Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Symbolfoto Allergie © goa novi
Symbolfoto Allergie © goa novi

Allergie: Was ist das?

Der Körper verfügt mit dem Immunsystem über eine Abwehr gegenüber Krankheitserregern und Krebszellen. Das Immunsystem ist jedoch manchmal störungsanfällig. Eine Funktionsstörung kann sich zum Beispiel in Form einer Allergie bemerkbar machen. In diesem Fall schießt das Immunsystem über das Ziel hinaus. Es reagiert auf harmlose Reize mit Abwehrmechanismen.

Die allergieauslösenden Stoffe werden als Allergene bezeichnet. Zum Beispiel Pflanzenpollen, Haustiere, Hausstaubmilben oder bestimmte Nahrungsmittel. Die Beschwerden können leicht bis sehr schwer sein. Am häufigsten kommt es an den Atemwegen, den Schleimhäuten der Augen und Nase sowie der Haut zu allergischen Symptomen. Die Beschwerden können sofort oder auch erst nach Stunden oder Tagen auftreten.

Warum kommt es zu einer Allergie?

Bei der Entstehung einer Allergie überreagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose körperfremde Eiweißstoffe wie  z.B. Pflanzenpollen, Speichel von Haustieren oder den Kot von Hausstaubmilben oder Kuhmilcheiweiß. Anstatt diese – wie es sein sollte – zu ignorieren, bildet das Immunsystem beim Erstkontakt sogenannte IgE-Antikörper als Abwehrstoffe gegen diese Allergene („Sensibilisierungsphase“).

Wenn der Körper erneut mit diesem Eiweißstoff in Kontakt kommt, werden Botenstoffe unter anderem Histamin freigesetzt („Auslösephase“). Diese und andere chemische Körpersubstanzen lösen in der Folge Symptome aus. Zum Beispiel Schnupfen, Husten oder Hautausschlag. Bei anderen Formen von Allergien können auch die Zellen des Immunsystems direkt ohne Antikörperhilfe eine Allergie auslösen (über T-Lymphozyten).

Häufig ist eine Allergieneigung genetisch bedingt. D.h., wenn Mutter oder Vater eine Allergie haben, ist das Risiko dafür auch bei den Kindern erhöht. Diese Neigung nennen Medizinerinnen/Mediziner auch Atopie. Es hängt von verschiedenen Faktoren ab, ob sich aufgrund dieser Neigung tatsächlich eine Allergie entwickelt. Zum Beispiel Umwelteinflüssen. Rauchen und Luftverschmutzung sind Risikofaktoren für Allergien sowie allergisches Asthma.

Weitere Informationen zu Risikofaktoren finden Sie auf der Website des deutschen Allergieinformationsdienstes. Meistens beginnen Allergien bereits in der Kindheit oder Jugend. Sie können lebenslang bestehen. Manchmal bilden sich die Allergien jedoch im Laufe des Erwachsenenalters zurück.

Welche Allergieauslöser gibt es?

Es gibt zahlreiche mögliche Auslöser für eine Allergie. Diese nennt man Allergene. Zu typischen Allergenen zählen:

Welche Formen von Allergien gibt es?

Allergien sind im Prinzip Überempfindlichkeitsreaktionen, die durch Fehlfunktionen im Immunsystem entstehen.

Die häufigsten allergischen Reaktionen werden wie folgt eingeteilt:

  • Allergische Reaktionen vom „Soforttyp“: Bei diesen kommt es nach Kontakt mit dem Allergieauslöser sofort zu allergischen Symptomen. Hier sind die IgE-Antikörper Ursache der Reaktion. Sie wird auch als „Typ 1“-Allergie bezeichnet. Dazu zählen etwa die allergische Rhinoconjunktivitis (allergischer Schnupfen mit Bindehautentzündung), Nahrungsmittelallergien, allergisches Asthma, und die schwerste Form – der anaphylaktische (allergische) Schock.
  • Allergische Reaktionen vom „Spättyp“: Bei diesen dauert es Stunden bis Tage bis sich Symptome einer Allergie zeigen. T-Lymphozyten erkennen bei dieser Reaktion direkt die Allergene. Antikörper spielen keine Rolle. Sie wird auch als „Typ 4“-Allergie bezeichnet. Dazu zählen etwa allergische Kontaktekzeme oder bestimmte Arzneimittelexantheme (Hautausschläge).

