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Vater und Sohn © pressmaster

Kommunikation in der Familie

„Die Wohnung sieht aber schlampig aus.“ Einfacher Satz – mehrfache Wirkung. Wie würden Sie diesen Satz verstehen, wenn er von Ihrer/Ihrem Liebsten käme? Ein Faktum, ein Vorwurf, ein erfrischendes Bekenntnis zum Chaos oder eine Aufforderung zum Aufräumen? Es gibt viele Möglichkeiten, etwas sprichwörtlich in den „falschen Hals“ zu bekommen. Um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen, zahlt sich ein Ausflug in die Grundlagen der Kommunikationslehre aus.

Was ist Kommunikation?

Kommunizieren bezeichnet den Austausch von Nachrichten zwischen mindestens zwei Personen. Dabei gibt es einen Sender (übermittelt Nachricht) und einen Empfänger (erhält Nachricht). Die Reaktion des Empfängers zeigt, wie und ob die Botschaft verstanden wurde. Menschen kommunizieren aber nicht nur durch Sprache miteinander (verbale Kommunikation), sondern auch durch Körpersprache, Stimmlage oder Verhalten (nonverbale Kommunikation). Der bekannte Psychotherapeut und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick sagte 1990: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Das heißt, auch Schweigen ist eine Botschaft (z.B.: „Ich brauche jetzt Ruhe“). Es ist also unmöglich, nichts zu „sagen“ – Mimik, Gestik und Verhalten vermitteln laufend Botschaften – ob mit oder ohne gesprochene Worte.

Gesagtes ist nicht gleich Gehörtes

Ein weiterer Aspekt in der Kommunikation ist das sogenannte „Vier-Ohren-Modell“. Demzufolge gibt es symbolisch betrachtet vier Ohren, mit denen ein Mensch hört – abhängig vom jeweiligen Zugang:

  • Beziehungsohr: Konzentration auf emotionale Inhalte bzw. etwas „persönlich“ nehmen.
  • Selbstoffenbarungsohr: Annahme, dass der Sender etwas sagt, sich über seine Botschaft selbst ausdrückt und somit etwas über seine Befindlichkeit verrät.
  • Appellohr: Eine Aufforderung oder einen Wunsch des Gegenübers heraushören.
  • Sachohr: Dieses „Ohr“ lenkt die Aufmerksamkeit auf Fakten und Sachebenen (inkl. logische Zusammenhänge).

Analog zu diesem Modell bewegt sich auch der Sprechende auf vier Ebenen, die sich auf Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung oder Appell einer Nachricht beziehen können. Auf inhaltlicher Ebene werden sachliche Informationen vermittelt, auf Beziehungsebene je nach Ausdrucksweise emotionale Botschaften (z.B. Ärger).

Anhand dieser Modelle ist leicht zu erkennen, dass miteinander kommunizieren keine einfache Angelegenheit ist. Passen „Ohr“ und Kommunikationsebene des „Senders“ nicht zusammen, sind Missverständnisse oft vorprogrammiert. Ein Auge auf die eigenen familiären Kommunikationsmuster zu haben, ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit diesen. Überlegen Sie sich ab und an – auch gemeinsam –, welche „Ohren“ bzw. „Sendemuster“ bei Ihnen vorherrschen und welche alternativen Ausdrucks- bzw. Wahrnehmungsvarianten es sonst noch gäbe. Dabei können Sie auch professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen: z.B. qualitativ hochwertige Kommunikationstrainings.

Klare Botschaften gut verpacken

Welche Reaktionen eine Botschaft vermittelt, hängt unter anderem auch davon ob, ob sie kongruent (stimmig) ist. Eine kongruente Nachricht stimmt in Gesagtem, Tonfall, Mimik und Gestik überein und ist nicht widersprüchlich. Wenn z.B. jemand sagt: „Ich freue mich sehr“, der Tonfall aber traurig klingt, wirkt das nicht sehr überzeugend. Auch in Erziehungsfragen sind kongruente, klare Botschaften hilfreich – vor allem für kleine Kinder, die es verwirrend finden, wenn z.B. Stimmlage und Gesprochenes nicht übereinstimmen. Kinder nehmen stimmige Botschaften eher an und fühlen sich durch diese auch ernst genommen.

