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Symbolfoto Psychotherapie © Photographee.eu
Symbolfoto Psychotherapie © Photographee.eu

Posttraumatische Belastungsstörung: Therapie

Bei der Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung steht die Psychotherapie im Mittelpunkt. Spezielle traumatherapeutische Methoden kommen dabei zum Einsatz (Traumatherapie/Traumapschotherapie).

Begleitend können weitere Maßnahmen sinnvoll sein. Etwa die Einnahme von Medikamenten. Gute soziale Unterstützung ist ebenso wichtig. 

Traumatherapie

Bei der psychotherapeutischen Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung kommen spezielle traumatherapeutische Methoden zum Einsatz.

Besonders bewährte Verfahren der Traumatherapie

Folgende Verfahren haben sich laut wissenschaftlichen Untersuchungen – neben Stressmanagement – zur Behandlung von Traumata besonders bewährt und sind Bestandteil einer Psychotherapie:

  • EMDR (Eye Movement Desensitization und Reprocessing): Mithilfe von gezielten Augenbewegungen soll eine Verarbeitung des Traumas angeregt werden. Zugleich wird das Trauma erinnert. Die Maßnahmen schließen mit positiven Gedanken für die Zukunft ab. Begleitend findet Psychoedukation (Verständnis für die Störung fördern, Umgang damit schulen etc.), statt. Der Wirkmechanismus von EMDR ist allerdings noch nicht gänzlich geklärt.
  • Ansätze aus der Kognitiven Verhaltenstherapie (VT): Verhaltensmuster und Denkweisen werden mittels Techniken aus der Verhaltenstherapie trainiert, um das Ereignis besser zu bewältigen.

Weitere Verfahren in der Traumatherapie

Des Weiteren kommen folgende Ansätze, deren Wirksamkeit weiterhin erforscht wird, zur Anwendung.

Psychodynamische Psychotherapien

Dazu zählen z.B. psychoanalytische Psychotherapie oder KIP: Bei diesen Behandlungsformen spielt das Unbewusste eine große Rolle sowie das Verstehen von Zusammenhängen zwischen emotionalem Erleben, Erfahrungen und aktuellem Verhalten und Symptomen. Zu diesen Verfahren gehören auch die MPTT (mehrdimensionale psychodynamische Traumatherapie) und die PITT (psychodynamisch imaginative Traumatherapie). Bei der MPTT wird die Patientin/der Patient angeregt, das Schema der eigenen Verarbeitung zu verstehen und neue Bewältigungsmechanismen aufzubauen. Die PITT arbeitet mit inneren Vorstellungen (Imaginationen), die einen Gegenpol zu den bedrohlichen immer wieder auftauchenden Bildern des Erlebten bilden sollen. Vorhandene Ressourcen werden gezielt gefördert und gestärkt.

Gesprächspsychotherapie

Mittels Gesprächen mit der Therapeutin/dem Therapeuten bzw. der Ärztin/dem Arzt finden Betroffene wieder Vertrauen in das Leben und sich selbst. Gesprächspsychotherapie ist Baustein mehrerer Methoden der Psychotherapie. Gefühle werden ausgedrückt, das Geschehene wird verarbeitet. Beim systemischen Ansatz wird das soziale Umfeld des Bbetroffenen stärker mit einbezogen. 

Auch Hypnosepsychotherapie wird eingesetzt. Es gibt zudem Gruppentherapien. Hier können sich Gruppenmitglieder austauschen, miteinander fühlen und sich gegenseitig unterstützen. Soziale Kompetenzen werden gefördert und das Gefühl, „allein“ zu sein, wird abgeschwächt bzw. schwindet. Während dieser Gruppensitzungen kommen je nach psychotherapeutischer Methode unterschiedliche Techniken zur Anwendung. Weitere Therapieansätze beschäftigen sich mit körpertherapeutischen Aspekten sowie kreativen Ausdrucksmöglichkeiten (z.B. Musiktherapie) – vor allem, wenn eine sprachliche Beschreibung dessen was man erlebt hat, schwierig ist. 

Phasen der Traumatherapie

Während einer sogenannten Traumatherapie werden prinzipiell drei Phasen unterschieden:

  • Stabilisierung: Herstellung innerer und äußerer Sicherheit. Körperliche und seelische Kräfte werden mobilisiert und gestärkt. Überwindung von Hilflosigkeit, Förderung der Eigeninitiative.
  • Traumabearbeitung: Wenn die Symptome über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen unvermindert anhalten, können spezielle traumatherapeutische Interventionen (z.B. EMDR) sinnvoll sein. Es geht um das Erinnern und Rekonstruieren des Traumas. In bestimmten Fällen ist eine direkte Auseinandersetzung mit dem Trauma nicht angezeigt (z.B. bei akuter Suizidalität oder einer Psychose, bei fortgesetztem Kontakt mit der Täterin/dem Täter). Ziel ist die Verknüpfung von Worten, Erinnerungen, Körperempfindungen und Emotionen zu einer einheitlichen Erfahrung.
  • Integration: Die Erlebnisse sollen in die Lebensgeschichte integriert werden – als Teil der eigenen Biografie. Neue Wege zur Bewältigung bzw.  zur Alltagsgestaltung werden gefunden.

Bei der Behandlungsplanung muss darauf geachtet werden, dass Symptome wie mangelnde Impulskontrolle, Selbstverletzungen oder etwa Suizidgedanken nicht übersehen werden und entsprechend im Sinne des Schutzes des/der Betroffenen darauf reagiert wird.  

Wesentlich dabei ist, die individuelle Verfassung sowie die persönlich gewünschten Therapieziele der Patientin/des Patienten zu berücksichtigen. 

Hinweis Der Begriff „Traumatherapie“ ist nicht geschützt. Achten Sie auf die Qualifikation der/des Ausübenden (erlernter offizieller Gesundheitsberuf wie Ärztin/Arzt, Psychotherapeutin/Psychotherapeut, klinische Psychologin/klinischer Psychologe). Denn eine unsachgemäß durchgeführte Traumabehandlung bzw. eine fehlende Abklärung der Schwere der Symptome (z.B. Suizidgedanken) kann sich negativ auswirken.

Was ist Psychoedukation?

Die sogenannte Psychoedukation kann begleitend einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Therapie leisten. Dabei erhalten Betroffene detaillierte Informationen rund um das Krankheitsgeschehen und die Behandlung. Sie lernen, wie sie sich selbst helfen können. Auch der Umgang mit belastenden Wiedererinnerungen an das Trauma oder Suizidgedanken kann hier thematisiert werden. 

Medikamentöse Behandlung

Bezüglich dem Einsatz von Medikamenten zur frühen Behandlung eines Traumas gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine wissenschaftlich eindeutigen Empfehlungen. Ist bereits eine PTBS eingetreten, können Medikamente die Behandlung unterstützen. Sie sollten jedoch nicht alleine – ohne begleitende Therapiemaßnahmen (vor allem Psychotherapie) – zur Anwendung kommen.

Infrage kommende Medikamente sind dabei Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), in Ausnahmefällen Trizyklische Antidepressiva und sogenannte Stimmungsstabilisatoren. Diese Gruppen von Medikamenten finden auch bei anderen psychischen Erkrankungen Anwendung – besonders bei der Depression. Vor allem SSRIs haben sich dabei bei der PTBS-Behandlung als wirksam erwiesen. Begleitende Ängste, Depressionen oder Zwänge werden dabei mitbehandelt. Früher wurden auch Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) verabreicht. Davon wird jedoch wegen der Suchtgefahr abgeraten.

Begleitende Therapiemaßnahmen

Neben diesen Behandlungsmöglichkeiten können als ergänzende Maßnahmen hilfreich sein: wohltuende Bewegung, Achtsamkeitstraining, Pflege des sozialen Umfelds und Erfüllung im Beruf, soziale Maßnahmen und Unterstützung durch Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter in sozialrechtlichen Fragen. Ebenso Physiotherapie oder Ergotherapie

Die Behandlung kann meist im niedergelassenen Bereich oder ambulant erfolgen. Bei sehr starker Belastung kann auch ein Aufenthalt in einem Krankenhaus notwendig sein.

Wie verläuft eine PTBS?

Eine Milderung der Symptome und eine Besserung der Lebensqualität sind unter Therapie möglich. Eine vollständige Heilung ist jedoch nicht immer erreichbar. Aus diesem Grund ist es oft hilfreich möglichst frühzeitig Hilfe zu suchen. Dauert die Symptomatik länger als sechs Monate, wird die Störung als chronische PTBS bezeichnet. Es kann auch vorkommen, dass nach dem Trauma kaum Symptome vorhanden sind, jedoch nach Monaten bis Jahren die Erkrankung in Erscheinung tritt (z.B. durch ein anderes belastendes Lebensereignis).

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie den Verdacht haben, an den Folgen eines psychischen Traumas zu leiden, können Sie sich vor allem an folgende Ansprechstellen wenden. Achten Sie dabei auf die traumaspezifische Zusatzspezialisierung:

  • Ärztinnen/Ärzte für Psychiatrie (und psychotherapeutische Medizin) bzw. Ärztinnen/Ärzte mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin
  • Psychotherapeutin/Psychotherapeut
  • Kriseninterventionseinrichtungen (z.B. Kriseninterventionszentrum Wien)
  • Klinische Psychologin/klinischer Psychologe
  • Ambulanzen für Psychiatrie, Psychosomatik bzw. Psychotherapie

Es gibt auch sogenannte Trauma-Kompetenzzentren: Beispielsweise ESRA oder Hemayat. Weiters finden Sie unter Gewalt in der Familie zahlreiche Infos und Anlaufstellen sowie Telefonnummern zu diesem Thema. Wo Sie bei Gewalt und Mobbing in der Schule Hilfe finden, erfahren Sie unter Was kann man bei Gewalt und Mobbing tun?

Tipp Wie Sie in psychischen Notfällen handeln sollten, erfahren Sie unter So leisten Sie Erste Hilfe für die Psyche.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

Informationen zur Kostenübernahme von Psychotherapie finden Sie unter Psychotherapeutin/Psychotherapeut sowie unter Psychotherapie: Angebote & Adressen. Informationen zur Kostenübernahme von klinisch-psychologischer Beratung bzw. Behandlung finden Sie unter Klinische Psychologin/Klinischer Psychologe. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte zudem bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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