Seltener treten allergische Reaktionen vom sogenannten zytotoxischen Typ auf („Typ 2“-Allergie“). Dabei werden durch eine überschießende Immunreaktion körpereigene Zellen zerstört (z.B. Transfusionsreaktionen). Beim sogenannten Immunkomplextyp („Typ 3“-Allergie) bilden sich Zellverbände von Immunzellen. Diese lösen Entzündungen im Gewebe aus. Zum Beispiel bei der allergischen Alveolitis („Farmerlunge“). Es dauert ca. sechs bis zwölf Stunden ehe sich die Symptome beim zytotoxischen Typ und Immunkomplextyp zeigen.

Von der durch das Immunsystem ausgelösten Allergie können Überempfindlichkeitsreaktionen unterschieden werden. Diese haben Ähnlichkeit mit Allergien, werden jedoch nicht über die für Allergien typischen Immunreaktionen ausgelöst: Zum Beispiel nicht-allergische Arzneimittelintoleranzreaktionen (etwa auf Schmerzmittel vom Opiat-Typ) oder sogenannte Nahrungsmittelunverträglichkeiten.


Hinweis Informationen zu Corona-Schutzimpfung und Allergien finden Sie im Dokument „COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums“ auf der Website des Sozialministeriums unter Fachinformationen.

Kann man einer Allergie vorbeugen?

Die Entstehung einer Allergie kann nicht sicher verhindert werden. Das Risiko lässt sich jedoch durch bestimmte Faktoren möglicher Weise etwas senken. So entwickeln Kinder, die in den ersten vier bis maximal sechs Monaten ausschließlich gestillt werden, etwas seltener allergisches Asthma. Nichtraucher und Kinder, die in rauchfreier Umgebung oder auf einem Bauernhof mit Großtieren aufwachsen, haben ein etwas geringeres Allergierisiko. Bei einem hohen Allergierisiko kann es sinnvoll sein, keine Katze zu halten, um das Risiko einer Katzenhaarallergie zu senken.

Welche Symptome können bei einer Allergie auftreten?

Zu Beschwerden bei einer Allergie zählen etwa:

  • Schnupfen/Niesen,
  • Husten,
  • tränende Augen,
  • Hautausschlag,
  • Juckreiz,
  • Schwellungen der Schleimhäute sowie
  • Atemnot.

Diese Symptome können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Daher ist bei Verdacht auf eine Allergie eine genaue Diagnostik notwendig. Kennzeichnend für eine Allergie ist: Die Körperbereiche, die unmittelbar Kontakt zum Allergieauslöser hatten (z.B. Haut bei Kontaktallergie auf ein Kosmetikum, Juckreiz und Schwellung auf Speichel von Haustieren) zeigen Symptome. Zudem begünstigt eine Neurodermitis das Auftreten von Allergien.  

Allergien können mitunter schwere Symptome hervorrufen und sich auf den ganzen Körper ausbreiten. Zum Beispiel kann es bei Schwellungen des Gesichtsbereichs auch zur Verlegung der Atemwege kommen. Bei einer Allergie gegen Insektengift, Nahrungsmittel oder bestimmte Medikamentenwirkstoffe kann es in seltenen Fällen zu einer anaphylaktischen Reaktion kommen. Diese ist ein meist unerwartet auftretender medizinischer Notfall, erfordert sofortige ärztliche Behandlung und kann lebensbedrohend sein. Die Symptome können sich im Rahmen des Schocks dabei binnen Minuten bis hin zu Bewusstseinsstörungen, Erbrechen, Atemnot oder Blutdruckabfall ausweiten. Nähere Informationen und wie Sie Erste Hilfe leisten können finden Sie unter Notfall: Allergische Reaktion.

Wie erfolgen Diagnose und Behandlung einer Allergie?

