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Kind mit Karton auf dem Kopf, der ein trauriges Gesicht zeigt © photophonie

ADHS: Ursachen & Diagnose

Der Entstehungsmechanismus der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird unter anderem eine Fehlregulation des Stoffwechsels der Botenstoffe Dopamin, Serotonin beziehungsweise Noradrenalin angenommen. Eine wesentliche Rolle dürfte einer genetischen Veranlagung zukommen. Diskutiert werden auch Sauerstoffmangel rund um die Geburt sowie Risikofaktoren, denen das Kind im Mutterleib ausgesetzt war (etwa Infektionen). Frühgeburt, übermäßiger Konsum von Lakritze, Nahrungsmittelunverträglichkeiten sowie Drogen-/Nikotinmissbrauch könnten ebenso Mitverursacher sein. Inkonsequentes Erziehungsverhalten kann ADHS negativ beeinflussen.

Kernsymptome von ADHS

Die Hauptsymptome von ADHS sind Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Überaktivität – über das Maß für die jeweilige Entwicklungsphase eines Kindes hinausgehend. In der Diagnostik werden Kriterien nach ICD 10 (International Classification of Diseases) zur Krankheitszuordnung angewandt. ADHS zeigt sich bei jedem Kind individuell. Anhand sogenannter Kernsymptome soll die Diagnostik erleichtert werden. Dabei gliedern sich diese in drei Hauptteilbereiche: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität.

Kernsymptome der Unaufmerksamkeit:

  • Mühe, Daueraufmerksamkeit zu halten
  • Schwierigkeiten, Einzelheiten zu beachten und Flüchtigkeitsfehler
  • Zuhören und Anweisungen befolgen fällt schwer
  • Mühe, Aufgaben/Aktivitäten zu beenden bzw. diese zu organisieren
  • längere geistige Anstrengung ist schwierig
  • häufiges Verlegen von Gegenständen, Vergesslichkeit
  • leichte Ablenkbarkeit durch äußere Reize

Kernsymptome der Hyperaktivität:

  • dauernde Unruhe in Händen und Füßen
  • Mühe, ruhig zu sitzen bzw. zu spielen
  • Gefühl, „innerlich wie von einem Motor angetrieben zu sein“

Kernsymptome der Impulsivität:

  • Redeschwall
  • Mühe abzuwarten, bis man mit dem Reden an der Reihe ist
  • störendes Verhalten anderen gegenüber

Quelle: adaptiert nach ADHS Konsensus-Statement – State of the art 2012, CliniCum, April 2012

Vorsichtige Diagnose

Die Diagnose von ADHS wird im sozialen Kontext gestellt: nur wenn das Verhalten des Kindes in beträchtlichem Maß beeinträchtigt ist und mindestens sechs der oben genannten Symptome vorliegen. Krankheitszeichen müssen außerdem vor dem Alter von sieben Jahren das erste Mal auftreten, damit ADHS diagnostiziert werden kann. In vielen Fällen bleibt ADHS auch im Erwachsenenalter bestehen.

Die Symptome müssen sich deutlich äußern und die Entwicklung des Kindes nachhaltig behindern sowie über mindestens sechs Monate in mehreren Lebensbereichen (Schule, Freizeit, zu Hause etc.) anhalten. Das Umfeld des Kindes wird genau betrachtet, um Rahmenbedingungen aufzuzeigen, die die Störung mit verursachen können.

Häufig leiden Kinder mit ADHS auch an anderen psychischen Störungen z.B. des Sozialverhaltens, Depressionen, Angsterkrankungen, Teilleistungsstörungen, einer autistischen Störung oder Tics. Wird die Unruhe und Hyperaktivität durch eine andere Störung als ADHS hervorgerufen (z.B. bei einer Angststörung), wird die Diagnose „Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung“ nicht gestellt.

Diagnose bei Kleinkindern

Symptome zeigen sich bei Kleinkindern nicht so deutlich wie bei Schulkindern. Hyperaktiv bzw. impulsiv zu sein gehört in gewissem Maße zur Entwicklung in diesem Alter. Kleine Kinder mit ADHS haben Schwierigkeiten, ein „Nein“ zu akzeptieren bzw. Regeln zu beachten, und zeigen sich auffallend trotzig – auch außerhalb der „Trotzphase“. Zudem können sie Gefahren schwerer einschätzen, was ein höheres Unfallrisiko mit sich bringt.

Von der Anamnese bis zur Spielbeobachtung

Am Beginn der Diagnostik steht eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Medizinische, soziale, psychologische und familiäre Faktoren finden dabei ebenso Berücksichtigung wie der Verlauf der Schwangerschaft und die Kindesentwicklung. Das Verhalten und Spielen des Kindes wird beobachtet. Nicht nur die Schwächen, sondern auch die Stärken sollten Beachtung finden, da diese für die Therapie hilfreich eingesetzt werden können. Eltern werden auch nach ihrer Reaktion auf das Verhalten ihres Nachwuchses gefragt (z.B. Strafen) und welche Gefühle damit verbunden sind (z.B. Hilflosigkeit oder Wut).

Eine körperliche Untersuchung sowie eine Messung von Länge und Gewicht ergänzen die Diagnostik. Gegebenenfalls sind auch eine Blutabnahme (z.B. zur Schilddrüsenhormonbestimmung) sowie ein EKG, EEG oder bildgebende Untersuchungen (z.B. MR) notwendig. Zusätzliche Abklärungen, etwa durch eine Ergotherapeutin/einen Ergotherapeuten, können ebenso hilfreich sein.

Psychologische Untersuchung

Zu einer ADHS-Diagnostik im Kindesalter gehört immer eine psychologische Testung. Je nach Lebensalter werden passende Tests ausgesucht, die hilfreich für die Diagnosefindung sind. Zudem findet eine Entwicklungs- sowie Begabungsdiagnostik statt. In ausgewählten Fällen ermöglichen Videos, die Familiendynamik (z.B. Eltern-Kind-Bindung) aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Nach Bedarf wird auch Teilleistungsdiagnostik eingesetzt.

Wohin kann ich mich wenden?

Sollten Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind an ADHS leidet, wenden Sie sich an eine Kinderpsychiaterin/einen Kinderpsychiater bzw. eine Kinderärztin/einen Kinderarzt mit Spezialisierung auf Psychosomatik oder eine der spezialisierten ADHS-Ambulanzen. Diese/dieser leitet dann weitere notwendige Untersuchungen bzw. Therapien ein.

Wer übernimmt die Kosten?

Die Kosten für die ärztliche Untersuchung und Behandlung werden im Normalfall von den Sozialversicherungversicherungsträgern übernommen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte und Rezeptgebühr & Co. Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung der Sozialversicherung. Zur Ergotherapie finden Sie Informationen unter Ergotherapeutin/Ergotherapeut.

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