Ein weiterer Blickwinkel in der Kommunikation sind die sogenannten Ich- und Du-Botschaften. Ich-Botschaften spiegeln die persönliche Ansicht und das eigene Empfinden aus der Ich-Perspektive wider, z.B.: „Ich muss mich gerade konzentrieren und brauche Ruhe.“ Hingegen sind Du-Botschaften auf das Du ausgerichtet, z.B.: „Du störst jetzt. Siehst du nicht, dass ich Ruhe brauche?“ Dabei war es eventuell gar keine (bewusste) Absicht des Gegenübers, zu stören. Du-Botschaften bergen die Gefahr der Anschuldigung, Pauschalierung und Abwertung in sich. Sie verfehlen auch oft ihr Ziel und tragen wenig zu einer konstruktiven Konfliktlösung bei. Nicht nur Kritik – auch Positives wie etwa Anerkennung oder Lob – kommt in Ich-Botschaften verpackt oft besser beim anderen an. Dabei sollte man nicht immer 1:1 diesen theoretischen Grundlagen der Kommunikation folgen, da sich gewisse Sätze in Ich-Form auch sehr unnatürlich anhören können. Im Endeffekt kommt es auf den Inhalt an und wie er übermittelt wird (neutral, vorwurfsvoll, anklagend, lobend etc.). Manchmal lohnt es sich einfach, kurz nachzudenken, wie man einen Satz formulieren möchte.

Ohren auf – aktives Zuhören

Ist es Ihnen auch schon einmal so gegangen: Sie wollten etwas erzählen und kommen über den ersten Satz nicht hinaus, da dieser bereits eine intensive Gegenreaktion und einen Wortschwall beim Gegenüber hervorruft? Auch in Familien kommt es vor, dass das Zuhören nicht selbstverständlich ist – vor allem wenn es um heikle Themen geht, die unangenehm sein können und eventuell schon eine Vorgeschichte haben (z.B. schlechte Noten). Ob Kind oder Erwachsener, wenn Interesse signalisiert bzw. zugehört wird, ist ein wirklicher Austausch von Erlebtem, Gedanken und Gefühlen leichter möglich. Eine kurze Zusammenfassung des zuvor vom anderen Gesagten (z.B.: Ich habe das jetzt so verstanden, dass …) zeugt von aktivem, engagiertem Zuhören. Es ist besonders erfreulich, von selbst durch das Reden auf eine Idee oder Lösung zu kommen. Bei Kindern ist dies natürlich von der persönlichen Entwicklung abhängig. Das schließt allerdings nicht aus, dass Optionen auch gemeinsam erarbeitet werden bzw. Tipps willkommen sind.

„Ich erzähle dir eine Geschichte …“

Kinder hören gerne zu, wenn ihre Eltern Geschichten aus ihrer Kindheit erzählen. Allerdings entstehen spannende Erzählungen meist spontan, und der Nachwuchs hört am liebsten zu, wenn es keine Geschichten mit „Zeigefingereffekt“, sondern „lebendige“ sind (z.B.: „Mir ist es auch einmal so gegangen …“).

Ein schönes Ritual zum Schlafengehen sind etwa auch Gute-Nacht-Geschichten. In diese kann man unter anderem auch reale Szenen und Botschaften gekonnt und spannend verpacken bzw. diese gemeinsam gestalten (alternatives Ende etc.). Mittlerweile gibt es auch spezielle Märchen- und Geschichtenbücher für Anlässe (z.B. vor einem Arztbesuch) oder bei Problemen (z.B. Ängsten). Bei diesen sollten Sie auf die Qualifikation der Autorin/des Autors achten und natürlich auf die individuellen Bedürfnisse Ihres Kindes Rücksicht nehmen.

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