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Arzt-Patienten-Gespräch © VadimGuzhva

Penisverkrümmung: Diagnose & Therapie

Die Diagnose einer Penisverkrümmung erfolgt in der Regel nach einer ausführlichen Anamnese und einem Tastbefund. Die Ärztin/der Arzt informiert sich zunächst u.a. über Beginn und Art der Symptome, mögliche traumatische Ereignisse im Genitalbereich und begleitende erektile Dysfunktion. Nachdem die Ursachen der IPP nicht eindeutig geklärt sind, können alle Therapiemaßnahmen nur symptomatisch erfolgen. Danach erfolgt eine Untersuchung des Penis. Dabei beurteilt die Ärztin/der Arzt, ob eine Verkrümmung auch im nicht-erigierten Zustand zu sehen ist . . .

Mittels einer künstlich hervorgerufenen Erektion kann der Grad der Penisverkrümmung sowie ihre Ausprägung untersucht werden. Danach tastet er/sie den Penisschaft ab und untersucht diesen auf spürbare Verhärtungen (Plaques). Eine Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss über die Größe und Form der narbigen bzw. knotigen Veränderungen (Plaques) des Penis geben. Weitere bildgebende Verfahren wie z.B. MRT oder CT werden nur dann eingesetzt, wenn eine Penisverkrümmung nicht eindeutig diagnostiziert werden konnte.

Hinweis Für die Diagnosestellung kann es hilfreich sein, wenn der Patient Fotos seines erigierten Penis aus allen Blickwinkeln mitnimmt.

Nicht-operative Therapieoptionen

Zur Behandlung einer Penisverkrümmung gibt es derzeit keine Leitlinienempfehlungen. Die europäische Urologen-Vereinigung (European Association of Urology, EAU) hat jedoch aufgrund verschiedener Studien zur erworbenen Penisverkrümmung Therapieempfehlungen veröffentlicht. Nachdem die Ursachen der IPP nicht eindeutig geklärt sind, können alle Therapiemaßnahmen nur symptomatisch erfolgen. 

Während der akuten Phase der IPP wird ausschließlich medikamentös therapiert (konservative Behandlung), da sich der Verkrümmungsgrad des Penis noch verändern kann. Durch diese Maßnahmen können bestimmte Symptome wie z.B. Schmerzen gelindert werden. Auch kann verhindert werden, dass sich die Plaques vergrößern. Derzeit steht jedoch noch keine konservative Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung, die zu einer vollständigen Auflösung der Plaques bzw. Penisverkrümmung führt.

Hinweis Die European Association of Urology (EAU) weist in ihren Empfehlungen darauf hin, dass die Studienergebnisse zur konservativen Behandlung der IPP oft widersprüchlich sind und deshalb nur schwer Empfehlungen für die tägliche Praxis abgeleitet werden können.

Grundsätzlich stehen verschiedene nicht-operative Behandlungsoptionen zur Verfügung.

Orale medikamentöse Therapie

Folgende Medikamente bzw. Nahrungsergänzungsmittel kommen bei der Behandlung einer erworbenen Penisverkrümmung zum Einsatz. Dazu zählen u.a.:

  • Vitamin E: verfügt über antioxidative Effekte und kann in der akuten Phase der IPP wirksam sein. In den bislang durchgeführten klinischen Studien zeigte sich jedoch kein eindeutiger Nutzen dieser Therapie.
  • Kalium-Paraaminobenzoat (Potaba): besitzt eine entzündungshemmende und antifibrotische (vermehrter Bindegewebsbildung entgegenwirkend) Wirkung und kann somit ein Fortschreiten der Verkrümmung verhindern – eine Verbesserung der Penisverkrümmung kann dadurch jedoch nicht erzielt werden. Nebenwirkungen wie z.B. Übelkeit und Magenkrämpfe sind häufige Begleiterscheinungen.
  • Phosphodiesterase: bietet einen antifibrotischen Effekt. In den bislang zur Verfügung stehenden klinischen Studien bei Patienten mit IPP zeigten sich nach der Einnahme dieser Medikamente eine Rückbildung der Plaques sowie eine Verbesserung der erektilen Funktionen.
  • Pentoxifyllin: besitzt eine entzündungshemmende und durchblutungsfördernde Wirkung. Dadurch soll ein Fortschreiten der Plaques verhindert werden. Aktuelle Studien zeigten eine Verbesserung der Penisverkrümmung. Auch die Größe der Plaques konnte dadurch verbessert werden.

