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Symbolfoto für gesunde Ernährung © pilipphoto

Gicht: Therapie

Bei Gicht ist es wichtig, dass die Therapie möglichst frühzeitig einsetzt. Dadurch können Komplikationen wie Schäden an Gelenken und inneren Organen sowie ein chronischer Verlauf oftmals verhindert werden. Unterschieden werden die Therapie des akuten Gichtanfalls und eine vorbeugende Therapie zur Vermeidung neuer Gichtanfälle bzw. zur Verhinderung einer chronischen Gicht. Unbehandelt kommt es zu chronisch wiederkehrenden Gichtanfällen . . .

Behandlung des akuten Gichtanfalls

Ziel der Behandlung ist es, rasch die Schmerzen zu lindern und die Entzündung zu stoppen. Dazu kommen in erster Linie nicht steroidale Antirheumatika (NSAR wie z.B. Indometacin, Diclofenac) und lokale Kälteanwendungen (Eis oder Topfen) zur Anwendung. Colchicin wird zunehmend mehr gegeben, nach den internationalen Empfehlungen 1,2 mg so früh wie möglich im akuten Anfall und noch 0,6 mg nach einer Stunde. Patientinnen/Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion erhalten Kortisonpräparate zum Einnehmen oder als Depot in den Muskel. Ist ein größeres Gelenk, z.B. das Kniegelenk, betroffen, wird Kortison direkt in das Gelenk gespritzt. Für bestimmte Patientinnen/Patienten können auch moderne Medikamente aus der Gruppe der Interleukin-(IL)-1-Blocker (Canakinumab, Anakrina) hilfreich sein. Betroffene sollten drei Liter Flüssigkeit (v.a. Wasser, Kräuter- oder Früchtetee, keinen Alkohol) trinken, um die Harnsäurekonzentration im Urin zu verringern.

Vorbeugende Therapiemaßnahmen

Unbehandelt kommt es zu chronisch wiederkehrenden Gichtanfällen. Eine über viele Jahre bestehende unbehandelte Gicht führt zu einer massiven Schädigung von Gelenken, Haut und Nieren. Daher ist es wichtig, nach Abklingen eines Gichtanfalles eine dauerhafte Senkung der Harnsäureblutspiegel unter 6mg/dl zu erreichen. Außerdem sollen bereits bestehende Harnsäureansammlungen beseitigt werden. Dadurch wird das Risiko weiterer akuter Gichtanfälle sowie möglicher Gelenksschäden, Gichtknoten, Nierenschäden und Nierensteine entscheidend vermindert. Im Vordergrund steht eine Lebensstiländerung mit Ernährungsumstellung, ergänzt durch medikamentöse und physikalische Maßnahmen.

Purinreiche Lebensmittel vermeiden

Die Ernährung spielt in der Vorbeugung und Behandlung der Gicht eine zentrale Rolle. Grundsätzlich gilt für die tägliche Purinaufnahme eine Obergrenze von 500 Milligramm. Menschen, die erhöhte Harnsäurewerte aufweisen oder bereits an Gicht leiden, sollten nicht mehr als 300 mg Purine pro Tag (bzw. maximal zwei Gramm pro Woche) zu sich nehmen. Dies entspricht einer Harnsäureproduktion von etwa 700 mg (aus 1 mg Purin entstehen etwa 2,38 mg Harnsäure).

Es gibt Tabellen, in denen der Puringehalt von Lebensmitteln angegeben ist. Aktuelle Ernährungs- und Lebensstilempfehlungen wurden von der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation ausgearbeitet.

Besonders purinreiche Lebensmittel:

  • Innereien
  • Haut von Fisch, Geflügel
  • Kruste von Fleisch
  • Geräucherte Fisch- und Fleischwaren
  • Krusten- und Schalentiere
  • Bierhefe

Purinreiche Lebensmittel:

  • Fleisch (Fisch, Geflügel, Wild)
  • Wurst
  • Fleisch- und Knochensuppen
  • Alkohol v.a. Bier (auch alkoholfreies) und Spirituosen

Purinarme bzw. purinfreie Lebensmittel:

  • Gemüse und Obst (vorzugsweise mit niedrigem Fruktosegehalt)
  • Fettarme Milch und Milchprodukte
  • Eier
  • Getreide und Getreideprodukte

Eine gesundheitsfördernde Ernährung besteht überwiegend aus pflanzlichen, ballaststoffreichen Lebensmitteln mit einer hohen Nährstoffdichte. Weiters sollten purinarme Eiweißquellen wie z.B. fettarme Milch und Milchprodukte wie Käse, Joghurt und Topfen bevorzugt werden. Pro Tag sollten nicht mehr als 100 g Fleisch, Fleischprodukte, Wurst oder Fisch gegessen werden. „Purinbomben“ wie Innereien, Anchovis, Heringe, Makrelen oder Ölsardinen sollten nicht zu oft verzehrt werden. Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten und Gichtkranke sollten sie ganz meiden. Bei Geflügelverzehr wie gebratenem Hähnchen ist außerdem zu beachten, dass die Haut besonders purinreich ist.

