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Frau mit Tabletten in der Hand © Tijana

Schilddrüsenerkrankungen: Therapie & Nachsorge

Fehlen Schilddrüsenhormone im Körper – wie etwa im Falle einer Unterfunktion, können diese durch eine Hormonersatztherapie von außen zugeführt werden. Liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten wie etwa Medikamente, die hemmend auf die Schilddrüse wirken, oder die Radiojodtherapie. Schilddrüsenkrebs erfordert je nach Krebsart primär eine Operation. Aber auch eine Radiojod- oder Chemotherapie kann notwendig sein. Bei Entzündungen der Schilddrüse kommen entzündungshemmende Medikamente und Antibiotika zum Einsatz. 

Operationen können bei verschiedenen Schilddrüsenerkrankungen notwendig sein. Nähere Informationen dazu finden Sie unter Operation der Schilddrüse.

Therapie der Schilddrüsenunterfunktion

Die Schilddrüsenhormone sind lebensnotwendig. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose), z.B. als Folge einer langjährigen Autoimmunthyreoiditis Hashimoto oder nach Schilddrüsenoperation, müssen die fehlenden Hormone von außen zugeführt werden.

Schilddrüsenhormone können voll synthetisch hergestellt werden. Durch die tägliche Einnahme einer Tablette kann die fehlende körpereigene Produktion ersetzt werden. Zu Beginn der Hormonbehandlung wird eine niedrige Anfangsdosis verabreicht, die langsam gesteigert wird, bis die Hormonspiegel im Blut eine normale Konzentration aufweisen.

Hinweis Die Einnahme sollte morgens nüchtern, etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück erfolgen, da bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme beziehungsweise Einnahme mancher Medikamente die Aufnahme der Hormone aus dem Darm vermindert sein kann.

Nebenwirkungen sind keine bekannt, bei Über- oder Unterdosierung des Medikaments können jedoch Symptome einer Über- bzw. Unterfunktion auftreten. Nähere Informationen finden Sie im jeweiligen Beipacktext. Schilddrüsenmedikamente werden von der behandelnden Ärztin/vom behandelnden Arzt verschrieben.  

Therapie der Schilddrüsenüberfunktion

Die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann mittels Medikamenten, Radiojodtherapie oder Operationen behandelt werden.

Medikamentöse Therapie

Bestimmte Medikamente (Thyreostatika) wirken hemmend auf die Schilddrüsenfunktion und werden bei einer Überfunktion therapeutisch eingesetzt. Bei der Basedow’schen Krankheit wird zunächst eine medikamentöse Therapie mit einem Thyreostatikum für zwölf bis 18 Monate durchgeführt. Die Anfangsdosis ist zu Therapiebeginn höher und wird im Laufe der Behandlung schrittweise reduziert. Diese thyreostatische Kur führt in etwa bei 50 Prozent der Fälle zu einer dauerhaften Heilung. Bei den übrigen Fällen kann die Erkrankung wieder auftreten (Rezidiv), und es bedarf einer dauerhaften Sanierung durch eine Operation oder eine Radiojodtherapie (siehe unten).

Auch bei der Autonomie kann zunächst die Schilddrüsenfunktion medikamentös gebremst werden, zu einer dauerhaften Heilung kommt es dadurch jedoch nicht. Es überbrückt lediglich die Zeit bis zur Operation bzw. Radiojodtherapie.

Bei der Behandlung mit einem Thyreostatikum können unter anderen folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Störungen des Blutbildes,
  • Medikament-induzierte Allergie (Hautausschläge etc.),
  • Leberschädigung.

Hinweis Regelmäßige ärztliche Kontrollen während der Therapie sind dringend notwendig!

Radiojodtherapie

Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, das nicht im Körper produziert werden kann, sondern über die Nahrung aufgenommen werden muss. Da die Schilddrüse ein guter Jodspeicher ist und spezifisch Jod aufnimmt, kann man sich diesen Vorteil bei der Therapie mit radioaktivem Jod zunutze machen. Bei einer Radiojodtherapie wird eine Kapsel, die radioaktives Jod-131 enthält, eingenommen. Das radioaktive Jod wird schließlich im Darm aufgenommen und gelangt über den Blutweg zur Schilddrüse. Dort gespeichert, bestrahlt es schließlich die Schilddrüse „von innen“. Dadurch wird Schilddrüsengewebe zerstört und die Überfunktion gebremst. Dabei kann es auch zu einer Verkleinerung der Schilddrüse kommen. Die Wirkung der Radiojodtherapie ist erst nach drei bis sechs Monaten vollständig.