Injektionstherapie

Als Alternative zur medikamentösen Therapie steht die Injektionstherapie zur Verfügung. Dabei wird ein bestimmter Wirkstoff direkt in die Plaques injiziert. Der Plaque wird dadurch aufgelockert und die Verkrümmung am Penis verringert sich. Zu den verwendeten Substanzen zählen Kortison, Verapamil, Interferon Alpha. Bei Verkalkungen in den Plaques ist eine Injektionstherapie nicht durchführbar.

Hinweis Die dauerhafte Anwendung von Injektionstherapien ist für die Patienten sehr unangenehm, da diese mit Schmerzen, Schwellungen und Hautblutungen verbunden sein kann.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA und die Europäische Arzneimittelbehörde hat den Einsatz der mikrobiellen Collagenase aus Clostridium histolyticum (Xiaflex®) zur Behandlung einer mindesten 30-gradigen Verkrümmung des Penis zugelassen. Es spaltet Kollagen – den Hauptbestandteil von Narbengewebe – auf. Laut Hersteller wird das Enzym direkt in die derben Narbenstränge des Penis injiziert, um die Plaques aufzulösen. Nach mehrmaligen Injektionen ist eine manuelle Aufrichtung des Penis durch die Ärztin/den Arzt möglich. Die Ergebnisse der Studie sind vielversprechend. Jedoch ist nicht immer eine vollständige Begradigung des krummen Penis möglich.

Hinweis Dieses Medikament darf nur von entsprechend geschulten Ärztinnen/Ärzten angewendet werden, da es als Nebenwirkung zu Penisfrakturen oder -hämatome kommen kann. Auch ist derzeit keine Kostenübernahme von Seiten der Sozialversicherungsträgern für das Medikament gegeben.

Stoßwellentherapie

Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) stellt in der Frühphase der IPP eine gute Alternative zur medikamentösen Therapie dar – insbesondere zur Schmerzreduktion. Es wird angenommen, dass es durch die ESWT zu einer direkten Zerstörung verkalkter Strukturen und einer verbesserten Durchblutung mit nachfolgender Resorption der Verkalkung kommt.

Hinweis Auch wenn durch die ESWT eine schnelle Schmerzlinderung erreicht werden kann, konnte in randomisierten Studien kein Effekt auf die Symptome Plaquegröße und Verkrümmung nachgewiesen werden.

Penisstrecker & Vakuumpumpe

Mit einem Penisstrecker oder einer Vakuumpumpe wird der Penis täglich einige Stunden lang gestreckt. Dabei kann eine Krümmung reduziert werden. Die Anwendung gestaltet sich jedoch oft schwierig, da der Penisstrecker bzw. die Vakuumpumpe sechs Monate lang über viele Stunden jeden Tag angewendet werden muss.

Hinweis Penisstrecker oder Vakuumpumpe haben kaum einen belegbaren Nutzen.


Operative Therapieoptionen

Erst wenn alle nicht-operativen Therapieoptionen versagen, wird eine Penisverkrümmung chirurgisch behandelt. Es stehen verschiedene OP-Techniken zur Verfügung, um eine Penisverkrümmung zu korrigieren. Welche Methode zum Einsatz kommt, hängt vom Ausprägungsgrad der Verkrümmung sowie von den Symptomen ab. Entscheidend ist auch, ob der Patient eine Operation wirklich wünscht, denn verschiedene Patienten sind bei gleicher Penisdeviation sehr unterschiedlich beeinträchtigt.