Medikamentöse Therapie

Reicht eine Anpassung der Ernährung nicht aus, um die Harnsäurekonzentration auf Normwerte zu senken, müssen die Patientinnen/Patienten zusätzlich Medikamente einnehmen, wie:

  • Urikostatika (z.B. Allopurinol): hemmen den Abbau von Purinen zu Harnsäure.
  • Febuxostat: Dieser Xanthinoxidasehemmer wird bei Versagen oder Unverträglichkeit von Allopurinol eingesetzt und senkt die Harnsäure sehr effizient.
  • Lesinurad: wurde erst kürzlich in Europa zugelassen und kann in Zukunft als Zusatzpräparat sowohl zu Allopurinol als auch zu Febuxostat bei ungenügender Harnsäuresenkung verordnet werden.

Häufig bilden sich bei einer medikamentösen Behandlung bereits vorhandene Ablagerungen (Tophi, Nierensteine) zurück. Zu Beginn einer Therapie können dadurch akute Gichtanfälle ausgelöst werden. Um diese zu vermeiden, wird die Behandlung mit niedrigen Dosen der erwähnten Medikamente begonnen und anfangs mit Colchicin (0,5 mg Colchicin täglich) oder nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) für zwei- bis sechs Monate als Schutztherapie kombiniert.

Bei schwerer chronischer Gicht mit Tophi kann eventuell der Einsatz von Uricasen notwendig sein, um die Tophi medikamentös aufzulösen. Das ist eine Infusionstherapie, die nur an spezialisierten Krankenhaus-Zentren durchgeführt wird. Die Infusionen bergen ein hohes Risiko an allergischen Reaktionen und sind nur für ein ganz ausgesuchtes Patientenkollektiv geeignet.

Geht die Gicht auf andere Erkrankungen (z.B. Nierenleiden, Krebs, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, metabolisches Syndrom) zurück, muss in erster Linie die auslösende Grunderkrankung behandelt werden. Beschwerden durch Gelenksschäden nach vorausgegangenen Entzündungen werden durch Medikamente (Schmerzmittel, Antirheumatika) gelindert.

Physikalische Therapie

Die Beschwerden einer chronischen Gicht mit bestehenden Gelenkschäden können mithilfe physikalischer Maßnahmen verringert werden. Folgende Maßnahmen stehen zur Verfügung:

  • Schmerztherapie: Ultraschall-, Elektrotherapie.
  • Durchblutungsverbesserung, Muskelentspannung: Massage, Kältebehandlung.
  • Muskelkräftigung: Physiotherapie, direkte Mittelfrequenzstrombehandlung, Reizstromtherapie.
  • Behandlung von Bewegungseinschränkungen: Ergotherapie, Physiotherapie.

Weitere hilfreiche Maßnahmen

  • Übergewicht reduzieren: Übergewicht und Gicht sind häufig miteinander verbunden. Bei Gewichtsreduktion stellt sich eine niedrigere Harnsäurekonzentration im Blut ein. Übergewicht sollte allerdings langsam abgebaut werden, höchstens zwei Kilogramm pro Monat. Fastenkuren oder Nulldiäten können einen Gichtanfall verursachen, da die Ketonkörper, die während dieser Diät gebildet werden, die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren verringern.
  • Regelmäßig bewegen: Körperliche Betätigung senkt den Harnsäurespiegel. Empfohlen werden mindestens 30 Minuten Bewegung 2-3x/Woche.
  • Vitamin C: Die tägliche Aufnahme von Vitamin C (Empfehlung: 100 mg) kann die Ausscheidung von Harnsäure erhöhen.

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie unter Gicht leiden oder bei Ihnen erhöhte Harnsäurewerte bekannt sind, können Sie sich bei Symptomen eines akuten Gichtanfalls an eine Ärztin/einen Arzt für Allgemeinmedizin wenden.

Hinweis Auch bei einer gut eingestellten Hyperurikämie sind regelmäßige Kontrollen des Harnsäurespiegels im Blut durch Ihre Ärztin/Ihren Arzt sinnvoll.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die medikamentöse und physikalische Therapie von Gicht werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Bei bestimmten Leistungen (z.B. Medikamente, stationäre Aufenthalte) sind Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Ist aufgrund der unzureichenden Wirkung anderer Behandlungsformen ein operativer Eingriff notwendig, kann mitunter ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. Dabei wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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