Das Gefühl der Lust steht mit zunehmender Sucht immer weniger bis gar nicht im Mittelpunkt. Es herrscht eine Getriebenheit vor, der Schuld- und Schamgefühle folgen. Sexual- bzw. Psychotherapie helfen, das Problem in den Griff zu bekommen . . . 

Männer und Frauen betroffen

Männer suchen häufiger Hilfe, weil exzessiver Pornokonsum zu Beziehungsproblemen oder finanziellen Schwierigkeiten führen kann. Frauen wenden sich eher bei unkontrollierter Promiskuität an professionelle Helferinnen/Helfer. Früher wurde Sexsucht bei Männern als Don Juanismus, bei Frauen als Nymphomanie bezeichnet. Für Frauen ist es oft schwerer, Hilfe zu suchen. Bei Männern werden ein hyperaktives Sexleben und Promiskuität gesellschaftlich eher toleriert. Allerdings ist die innere Hemmschwelle bei Männern höher, Unterstützung zu suchen.

Keine Kontrolle über sexuelles Verlangen

Menschen mit Sexsucht haben nicht einfach nur viel Sex. Sie haben die Kontrolle über ihr sexuelles Verhalten verloren. Zu den weiteren Kennzeichen zählen:

  • sehr häufig wechselnde sexuelle Kontakte (Promiskuität),
  • exzessives Masturbieren (Selbstbefriedigung),
  • exzessives Konsumieren von Pornografie, Cyber- oder Telefonsex,
  • vermehrtes Aufsuchen von Prostituierten,
  • kein Beziehungsaufbau beim Sex sowie
  • zwanghaftes Ausleben von Sexualfantasien.

Auch sogenannte paraphile sexuelle Störungen/Paraphilien (z.B.: Fetischismus, sexueller Sadismus bzw. Masochismus) können suchtartig verlaufen.

Folgenschweres Verhalten im Verborgenen

Die Betroffenen verlieren zunehmend die Kontrolle über ihr sexuelles Verhalten und den daraus entstehenden, sich vermehrenden negativen Folgen. Das unkontrollierte sexuelle Verhalten wird meist verheimlicht. Es kann mit dem Herbeiführen von Situationen mit potenzieller Selbst- bzw. Fremdgefährdung sowie mit finanziellen, beruflichen und sozialen Problemen (z.B. in der Partnerschaft) einhergehen. Zudem kann das Sexualverhalten ungeschützt zu sexuell übertragbaren Krankheiten führen.

Menschen mit Sexsucht empfinden durch ihre sexuelle Aktivität immer weniger Befriedigung und fühlen sich aufgrund der erlebten Unkontrollierbarkeit oft hilflos bzw. minderwertig. Der Leidensdruck nimmt zu. Die Sucht nimmt mehr und mehr Raum und Zeit in ihrem Leben ein – bis sie möglicherweise auch an erster Stelle steht. Auch kriminelles Verhalten (etwa im Sinne eines Sexualdelikts) kann eine folgenschwere Entwicklung einer sexuellen Sucht sein.

Wie kommt es zur Sexsucht?

Wie Sexsucht entsteht, ist nicht genau geklärt. Folgende Faktoren können allerdings eine Rolle spielen:

  • Störungen des Gehirnstoffwechsels (vor allem der Hormone Dopamin und Serotonin),

  • sexuelle Missbrauchserfahrungen oder andere traumatische Erlebnisse,

  • Beziehungs- und Bindungsproblematiken,

  • Internetpornografie und Cybersex als mögliche Mitauslöser (hohes Suchtpotenzial) sowie

  • Belastung durch Lebenskrisen.

Sexualität wird als kurzfristige Entlastung von negativen Gefühlen und Gedanken, Minderwertigkeitsgefühlen und Einsamkeit wahrgenommen. Nach und nach wird das sexuelle Verhalten zu der am häufigsten angewandten Belohnungsstrategie. Das Verhalten wird mit der Zeit immer weiter gesteigert und über alle anderen Verhaltensweisen gestellt. Andere Möglichkeiten zur Stressverarbeitung verlieren ihren Belohnungscharakter zugunsten der sexuellen Aktivität.

