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Seniorin mit Puzzle © LIGHTFIELD STUDIOS
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Morbus Parkinson & Demenz

Etwa 40 Prozent der Parkinson-Patientinnen/Patienten entwickeln im Verlauf der Erkrankung eine sogenannte Parkinson-Demenz (PDD). Betroffen sind ausschließlich ältere Personen, das Durchschnittsalter liegt bei 72 Jahren.

Im Gegensatz zu anderen Demenzformen stehen bei der Parkinson-Demenz nicht Merk- und Gedächtnisprobleme, sondern andere kognitive Einschränkungen im Vordergrund. Der Krankheitsverlauf ist - wie bei der Parkinson-Krankheit im Allgemeinen - sehr individuell.  

Wie entsteht die Parkinson-Demenz?

Der Untergang von Nervenzellen schreitet bei der Parkinson-Krankheit stetig voran. In der Folge treten bei vielen Patientinnen/Patienten im Krankheitsverlauf neben den motorischen Symptomen auch zunehmend kognitive Beeinträchtigungen auf. Dazu zählen etwa Aufmerksamkeitsstörungen, verminderte Fähigkeit zur Problemlösung oder kognitive Verlangsamung. So lange die/der Betroffene davon im Alltag nicht wesentlich beeinträchtigt ist, werden die auftretenden Symptome als „mild cognitive impairment“ bzw. leichte kognitive Störung bezeichnet. Ist die/der Betroffene aufgrund der reduzierten kognitiven Fähigkeiten im Alltag zunehmend auf Hilfe angewiesen, spricht man von einer Parkinson-Demenz.

Wie hoch das individuelle Risiko ist, als Parkinson-Patientin/Patient eine Demenz zu entwickeln, hängt in erster Linie vom Alter ab, weniger von der Erkrankungsdauer. Ab 70 Jahren steigt das Risiko stark an. Zudem scheinen weitere Risikofaktoren eine Rolle zu spielen (z.B. das Ausmaß der motorischen Symptome, der Erkrankungstyp oder das Ansprechen auf bestimmte Therapien).

Hinweis Nicht jede Vergesslichkeit oder Verwirrtheit ist automatisch eine Demenz. Erst wenn die Beschwerden über einen Zeitraum von sechs Monaten bestehen und der Alltag dadurch nicht mehr bewältigt werden kann, kann von einer Demenz ausgegangen werden. Mehr zum Thema: Demenz

Welche Symptome können auftreten?

Im Gegensatz zur häufigsten Demenzform, der Alzheimer-Demenz, stehen bei der Parkinson-Demenz nicht Merk- und Gedächtnisprobleme, sondern andere kognitive Einschränkungen im Vordergrund. Dazu zählen: 

  • Störungen der Aufmerksamkeit,
  • kognitive Verlangsamung, reduzierte Reaktionszeit,
  • visuell-räumliche Störungen,
  • Beeinträchtigungen beim Planen, Organisieren, Einhalten einer Reihenfolge,
  • Verlust der mentalen Flexibilität und Multitasking-Fähigkeit,
  • gestörte Wortflüssigkeit,
  • Probleme bei der räumlichen Orientierung,
  • Persönlichkeitsveränderungen,
  • Verhaltensstörungen,
  • Apathie (Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit),
  • später im Krankheitsverlauf auch Gedächtnisstörungen: dabei steht vor allem der gestörte Abruf von Informationen im Vordergrund. Betroffene sind weiter in der Lage, Neues zu lernen, haben jedoch Schwierigkeiten, auf die neu gespeicherten Informationen zuzugreifen. Das Wiedererkennen bleibt gut erhalten, weswegen z.B. Merkzettel im Alltag sehr hilfreich sein können.

Nicht selten treten begleitend weitere psychische Beschwerden wie Depression, Angstzustände oder Halluzinationen auf.

Lewy-Körperchen-Demenz („dementia with Lewy-bodies“, DLB)

Die sogenannte Lewy-Körperchen-Demenz ist eine weitere Form der Demenz, die der Parkinson-Demenz ähnelt. Bei den Betroffenen finden sich im Gehirn spezielle Eiweißablagerungen, sogenannte Lewy-Körperchen, die für charakteristische Krankheitssymptome mitverantwortlich sind. Die gleichen Ablagerungen finden sich auch im Gehirn von Parkinson-Patientinnen/Patienten, allerdings in anderen Hirnregionen. Wie es zu diesen Ablagerungen kommt, ist nicht vollständig geklärt.

Das Hauptsymptom der Lewy-Körperchen-Demenz ist – ebenso wie bei der Demenz bei Parkinson-Erkrankten – die Abnahme der geistigen Fähigkeiten im Alltag, wobei die Gedächtnisleistung zunächst noch erhalten bleibt. Darüber hinaus treten bei beiden Demenzformen begleitend psychotische Symptome wie z.B. Halluzinationen oder Wahnvorstellungen auf, bei der Lewy-Körperchen-Demenz etwas häufiger.

