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Kind mit geschwollenem und gerötetem Auge nach Insektenstich © Miroslav Beneda

Insektengiftallergie: Diagnose & Erste Hilfe

Je nach Schweregrad werden örtliche (lokale) Reaktionen und Allgemeinreaktionen (systemische Reaktionen) unterschieden. Bei Letzteren kommt es zu Beschwerden, die keinen örtlichen Zusammenhang mit der Stichstelle haben. Im Notfall ist rasche Erste Hilfe wichtig...

Lokale Reaktionen

Bei den lokalen Reaktionen unterscheidet man:

  • Normale Lokalreaktion: Das bei einem Insektenstich abgegebene Gift führt an der Stichstelle zu schmerzhaften Rötungen und Schwellungen, die meist weniger als zehn Zentimeter Durchmesser haben und innerhalb von einem Tag deutlich abklingen.

  • Gesteigerte örtliche Reaktion: Die Rötungen und Schwellungen haben mehr als zehn Zentimeter Durchmesser, bleiben länger als 24 Stunden bestehen, sind meist schmerzhaft und können eine nicht infektiöse Entzündung der Lymphgefäße hervorrufen. Milde Allgemeinbeschwerden wie Krankheitsgefühl oder Frösteln können auftreten.

Bei Stichen im Bereich von Mund und Rachen oder in den oberen Atemwegen kommt es durch örtliche Schwellungen manchmal zu einer bedrohlichen Verengung der Atemwege.

Systemische Soforttypreaktion (Anaphylaxie)

Anaphylaxie ist die schwerste Form einer Überempfindlichkeit auf Insektengift und wird meist durch einen einzelnen Stich verursacht. Allergische Allgemeinreaktionen kommen häufig auch ohne auffällige Reaktionen an der Einstichstelle vor. Anaphylaktische Reaktionen sind nicht berechenbar und treffen die Patientinnen/Patienten meist völlig unerwartet. Ausgelöst wird die Reaktion durch IgE-Antikörper, die gegen Komponenten des Giftes gerichtet sind. Die Symptome treten innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten nach dem Stich auf. Sie reichen von ausschließlichen Hautreaktionen (Juckreiz, Rötung der Haut, Nesselausschlag und Schwellungen) über mild bis mäßig ausgeprägte Beschwerden im Bereich des Atemtraktes, des Magen-Darm-Traktes sowie des Herz-Kreislauf-Systems bis hin zu potenziell lebensbedrohlichen Zuständen. Dazu zählen Verengung der Atemwege, anaphylaktischer Schock (oft mit Bewusstlosigkeit) und Herz-Kreislauf-/Atemstillstand.

Zu den charakteristischen Beschwerden zählen:

  • Juckreiz an Handinnenflächen, Fußsohlen oder behaarten Körperstellen,
  • starker Juckreiz und Rötung am ganzen Körper,
  • Nesselausschlag,
  • Schwellungen im Gesicht und am Hals,
  • Schnupfen und erschwerte Nasenatmung,
  • juckende, gerötete und tränende Augen,
  • Schwindelgefühl und Herzrasen,
  • Übelkeit (bis zum Erbrechen), Bauchkrämpfe,
  • Schluck- und Sprechbeschwerden,
  • Husten, Heiserkeit, Atemnot oder Erstickungsgefühl,
  • allgemeines Schwächegefühl, Kraftlosigkeit,
  • Kollaps,
  • Bewusstlosigkeit,
  • Todesangst,
  • Atem- und Kreislaufstillstand.

Erste Hilfe und Selbsthilfemaßnahmen

Erste Hilfe und Selbsthilfemaßnahmen für Allergikerinnen/Allergiker nach einem Insektenstich:

  • Gegebenenfalls steckengebliebenen Stachel möglichst rasch entfernen. Achtung: Um ein Ausdrücken des Giftsacks zu vermeiden, den Stachelapparat nicht mit den Fingern oder einer Pinzette zusammenpressen, sondern mit einem Fingernagel wegkratzen.
  • Notfallmedikamente bei Bedarf sofort einnehmen.
  • Sofortige Kühlung kann eine Schwellung mildern.
  • Ruhe bewahren.
  • Menschen in der Umgebung über den Insektenstich und mögliche Folgen informieren.