Hinweis Operative Eingriffe im Sinne einer Korrektur der Verkrümmung sind erst nach drei – besser nach sechs Monaten, in der stabilen Phase der Erkrankung angezeigt. Zusätzlich sollte ein schmerzfreies Intervall von ebenfalls sechs Monaten verstrichen sein, sodass zum Zeitpunkt der Operation die Erkrankung bereits seit ca. sechs – besser zwölf Monate besteht.

Die chirurgische Behandlung der IPP besteht entweder in der Begradigung des Penis oder in der Implantation von Schwellkörperimplantaten.

Raff- oder Plikationstechnik (Penisverkrümmung bis 60 Grad)

Durch Raffung der Schwellkörperhülle kann auf der gesunden, dem Plaque entgegengesetzten Seite eine Begradigung des Penis erreicht werden. Der Plaque selbst bleibt unberührt. Nachteil: Es kann zu einer Verkürzung des Penis um wenige Millimeter bis zu zwei Zentimeter kommen. Daher sollte diese Operationstechnik nur bei ausreichender Penislänge und geringgradiger Verkrümmung bis maximal 60 Grad erfolgen.

Plaquechirurgie (Penisverkrümmung mehr als 60 Grad)

In diesen Fällen wird die sogenannte Grafting-Technik durchgeführt. Dabei wird der Plaques entfernt bzw. eingeschnitten, der Penis gestreckt und der entstandene Defekt mit alloplastischem Material abgedeckt. Die Penislänge bleibt in der Mehrheit der Fälle erhalten. Risiko: Es kann zu einer Verschlechterung der Erektionsfähigkeit kommen.

Schwellkörperimplantate

Bei Patienten die neben einer Penisverkrümmung auch eine schwere Erektionsstörung bis hin zur Impotenz entwickeln, kann eine Penisbegradigung durch das Einsetzen von hydraulischen Schwellkörperimplantaten erfolgen. Schwellkörperimplantate sollten jedoch die letzte Option sein und erst dann zum Einsatz kommen, wenn alle anderen Behandlungsoptionen nicht erfolgreich waren. Bei Schwellkörperimplantaten handelt es sich um Implantat, die von außen nicht sichtbar und nicht spürbar sind. Während der Operation wird der Penis bei gefülltem Implantatschenkel durch starken Druck gerade gebogen („penile cracking/modelling“)

Diese Technik ist endgültig und unumkehrbar. Das eigentliche Schwellkörpergewebe wird durch die Implantate zerstört. Das Implantat wird mit einer Pumpe im Hodensack verbunden und kann so eine Erektion herbeiführen. Schwellkörperimplantaten werden daher nur empfohlen:

  • bei Penisverkrümmungen mit begleitender erektiler Dysfunktion,
  • wenn sich eine Erektionsstörung mit Medikamenten nicht behandeln lässt.

Hinweis Ein Schwellkörperimplantat ist kein Penisersatz! Es wird nur der Erektionsmechanismus ersetzt, sodass die Steifigkeit des Gliedes wieder möglich ist.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Diagnose und Behandlung einer Penisverkrümmung können Sie sich an folgende Ärztinnen/Ärzte wenden:

  • Fachärztin/Facharzt für Allgemeinmedizin
  • Fachärztin/Facharzt für Urologie und Andrologie

Auch etwa klinischen Psychologinnen/Psychologen bzw. Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten unterstützen die Therapie.

Sexuelle Probleme sind nach wie vor ein Tabuthema. Daher ist die Hemmschwelle oft groß, eine Ärztin/einen Arzt aufzusuchen. Sie/er ist jedoch mit dem Krankheitsbild vertraut und wird Ihr Anliegen vertraulich behandeln.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Eine IPP gilt nicht als Krankheit im Sinne des Sozialversicherungsrechts. Daher fallen die Therapien nicht in die Leistungspflicht der Krankenversicherung. Die Kosten werden nur in Einzelfällen von den Sozialversicherungsträgern übernommen.
Bei bestimmten Leistungen (z.B. Psychotherapie) ist eine Kostenbeteiligung der Patienten vorgesehen. Weitere Informationen finden Sie unter Leistungen & Kosten.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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