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Ärztin spricht mit Patient © Robert Kneschke
Ärztin spricht mit Patient © Robert Kneschke

Lymphome: Therapie

Lymphome umfassen eine große Zahl an teilweise sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern. Welche Behandlung infrage kommt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Durch eine genaue Diagnostik und Berücksichtigung unterschiedlicher Faktoren wird für jede Patientin/jeden Patienten die individuell beste Therapiemöglichkeit gewählt. 

Welche Therapien gibt es?

Die Auswahl der Therapie richtet sich nach der Art des Lymphomes, dem Krankheitsstadium und -verlauf sowie individuellen Faktoren wie Lebensalter, eventuellen Begleiterkrankungen und dem allgemeinen Gesundheitszustand der/des Betroffenen. Auch der Wunsch der Patientin/des Patienten wird berücksichtigt.

Mehr zum Thema: Lymphome: Was ist das?

Grundsätzlich gilt:

  • Hodgkin-Lymphome sowie aggressive Non-Hodgkin-Lymphome neigen dazu, schnell zu wachsen und sich weiter im Körper auszubreiten. Mit der Therapie muss daher nach der Diagnose rasch begonnen werden.
  • Niedrig-maligne Non-Hodgkin-Lymphome (z.B. Multiples Myelom, CLL) müssen nicht immer sofort behandelt werden. Unter Umständen ist es möglich, zunächst zuzuwarten und den Verlauf in regelmäßigen Kontrolluntersuchung zu überwachen („watch and wait“).
  • Aggressives Lymphom bedeutet nicht automatisch, dass keine Chance auf Heilung besteht. Schnell wachsende Tumore sprechen teilweise sehr gut auf die Behandlungen an und können sich – je nach Krankheitsstadium – vollständig zurückbilden.
  • Niedrig maligne Lymphome wachsen nur sehr langsam, ein Fortschreiten der Erkrankung lässt sich mit entsprechender Behandlung gut aufhalten. Eine vollständige Heilung ist jedoch nicht immer möglich.
  • Um die bestmöglichen Heilungschancen zu erhalten, werden meist mehrere Behandlungsmethoden miteinander kombiniert.

Chemotherapie

Zur Standardbehandlung der meisten Lymphomformen gehört die Chemotherapie. Verschiedene sogenannte Zytostatika werden dabei miteinander kombiniert; dies sind Wirkstoffe, die die Zellteilung von Krebszellen verhindern und damit die Ausbreitung der Erkrankung aufhalten können. Die Chemotherapie wird in Form von Tabletten oder als Infusion in die Vene verabreicht. Über einen festgelegten Zeitraum (Zyklus) finden die Behandlungen wiederholt statt.

Zytostatika richten sich nicht gezielt gegen Krebszellen, sie können auch gesunde Zellen im Körper schädigen. Dies führt zu unterschiedlichen Nebenwirkungen. Mehr zum Thema: Krebs: Therapie

In der Behandlung der Lymphome wird die Chemotherapie heute zunehmend mit einer Antikörpertherapie ergänzt.

Zielgerichtete Therapien

In die Gruppe der zielgerichteten Therapie oder „targeted therapies“ fallen eine Reihe unterschiedlicher Wirkstoffe. Allen gemeinsam ist, dass sie sich ganz gezielt gegen spezielle Strukturen der Tumorzellen richten und sie so bekämpfen. Einige greifen in den Stoffwechsel der Zellen ein, andere blockieren spezielle Wachsstumssignale, es gibt unterschiedliche Wirkmechanismen. Ob eine Behandlung mit zielgerichteten Medikamenten infrage kommt, hängt davon ab, welche Merkmale die Lymphomzellen aufweisen. Dies wird mittels moderner Diagnoseverfahren festgestellt und die Auswahl der Therapie entsprechend darauf abgestimmt.

Die zielgerichteten Therapien werden ergänzend zu Chemo- bzw. Strahlentherapie eingesetzt, in einigen Fällen können sie diese auch ersetzen. Die Präparate werden laufend weiterentwickelt und in erster Linie in klinischen Studien verabreicht, einige Wirkstoffe sind jedoch bereits zugelassen und in der Praxis bewährt.

Antikörpertherapie

Die Antikörpertherapie ist eine neuere Form der Immuntherapie. Die verabreichten Antikörper erkennen spezielle Oberflächenstrukturen (Antigene) der Krebszellen, binden sich daran und lösen eine gezielte Immunreaktion aus. Eine Anwendung ist nur dann möglich, wenn die Lymphomzellen das entsprechende Antigen aufweisen. Ein Beispiel für einen solchen Antikörper ist der Wirkstoff Rituximab; er richtet sich gegen die Oberflächenstruktur CD-20, die auf zahlreichen Tumorzellen vorhanden ist. Rituximab wird zur Behandlung verschiedener Krebserkrankungen eingesetzt und hat sich auch in der Therapie bestimmter Non-Hodgkin-Lymphome bewährt. Die Antikörpertherapie im Allgemeinen wird laufend in klinischen Studien erprobt.

