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Frau kratzt sich am Arm © chajamp

Skabies (Krätze)

Die Krätze (Skabies) ist eine durch die Grab- oder Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei variatio hominis) verursachte ansteckende stark juckende parasitäre Hauterkrankung („scabere", lat. kratzen).

Die Krätzemilbe gehört zu den Spinnentieren (Arachnida). Die weiblichen Skabiesmilben werden 0,3 bis 0,5 mm groß (mit dem menschlichen Auge gerade noch als Punkt sichtbar), männliche Milben 0,21 bis 0,29 mm. Die Begattung findet auf der Hautoberfläche statt. Die männlichen Milben sterben danach. Die Weibchen graben feine tunnelförmige Gänge in die obere Hautschicht. Dort legen sie täglich mehrere Eier und scheiden reichlich Kotballen aus. Sie leben ca. vier bis acht Wochen. Aus den Eiern schlüpfen nach zwei bis drei Tagen Larven, die an die Hautoberfläche ausschwärmen und sich dort in Falten, Haarfollikeln etc. nach zwei bis drei Wochen zu geschlechtsreifen Milben entwickeln.

Wie wird die Krätze übertragen?

Die Übertragung der Krätze erfolgt von Mensch zu Mensch, es gibt also keinen Zwischenwirt. Eine Ansteckung erfolgt in der Regel bei intensivem körperlichen Kontakt (auch beim Geschlechtsverkehr). Kurzes Händeschütteln, Umarmungen etc. führen in der Regel nicht zu einer Übertragung. Eine Ausnahme bildet die Krustenskabies (Borkenkrätze, Scabies crustosa). Sie zählt zu der hochansteckenden Form der Krätze mit starker Krustenbildung. Da bei der Borkenkrätze die Anzahl der Krätzmilben auf der Haut sehr hoch ist, kann schon ein kurzer Hautkontakt zur Ansteckung führen. Das heißt, dass Besiedlungsrisiko steigt mit der Anzahl der Milben auf der Hautoberfläche der Patientin/des Patienten.

Da die Krätzmilbe für kurze Zeit (ca. zwei Tage) auch ohne Wirt leben kann, ist eine Übertragung über Textilien wie z.B. Bettwäsche, Kleidung, Plüschtiere etc. prinzipiell möglich. Aufgrund der rasch abnehmenden Infektiösität außerhalb der Haut und bei geringer Milbenzahl ist dieser Übertragungsweg eher selten. Das Ansteckungsrisiko ist dort am größten, wo Menschen sehr eng zusammenleben (z.B. Kindergärten/Schulen, Spitäler, Pflegeheime etc.).

Risikofaktoren für die Übertragung sind:

  • hohe Anzahl von Milben
  • häufiger, lang andauernder Körperkontakt
  • Gemeinschaftseinrichtungen (Kindergarten, Schule, Heim etc.)
  • mangelnde Hygiene
  • schlechter Immunstatus  

Symptome

Brennen der Haut und Juckreiz (vor allem nachts) sind häufige erste Anzeichen der Krätze. Der Juckreiz kann sich auch auf Hautregionen ausbreiten, die nicht direkt von Milben betroffen sind.

Nach einer Ansteckung kann es mehrere Wochen dauern, bevor die ersten Symptome auftreten. In dieser Zeit kann sich die Infektion bereits auf andere Personen ausbreiten. Daher werden Menschen, die mit Krätze-Verdachtsfällen Kontakt haben, in der Regel mitbehandelt.  


Gewöhnliche Skabies (Sarcoptes scabiei variatio hominis)

Bei der Erstinfestation treten die ersten Symptome nach zwei bis fünf Wochen auf. Krätzemilben bevorzugen Areale mit hoher Temperatur und dünner Hautschicht. Beliebte Stellen sind daher u.a. die Zwischenräume der Hände und Füße, Ellenbogenstreckseite, vordere Achselhöhlen, Brustwarzenhof, Nabelregion, Analfalte, Leistenregion, Penisschaft etc. Der Rücken ist selten befallen. Kopf und Nacken sind zumeist ausgespart.

Typische Anzeichen sind feine dunkle unregelmäßig gewundene oder strichförmige Linien (Milbengänge) in der oberen Hautschicht. Diese sind mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen. Am Ende dieser Linien können sich nach einiger Zeit kleine Bläschen bilden. Zusätzlich können sich durch Kratzen verletzte Hautstellen eitrig entzünden.  


Krustenskabies (Scabies crustosa, Borkenkrätze)

Die Krustenskabies kommt vor allem bei abwehrgeschwächten (immunsupprimierten) Personen vor, auf denen sich die Milben ungehemmt vermehren. Oft lassen sich bis zu mehreren Millionen Milben auf und in der Haut finden.

Die Anzeichen der Krustenskabies unterscheiden sich von der gewöhnlichen Skabies. Typisch ist eine extreme Krustenbildung, die vor allem die Hand- und Fußflächen, Ellenbogen und Knie befällt. Oft sind auch Körperregionen betroffen, die bei der gewöhnlichen Krätze nicht befallen sind (z.B. Gesicht). 

Hinweis Aufgrund der hohen Anzahl der Milben ist die Krustenskabies hoch ansteckend. Bereits kurze Hautkontakte können zu einer Ansteckung führen.


Skabies im Säuglings- und Kleinkindalter

Säuglinge und Kleinkinder weisen sehr ausgeprägte Hautveränderungen auf. Meist sind die Füße, hier speziell die Fußsohlen, Kopfhaut und Gesicht betroffen. Häufig treten Blasen, Bläschen und Pusteln auf.   

Hinweis Skabies verursacht keine Schmerzen. Die Symptome wie z.B. Juckreiz sind eine Reaktion des körpereigenen Immunsystem auf die Krätzemilben und deren Abfallprodukte (z.B. Kotballen).