Notfallset immer mit sich führen

Personen mit bekannter Insektengiftallergie sollten das von einer Ärztin/einem Arzt empfohlene Notfallset immer dabei haben. Wichtig: Das Ablaufdatum stets kontrollieren! Weiters sollten sich Allergikerinnen/Allergiker die Handhabung der Notfallmedikamente von der Ärztin/dem Arzt genau erklären lassen, um im Anlassfall sicher damit umgehen zu können. Das Notfall-Set besteht aus folgenden Medikamenten:

  • Rasch wirksames Antihistaminikum: Wirkt abschwellend, wird z.B. auch zur Behandlung von Heuschnupfen eingesetzt.
  • Kortisonpräparat: Wirkt ebenfalls abschwellend und dämpft die akute Reaktion des Immunsystems.

Hinweis Diese Medikamente wirken nicht unmittelbar und sollten deshalb sofort nach dem Stich eingenommen werden, ohne eine allergische Reaktion abzuwarten.

  • Eine Adrenalin-Fertigspritze: Diese kommt als wichtigstes Notfallmedikament zum Einsatz, wenn die Reaktion über die lokale Einstichstelle hinausgeht, also z.B. bei Schwellung des Kehlkopfes, Schwindel, Übelkeit, Engegefühl im Brustbereich, Atemnot etc. Adrenalin verengt bei einem Blutdruckabfall in Minutenschnelle die Gefäße und stabilisiert dadurch Blutdruck und Kreislauf. Zusätzlich verbessert es die Atmung durch Erweiterung der Bronchien und dämpft allergische Reaktionen. Im Falle einer schweren allergischen Reaktion kann die rechtzeitige Verabreichung von Adrenalin lebensrettend sein. Da diese Fertigspritzen nur selten angewendet werden und die richtige Anwendung auch nach guter Schulung schnell vergessen wird, muss diese regelmäßig geübt werden. Dabei helfen von der Patientenselbsthilfegruppe Österreichische Lungenunion bereitgestellte Videos.

Hinweis Wer unter Asthma oder anderen chronischen Erkrankungen leidet, sollte dies der Ärztin/dem Arzt mitteilen. In diesem Fall muss das Notfallset individuell ergänzt werden.

Schwere Reaktionen treten fast immer innerhalb der ersten 15 Minuten nach dem Insektenstich auf. Kommt es in dieser Zeit zu mehr als einer Hautreaktion an der Einstichstelle (Rötung/Schwellung), sollte unverzüglich die Notärztin/der Notarzt verständigt werden (Notruf Österreich 144). Weiters sollten Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden.

Haut- und Labortests

Im Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) wird geklärt, in welcher Intensität welche Symptome aufgetreten sind und welche Insektenart dafür verantwortlich ist. Die/der Betroffene kann meist angeben, dass eine Biene oder Wespe die Reaktion ausgelöst hat, eine Unterscheidung von Biene und Wespe ist allerdings häufig schwierig. Hier einige Unterscheidungsmerkmale: Bienen stechen meistens nur, wenn sie sich bedroht fühlen, also in der Nähe von Bienenstöcken oder Blumen oder wenn man auf sie tritt (v.a. in Kleewiesen). Der Stachel steckt mit dem Giftsack. Wespen sind wesentlich aggressiver. Sie stechen in der Nähe von Nahrungsmitteln oder Abfall, meistens im Vorbeiflug. Der Stachel steckt nicht. Jahreszeit: Bienen stechen ganzjährig, Wespen meist im Spätsommer/Herbst.

Nach der Anamnese folgt eine Austestung mittels Hauttest (Pricktest, Intrakutantest) und Labortest. Dabei wird das Blut auf Allergie-spezifische Antikörper (IgE) untersucht. Lässt sich damit keine eindeutige Diagnose treffen, können weiterführende Untersuchungen durchgeführt werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Kommt es nach einem Insektenstich zu Beschwerden, die über eine lokale Hautreaktion hinausgehen, sollte dies unbedingt mit einer Ärztin/einem Arzt besprochen werden. Nach der bestätigten fachärztlichen Diagnose wird die/der Betroffene im Bedarfsfall mit einem Notfallset zur Selbstbehandlung bei einem neuerlichen Stich ausgestattet. Bei über die Haut hinausgehende Beschwerden ist in jedem Fall eine weitere allergologische Fachdiagnostik erforderlich. Familie, Freundinnen/Freunde und Bekannte sollten über die Allergie und Notfallmaßnahmen informiert werden.

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