Eine Antikörpertherapie kann auch in Verbindung mit radioaktiven Substanzen durchgeführt werden (Radioimmuntherapie): Dabei ist der Antikörper, der verabreicht wird, mit einer radioaktiven Substanz verbunden und kann diese gezielt an die Tumorzelle anbringen und sie so zerstören.

Immun-Checkpoint-Inhibitoren

Diese neue Form der Antikörpertherapie entfaltet seine Wirkung auf folgende Weise: Innerhalb des Immunsystems gibt es nicht nur aktivierende Signalwege (die zur Auslösung einer Immunreaktion beitragen), sondern auch hemmende Signalwege – das heißt, das Immunsystem wird an bestimmten Stellen „gebremst“. Dadurch können nachfolgende Immunreaktionen nicht stattfinden. Im gesunden Körper dient dies z.B. dazu, Autoimmunreaktionen zu verhindern. Die Erkennungsstrukturen, an denen die Immunzellen aktiviert oder deaktiviert werden, nennt man Checkpoints.

Einige Tumore machen sich solche Checkpoints zunutze: durch die Bildung spezieller Proteine tragen sie dazu bei, dass bestimmte Signalwege abgeschaltet werden. Dadurch erkennt das Immunsystem die Tumorzellen nicht als „krank“ und kann sie nicht bekämpfen. Die Tumorzellen können so dem Immunsystem entkommen.

Neue Wirkstoffe setzen daran an: Sie können ebenfalls bestimmte Checkpoints (CTLA-4, PD-1, PD-L1) beeinflussen und die von den Tumorzellen abgeschalteten Signalwege wieder aktivieren. Dadurch kann das Immunsystem wieder arbeiten und die Tumorzellen aktiv bekämpfen.

Solche Immun-Checkpoint-Inhibitoren können im fortgeschrittenen Stadium und bei Krankheitsrückfallen zum Einsatz kommen – vorausgesetzt, dass die Tumorzellen das entsprechende Antigen aufweisen. Beispiele für Wirkstoffe dieser Gruppe sind Nivolumab, Pembrolizumab, Ipilimumab und Atezolizumab. Sie werden teils nur in klinischen Studien angewandt, für bestimmte Patientengruppen sind bereits Präparate zugelassen.

Neue zelluläre Therapien

Eine weitere neue Behandlungsmöglichkeit stellt die sogenannte CAR-T-Zell-Therapie dar. Die Patientin/der Patient erhält dabei keine künstlich hergestellten Wirkstoffe; stattdessen werden körpereigene Abwehrzellen entnommen, im Labor gentechnisch verändert und anschließend als Infusion wieder verabreicht. Die genetische Veränderung bewirkt, dass die Abwehrzellen ein Protein (chimärer Antigenrezeptor gegen CD19, CAR) produzieren, das ihnen dabei hilft, die Tumorzellen zu erkennen und zu zielgenau zu bekämpfen. Die veränderten Immunzellen vermehren sich im Körper weiter und bilden dadurch nachhaltigen Schutz gegen die Tumorzellen.

Die CAR-T-Zell-Therapie kann bei einer speziellen Form der Non-Hodgkin-Lymphome zum Einsatz kommen (Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom) sowie bei einer Form der Leukämie bei Kindern (ALL). Für bestimmte Patientengruppen konnte das Gesamtüberleben mit dieser Form der Therapie in klinischen Studien verdoppelt werden. Zwei Wirkstoffe sind inzwischen in Europa zugelassen (Tisagenlecleucel, Axicabtagen-Ciloleucel).

Small molecules

Wirkstoffe aus der Gruppe der Small molecules besitzen die Eigenschaft, dass sie in das Zellinnere eindringen und dort ihre Wirkung entfalten können. Dazu zählen z.B. die sogenannten Tyrosinkinase-Hemmer. Sie blockieren ein Enzym (die Tyrosinkinase), das innerhalb von Krebszellen Wachstumssignale weitergibt. Werden die Kinasen blockiert, kann die Tumorzelle nicht weiterwachsen. Ein Beispiel für einen solchen Wirkstoff ist Imantinib; er gehört seit Jahren zur Standardtherapie der chronisch myeloischen Leukämie.

Auch für einige Lymphomformen stehen Small molecules zur Verfügung (z.B. Ibrutinib, Venetoclax), die in Signalwege innerhalb der Zelle eingreifen. Sie ergänzen bzw. ersetzen zunehmend die Chemotherapie. Da sie als Tabletten eingenommen werden, kann die Behandlung häufig ambulant oder tagesklinisch stattfinden.

Immuntherapie mit Zytokinen

Zytokine sind körpereigene Botenstoffe, die das Immunsystem dabei unterstützen, krankhafte Zellen zu bekämpfen. Dazu zählen unter anderem die verschiedenen Interleukine und Interferone. Sie aktivieren verschiedene Abwehrzellen und können zudem das Wachstum von Krebszellen hemmen.

Zytokine wirken nicht bei allen Lymphomformen und allen Patientinnen/Patienten gleich gut; zudem ist die Nebenwirkungsrate relativ hoch. Sie spielen daher bei der Behandlung von Lymphomen zunehmend eine untergeordnete Rolle.

