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Symbolfoto Mann bei Physiotherapie © Tyler Olson
Symbolfoto Mann bei Physiotherapie © Tyler Olson

Spastische Lähmung

Die spastische Lähmung ist keine Krankheit, sondern Symptom einer Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Durch eine Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks ist die Eigenspannung der Skelettmuskulatur erhöht. Es kommt zu spontaner Muskelaktivität, die willentlich nicht mehr kontrolliert werden kann . . .

Ursachen

Eine spastische Lähmung (Spastik, Spastizität) ist durch eine Schädigung im zentralen Nervensystem (ZNS) bedingt. Betroffen sind Nervenbahnen, die das Gehirn mit dem Rückenmark verbinden und die Muskulatur des Körpers versorgen. Häufige Ursachen sind u.a.:

  • Schlaganfall,
  • Sauerstoffmangel im Gehirn des Ungeborenen, eventuell auch durch eine Infektionskrankheit oder Vergiftung der Mutter,
  • Sauerstoffmangel im Gehirn während des Geburtsvorgangs (frühkindliche Hirnschädigung),
  • Hirnblutung,
  • Tumoren in Gehirn oder Rückenmark,
  • Multiple Sklerose,
  • Entzündungen im Bereich des ZNS (Meningitis, Myelitis, Enzephalitis) sowie
  • Unfälle mit Unterbrechung der Atmung (z.B. Ertrinkungsfälle) oder andere Gründe für Wiederbelebungsmaßnahmen.

Symptome

Der Schweregrad einer Spastik ist abhängig davon, welche Hirnareale wie stark in Mitleidenschaft gezogen sind. Die möglichen Beschwerden reichen von leicht beeinträchtigter Bewegungsfähigkeit bis zu starker körperlicher Behinderung.

Nach Ausmaß der Beeinträchtigung werden folgende Arten der Spastik unterschieden:

  • Monospastik: Ein Bein oder ein Arm ist von der Lähmung betroffen.
  • Paraspastik: Beide Beine sind von der Lähmung betroffen.
  • Hemispastik: Arm und Bein einer Körperseite sind von der Lähmung betroffen. Diese halbseitige Lähmung kann linksbetont oder rechtsbetont auftreten. Außerdem ist eine arm- oder eine beinbetonte Spastik möglich.
  • Tetraspastik: Beide Arme und Beine sind von der Lähmung betroffen. Je nach Ausprägung können auch die Hals- und Rumpfmuskulatur betroffen sein.

Wenn eine Lähmung nicht vollständig ausgeprägt ist, sondern eher im Sinne einer Kraftminderung und Bewegungseinschränkung auftritt, wird hierfür auch der Begriff Parese verwendet. Entsprechend lassen sich Monoparese, Paraparese, Hemiparese und Tetraparese unterscheiden.

Weiters können u.a. folgende Symptome auftreten:

  • Probleme beim Schlucken und Sprechen,
  • Schielen und Doppelbildsehen sowie
  • Koordinationsstörungen.

Auch Folgeschäden der Lähmungserscheinungen treten häufig auf, u.a. :

  • Verkürzung der Muskeln,
  • Haltungsschäden,
  • Fehlstellung, Deformation und beschleunigter Verschleiß von Gelenken,
  • Druckgeschwüre durch Bewegungsmangel.

Diagnose & Therapie

Nach einer ausführlichen Anamnese folgen körperliche und neurologische Untersuchungen. Dabei werden u.a. Bewegungsfähigkeit, Muskelkraft, Reflexe und Gefühlsempfindungen geprüft. Je nach Ergebnis bzw. Verdachtsdiagnose werden weiterführende Untersuchungen wie z.B. Blutlabor, Computertomographie, Kernspintomographie, Elektromyographie, Elektroneurographie und Elektroenzephalographie ergänzt.

Der geschädigte Nerv selbst kann therapeutisch nicht beeinflusst werden. Behandlungsziel ist vielmehr die Kräftigung bzw. Erhaltung der betroffenen Muskulatur. Die Möglichkeiten bei einer schlaffen Lähmung richten sich nach Ausmaß und Ursache der Erkrankung.

  • Entzündungen und Vergiftungen werden je nach Ursache medikamentös behandelt.
  • Tumoren werden so weit als möglich beseitigt, z.B. durch Chemotherapie, Bestrahlung und/oder Operation.
  • Bei verletzungsbedingten Nervenschäden kann die Funktionsfähigkeit unter Umständen durch operative Verfahren verbessert werden. Ein vollständig durchtrennter Nerv kann jedoch nicht wiederhergestellt werden.
  • Physiotherapie, Krankengymnastik und Bewegungstherapie können einen Beitrag leisten, die Beweglichkeit zu erhalten und den Muskelabbau hinauszuzögern. Außerdem werden verkürzte Muskeln gedehnt, und durch gezielte Kräftigungsübungen wird zu einer Balance zwischen der betroffenen und weniger betroffenen Extremitäten beigetragen. Dadurch werden einerseits vorhandene Muskeln gestärkt, andererseits Haltungsschäden und Fehlbelastungen bestmöglich gemildert.
  • Muskelrelaxanzien zur Enstpannung der Skelettmuskulatur.
  • Botulinumtoxin: Durch Injektion des Nervengiftes in stark verdünnter Form wird die Reizweiterleitung von den Nervenfasern auf die Muskeln gehemmt. Für den Zeitraum von drei bis sechs Monaten lassen die Verspannungen deutlich nach. Günstig wirkt eine Kombination mit intensiver Physiotherapie.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei jeder plötzlich oder neu aufgetretenen Lähmung sollten Sie sich unverzüglich an folgende Institutionen wenden:

  • Rettung,
  • Unfallambulanz,
  • Notfallambulanz,
  • diensthabende Ärztin/diensthabender Arzt für Allgemeinmedizin oder
  • Fachärztin/Facharzt für Neurologie.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Ist zur Behandlung ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Eine allenfalls erforderliche weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner oder die Fachärztin/den Facharzt für Neurologie.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Wird eine Rehabilitation in einem neurologischen Rehabilitationszentrum empfohlen, wird der dafür erforderliche Rehabilitationsantrag in den meisten Fällen noch direkt im Krankenhaus durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt mittels Antragsformular gestellt.

Nähere Informationen zum Thema „Antragstellung für Rehabilitation“ finden Sie im Artikel Rehabilitations- und Kuraufenthalt.

Rehabilitationszentren für neurologische Erkrankungen finden Sie unter Services:
Suche nach Rehabilitationszentren.

Die Rehabilitationskosten während des Spitalsaufenthaltes sind über die Sozialversicherung abgedeckt. Für weitere ambulante oder stationäre Rehabilitationsmaßnahmen ist eine ärztliche Verordnung erforderlich, die vom zuständigen Sozialversicherungsträger bewilligt werden muss. Für stationäre Aufenthalte in einem Rehabilitationszentrum ist ein Selbstbehalt (einkommensabhängig) vorgesehen. 

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