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Mann hält Hand von junger Frau © YakobchukOlena

Bulimie: Diagnose & Therapie

Um eine Bulimia nervosa zu diagnostizieren, führt die Ärztin/der Arzt ein ausführliches Gespräch. Unter anderem werden Fragen zu Essgewohnheiten, körperlicher und psychischer Verfassung, Lebensstil und sozialem Umfeld der Patientin/des Patienten gestellt. Außerdem nimmt sie/er eine sorgfältige körperliche Untersuchung vor beziehungsweise leitet Untersuchungen in die Wege. Ziel der Behandlung einer BN ist es oft, das Essverhalten zu „normalisieren“ und das Körpergewicht zu stabil zu halten . . .

Diagnose einer Bulimia nervosa

Die Diagnose erfolgt aufgrund des Gespräches und der Abklärung körperlicher und psychischer Beschwerden bzw. Probleme:

  • Anamnese, Erkrankungen & Komplikationen. Die Ärztin/der Arzt informiert sich beispielsweise über Zahnschäden (z.B. Karies). Mögliche weitere Erkrankungen und Komplikationen werden abgeklärt – wie etwa Ösophagitis (Entzündung der Schleimhaut der Speiseröhre), Malabsorbtionssyndrome, Osteomalazie, Osteoporose, schwere Obstipation (Verstopfung) und hypertrophe Osteoarthropathie, Elektrolytstörungen, Tumorerkrankungen und psychische Erkrankungen (z.B. Depression, Persönlichkeitsstörungen). Ein eventueller Alkohol- oder Drogenkonsum sowie Medikamentenmissbrauch wird ebenfalls in Erwägung gezogen.
  • Laborwerte. Im Zuge der Diagnose veranlasst die Ärztin/der Arzt die Bestimmung verschiedener Laborwerte wie beispielsweise Blutbild, Nierenwerte (Kreatinin und Harnstoff), Lipidstoffwechsel (Triglyceride und Cholesterin), Urinstatus, Elektrolyte, Gesamteiweiß und Albumin, Amylase, Transaminase und Blutglukose. Hormone wie etwa Schilddrüsenhormone können ebenfalls erhoben werden. Im individuellen Fall werden auch weitere Laborwerte abgeklärt. Informationen zu den jeweiligen Werten finden Sie unter Laborwerte-Tabelle.
  • Weitere Untersuchungen. Die Ärztin/der Arzt kann eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes vornehmen lassen und gegebenenfalls EKG, Gastroskopie und/oder CT anordnen.

Therapie einer Bulimia nervosa

Ziel der Behandlung einer BN ist es oft, das Essverhalten zu „normalisieren“ und das Körpergewicht zu stabilisieren. Dies erfolgt meist durch Psychotherapie. Auch die Einnahme von Medikamenten kann notwendig sein. Körperliche sowie psychische Begleiterkrankungen werden behandelt. Die Ärztin/der Arzt entscheidet, welche Therapieformen für die Betroffene/den Betroffenen notwendig sind. Sowohl Patientinnen/Patienten als auch Angehörige werden über die Erkrankung, ihre Folgen sowie die Behandlung informiert. Eine Motivation der Betroffenen zur Therapie kann notwendig sein.

Ambulant, Tagesklinik oder stationär

Die Therapie einer Bulimia nervosa erfolgt oft ambulant und gemäß eines Stufenplans. Begleitung durch professionelle Helferinnen/Helfer hat sich in letzter Zeit bewährt. Unter bestimmten Bedingungen kann eine tagesklinische oder stationäre Betreuung notwendig sein (z.B. bei einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand, Gefahr von Selbstverletzungen, Suizid oder einer Suchterkrankung). Die Ärztin/der Arzt entscheidet im Einzelfall – und abhängig von der körperlichen sowie psychischen Verfassung sowie von sozialen Faktoren – darüber, in welcher Form eine Behandlung erforderlich ist. Wesentlich ist jedenfalls ein möglichst früher Therapiebeginn.

Ernährungs- und Trinkverhalten

Die Normalisierung des Essverhaltens kann über eine ausgewogene Mischkost erfolgen. Zudem kann die Gabe von bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen notwendig sein (z.B. Vitamin D, Calcium etc.). Oftmals muss beispielsweise auf eine ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr geachtet werden – etwa durch Trinken von Mineralwässern und Mischungen aus Fruchtsaft mit Mineralwasser. Auch zusätzliche Elektrolytgaben können erforderlich sein.

