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Herzinsuffizienz: Behandlung

Die Behandlung einer chronischen Herzinsuffizienz bzw. einer chronischen Herzschwäche umfasst mehrere Maßnahmen. Dazu zählt einerseits die Therapie der auslösenden Ursache. Zudem gibt es verschiedene Medikamente, die das Herz entlasten können. Für manche Betroffenen kommen auch implantierbare Geräte oder bestimmte Operationen am Herzen infrage. Bei weit fortgeschrittener Krankheit besteht in manchen Fällen die Möglichkeit einer Herztransplantation.

Allgemeine Ziele der Behandlung

Die Behandlung einer Herzschwäche zielt darauf ab:

  • Beschwerden zu lindern,
  • die Lebensqualität zu verbessern,
  • Krankenhausaufenthalte zu verringern,
  • ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern,
  • das Leben der Betroffenen zu verlängern.

Welche Behandlung für eine Patientin oder einen Patienten infrage kommt, hängt unter anderem von der Form der Herzschwäche, dem Schweregrad und der Ursache ab. Auch Begleiterkrankungen und persönliche Wünsche der Betroffenen spielen eine Rolle. Die Ärztin oder der Arzt informiert über die Möglichkeiten der Behandlung und klärt über die jeweiligen Vorteile und Risiken auf.

Anpassung des Lebensstils

Zusätzlich zu den Behandlungsmaßnahmen spielen bei einer Herzschwäche auch bestimmte Anpassungen des Lebensstils eine wichtige Rolle. Dazu zählen unter anderem:

  • eine gesunde Ernährung
  • starken Salzkonsum reduzieren
  • situationsangepasste Flüssigkeitszufuhr
  • so gut wie möglich körperlich aktiv bleiben
  • unter Umständen Gewichtsabnahme
  • nicht rauchen
  • Alkoholkonsum reduzieren

Mehr zum Thema: Herzinsuffizienz: Was kann ich selbst tun?

Behandlung mit Medikamenten

Eine Herzschwäche wird zunächst meist mit Medikamenten behandelt. Je nach Form der Erkrankung stehen verschiedene Wirkstoffklassen zur Verfügung.

Herzschwäche mit reduzierter Auswurfleistung (HFrEF)

Die Behandlung einer Herzschwäche mit reduzierter Auswurfleistung erfolgt nach dem sogenannten Vier-Säulen-Modell. Es kommen in der Regel folgende Wirkstoffgruppen zum Einsatz:

  • Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor, kurz ARNI: Dies ist eine fixe Kombination zweier Wirkstoffe, nämlich einem Angiotensin-Rezeptorblocker und dem Wirkstoff Sacubitril. Der Angiotensin-Rezeptorblocker hat unter anderem eine blutdrucksenkende Wirkung. Sacubitril bewirkt, dass bestimmte Hormone, die das Herz schützen, länger aktiv bleiben. Die Kombination der beiden Wirkstoffe führt zu einer Verbesserung der Herzfunktion und hilft  gegen Beschwerden einer Herzschwäche. Mögliche Nebenwirkungen sind z.B. niedriger Blutdruck und Schwindel.
  • Betablocker: Betablocker blockieren bestimmte Rezeptoren im Körper, die für die Wirkung verschiedener Hormone bzw. Funktionen des Nervensystems wichtig sind. Dadurch führen sie unter anderem dazu, dass der Blutdruck sinkt und das Herz langsamer schlägt. Dies entlastet den Herzmuskel. Mögliche Nebenwirkungen sind z.B. Herzrhythmusstörungen, niedriger Blutdruck und Atemprobleme.
  • Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten: Diese Wirkstoffe blockieren die Wirkung des Hormons Aldosteron und erhöhen die Urinausscheidung. Dadurch sinkt der Blutdruck, und das Herz wird entlastet. Während der Therapie kann der Kaliumspiegel im Blut ansteigen, daher sind regelmäßige Kontrollen des Blutbildes wichtig. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind z.B. Kopfschmerzen oder eine Verschlechterung der Nierenfunktion.
  • SGLT-2-Hemmer: Diese Wirkstoffe steigern die Zucker- und Wasserausscheidung mit dem Urin. Sie senken den Blutzuckerspiegel und werden zur Behandlung von Diabetes eingesetzt. Es hat sich gezeigt, dass die Wirkstoffe auch das Herz entlasten und Personen mit Herzschwäche helfen, auch wenn diese keinen Diabetes haben. Mögliche Nebenwirkungen sind z.B. Störungen im Zucker- und Fettstoffwechsel, häufiges Wasserlassen, Harnwegsinfektionen und Schwindel.

Weitere Medikamente

Die Ärztin oder der Arzt kann bei einer Herzschwäche zusätzlich weitere Medikamente verschreiben, um Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Zur Verfügung stehen unter anderem: 

  • Entwässernde Medikamente, sogenannte Diuretika: Sie führen zu einer erhöhten Urinausscheidung und helfen gegen Wassereinlagerungen im Körper.
  • Ivabradin: Dieser Wirkstoff führt zu einer Hemmung des Sinusknotens, der sich im rechten Vorhof des Herzens befindet und der „Taktgeber“ des Herzens ist. Dadurch senkt Ivabradin die Herzfrequenz. Es wird z.B. eingesetzt, wenn die Herzfrequenz trotz Betablocker zu hoch ist
  • Eisenpräparate: Bei manchen Personen mit Herzschwäche kommt es zu einem Eisenmangel. In diesen Fällen kann Eisen in Form von Tabletten oder Infusionen verabreicht werden.
  • Vericiguat: Dieser Wirkstoff ist ein sogenannter Guanylatzyklase-Stimulator und fördert z.B. eine Erweiterung der Blutgefäße. Er wird bei fortgeschrittener Herzschwäche eingesetzt, die sich trotz Behandlung verschlechtert hat.

Herzschwäche mit erhaltener Auswurfleistung (HFpEF

Bei dieser Form der Herzschwäche kann der Herzmuskel noch kräftig pumpen, das Herz füllt sich aber nicht ausreichend mit Blut. Die Behandlung richtet sich in erster Linie gegen die zugrunde liegende Erkrankung. Zusätzlich verschreibt die Ärztin oder der Arzt oft Diuretika, vor allem bei bestehenden Flüssigkeitsansammlungen. Auch andere Wirkstoffe, z.B. aus der Gruppe der SGLT-2-Hemmer, können zur Anwendung kommen.

Herzschwäche: Implantierbare Geräte

Bei einer schweren Herzschwäche kann es notwendig sein, ein medizinisches Gerät in den Körper einzusetzen, das die Herzfunktion überwacht bzw. das Herz unterstützt. Solche Geräte kommen etwa für Personen infrage, die aufgrund der Herzschwäche einen abnormen Herzrhythmus oder ein erhöhtes Risiko für schwere Herzrhythmusstörungen haben. Oder wenn die elektrischen Impulse im Herz nicht richtig weitergeleitet werden, wodurch die beiden Herzkammern nicht mehr synchron schlagen und das Herz weniger effizient arbeitet. Die Geräte werden im Brustbereich unter die Haut oder unter dem Brustmuskel eingesetzt und über Elektroden oder Sonden mit dem Herz verbunden. Zur Verfügung stehen unter anderem:

  • Dreikammer-Herzschrittmacher: Ein Herzschrittmacher ist ein kleines Gerät, das den Herzrhythmus überwacht und – wenn notwendig – schwache Stromimpulse an das Herz abgibt. Ein Dreikammer-Herzschrittmacher ist ein spezieller Herzschrittmacher, der über drei Sonden mit dem Herz verbunden wird. Diese werden so platziert, dass linke und rechte Herzkammer wieder synchron schlagen. Dadurch kann sich die Pumpfunktion des Herzens verbessern. Diese Behandlung wird als kardiale Resynchronisationstherapie, kurz CRT, bezeichnet.
Grafik Herzinsuffizienz Herzschrittmacher CRT
© Olga
  • Implantierbarer Defibrillator, kurz ICD: Ein implantierbarer Defibrillator kann lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen erkennen und unterbrechen. Wenn das Gerät eine gefährliche Rhythmusstörung misst, gibt es einen oder mehrere Stromimpulse ab. Diese können die Rhythmusstörung rasch beenden. Ein implantierbarer Defibrillator kann vor einem plötzlichen Herztod schützen. Auf die Herzfunktion selbst hat er keinen Einfluss.

Defibrillator und Herzschrittmacher können auch miteinander kombiniert werden.

Herzschwäche: Operationen am Herzen

Wenn der Herzmuskel sehr geschwächt ist, können unter Umständen Operationen direkt am Herzen nötig sein. Dazu zählen z.B. das Einsetzen eines künstlichen Pumpsystems, eines totalen Kunstherzens oder eine Herztransplantation.

Künstliches Pumpsystem

Künstliche Pumpsysteme helfen dem Herz, den Blutkreislauf aufrechtzuerhalten. Fachleute sprechen von mechanischen Kreislaufunterstützungssystemen bzw. englisch: Mechanical Circulatory Support, MCSSolche Systeme entlasten das Herz und verbessern die Herzfunktion, ersetzen sie aber nicht vollständig.

Ein künstliches Pumpsystem kann zur kurzfristigen oder zur längerfristigen Behandlung eingesetzt werden:

  • Eine kurzfristige Behandlung kommt bei einer akuten Herzschwäche infrage, z.B. wenn der Herzmuskel entlastet werden soll, bis eine Erkrankung ausgeheilt ist. Oder zur Überbrückung bis zu einer Entscheidung über das weitere therapeutische Vorgehen. Bei der kurzfristigen Behandlung kommen meist Systeme zur Anwendung, bei denen die Pumpe außerhalb des Körpers liegt und über Kanülen mit dem Kreislauf der Patientin oder des Patienten verbunden ist.
  • Eine längerfristige Behandlung mit einem künstlichen Pumpsystem kommt bei Personen mit chronischer Herzschwäche infrage, z.B. zur Überbrückung der Wartezeit bis zu einer Herztransplantation. Oder wenn eine Herztransplantation nicht möglich ist. Die längerfristige Behandlung erfolgt in erster Linie mit sogenannten ventrikulären Unterstützungssystemen, englisch: Ventricular Assist Devices, VADs. Die Pumpen dieser Systeme sind sehr klein und werden direkt in das Herz eingesetzt. Sie sind nach außen mit einer Steuereinheit und einem Akku verbunden, die am Körper mitgetragen werden. VADs sind zur Verwendung außerhalb des Krankenhauses geeignet. Sie können die Lebensqualität der Betroffenen steigern und das Überleben verlängern. Je nachdem welche Herzkammer das VAD unterstützt, unterscheiden Fachleute:
    • Left Ventricular Assist Device, LVAD: unterstützt die linke Herzkammer. Dies ist die häufigste Form der VADs.
    • Right Ventricular Assist Device, RVAD: unterstützt die rechte Herzkammer.
    • Biventricular Assist Device, BiVAD: unterstützt beide Herzkammern.
 
Grafik Herzinsuffizienz VAD
© Zentangle

Totales Kunstherz

Ein totales Kunstherz, englisch: Total Artificial Heart, TAH, ist eine spezielle Form eines künstlichen Pumpsystems. Es ersetzt das menschliche Herz vollständig. Das heißt, das Herz der betroffenen Person wird entfernt und durch ein mechanisches Pumpsystem ersetzt, das direkt an die großen Blutgefäße angeschlossen wird. Ein solcher Eingriff kommt infrage, wenn die Funktion beider Herzkammern versagt. Totale Kunstherzen werden nur sehr selten und nur in wenigen hoch spezialisierten Zentren implantiert.

Hinweis

Die genannten Operationen und auch die künstlichen Pumpsysteme selbst können mit schwerwiegenden Komplikationen verbunden sein. Dazu zählen z.B. schwere Infektionen, Blutungen, Schlaganfall etc. Die Entscheidung für einen solchen Eingriff erfordert eine sehr umfassende Planung und Beratung.

Herztransplantation

Wenn alle anderen Behandlungsoptionen ausgeschöpft sind, kann unter Umständen eine Herztransplantation infrage kommen. Dabei wird das erkrankte Herz entnommen und ein gesundes Herz einer Organspenderin oder eines Organspenders eingesetzt. Die Operation ist aufwendig und mit hohen Risiken verbunden. Betroffene müssen zudem lebenslang Medikamente gegen unerwünschte Reaktionen des Immunsystems, sogenannte Transplantatabstoßung, einnehmen.

Eine Herztransplantation ist nur für bestimmte Personen geeignet, etwa wenn keine schweren Begleiterkrankungen vorliegen und die Überlebenschancen nach dem Eingriff hoch sind. Die Wartezeit auf ein passendes Organ ist mitunter lang. 

Mehr zum Thema: Transplantation

Herzrehabilitation

Fachleute empfehlen Personen mit einer Herzschwäche oder anderen Herzerkrankungen die Teilnahme an einer Herzrehabilitation. Das ist ein Behandlungsprogramm, das von speziell geschulten Gesundheitsfachpersonen begleitet wird. Es unterstützt Betroffene mit einer Herzerkrankung dabei, sich zu erholen und die Herzgesundheit langfristig zu stärken. Das Angebot umfasst unter anderem medizinische Trainingstherapie zum Aufbau der körperlichen Leistungsfähigkeit, umfassende Information über die Erkrankung, Ernährungsberatung sowie diverse Schulungen zur Lebensstilanpassung.

Die Ärztin oder der Arzt informiert individuell und kann entsprechende Zentren nennen.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Abklärung und die Behandlung einer Herzschwäche wenden Sie sich an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Kardiologie. Die erste Anlaufstelle kann auch eine Ärztin oder ein Arzt für Allgemeinmedizin oder eine Primärversorgungseinrichtung (PVE) sein.

Bei gesundheitlichen Problemen können Sie sich an die telefonische Gesundheitsberatung 1450 wenden. Bei starken oder bedrohlichen Beschwerden rufen Sie die Rettung unter der Nummer 144.

Zudem unterstützt die Österreichische Sozialversicherung in mehreren Bundesländern spezielle Versorgungsprogramme für Personen mit chronischer Herzschwäche. Diese richten sich an Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige und bieten unter anderem Information, Beratung, Schulungen und Bewegungsprogramme für Betroffene. Auch Hausbesuche sowie telemedizinische Betreuung zählen zu den Angeboten. Die Programme stehen derzeit in folgenden Bundesländern zur Verfügung:

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

  • AMBOSS (2026): Herzinsuffizienz. Online abgerufen im März 2026 unter next.amboss.com (Registrierung erforderlich)
  • Birks E.J., Mancini D. (2023): Treatment of advanced heart failure with a durable mechanical circulatory support device. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im April 2026 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)
  • Cochrane Kompakt: Long L. et al (2026): Wie lässt sich die Teilnahme an einer Herzrehabilitation verbessern? Online abgerufen im April 2026 unter www.cochrane.org
  • Colucci W.S. (2024): Patient education: Heart failure (Beyond the Basics). UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im März 2026 unter www.uptodate.com  (Registrierung erforderlich)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit (Hg.)(2023): Herzschwäche. Online abgerufen im März 2026 unter www.gesundheitsinformation.de
  • EbM-Guidelines: Lommi J. (2022): Chronische Herzinsuffizienz. Online abgerufen im März 2026 unter www.ebm-guidelines.com (Registrierung erforderlich)
  • Pschyrembel online (2022): Herzinsuffizienz. Online abgerufen im März 2026 unter www.pschyrembel.de (Registrierung erforderlich)
  • Pschyrembel online (2024). Herzschrittmacher. Online abgerufen im April 2026 unter www.pschyrembel.de (Registrierung erforderlich)
  • Pschyrembel online (2025). Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT). Online abgerufen im April 2026 unter www.pschyrembel.de (Registrierung erforderlich)
  • Pschyrembel online (2025): Ventrikuläres Assistenzsystem. Online abgerufen im April 2026 unter www.pschyrembel.de (Registrierung erforderlich)
  • springermedizin.de: Mechanische Unterstützung bei Herzversagen. Publiziert am 06.04.2023. Online abgerufen im April 2026 unter www.springermedizin.de
  • springermedizin.de: Ventricular Assist Devices. Publiziert am 27.07.2022. Online abgerufen im April 2026 unter www.springermedizin.de

Letzte Aktualisierung: 26. Mai 2026

Erstellt durch:

Expertenprüfung durch: Prim. Doz. Dr. René R. Wenzel, Facharzt für Innere Medizin, Zusatzfach Innere Medizin (Kardiologie), Zusatzfach Innere Medizin (Nephrologie), Zert. Herzschrittmacher-Therapie

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