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Symbolfoto Psychotherapie © Photographee.eu

Traumatherapie: Das Unfassbare bewältigen 

Die Behandlungsmethode der Wahl ist die Psychotherapie, wobei auch vorerst bzw. begleitend Medikamente (vor allem in der akuten Phase) zum Einsatz kommen können.
Zum Beispiel Beruhigungsmittel wie Tranquilizer (Vorsicht: Suchtgefahr bei Gebrauch über drei Wochen!) oder Antidepressiva.

Phasen der Traumatherapie

Während einer sogenannten Traumatherapie werden drei Phasen unterschieden:

  • Stabilisierung: Herstellung innerer und äußerer Sicherheit. Körperliche und seelische Kräfte werden mobilisiert und gestärkt. Überwindung von Hilflosigkeit, Förderung der Eigeninitiative.
  • Traumabearbeitung: Wenn die Symptome über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen unvermindert anhalten, können spezielle traumatherapeutische Interventionen (z.B. EMDR) sinnvoll sein. Es geht um das Erinnern und Rekonstruieren des Traumas. In bestimmten Fällen ist eine direkte Auseinandersetzung mit dem Trauma nicht angezeigt (z.B. bei akuter Suizidalität oder einer Psychose, bei fortgesetztem Kontakt mit der Täterin/dem Täter). Ziel ist die Verknüpfung von Worten, Erinnerungen, Körperempfindungen und Emotionen zu einer einheitlichen Erfahrung.
  • Integration: Die Erlebnisse sollen in die Lebensgeschichte integriert werden – als Teil der eigenen Biografie. Neue Wege zur Bewältigung bzw. zur Alltagsgestaltung werden gefunden.

Verfahren zur Traumabehandlung

Folgende Verfahren haben sich zur Behandlung von Traumata bewährt:

  • Psychodynamische Therapien (z.B. psychoanalytische Psychotherapie, KIP): Bei diesen Behandlungsformen spielt das Unbewusste eine große Rolle sowie das Verstehen von Zusammenhängen zwischen emotionalem Erleben, Erfahrungen und aktuellem Verhalten und Symptomen. Zu diesen Verfahren gehören auch die MPTT (mehrdimensionale psychodynamische Traumatherapie) und die PITT (psychodynamisch imaginative Traumatherapie). Bei der MPTT wird die Patientin/der Patient angeregt, das Schema der eigenen Verarbeitung zu verstehen und neue Bewältigungsmechanismen aufzubauen. Die PITT arbeitet mit inneren Vorstellungen (Imaginationen), die einen Gegenpol zu den bedrohlichen immer wieder auftauchenden Bildern des Erlebten bilden sollen. Vorhandene Ressourcen werden gezielt gefördert und gestärkt.
  • Gesprächspsychotherapie: Mittels Gesprächen mit der Therapeutin/dem Therapeuten bzw. der Ärztin/dem Arzt finden Betroffene wieder Vertrauen in das Leben und sich selbst. Gefühle werden ausgedrückt, das Geschehene wird verarbeitet.
  • EMDR (Eye Movement Desensitization und Reprocessing): Mithilfe von gezielten Augenbewegungen soll eine Verarbeitung des Traumas angeregt werden. Zugleich wird das Trauma erinnert. Der Wirkmechanismus dieser Therapieform ist allerdings noch nicht gänzlich geklärt.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Verhaltensmuster und Denkweisen werden trainiert, um das Ereignis besser zu bewältigen.

Beim systemischen Ansatz wird das Umfeld stärker mit einbezogen. Es gibt auch Gruppentherapien. Hier können sich Gruppenmitglieder austauschen, miteinander fühlen und sich gegenseitig unterstützen. Soziale Kompetenzen werden gefördert und das Gefühl, „allein“ zu sein, wird abgeschwächt bzw. schwindet. Während dieser Gruppensitzungen kommen je nach psychotherapeutischer Methode unterschiedliche Techniken zur Anwendung. Bei Kindern werden altersgerechte Therapien angewandt, die sich zum Teil spielerisch mit den Ereignissen auseinandersetzen.

Neben diesen Therapieformen sind als ergänzende Maßnahmen auch sehr hilfreich: wohltuende Bewegung (z.B. Qi Gong, Feldenkrais), Achtsamkeitstraining, Pflege des sozialen Umfelds und Erfüllung im Beruf, soziale Maßnahmen und Unterstützung durch Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter in sozialrechtlichen Fragen.

Wohin kann ich mich wenden?

Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten bzw. Ärztinnen/Ärzte, die psychotherapeutische Medizin betreiben, sowie Psychiaterinnen/Psychiater haben die Möglichkeit, sich auf dem Gebiet der Traumatherapie weiterzubilden und somit spezifische Qualifikationen zu erwerben.

Wenn Sie den Verdacht haben, an den Folgen eines psychischen Traumas zu leiden, können Sie sich vor allem an folgende Ansprechstellen wenden:

  • Psychotherapeutin/Psychotherapeut: Anlaufstellen finden Sie über die Service-Suche. Auf der Website des Österreichischen Netzwerks für Traumatherapie finden Sie zudem eine Auswahl an Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten mit traumatherapeutischer Zusatzqualifikation.
  • Ärztinnen/Ärzte für Psychiatrie, Kinderpsychiatrie bzw. Ärztinnen/Ärzte mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin: Hier kann Ihnen die Arztsuche behilflich sein.
  • Kriseninterventionseinrichtungen: Auf der Website des Kriseninterventionszentrums Wien finden Sie hilfreiche Ansprechstellen in ganz Österreich sowie Telefonnummern.
  • Ambulanzen für Psychiatrie, Psychosomatik bzw. Psychotherapie: Hier kann Ihnen der Spitalskompass behilflich sein.
  • Trauma-Kompetenzzentren: Beispielsweise ESRA oder Hemayayat.

Weiters finden Sie unter Gewalt in der Familie zahlreiche Infos und Anlaufstellen sowie Telefonnummern zu diesem Thema. Wo Sie bei Gewalt und Mobbing in der Schule Hilfe finden, erfahren Sie unter Was kann man bei Gewalt und Mobbing tun?

Unter Services, Links & Broschüren finden Sie weitere Ansprechstellen sowie informative Downloads zum Thema Psyche.

Tipp Wie Sie in psychischen Notfällen handeln sollten, erfahren Sie unter So leisten Sie Erste Hilfe für die Psyche.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte. Informationen zu Kosten bei einem Spitalsaufenthalt finden Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Bei Inanspruchnahme einer Psychotherapie ist eine volle Kostenübernahme in eigenen bzw. vertraglich gebundenen Einrichtungen der Krankenversicherungsträger möglich sowie in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Es besteht in diesen Fällen die Möglichkeit, dass ein Selbstbehalt zu leisten ist. Ansonsten haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch die Krankenversicherung zu stellen, wenn Sie eine Psychotherapie bei einer niedergelassenen Psychotherapeutin/einem niedergelassenen Psychotherapeuten machen. Wird dieser genehmigt, erstattet Ihnen der Krankenversicherungsträger einen Teil des Honorars der Psychotherapeutin/des Psychotherapeuten zurück. Kosten für eine Psychotherapie werden nur dann von den Krankenversicherungsträgern übernommen, wenn es sich um eine krankheitswertige Störung handelt.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung des Gesundheitswesens, deren Kosten von den Krankenversicherungsträgern übernommen werden.

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