Hinweis Bei schwangeren Frauen ist eine Behandlung mit radioaktiven Substanzen absolut zu vermeiden!

Die Radiojodtherapie ist im Allgemeinen gut verträglich, da es sich allerdings um eine Therapie mit einem radioaktiven Mittel handelt, müssen folgende Strahlenschutzvorkehrungen eingehalten werden:
  • Da die Strahlung auch noch im Nahbereich des Körpers wirksam ist und Gesunde vor einer Strahlenwirkung zu schützen sind, soll nach der Therapie eine Woche lang zu anderen ein Mindestabstand von einem Meter eingehalten werden. Zu Kindern, Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr und Schwangeren soll dieser Abstand jedoch mindestens drei Meter betragen.
  • Hieraus ergibt sich auch, dass in dieser Zeit Menschenansammlungen wie öffentliche Veranstaltungen, Gasthaus- bzw. Kinobesuche und Ähnliches zu meiden sind, ebenso wie Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Da die Ausscheidung der radioaktiven Substanz teilweise über den Harn erfolgt, sollte für die Dauer einer Woche zu Hause ein eigenes WC benützt werden. Dabei ist auf besondere Sauberkeit der Toilette zu achten, um Verunreinigungen durch radioaktiven Harn zu vermeiden.
  • Weiters soll die in der ersten Woche nach der Behandlung verwendete Bett- und Unterwäsche getrennt von der Wäsche anderer Personen gewaschen werden.
  • Bei der Behandlung erhalten die Patientinnen/Patienten nach den gesetzlichen Vorschriften des Strahlenschutzes in Österreich einen Therapieausweis, den sie bis zu dem darauf vermerkten Zeitpunkt stets mit sich führen müssen.

Therapie von Entzündungen der Schilddrüse

Eine akute eitrige Entzündung der Schilddrüse wird mit Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Wenn ein Abszess durch Ultraschall oder Computer-Tomographie (CT) lokalisiert wird, können operative Maßnahmen notwendig sein, um den Abszess zu beseitigen.

Bei der subakuten Entzündung der Schilddrüse reicht in den meisten Fällen die Einnahme von Entzündungshemmern aus, um die Symptome zu kontrollieren. Nur bei schweren Verlaufsformen ist neben einer entzündungshemmenden Therapie eine Cortisontherapie für längere Zeit erforderlich. Diese Entzündungen heilen in der Regel vollständig aus, können aber eine Unterfunktion der Schilddrüse nach sich ziehen.

Therapie bei Schilddrüsenkrebs

Je nach Krebsart erfolgt primär die vollständige operative Entfernung der Schilddrüse samt Halslymphknoten. Um Restschilddrüsengewebe und eventuell Tumorreste bzw. Metastasen zu zerstören, erfolgt je nach Tumorstadium in Anschluss an die Operation eine Radiojodtherapie mit Jod-131. Bei besonders aggressiven Krebsarten kann auch eine Chemotherapie erforderlich sein.Nach der Operation und Radiojodtherapie ist eine Schilddrüsenhormonersatztherapie unbedingt erforderlich. Nähere Informationen finden Sie unter Schilddrüsenkrebs.

Nachsorge von Schilddrüsenerkrankungen

Schilddrüsenerkrankungen sind meist mit einer lebenslangen Therapie bzw. Überwachung der Patientin/des Patienten verbunden. Das Ziel ist zum einen, die Stoffwechsellage im Normbereich zu halten, zum anderen, zu verhindern, dass es zu einem erneuten Wachstum (Rezidiv) der gut- oder bösartigen Struma kommt.

Nach Schilddrüsenoperation und Hormonersatztherapie

In zumindest jährlichen Abständen sollten die Schilddrüsenhormonparameter überprüft werden sowie eine Ultraschalluntersuchung der Halsregion erfolgen. Bei speziellen Fragestellungen kann auch eine Szintigraphie erforderlich sein. Nur so kann ein Nachwachsen der Struma (Kropf) oder eine gestörte Stoffwechsellage verhindert werden.

Für die Untersuchung in einer Schilddrüsenambulanz oder -praxis braucht die Patientin/der Patient nicht nüchtern zu sein. Wie bei der Medikamenteneinnahme am Tag der Untersuchung vorzugehen ist, darüber sollte sich die Patientin/der Patient vorher bei der jeweiligen Ärztin/beim jeweiligen Arzt informieren.

Nach Schilddrüsenkrebs

Nach Operation und eventueller Radiojodtherapie einer bösartigen Struma sind engmaschige Nachkontrollen unbedingt erforderlich, um ein Wiederaufflackern bzw. eine Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern. Nähere Informationen finden Sie unter Schilddrüsenkrebs.

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