Der Unterschied zwischen beiden Demenzformen besteht vor allem im Zeitpunkt des Auftretens: Während sich die Demenzsymptome bei Parkinson-Patientinnen/Patienten erst spät im Krankheitsverlauf entwickeln, treten die Symptome der Lewy-Körperchen-Demenz bei Personen auf, die nie Parkinson-Symptome zeigten oder diese erst lange nach dem Beginn der Demenz entwickeln.

Die Unterscheidung zwischen beiden Demenzformen ist nicht immer einfach. Sie müssen jedoch von der Alzheimer-Demenz und anderen Demenzformen abgegrenzt werden, um die Behandlung entsprechend anzupassen. Mehr zum Thema: Demenz: Medikamentöse Therapie

Wie verläuft eine Parkinson-Demenz?

Die Parkinson-Demenz macht sich im Alltag zunächst vor allem bei komplexen Aufgaben bemerkbar, z.B. beim Autofahren. Später treten auch bei weniger komplexen Aufgaben Schwierigkeiten auf, etwa bei der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten. Auch Halluzinationen können den Beginn einer Demenz anzeigen. Es kommt zum Verlust von sozialer und beruflicher Leistungsfähigkeit und zu beginnenden Persönlichkeitsveränderungen.

Mittelgradig demente Patientinnen/Patienten benötigen im Alltagsleben Hilfestellungen, sie verlieren ihre Selbstständigkeit und vernachlässigen alltagsrelevante Verrichtungen.

Schwer demente Personen benötigen Aufsicht und Pflege rund um die Uhr. Mit Zunahme der kognitiven Störungen kommt es in der Regel auch zu einer Zunahme der Verwirrtheit.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Zur Diagnose einer Parkinson-Demenz ist die Durchführung einer ausführlichen Anamnese wichtig. Dabei werden auch Angehörige miteinbezogen, da vor allem mögliche Veränderungen der Persönlichkeit oder Halluzinationen vom Umfeld der Betroffenen verlässlich wahrgenommen werden.

Hinweis Die Diagnose einer Parkinson-Demenz ist ohne vorbestehende Diagnose einer Parkinson-Erkrankung nicht möglich.

Zusätzlich können zur Beurteilung der kognitiven Einschränkungen spezielle Tests durchgeführt werden. In der ärztlichen Praxis sehr einfach durchführbar sind u.a. der Uhrentest (Patientin/Patient wird gebeten, eine Uhr mit bestimmter Uhrzeit zu zeichnen) oder Wortflüssigkeitsaufgaben (maximale Anzahl der Wörter in einer Minute). Traditionell wird häufig der Mini-Mental-Status-Test (MMST) durchgeführt, bei dem Merkfähigkeit, zeitliche und örtliche Orientierung, Aufmerksamkeit, Sprache, das Befolgen von Anweisungen sowie Lesen, Schreiben und Zeichnen getestet werden.

Speziell für die Diagnostik der Parkinson-Demenz entwickelt wurde der PANDA-Test (Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment). Dabei werden speziell die Aufmerksamkeit, das Arbeitsgedächtnis, die Wortflüssigkeit sowie Stimmung, Antrieb und Interesse getestet.

Unterstützend können laborchemische, neuropsychologische und elektrophysiologische Untersuchungen sowie bildgebende Verfahren durchgeführt werden.

Mehr zum Thema: Demenz: Diagnose

Wie erfolgt die Behandlung einer Parkinson-Demenz?

Die Parkinson-Demenz ist ebenso wie die Parkinson-Krankheit fortschreitend und nicht heilbar. Ziel der Therapie ist es, die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

Bei der Entstehung der Parkinson-Demenz scheint weniger der Mangel an Dopamin im Gehirn, sondern vielmehr ein Mangel des Botenstoffes Acetylcholin eine Rolle zu spielen. Dieser ist u.a. für Aufmerksamkeit und Lernprozesse bedeutend. Zur Linderung der Symptome können daher sogenannte Acetylcholin-Esterase-Hemmer (Rivastigmin, Donepezil) eingesetzt werden. Diese hemmen den Abbau von Acetylcholin, wodurch dessen Konzentration erhöht wird. Das Krankheitsbild kann dadurch gemildert werden.

Im Zusammenhang mit der Demenz auftretende depressive Verstimmungen können mit Antidepressiva behandelt werden. Halluzinationen und Unruhezustände erfordern oft den Einsatz sogenannter atypischer Neuroleptika.

Besonders in der Anfangsphase der Demenz ist kognitives Training („Gehirn-Jogging“) oft hilfreich. Wichtig sind auch regelmäßige Krankengymnastik, Bewegung an der frischen Luft, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ausgewogene Ernährung. Ein psychosozialer Therapieplan (z.B. Tageskliniken, Angehörigenberatung, Urlaubsbetreuung, mobile Hilfsdienste etc.) ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Mehr zum Thema: Morbus Parkinson: Therapie.

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