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Mann nimmt Pille ein © Robert Kneschke

Herzinsuffizienz: Therapie & Rehabilitation

Je nach den zugrundeliegenden Ursachen kann eine Herzinsuffizienz heilbar sein oder nicht. Erkrankte, bei denen die Herzschwäche durch übermäßigen Alkoholkonsum entstanden ist, können gesund werden, wenn sie auf Alkohol vollkommen verzichten. Auch durch die erfolgreiche Behandlung einer Grunderkrankung kann eine Herzschwäche günstig beeinflusst werden. Herzinsuffizienz ist ein häufiger Grund für Krankenhausaufenthalte. Im Anschluss daran ist in vielen Fällen eine Rehabilition vorteilhaft oder sogar notwendig . . .

Je früher mit einer Therapie begonnen wird, umso wirksamer können die Beschwerden gelindert und das Fortschreiten der Erkrankung verzögert werden. Sie umfasst die Behandlung der Ursachen, einen gesunden Lebensstil und Medikamente. Führen alle diese Maßnahmen zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis, stehen verschiedene implantierbare Geräte wie z.B. Herzschrittmacher zur Unterstützung des Herzens sowie als letzte, aber wirksame Möglichkeit eines Herzersatzes (Kunstherz, Herztransplantation) zur Verfügung.

Ziel ist es, der Herzschwäche quasi den Boden zu entziehen, zum Beispiel durch folgende Maßnahmen:

  • Gewissenhafte Einstellung des hohen Blutdrucks,
  • Operation bzw. Ersatz defekter Herzklappen,
  • Bypassoperation zur Umgehung oder Kathetereingriffe (z.B. Implantation von Stents) zur Dehnung verengter Herzkranzgefäße.

Gesunder Lebensstil

Durch das eigene Verhalten können Betroffene die Beschwerden einer Herzschwäche deutlich lindern.

  • Ernährung: Patientinnen/Patienten mit Herzinsuffizienz sollten Normalgewicht anstreben und täglich maximal fünf Gramm Kochsalz und maximal 1,5 bis zwei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen, um das Blutvolumen zu verringern und somit das Herz zu entlasten. Für Patientinnen/Patienten mit einer Erkrankung der Herzkranzgefäße ist eine cholesterinarme Ernährung wichtig. Weitere Informationen erhalten Sie unter Ernährung.
  • Bewegung: Durch regelmäßiges Ausdauertraining lässt sich die Leistungsfähigkeit des Herzens deutlich verbessern. Empfehlenswert sind körperliche Aktivitäten, bei denen viel Bewegung mit relativ geringem Kraftaufwand möglich ist, z.B. Spazierengehen, Wandern, Nordic Walking oder Radfahren. Dabei ist es günstiger, sich mehrmals pro Woche entspannt zu bewegen, als einmal vollständig zu verausgaben. Die Kondition sollte langsam gesteigert werden. Vor Beginn des Trainings sollte von einer Kardiologin/einem Kardiologen mit Ergometrie oder Spiroergometrie die körperliche Belastbarkeit der Patientin/des Patienten geprüft werden. Danach sollte mit der Ärztin/dem Arzt abgeklärt werden, welche Bewegungsart am besten geeignet ist. Zu Vermeidung von Überlastungen kann es vorteilhaft sein, das Training in einem Herzzentrum oder einer Rehaklinik unter Aufsicht einer Sporttherapeutin/eines Sporttherapeuten oder einer Ärztin/eines Arztes zu beginnen.
  • Vermeidung von Stress und Überlastung: Wer einen körperlich anstrengenden oder sehr stressigen Beruf ausübt, sollte die Möglichkeit einer beruflichen Veränderung in Erwägung ziehen.
  • Alkohol: führt zu einer direkten Schädigung des Herzmuskels und sollte weitgehend vermieden werden.
  • nicht Rauchen.

Medikamentöse Therapie

Ziele der medikamentösen Therapie sind eine Linderung der Beschwerden, eine Verbesserung der Lebensqualität, die Verringerung von Krankenhausaufenthalten sowie eine Lebensverlängerung. Zum Einsatz kommen v.a. folgende Substanzklassen:

  •  ACE (Angiotensin Converting Enzyme)-Hemmer und Angiotensinrezeptorblocker (Sartane): erweitern die Arterien, senken den Blutdruck und verbessern dadurch die Herzmuskelfunktion. Sie verhindern schädliche Umbauprozesse und steigern die Leistungsfähigkeit des Herzens.
  • Betablocker: schirmen das Herz gegen die Stresshormone ab, verlangsamen die Herzfrequenz (= Puls), senken den Blutdruck und verbessern die Herzmuskelfunktion. Sie können auch das Auftreten von gefährlichen Rhythmusstörungen verhindern.
  • Entwässerungsmittel (Diuretika): fördern die Entwässerung des Körpers durch vermehrte Harnausscheidung und entlasten dadurch das Herz. Sie verhindern die Entstehung von Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge und erleichtern dadurch das Atmen. Weiters wirken sie gegen Schwellungen in den Beinen.
  • Aldosteronantagonisten: wirken entwässernd, reduzieren die Bildung fibrösen Gewebes und kontrolieren den Herzrhythmus. Diese Medikamente werden im fortgeschrittenen Stadium der Herzinsuffizienz eingesetzt.
  • Digitalispräparate (Herzglykoside): stärken den Herzmuskel, was in der Regel zu einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit führt. Sie kommen heutzutage nur noch in schweren Fällen und bei schnellem Vorhofflimmern zum Einsatz.
  • Vasodilatatoren: bewirken, dass sich die Blutgefäße weitstellen (dilatieren) und entspannen. Dadurch sinken der Gefäßwiderstand und der Blutdruck. Das Blut kann leichter durch den Körper zirkulieren. Manche Vasodilatatoren müssen regelmäßig eingenommen werden, manche kurzwirksame Formen (Nitroglycerin) können akut zur Linderung starker Beschwerden eingesetzt werden.

Gelegentlich kommen noch weitere Präparate z.B. zur Kontrolle des Herzrhythmus, zur Senkung des Blutdruckes oder zur Hemmung der Blutgerinnung („Blutverdünner“) hinzu. 

Hinweis Die Behandlung einer Herzinsuffizienz erfordert Geduld: Alle Medikamente werden wegen möglicher Nebenwirkungen mit einer geringen Menge gestartet. Es kann einige Zeit dauern, bis eine verträgliche und therapeutisch wirksame Dosis gefunden wird. Die Besserung der Beschwerden tritt langsam ein.

Was kann ich selbst tun?

Die regelmäßige Einnahme der Medikamente sowie ein gesunder Lebensstil sind für eine erfolgreiche Behandlung unerlässlich. Sehr hilfreich ist das Führen eines Patiententagebuchs. Darin werden täglich Körpergewicht, Blutdruck und Herzfrequenz (= Puls) eingetragen.

Anhand dieser Aufzeichnungen kann die Ärztin/der Arzt die Therapie optimieren. Dadurch lassen sich in vielen Fällen auch Krankenhausaufenthalte vermeiden. Sofern Ihr Körpergewicht innerhalb von ein bis zwei Tagen um mehr als zwei bis drei Kilogramm ansteigt und Sie zudem Atemnot verspüren oder eine Schwellung der Beine auftritt, sollten Sie unmittelbar mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt Kontakt aufnehmen. Durch eine frühzeitige Intensivierung der Therapie ist es in vielen Fällen möglich, einen Krankenhausaufenthalt zu verhindern.

Herzschrittmacher & Co.

Manche Patientinnen/Patienten können mit Medikamenten und einer Lebensstilverbesserung nicht zufriedenstellend behandelt werden. Wenn sie einen abnormen Herzrhythmus haben oder die elektrischen Impulse nicht richtig über das Herz geleitet werden, kann eine Unterstützung des Herzens von außen hilfreich sein. Dazu können kleine Geräte in den Körper implantiert werden, die die Herzfunktion überwachen und durch die schmerzfreie Abgabe von elektrischen Signalen das Herz unterstützen, regelmäßig zu schlagen bzw. besser zu funktionieren. Darüber hinaus bieten viele dieser Geräte auch durch eine Fernüberwachungsfunktion die Möglichkeit der elektronischen Übertragung klinischer Daten direkt an die Ärztin/den Arzt. Diese Daten können zur Behandlung der Erkrankung herangezogen werden und ermöglichen es, eine Verschlechterung frühzeitig zu erkennen.

Die Implantate werden meist unter örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) im Rahmen eines 30 Minuten bis etwa zwei Stunden dauernden operativen Eingriffs unter dem Schlüsselbein eingesetzt, sodass sie äußerlich nicht erkennbar sind. Die meisten Geräte haben die Größe einer kleinen Taschenuhr, müssen einmal jährlich ambulant überprüft werden, wobei die Batterien meist mindestens fünf Jahre halten. Zur Auswahl stehen verschiedene Arten von Geräten, die teilweise auch in Kombinationen zum Einsatz kommen:

  • Herzschrittmacher: geben schwache Stromimpulse an das Herz ab. Durch die regelmäßige Anregung des Herzmuskels werden Herzrhythmusstörungen verringert und die Herzfrequenz wird gesteuert.
  • Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT): dient nicht nur als Schrittmacher, sondern rekoordiniert auch das Schlagen der beiden Herzventrikel. Sie kommt bei Patientinnen/Patienten mit Herzinsuffizienz und speziellen EKG-Veränderungen (Schenkelblock) erfolgreich zur Anwendung.
  • Defibrillator (Implantierbarer Cardioverter-Defibrillator, ICD): Hauptfunktion eines „Defi“ ist, lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen zu beenden. Er löst bei Aussetzern des Herzschlages leichte Stromstöße aus, die den Herzrhythmus korrigieren sollen. Wenn dies nicht gelingt, erzeugt das Gerät einen leichten elektrischen Schock. Dies wird als Kardioversion bezeichnet. Wenn auch dies keine Wirkung zeigt oder eine sehr schwerwiegende Störung festgestellt wird, gibt das Gerät einen stärkeren Schock ab, was als Defibrillation bezeichnet wird.