Diagnose 

Bei Verdacht auf Skabies sollte eine Ärztin/ein Arzt (Allgemeinmedizinerin/Allgemeinmediziner bzw. Dermatologin/ein Dermatologe) aufgesucht werden.

Die Verdachtsdiagnose kann gesichert werden mittels

  • mikroskopischen Nachweis von Krätzemilben, Milbeneiern bzw. Milbenkot aus einem Hautgeschabsel („skin scraping“). Dafür wird mit einem scharfen Löffel oder Skalpell Haut abgeschabt, um sie mikroskopisch zu untersuchen.
  • Tesafilmabriss: hierfür wir ein Klebestreifen fest auf die betroffene Hautstelle gedrückt, ruckartige abgezogen und mikroskopisch untersucht.
  • Dermatoskopie: Wenn sich ein Milbengang gut erkennen lässt, kann die Ärztin/der Arzt mit einem speziellen Mikroskop darauf blicken und möglicherweise die Milben direkt erkennen.

Hinweis Bei der Borkenkrätze (Scabies norvegica sive crustosa) sind die zahlreich vorhandenen Milben bereits in einzelnen Hautschuppen nachweisbar.

Wie wird die Krätze behandelt?

Für die Behandlung der Krätze stehen spezielle Medikamente zur Verfügung – sogenannte Sabizide. Sie werden meist als Cremes, Salben oder Sprays auf die Haut aufgetragen. Manchmal werden sie auch oral verabreicht.

Vorrangiges Ziel der Behandlung ist das Abtöten der Krätzemilben sowie ihrer Larven und Eier. Weiters werden Symptome, insbesondere der oft ausgeprägte Juckreiz sowie entzündliche Hautstellen behandelt.

Folgende Wirkstoffe stehen zur Verfügung:

  • Permethrin: Der Wirkstoff Permethrin gilt in Europa als Mittel der ersten Wahl gegen Skabies. Es wird als Creme auf die Haut aufgetragen. Bei der gewöhnlichen Skabies reicht meist eine einmalige Behandlung mit dem Wirkstoff Permethrin aus. Permethrin ist gegen Krätzemilben hochwirksam, gut verträglich und kann für Kinder in einer geringeren Dosis angewendet werden.
  • Benzylbenzoat: Dieser Wirkstoff kommt meist nur dann zum Einsatz, wenn eine vorangeganene Therapie mit Permethrin nicht erfolgreich war. Benzylbenzoat hat eine hohe Wirksamkeit gegen die Krätzemilben, wird jedoch wegen der relativ komplizierten Anwendung nur selten verabreicht.

Hinweis Keines der genannten Mittel ist für die Schwangerschaft geeignet. Nach aktuellem Wissensstand ist Permethrin zur Behandlung von Schwangeren mit Skabies am ehesten geeignet.

Mögliche Nebenwirkungen

Studien zufolge rufen die gängigen Medikamente zur Skabies-Therapie selten Nebenwirkungen hervor. Hautausschlag, Durchfall oder Kopfschmerz treten sehr selten auf. 

Allethrin und Piperonylbutoxid können bei Patientinnen/Patienten mit Atemwegserkrankungen zu Komplikationen im Bereich der Atemwege führen. Juckreiz und Ekzem können auch noch einige Wochen nach erfolgreicher Behandlung bestehen, aber an Intensität abnehmen.

Zusätzliche Maßnahmen zur Krätze-Behandlung

Um andere Personen vor einer Ansteckung zu schützen, sollten Erkrankte vorübergehend den Kontakt zu anderen Menschen einschränken und insbesondere den direkten Hautkontakt meiden. Um weitere Ansteckungen vorzubeugen wirken folgende Maßnahmen unterstützend:

  • Handschuhe tragen: Personen, die an Skabies erkrankte Menschen behandeln, sollten Handschuhe tragen. Bei besonders schweren Fällen (z.B. Borkenkrätze) sollte auch ein Schutzkittel getragen werden.
  • Fingernägel schneiden: Erkrankte sollten die Nägel so weit wie möglich kürzen und die Bereiche darunter vorsichtig ausbürsten.
  • Äußerlich angewendete Anti-Milben-Mittel wirken besser, wenn sie nach einem Ganzkörperbad (ca. 60 min.) auf die Haut aufgetragen werden.
  • Während der Medikamenten-Einwirkzeit sollte die Patientinnen/Patienten Baumwollhandschuhe tragen (ggf. zusätzlich darüber Plastikhandschuhe).
  • Nach dem Abwaschen des Medikamentes sollte die Kleidung vollständig gewechselt werden.
  • Bettwäsche, Kleidung etc., die Betroffene längere Zeit in Verwendung hatten, sollten bei 60 Grad gewaschen werden.
  • Betten sollten frisch überzogen werden. Matratzen müssen nur bei Skabies crustosa dekontaminiert werden.
  • Polstermöbel, Teppiche etc. können mit einem Staubsauger abgesaugt werden. Der Filter sollte nach Absaugen entsorgt werden.     

Hinweis Alle Kontaktpersonen sollten regelmäßig auf Symptome einer Skabies untersucht werden, auch wenn alle Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Verdacht auf Skabies sollten Sie umgehend eine Hautärztin/einen Hautarzt aufsuchen.

  • Ärztinnen und Ärzte in Ihrer Nähe finden Sie unter Arztsuche

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

Bei der gewöhnlichen Skabies ist eine stationäre Behandlung nicht notwendig. Bei starkem Milbenbefall (z.B. Krustenskabies kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein. In diesem Fall wird der Spitalaufenthalt über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kosten der Spitalsaufenthalt?


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