Diagnose der Sexsucht

Im Mittelpunkt der Diagnosestellung steht die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Hauptaugenmerk wird auf die Themen Sexualität sowie sexuelle Entwicklung und Beziehungen gelegt. Es gibt einige spezielle psychologische Tests zur Selbsteinschätzung (z.B. Sexual Addiction Screening Test/SAST oder Hypersexual Behaviour Inventory/HBI). Die Testergebnisse müssen allerdings in der Regel von einer Fachperson auf ihre klinische Relevanz eingeschätzt werden. Ein einzelner psychologischer Test ergibt allerdings noch keine Diagnose. Im Internet kursierende Tests sollten auf ihre Seriosität hinterfragt werden, können aber als Anhaltspunkt dienen, eventuell professionelle Hilfe aufzusuchen.

Im Diagnosemanual ICD-10 werden je nach Erscheinungsbild und Ausprägungsgrad unterschiedliche Diagnosen bei Sexsucht vergeben, unter anderem:

  • gesteigertes sexuelles Verlangen

  • Zwangsstörung

  • nicht näher bezeichnete sexuelle Funktionsstörung

  • nicht näher bezeichnete abnorme Gewohnheit und Störung der Impulskontrolle.

Paraphilien werden im ICD-10 gesondert ausgewiesen. Für eine Diagnose müssen die Beschwerden mindestens sechs Monate andauern und zu deutlichen Schwierigkeiten und Leidensdruck im Alltag führen. Zudem müssen körperliche sowie andere psychiatrische (z.B. Manie, emotional instabile Persönlichkeitsstörung/Borderline-Typus) oder neurologische Ursachen (z.B. Hirnschädigungen) mitbedacht werden. Das Risiko für eine weitere psychische Störung (z.B. Angststörung, Depression, Essstörung) oder andere Sucht sowie für pathologisches Glücksspiel ist bei Betroffenen erhöht.

Hilfsmöglichkeiten bei sexueller Sucht

Zu den Behandlungsmöglichkeiten bei Sexsucht zählen:

In einer Psycho- bzw. Sexualtherapie werden unter anderem alternative Verhaltensweisen erlernt. In der Regel wird durch die Sexsucht versucht, ein nicht­ sexuelles Lebensthema zu lösen. Es geht daher auch darum, dieses jeweilige Thema zu bearbeiten.

Zudem kann sich der Besuch von Selbsthilfegruppen (z.B. der Anonymen Sexsüchtigen) als hilfreich erweisen. Führen die sexuellen unkontrollierten Handlungen zu Sexualdelikten, werden auch Präparate angewandt, die den Sexualtrieb hemmen.

Was kann man selbst tun?

Sich das Problem einzugestehen ist der erste und wichtigste Schritt. Dieser ist allerdings meist sehr schwer. Verzerrte Selbstwahrnehmungen und Rechtfertigungen erschweren das Eingestehen der Problematik. Auch Scham- und Schuldgefühle machen es nicht leichter. Versuchen Sie dennoch, rasch Hilfe zu suchen. Professionelle Helferinnen/Helfer machen keine Vorwürfe und urteilen nicht. Sie haben Routine in dieser heiklen Thematik.

Was können Partnerinnen/Partner tun?

Partnerinnen/Partner sollten auf mögliche Anzeichen einer Co-Abhängigkeit achten. Zu diesen zählen:

  • Versuche, die Kontrolle über die Sexualität der Partnerin/des Partners zu bewahren,

  • Sex ohne Lust,

  • Sex zur Belohnung,

  • Sex trotz Schmerzen sowie

  • Sexsucht des anderen verleugnen.

Nähere Informationen und Hilfsmöglichkeiten finden Sie unter Co-Abhängigkeit. In jedem Fall sollten Sie sich nicht scheuen, selbst Unterstützung anzunehmen, wenn Sie unter dem Verhalten Ihrer Partnerin/Ihres Partners leiden.  

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie den Verdacht haben, an Sexsucht zu leiden, können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Psychiaterin/Psychiater

  • Sexualmedizinerin/Sexualmediziner

  • klinische Psychologin/klinischer Psychologe

  • Psychotherapeutin/Psychotherapeut

Unter Gesundheitssuche finden Sie hilfreiche Informationen zur Arzt- bzw. Therapeutensuche.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Informationen finden Sie unter Abhängigkeit: Leistungen und Kosten.

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