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Junger Bub beim Arzt © Photographee.eu

Phimose: Diagnose & Therapie

In einem ersten Gespräch mit dem Patienten/den Eltern erhebt die Ärztin/der Arzt die Krankengeschichte gefolgt von einer körperlichen Untersuchung. Dabei wird überprüft, ob sich die Vorhaut ganz oder teilweise über die Eichel zurückschieben lässt und beim Zurückstreifen über die Eichel ein Schnürring zu erkennen ist. Falls bereits eine Entzündung vorliegt, wird ein Abstrich der entzündeten Stelle genommen und mikroskopisch auf Keime untersucht . . .

Unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten

Für die Behandlung der Phimose (Vorhautverengung) stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die Therapieempfehlung richtet sich nach Alter des Patienten sowie nach dem Schweregrad der Phimose. Daher wird zwischen der Behandlung von Kindern und der von Erwachsenen unterschieden.

Da bei Säuglingen und Kleinkindern eine Vorhautverklebung bzw. eine enge Vorhaut ein natürlicher Zustand ist, wird in den meisten Fällen abgewartet – solange keine Probleme wie immer wiederkehrende Harnwegsinfekte, Entzündungen etc. auftreten. Besteht die Phimose über das Kleinkindalter hinaus bzw. treten Beschwerden auf, kann eine Salbentherapie (z.B. mit Kortison) nützlich sein. Dabei sind Erfolgsraten von bis zu 80 Prozent erzielbar.

Hinweis Die Meinungen, wann eine Phimose bei Kindern zu behandeln ist, gehen weit auseinander. Die aktuelle Tendenz zeigt aber deutlich eine abwartende Haltung. Die Empfehlungen sind dahingehend, eine Operation erst zwischen dem achten und zehnten Lebensjahr durchzuführen.

Nicht operative Behandlung

Nicht jede Vorhautverengung muss operativ und sofort behandelt werden. Bei der nicht operativen Behandlung wird versucht, die Enge durch eine Salbenbehandlung mit Kortison- oder Östrogensalbe zu weiten, soweit dies schmerzfrei und ohne Widerstand möglich ist. Diese Maßnahme wird über einen längeren Zeitraum (ca. vier bis acht Wochen) durchgeführt. Danach kann begonnen werden, die Vorhaut vorsichtig zurückzuschieben – unter Vermeidung von Einrissen. Bleibt die Phimose weiter bestehen, wird eine Triple Incision (Methode zur Vorhauterweiterung, bei der meist drei Einschnitte quer durch die Verengung vorgenommen werden) oder eine Vorhautentfernung durchgeführt.

Operative Therapieverfahren

Es stehen unterschiedliche operative Verfahren sowohl für Kinder als auch für Erwachsene zur Verfügung.

Vollständige Beschneidung

Bei der vollständigen Beschneidung (Zirkumzision) wird die Vorhaut (äußeres und inneres Blatt) vollständig oder teilweise in einem operativen Eingriff entfernt, sodass die Eichel (Glans) anschließend frei liegt. Dieser kann sowohl unter lokaler Betäubung als auch in Vollnarkose (vor allem bei Kindern empfohlen) durchgeführt werden.

Die Gründe für eine Beschneidung bei Kindern können u.a. starke Beeinträchtigungen des Harnstrahls (z.B. Ballonierung der Vorhaut während des Wasserlassens) und hierdurch bedingte wiederkehrende Harnwegsinfekte sein. Weiters können beim älteren Kind Schmerzen beim Zurückziehen einer zu engen Vorhaut Gründe für eine Beschneidung sein. Bei Erwachsenen liegen die Ursachen für eine Phimose meist in entzündlichen Veränderungen wie z.B. Vernarbungen nach wiederkehrenden Vorhautentzündungen. Auch Verletzungen durch gewaltsame Retraktionsversuche (Zurückziehen) können eine Vorhautverengung verstärken und eine Operation unumgänglich machen.

Ausführliche Informationen erhalten Sie unter Phimose: Ursachen & Symptome.

Vorhauterhaltende Verfahren

Bei der sparsamen Beschneidung (plastische Zirkumzision) wird der enge Anteil der Vorhaut entfernt. Ein Teil der Vorhaut bleibt zurück und bedeckt die Eichel. Die verbleibende Vorhaut muss sich danach problemlos über die Eichel bewegen lassen.

Hinweis Bei dieser Methode der Beschneidung besteht das Risiko eines erneuten Auftretens einer Vorhautverengung aufgrund der Operationsnarbe (Rezidiv).

Erweiterungsplastik

Die Erweiterungsplastik zählt zu den vorhauterhaltenden Verfahren. Hierbei wird die Vorhautenge durch Erweiterungsplastiken (z.B. Längseinschnitte, die quer vernäht werden) behandelt. Auch hier besteht das Risiko eines sogenannten Rezidivs.

Hinweis Ein Lichen sclerosus (entzündliche Hauterkrankung, die zu einer Vorhautverhärtung führt) oder andere chronische Entzündungen schließen vorhauterhaltende Verfahren wegen des hohen Rückfallrisikos aus.

Wie lange dauert das Heilungsverfahren?

In der Regel ist der Heilungsverlauf bei einer vollständigen Beschneidung nach zwei Wochen abgeschlossen. Mithilfe von desinfizierenden Sitzbädern oder Gliedbädern – ab dem ersten Tag nach dem Eingriff – lässt sich der Heilungsverlauf zusätzlich unterstützen. Drei Tage nach dem Eingriff darf geduscht werden. Ein Vollbad ist erst nach Auflösen der Fäden angezeigt (zwischen sieben und zwölf Tagen). Bei einem guten Heilungsverlauf ist Geschlechtsverkehr in der Regel nach drei Wochen wieder möglich. Treten nach der Operation leichte Schmerzen auf, können Schmerzmittel eingenommen werden. Auch für Kinder stehen schmerzstillende Zäpfchen zur Verfügung.

Hinweis Bei Rötung, zunehmender Schwellung oder Fieber sollte jedoch eine Ärztin/ein Arzt aufgesucht werden.

Risiken & Komplikationen

Beschneidungen sind relativ komplikationsarm. Unmittelbar nach dem Eingriff kann es zu geringen Nachblutungen kommen, da die Vorhaut sehr gut mit Gefäßen versorgt ist. Im seltenen Fall kommt es zu massiven Nachblutungen. Diese müssen chirurgisch behandelt werden, in den meisten Fällen reicht ein kurzfristiger Druckverband. Postoperative Ödeme können mehr oder weniger ausgeprägt nach der Operation auftreten. Diese sind meist von kurzer Dauer und nicht behandlungsbedürftig.

Wundinfektionen sind selten und können mit antibiotischen Salben behandelt werden. Auch die narbige Verengung der Harnröhrenöffnung (Meatusstenose) zählt zu den seltenen Komplikationen nach einer Beschneidung. Sie kann vor allem im Zusammenhang mit einem Lichen sclerosus (entzündliche Hauterkrankung) auftreten. Eine Meatusstenose ist an einem sehr dünnen Harnstrahl erkennbar. Es besteht die Möglichkeit einer Sensibilitätsstörung der Eichel. Diese führt jedoch nur in seltenen Fällen zu sexuellen Einschränkungen oder Beschwerden.

Weitere mögliche Risiken:

  • Rezidivphimose: Darunter versteht man ein Wiederauftreten der Vorhautverengung. Dies kommt meist nur bei vorhauterhaltenden Verfahren vor.
  • Wunddehiszenz: Auseinanderweichen der Nahtreihe (selten).

Beschneidung aus traditionellen Gründen

Neben der medizinisch notwendigen Beschneidung gibt es auch andere Gründe für das Entfernen der Vorhaut. Zu diesen Gründen zählen vor allem traditionelle und religiöse Überzeugungen. Im Judentum kommt der Beschneidung hauptsächlich eine religiöse Bedeutung zu. So werden jüdische Jungen am achten Tag nach ihrer Geburt beschnitten. Die Beschneidung wird dabei meist von einem Beschneidungsspezialisten (sog. Mohel) durchgeführt. Auch im Islam gibt es die Tradition der Beschneidung. Sie ist im muslimischen Glauben verwurzelt und wird auch als Reinlichkeitsgebot verstanden. Im Islam gibt es keinen festgelegten Zeitpunkt für die Beschneidung.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Verdacht auf eine Vorhautverengung können Sie sich betreffs Diagnose und Behandlung an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin
  • Fachärztin/Facharzt für Urologie
  • Kinderärztin/Kinderarzt

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für eine medizinisch begründete Beschneidung werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

Für die Behandlung kann mitunter ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. Dabei wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Hinweis Die Kosten für eine kosmetische oder religiöse Beschneidung werden nicht übernommen.

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