Heißhungeranfälle sind beispielsweise durch regelmäßige Nahrungsaufnahme vermeidbar. Patientinnen und Patienten müssen oft lernen, sich am Appetit und Hungergefühl zu orientieren. Informationen über gesunde ausgewogene Ernährung sowie zu Folgen des Hungerns können die Betroffenen etwa durch eine Ernährungsberatung erhalten.

Medikamentöse Behandlung

In bestimmten Fällen bekommen Patientinnen/Patienten mit Bulimie die Einnahme von Medikamenten verordnet – z.B. von Antidepressiva, wenn die Essstörung in Zusammenhang mit einer Depression steht.

Familiäres Umfeld

Entscheidend ist der Beitrag der Eltern in allen Phasen der Behandlung, von der Erkennung, Erstvorstellung bis zu intensiver Zusammenarbeit mit dem therapeutischen Team, um der Erkrankung adäquat zu begegnen.

Vor allem bei Kindern, aber auch bei jüngeren Jugendlichen übernehmen Eltern/Erziehungsberechtigte wichtige Entscheidungen und Aufgaben und müssen die Betroffene/den Betroffenen oftmals erst von einer Behandlung überzeugen, möglichst ohne dabei zu stark in deren Autonomie einzugreifen (vor allem bei Jugendlichen).

Gleichzeitig ist es meist für Angehörige schwierig zu akzeptieren, dass sie nur relativ wenig helfen können. Vielen Angehörigen fällt es schwer, nicht permanent zu kontrollieren, jedoch interessiert und unterstützend am Therapieverlauf teilzuhaben. Es kann notwendig sein, im Laufe der Therapie Konfliktverhalten in der Familie, Abgrenzungsschwierigkeiten, Perfektionismus etc. anzusprechen – zum Beispiel durch eine Psycho-, Familien- oder Paartherapie (die auch Angehörige mit einbezieht). Essanfälle mit kompensierenden Maßnahmen erfolgen heimlich. Nicht zuletzt deshalb fallen die Essattacken den Angehörigen zumindest zu Beginn oft nicht auf.

Weitere Infos finden Sie unter Essstörungen: Was Angehörige tun können

Spezialisierte Beratungsstellen und Ambulanzen, Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten sowie von Psychologinnen/Psychologen finden Sie unter Essstörungen: Links & Downloads.

Therapieüberwachung & Rückfallsprophylaxe

Im Laufe der Behandlung und in der Zeit danach kann es zu Rückfällen kommen. Auch Therapieabbrüche sind möglich. Während der Therapie werden regelmäßige Verlaufskontrollen vorgenommen. Auch eine Vorbereitung auf die Zeit nach der Therapie mit Betroffenen und Angehörigen ist notwendig – z.B. das Besprechen eines Verhaltens im Falle eines Rückfalls.

Wohin kann ich mich wenden?

Erster Ansprechpartner bei Erwachsenen ist oftmals die Hausärztin/der Hausarzt. Diese/dieser leitet gegebenenfalls Überweisungen in die Wege. Bei Kindern und Jugendlichen sind Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde sowie für Kinder- und Jugendpsychiatrie erste Ansprechpartner. In eine Therapie sind meist Ärztinnen/Ärzte verschiedener Fachrichtungen eingebunden. Auch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten können involviert sein.

Spezielle Ambulanzen, Beratungsstellen und Hotlines finden Sie unter Essstörungen: Links & Downloads.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten der ärztlichen Untersuchung zur Abklärung einer Bulimia nervosa sowie der Behandlung werden normalerweise von den Sozialversicherungsträgern übernommen.

Bei bestimmten Leistungen (z.B. Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten) kann ein Antrag auf Kostenzuschuss durch die Krankenversicherung gestellt werden. Die interdisziplinäre Behandlung von Essstörungen (inklusive Psychotherapie) findet auch in spezialisierten ambulanten Einrichtungen statt, die Verträge mit den Krankenversicherungsträgern abgeschlossen haben. Für diese Behandlungsfälle werden im Regelfall die Kosten zur Gänze übernommen.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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