Hinweis Wichtig ist, dass die Patientin/der Patient jede Ärztin/jeden Arzt und jede Zahnärztin/jeden Zahnarzt darüber informiert, dass sie/er ein elektrotherapeutisches Gerät in sich trägt. Obgleich die meisten ärztlichen und zahnärztlichen Maßnahmen wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Funktion des Apparates haben werden, müssen doch bei manchen bestimmte Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, um Störungen zu minimieren.

Die Geräte lösen bisweilen in der Sicherheitsschleuse am Flughafen Alarm aus, wobei die Funktion des Gerätes nur selten gestört wird. Daher sollte vorab immer das Sicherheitspersonal entsprechend informiert werden.

Operative Eingriffe am Herzen

Bisweilen kann die Implantation eines Kunstherzes erforderlich sein, um die Herzarbeit zu unterstützen. Als letzte, aber wirkungsvolle Möglichkeit bei weit fortgeschrittener Krankheit besteht bei einigen Betroffenen die Möglichkeit einer Herztransplantation.

Künstliche Herzen und andere Unterstützungssysteme

Diese dienen der mechanischen Unterstützung des Blutkreislaufs bzw. der Herzarbeit – entweder auf unbefristete Zeit oder zur Überbrückung der Wartezeit bis zu einer Herztransplantation. Künstliche Herzen werden auch Patientinnen/Patienten angeboten, für die eine Herztransplantation nicht mehr infrage kommt und denen dadurch ein Weiterleben ermöglicht werden soll. Diese unter Vollnarkose durchgeführten Operationen können mit schwerwiegenden Komplikationen wie z.B. Infektionen, Blutgerinnungsproblemen etc. verbunden sein. Unterschieden werden verschiedene Arten von Kunstherzen:

  • Das linksventrikuläre Unterstützungssystem (LVAD) wird in die linke Herzkammer eingesetzt und pumpt das Blut von dort in die Aorta. Diese Art der Unterstützung stellt die häufigste Art von Kunstherzen dar.
  • Das rechtsventrikuläre Unterstützungssystem (RVAD) wird in die rechte Herzkammer implantiert und pumpt das Blut in die Pulmonalarterie.
  • Das totale Kunstherz (TAH) ersetzt das menschliche Herz vollständig. Bei der Operation wird das Herz der Patientin/des Patienten vollständig entfernt und durch eine mechanische Pumpe ersetzt.

Herztransplantation

Dabei wird das Herz einer Organspenderin/eines Organspenders einer Empfängerin/einem Empfänger eingepflanzt. Herztransplantationen sind mit hohen Risiken verbunden und nur für bestimmte Patientinnen/Patienten geeignet. Danach müssen sie lebenslang Medikamente gegen unerwünschte Reaktionen des Immunsystems (Transplantatabstoßung) einnehmen.

Stationärer Aufenthalt & Rehabilitation

Ein Krankenhausaufenthalt kann notwendig werden bei:

  • akutem Herzversagen oder einer starken Verschlechterung des Gesundheitszustands,
  • Atemnot bereits während Ruhephasen,
  • neu aufgetretenen Herzrhythmusstörungen,
  • Problemen mit dem Herzschrittmacher oder Defibrillator,
  • Veränderungen des Blutbilds,
  • neu aufgetretenen Erkrankungen,
  • Ansammlung von Wasser im Körper,
  • psychischen Veränderungen.

Ein Krankenhausaufenthalt kann auch erforderlich sein, wenn Behandlungsmaßnahmen überprüft oder verbessert werden sollen, und um weitere Erkrankungen zu erkennen und ihre Behandlung einzuleiten.

Im Anschluss an eine Akutbehandlung im Krankenhaus kann eine ambulante oder stationäre Rehabilitation in einem entsprechenden Rehabilitationszentrum über vier bis sechs Wochen sinnvoll sein. Das Angebot umfasst medizinische Trainingstherapie zum Aufbau der körperlichen Leistungsfähigkeit, Risikofaktorenmanagement, umfassende Information über die Erkrankung, Ernährungsberatung sowie diverse Schulungen zur Lebensstilmodifikation.

Um Leistungen zur medizinischen Rehabilitation zu erhalten, müssen Betroffene einen Rehabilitationsantrag stellen. Bewilligt der Sozialversicherungsträger den Rehabilitationsaufenthalt, wird auch einen Großteil der Kosten übernommen. Für Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation ist je nach Einkommen eine Zuzahlung der Versicherten vorgesehen.

Weitere Informationen finden Sie unter Rehabilitation.


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