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Frau mit Schmerzen in der Wirbelsäule © underdogstudios
Frau mit Schmerzen in der Wirbelsäule © underdogstudios

Spondylolyse und Spondylolisthese: Was ist das?

Spondylolyse ist die Erkrankung eines Wirbels bei dem sich ein Riss oder Spalt im Wirbelbogen ausbildet. Dadurch kann ein Teil des Wirbels – der Wirbelkörper – instabil werden. Kommt es dann zur Verschiebung der Wirbel zueinander bezeichnet man das als Spondylolisthese (Wirbelgleiten). In diesen Fällen spricht man von einer „echten“ Spondylolisthese.

Die degenerative Spondylolisthese tritt meist bei Erwachsenen und älteren Personen auf und ist eine Folge von Abnutzungen. Dadurch kommt es zur Verschiebung der Wirbel zueinander.

Spondylolyse und „echte“ Spondylolisthese (lat. Spondylolisthesis vera) treten am häufigsten an den unteren Lendenwirbeln auf. Sie werden meist durch sportliche Überlastungen hervorgerufen, können aber auch andere Ursachen haben. Oft bleiben die Betroffenen beschwerdefrei. Spondylolyse und Spondylolisthese können bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen manchmal auch Rückenschmerzen und andere Beschwerden verursachen. In den meisten Fällen helfen nicht-operative Therapien, wie Schonung oder Physiotherapie, um die Beschwerden zu lindern.

Eine Spondylolyse wird bei rund sechs Prozent der Bevölkerung diagnostiziert. Frauen und Männer sind ungefähr gleich häufig betroffen. Eine „echte“ Spondylolisthese tritt seltener auf als eine Spondylolyse. Schwere Formen der Spondylolisthese sind bei Frauen häufiger als bei Männern. Details finden Sie unter Spondylolyse, Spondylolisthese: Diagnose & Therapie

Wie ist ein Wirbel aufgebaut?

Ein knöcherner Wirbel hat eine besondere Form: Vom Wirbelkörper führt der Wirbelbogen zu den Wirbelbogengelenken (Facettengelenk) und dem Dornfortsatz. Der Wirbelbogen bildet den Wirbelkanal, in dem das Rückenmark verläuft. An beiden Seiten des Wirbelkörpers führen die Rückenmarksnerven (Spiralnerven) in den Körper.

Die einzelnen knöchernen Wirbel sind durch ihre Form in der Wirbelsäule verankert und durch die umgebende Muskulatur und Bänder an ihrer Position stabilisiert. Die Bandscheiben fungieren als Stoßdämpfer zwischen den Wirbelkörpern. Die Wirbelgelenke sorgen für die Beweglichkeit und Stabilisierung der Wirbelsäule. Der untere Teil der Wirbelsäule, die Lendenwirbelsäule, trägt das meiste Gewicht. Die Wirbel der Lendenwirbelsäule sind deshalb besonders belastet. 

Welche Ursachen haben eine Spondylolyse und eine Spondylolisthese?

Eine Spondylolyse ist ein krankhafter Spalt (Riss, Bruch), der sich an einer Verschmälerung des knöchernen Wirbelbogens bildet. Dieser Bereich des Wirbelbogens wird als Interartikularportion (lat. Pars interartikularis) bezeichnet. An dieser Schwachstelle besteht oft eine Veranlagung (Prädisposition) für eine Rissbildung von Geburt an, welche sich später dann im Wachstum oder danach ausbildet. Traumen oder Überlastungen durch bestimmte Sportarten können das Risiko für eine Spondylolyse erhöhen. Eine Spondylolyse tritt meist im fünften Lendenwirbel auf, selten im vierten Wirbel.

Bei einem Bruch beider Seiten des Wirbelbogens wird der vordere Teil des Wirbels, der Wirbelkörper, instabil und kann verrutschen. Bei einer Spondylolisthese verschiebt sich ein Wirbelkörper aus seiner normalen Position gegenüber dem darunter liegenden Wirbel nach vorne (ventral) Richtung Bauch.

Wie entsteht eine Spondylolyse?

In den meisten Fällen sind häufige Überlastungen der Wirbel und eine angeborene Prädisposition die Ursache eine Spondylolyse. Manchmal kann ein Riss oder Bruch (Fraktur) am Wirbelbogen auch durch eine akute Verletzung entstehen.

Das Risiko einer Spondylolyse ist bei Sportarten, bei denen es häufig zu Belastungen und Überstreckungen der Wirbelsäule kommt, erhöht. Zu diesen Sportarten zählen z.B. Judo, Gymnastik, Gewichtheben, Kunstturnen oder Speerwerfen. Bei Kindern und Jugendlichen ist das Risiko eines Ermüdungsbruchs in der Wachstumsphase erhöht.

Wie entsteht eine Spondylolisthese?

Beidseitige Spondylolyse ist eine häufige Ursache der Spondylolisthese. Oft sind junge Sportlerinnen/Sportler davon betroffen. Nach der Wachstumsphase wird die Zone des Wirbelgleitens meist stabil und die Beschwerden können sich legen.

Auch Abnützungen oder degenerative Veränderung, z.B. der Bandscheiben oder der Wirbelbogengelenke, können zu einer Instabilität und einer Verschiebung eines Wirbels führen. Bandscheiben werden durch die natürliche Alterung mit der Zeit dünner und verlieren an Flüssigkeit und Druck. Zusätzlich kann übermäßige Beanspruchung zu einer Abnutzung der Bandscheiben sowie der Wirbelgelenke und ihrer Haltebänder beitragen. Dadurch kann die Verbindung zwischen den Wirbeln lockerer werden. Das Risiko für eine degenerative Spondylolisthese steigt ungefähr ab dem 50. Lebensjahr.

Eine Spondylarthrose Spondylarthrose gemeinsam mit einem Bandscheibenschaden ist häufig die Ursache einer degenerativen Spondylolosthese. Dadurch können Verknöcherungen entstehen, die in weiterer Folge den Wirbelkanal verengen ( Spinalkanalstenose) und eine Reizung oder Schädigung der dort verlaufenden Spinalnerven verursachen (Radikulopathie).

Welche Formen von Spondylolyse und Spondylolisthese gibt es?

Eine Spondylolyse kann sowohl auf einer Seite des Wirbelbogens als auch auf beiden Seiten auftreten.

Eine Spondylolisthese wird meist nach der Ursache der Entstehung eingeteilt (klassifiziert):

  • Kongential: Fehlbildung (Dsyplasie) der Lendenwirbel, z.B. horizontal ausgerichtete Gelenkfortsätze,
  • Isthmisch: beidseitiger Bruch der Pars interartikularis des Wirbelbogens,
  • Degenerativ: z.B. in Folge einer Arthrose und eines Bandscheibenschadens.
  • Traumatisch: Verletzung des Wirbels aufgrund einer starken Gewalteinwirkung.
  • Pathologisch: als Folge einer Knochenerkrankung oder eines Tumors.

Schweregrade einer Spondylolisthese

Der Schweregrad einer Spondylolisthese wird häufig nach Meyerding-Graden angegeben. Die Einteilung beschreibt, wie weit sich die Hinterkante des oberen Wirbels am darunterliegenden Wirbel nach vorne verschoben hat:

  • Meyerding Grad I: leichte Verschiebung bis zu einem Viertel des unteren Wirbels (führt selten zu Beschwerden).
  • Meyerding Grad II: Verschiebung bis zur Hälfte des unteren Wirbels.
  • Meyerding Grad III: Verschiebung bis über Hälfte des unteren Wirbels.
  • Meyerding Grad IV: Verschiebung bis ins vordere Viertel des unteren Wirbels.

Sehr selten gleitet der obere Wirbel über den unteren hinaus (Spondyloptose).

Wie Sie den Erkrankungen vorbeugen können

Das Risiko einer Spondylolyse ist besonders bei Kindern und Jugendlichen erhöht, die rückenbelastende Sportarten ausüben. Dazu zählen Bewegungen, bei denen oft der Rücken zurückgebeugt oder ein Hohlkreuz gebildet wird, z.B. Turnen (Handstand, Handstandüberschlag), Trampolinspringen, Speerwerfen, Delfinschwimmen, Judo oder Ringen.

Eine kräftige, gut trainierte Rückmuskulatur kann durch Sport verursachten Überlastungen der Wirbelsäule vorbeugen. Wie Sie Überlastungen der Wirbelsäule allgemein vermeiden, lesen Sie unter Rückenschmerzen: Vorbeugung.

Welche Symptome können auftreten?

In vielen Fällen verursachen Spondylolyse und leichte Formen der Spondylolisthese keine besonderen Beschwerden. Die Erkrankungen werden oft als Zufallsbefund im Röntgen entdeckt. Wenn Symptome bestehen, treten sie meist als Schmerzen im Bereich des unteren Rückens auf. Je stärker sich ein Wirbel verschiebt, desto mehr werden die umgebenden Muskeln, Sehnen und Bänder belastet. Besonders bei sportlich aktiven Kindern und Jugendlichen können Rückenschmerzen auf eine Spondylolyse oder eine Spondylolisthese hinweisen.

Die Symptome können, je nach Form und Schweregrad, unterschiedlich beschaffen sein:

  • Ziehende Rückenschmerzen, ähnlich einem Muskelkater, die besonders beim Beugen des Rückens auftreten.
  • Die Rückenschmerzen werden bei körperlicher Belastung stärker, in Ruhe schwächer.
  • Anhaltende Schmerzen, die bis ins Gesäß und in die Beine ausstrahlen.
  • Neurologische Symptome, z.B. Sensibilitätsstörungen, „Kribbeln“, Taubheitsgefühl, Lähmungserscheinungen in den Beinen.

Drückt der vorgerutschte Wirbelkörper auf die seitlich der Wirbelsäule gelegenen Nerven (Spinalnerven), verursacht dies eine Reizung der Nervenwurzeln. Die Schmerzen können bis ins Bein und in den Fuß ausstrahlen (radikulärer Schmerz). Durch die Reizung (Irritation) der Nervenwurzel des verschobenen Wirbelkörpers kann die Beweglichkeit der Hüfte durch Schmerzen eingeschränkt werden. Chronische Reizungen der Spinalnerven können mit neurologischen Symptomen wie Sensibilitätsstörungen (häufig), Lähmungserscheinungen (selten) und Blasenentleerungsstörungen (sehr selten) verbunden sein.

Bei seltenen, stark ausgeprägten Fällen einer Spondylolisthese ist die Verschiebung des Wirbelgelenks am Rumpf tastbar oder sichtbar. Es tritt ein ausgeprägtes Hohlkreuz und eine deutliche Eindellung an der Wirbelsäule („Sprungschanzenphänomen“) auf. 

Weitere Informationen finden Sie unter Spondylolyse und Spondylolisthese: Diagnose und Therapie.

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