Strahlentherapie

Auch eine Strahlentherapie kommt bei manchen Lymphomformen zum Einsatz. Dabei werden hochenergetische ionisierende Strahlen auf die Krebszellen gerichtet, mit dem Ziel, sie zu zerstören und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Bestrahlt werden nur die betroffenen Körperstellen; welche das sind, wird im Rahmen der Diagnostik festgelegt. Die Bestrahlung selbst ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten; über mehrere Wochen werden die Behandlungen wiederholt.

Stammzelltransplantation

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit stellt die Stammzelltransplantation dar. Dabei werden der Patientin/dem Patient gesunde Stammzellen übertragen, mit deren Hilfe sich das blutbildende System wieder neu aufbauen kann. Im Optimalfall kann damit eine dauerhafte Heilung erreicht werden. Die Stammzellen können entweder von einem Spender (allogene Stammzelltransplantation) oder mithilfe spezieller Aufbereitung von der/dem Betroffenen selbst stammen (autologe Stammzelltransplantation).

Eine Stammzelltransplantation ist eine sehr intensive Behandlung, die mit einer hochdosierten Chemotherapie verbunden ist und mit verschiedenen Risiken einhergeht. Sie gehört nicht zur Standardtherapie bei Lymphomen und wird im Rahmen klinischer Studien durchgeführt. Sie kommt nur bei fortgeschrittenen Stadien bzw. bei Krankheitsrückfällen infrage. Nicht alle Betroffenen sind dafür geeignet, vor allem das Alter und der Allgemeinzustand spielen eine entscheidende Rolle. Mehr zum Thema: Stammzelltransplantation.

Welche Spätfolgen können nach der Behandlung eines Lymphomes auftreten?

Nach der Therapie eines Lymphomes können unterschiedliche Spätfolgen auftreten – je nachdem wie intensiv die Behandlungen sind, welche Präparate angewandt werden und welche Körperregionen hauptsächlich betroffen sind. So kann es unter Umständen zu Unfruchtbarkeit kommen, wenn die Organe des Beckenbereiches bestrahlt werden. Auch eine Chemotherapie kann die Fertilität beeinträchtigen. Bei vorhandenem Kinderwunsch sollten daher vor Beginn der Therapie Möglichkeiten für die spätere Familienplanung abgeklärt werden (z.B. Einfrieren von Samenzellen oder Eizellen).

Weitere mögliche Spätfolgen sind Empfindungsstörungen an Fingern und Füßen aufgrund von Nervenschädigungen (Polyneuropathie), Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktion, Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe (Ödeme) sowie in einigen Fällen ein erhöhtes Risiko für spätere Krebserkrankungen. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt in einigen Fällen. Die behandelnden Ärztinnen/Ärzte informieren individuell, welche Nebenwirkungen und Spätfolgen jeweils auftreten können.

Was bedeuten Tumorboard und klinische Studie?

Lymphome sind keine einheitlichen Krankheitsbilder, zahlreiche Faktoren beeinflussen den Verlauf und die Ausprägung. Dementsprechend gibt es auch keine allgemeingültigen Behandlungsstrategien für alle Betroffenen; welche Therapie im Einzelfall am besten ist, wird individuell festgelegt. Daher werden im Rahmen der Betreuung und der Therapieplanung von Lymphomen regelmäßig sogenannte Tumorboards abgehalten. Ein Tumorboard ist eine Art Konferenz, bei der Expertinnen/Experten verschiedener Fachrichtungen nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gemeinsam die individuell beste Behandlungsstrategie für jede Patientin/jeden Patienten festlegen.

Im Rahmen der Behandlung wird Lymphompatientinnen und -patienten häufig empfohlen, an einer klinischen Studie teilzunehmen. Dieser Begriff ist oft mit Unsicherheiten behaftet. Die Teilnahme an einer solchen Studie bedeutet jedoch nicht, dass die Behandlungen experimentell oder unsicher sind; klinische Studien ermöglichen es, Zugang zu den neuesten Behandlungsansätzen und Medikamenten zu erhalten. Die Teilnehmerinnen/Teilnehmer werden sehr intensiv und engmaschig betreut. Viele Patientinnen/Patienten mit einem Lymphom können davon enorm profitieren. Insbesondere bei Vorliegen von Risikofaktoren (z.B. bestimmte genetische Veränderungen) sowie bei einem Krankheitsrückfall sollten die Betroffenen im Rahmen einer klinischen Studie behandelt werden. Die behandelnden Ärztinnen/Ärzte informieren individuell darüber, ob die Teilnahme an einer klinischen Studie möglich ist und wie diese abläuft.

Mehr zum Thema:

Wohin kann ich mich wenden?

Die Behandlung des Lymphomes findet durch Fachärztinnen/Fachärzte für Innere Medizin mit Spezialisierung auf dem Gebiet der Hämato-Onkologie statt. Sie sollte in einem darauf spezialisierten Schwerpunktzentrum erfolgen.

Eine Auflistung österreichweiter onkolgischer Zentren bzw. Abteilungen finden Sie hier.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

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