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Frau mit Schmerzen in der Wirbelsäule © underdogstudios

Spondylolisthese: Was ist das?

Spondylolisthese ist eine Erkrankung der Wirbelsäule. Sie wird auch als Wirbelgleiten bezeichnet und tritt am häufigsten an den unteren Lendenwirbeln auf. Dabei verschiebt sich ein Wirbelkörper aus seiner normalen Position gegenüber dem darunter liegenden Wirbel nach vorne Richtung Bauch (Antelisthese) oder nach hinten Richtung Rücken (Retrolisthese).

Häufige Ursachen sind eine meist altersbedingte Abnutzung der Wirbelsegmente (Pseudolisthese) oder eine Spaltbildung an den Wirbelbögen (Spondylolyse). Diese Spaltbildung kann durch eine angeborene Fehlbildung (Dysplasie) an den Wirbelgelenken oder durch bestimmte sportliche Überlastungen der Wirbelsäule in der Wachstumsphase ausgelöst werden. Selten kann Wirbelgleiten durch einen Unfall oder einen Tumor verursacht werden. Rund drei Prozent der Bevölkerung in Europa sind von einer Spondylolisthese betroffen. In den meisten Fällen (rund 80 Prozent) verursacht ein Wirbelgleiten jedoch keine Beschwerden.

Aufbau eines Wirbels

Ein Wirbel besteht aus dem Wirbelkörper, auf dem die Bandscheibe aufliegt, und dem Wirbelbogen, der zu den Wirbelgelenken führt. Bandscheiben fungieren als Stoßdämpfer. Die Wirbelgelenke sorgen für die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Der untere Teil der Wirbelsäule trägt das meiste Gewicht. Die Bandscheiben, Wirbelkörper und Wirbelbogengelenke der Lendenwirbelsäule sind deshalb besonders belastet. Weitere Informationen finden Sie unter Die Wirbelsäule.

Durch Abnutzung verursachtes Wirbelgleiten

Die durch Abnutzung bedingte Form des Wirbelgleitens wird als degenerative Spondylolisthese bezeichnet. Sie tritt meist bei Patientinnen und Patienten über dem 50. Lebensjahr auf. Bandscheiben werden durch natürliche Alterung mit der Zeit dünner und verlieren an Flüssigkeit und Druck. Zusätzlich kann übermäßige Beanspruchung zu einer Abnutzung der Bandscheiben bzw. der Wirbelgelenke beitragen.

Durch den Verschleiß der Bandscheibe wird die Verbindung zwischen den Wirbeln weniger fest und ein Wirbelkörper kann sich etwas über den darunter liegenden Wirbelkörper verschieben. Meist ist davon der vierte Lendenwirbel betroffen. Oft entwickelt sich gleichzeitig neben dem Wirbelgleiten eine Spondylarthrose in den Wirbelgelenken. Dadurch können Verknöcherungen und Abnutzungen entstehen, die in weiterer Folge den Wirbelkanal verengen (Spinalkanalstenose) und eine Reizung oder Schädigung der dort verlaufenden Spinalnerven verursachen (Radikulopathie).

Durch Spondylolyse verursachtes Wirbelgleiten

Eine krankhafte Spaltbildung am Wirbelbogen wird als Spondylolyse bezeichnet. Sie ist angeboren oder kann durch eine Überlastung der Wirbelsäule entstehen. Wenn die Verbindung zwischen Wirbelkörper und den beiden Wirbelgelenken unterbrochen ist, wird der Wirbel instabil. Dadurch kann in der Folge ein Wirbelgleiten entstehen.
Bestimmte Bewegungen, z.B. wiederholte Überstreckungen des Rückens, können vor allem bei Kindern und Jugendlichen die Wirbel derart belasten, dass kleine Verletzungen und Ermüdungsbrüche am Wirbelbogen entstehen. Dies stört die knöchernen Verbindungen und löst die Spaltbildung zwischen Wirbelkörper und Wirbelgelenk aus.

Eine Spondylolyse tritt meist im fünften, selten am vierten Lendenwirbel auf. Beschwerden treten häufig bei Jugendlichen zwischen zehn und 16 Jahren auf. Nach der Wachstumsphase wird die Zone des Wirbelgleitens meist stabil und die Beschwerden legen sich. Ungefähr ab dem 40. Lebensjahr kann durch die Abnutzung von Wirbelsäule und Bandscheiben aus einer Spondylolyse ein Wirbelgleiten entstehen, das Beschwerden verursacht. Rund vier Prozent der Bevölkerung in Europa sind von einer Spondylolyse betroffen.

Wirbelgleiten vorbeugen

Das Risiko einer Spondylolyse ist besonders bei Kindern und Jugendlichen erhöht, die rückenbelastende Sportarten ausführen. Dazu zählen Sportarten oder Bewegungen, bei denen oft der Rücken zurückgebeugt oder ein Hohlkreuz gebildet wird, z.B. Turnen (Handstand, Handstandüberschlag), Trampolinspringen, Speerwerfen, Delfinschwimmen, Judo oder Ringen.

Eine kräftige, gut trainierte Rückmuskulatur beugt durch Sport verursachten Überlastungen der Wirbelsäule vor. Wie Sie Überlastungen der Wirbelsäule allgemein vermeiden, lesen Sie unter Rückenschmerzen: Vorbeugung.

Symptome und Beschwerden

Wirbelgleiten kann, je nach Schweregrad, folgende Beschwerden verursachen:

  • Ziehende Schmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelsäule), die bei körperlicher Belastung stärker werden,
  • Schmerzen beim Beugen des Rückens,
  • anhaltende Schmerzen, die bis ins Bein ausstrahlen,
  • neurologische Symptome, z.B. Sensibilitätsstörungen, „Kribbeln“, Taubheitsgefühl, Lähmungserscheinungen.

Wirbelgleiten entsteht meist ohne Symptome und wird oft als Zufallsbefund im Röntgen entdeckt. Leichtes Wirbelgleiten verursacht meist keine Beschwerden. Je stärker sich ein Wirbel verschiebt, desto mehr werden die umgebenden Muskeln, Sehnen und Bänder belastet. Dadurch können im unteren Rücken Schmerzen auftreten, die bei körperlicher Belastung stärker werden.

Drückt der vorgerutschte Wirbelkörper auf die seitlich der Wirbelsäule gelegenen Nerven (Spinalnerven), verursacht dies eine Reizung der Nervenwurzeln. Die Schmerzen können bis ins Bein und in den Fuß ausstrahlen (radikulärer Schmerz). Durch die Irritation der Nervenwurzel des verschobenen Wirbelkörpers kann die Beweglichkeit der Hüfte durch Schmerzen eingeschränkt werden. Chronische Reizungen der Spinalnerven können mit neurologischen Symptomen wie Sensibilitätsstörungen (häufig), Lähmungserscheinungen (selten) und Blasenentleerungsstörungen (sehr selten) verbunden sein.

Bei seltenen, stark ausgeprägten Fällen ist die Verschiebung des Wirbelgelenks am Rumpf tastbar oder sichtbar. Es tritt ein ausgeprägtes Hohlkreuz und eine deutliche Eindellung an der Wirbelsäule („Sprungschanzenphänomen“) auf. Bei sportlich aktiven Kindern und Jugendlichen können Rückenschmerzen auf ein Wirbelgleiten bzw. eine Spondylolyse hinweisen.

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