Bestimmte Allergietests liefern bei Verdacht eine Bestätigung der Diagnose. Zu Therapiemaßnahmen zählen die Vermeidung von Allergieauslösern, Medikamente und die spezifische Immuntherapie („Desensibilisierung“).

Diagnose

Die Ärztin/der Arzt klärt im Gespräch mit der Patientin/dem Patienten die Beschwerden und die Krankengeschichte (Anamnese) ab. Dann veranlasst die Ärztin/der Arzt weiterführende Untersuchungen bei Verdacht auf eine Allergie. Zu diesen zählen:

  • Prick-Test: Bei diesem Test werden mögliche Allergieauslöser auf den Unterarm aufgetragen. Die Haut wird anschließend an diesen Stellen leicht eingeritzt. So gelangen die Allergieauslöser direkt in die Haut. Wenn die Haut an diesen Stellen rot wird und anschwillt, ist eine allergische Reaktion vom „Soforttyp“ („Typ 1“-Allergie) bestätigt.
  • Epikutantest: Dieser Test wird auch Pflastertest genannt. Dabei werden vor allem Allergieauslöser abgeklärt, die erst nach ein paar Stunden oder Tage Beschwerden auslösen. Es wird ein Pflaster mit dem möglichen Allergieauslöser für ein bis zwei Tage auf den Rücken geklebt. Dann wird kontrolliert, ob die Haut sich rötet, juckt und anschwillt. Ist dies der Fall, ist eine allergische Reaktion vom „Spättyp“ („Typ 4“ Allergie) bestätigt.
  • Provokationstest: Bei diesem Test wird etwa bei Verdacht auf Pollenallergie ein Spray oder Tropfen des möglichen Auslösers auf die Nasenschleimhaut aufgetragen. Bei Verdacht auf Allergien oder Intoleranzen auf Medikamente oder Nahrungsmittel ist er mitunter die einzige Möglichkeit der Diagnosefindung. Zeigen sich Symptome eines leichten Schnupfens oder Hautausschlags weist dies auf eine Allergie hin. Der Test wird nur dann durchgeführt, wenn die anderen Tests zu keinem konkreten Ergebnis kommen.

Die Ärztin/der Arzt entscheidet auf Grundlage des Verdachts auf bestimmte Allergieauslöser welche Diagnosemethode zum Einsatz kommen kann. Gegebenenfalls ist auch ein Bluttest im Labor (vor allem IgE-spezifische Antikörper) erforderlich. Auch Lungenfunktionsprüfungen werden ggf. durchgeführt.

Therapie

Zu den wesentlichen Säulen der Allergietherapie zählen:

  • Meiden des Allergieauslösers: Zum Beispiel von bestimmten Nahrungsmitteln oder Kosmetika.
  • Medikamente gegen die Allergiesymptome: Je nach Allergie kommen zum Beispiel Antihistaminika („antiallergische Wirkstoffe“) oder Kortison zur Anwendung.
  • Spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung, „Desensibilisierung“): Bei dieser Therapie wird eine geringe Dosis eines Allergieauslösers als Tablette oder in Tropfenform unter die Zunge verabreicht oder in die Haut gespritzt. Sie wird vor allem bei Allergien gegen Pollen, Insektengift und Hausstaubmilben angewandt.

Nähere Informationen zur Diagnostik und Behandlung von unterschiedlichen Allergien finden Sie bei den jeweiligen Allergien:

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Diagnose von Allergien gibt es spezielle Einrichtungen – z.B. Allergieambulatorien. Die dafür erforderliche Überweisung erhalten Sie von Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt. Erkundigen Sie sich im Vorfeld bei Ambulatorien, ob eine vorherige Terminvergabe notwendig ist, und nehmen Sie Ihre e-card mit.

Weitere Ansprechstellen sind Fachärztinnen/Fachärzte für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO), Dermatologie (Hautärztin/Hautarzt), Pulmologie (Lungenheilkunde) und Kinder-/Jugendheilkunde sowie Spezialambulanzen in Krankenhausabteilungen. 

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden in der Regel von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann allerdings ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Sie sich diesbezüglich bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem etwa unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung. 

Seite drucken RSS-Feed anzeigen Seite teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen