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Mann mit Notebook am Strand © Kaspars Grinvalds

„Workaholics“: Symptome & Typen

Eines gleich vorweg: Den „typischen“ Workaholic gibt es nicht. Die Vorstellung des von Arbeit besessenen Managers, der rund um die Uhr „on the job“ ist und erreichbar sein muss, entspricht einer klischeehaften Vorstellung von Arbeitssucht. Sie äußert sich facettenreicher. Manchmal unbemerkt im Stillen, in nicht enden wollender Genauigkeit, die einem am Abschluss einer Arbeit hindert. Vielen Arbeitssüchtigen stehen ihre selbst auferlegten hohen Ansprüche im Weg, sodass das Ausmaß der investierten Zeit steigt. Nicht selten kommt es vor, dass Arbeitssüchtige an freien Tagen oder am Wochenende in die Arbeitsstätte pilgern, um noch das eine oder andere „Wichtige“ zu erledigen. Typisch ist ein Gefühl der Unersetzbarkeit: Häufig denken sie, selbst alles besser zu können und dass ohne sie nichts funktioniert. 

Nicht abschalten können . . .

Arbeitssüchtige haben in ihrer Freizeit Probleme, das „dolce far niente“ (das süße Nichtstun) zu ertragen. Das Unproduktivsein weckt in ihnen Schuldgefühle oder gar Entzugserscheinungen, die sie dazu treiben, sich mit unnötigen Aufgaben einzudecken. Anstatt die Freizeit zu genießen und Hobbys oder Aktivitäten mit Familie oder Freunden nachzugehen, wird wiederum Leistung von sich selbst abverlangt, wie z.B. penible Gartenpflege, Putzzwang, Katalogisieren gesammelter Dinge, Marathonlaufen.

Anzeichen der Arbeitssucht

Es existieren keine offiziellen Kriterien zur Diagnose einer Arbeitssucht. Als mögliche Merkmale arbeitssüchtigen Verhaltens werden genannt:

  • Alles dreht sich um die Arbeit: Denken, Handeln und Gespräche sind die meiste Zeit auf Arbeit fokussiert (Suchtmerkmal: Verfall an das Arbeitsverhalten).
  • Immer und überall Arbeit: Die/der Betroffene hat das Arbeitspensum nicht mehr unter Kontrolle. Freizeit und Arbeit verschwimmen mehr und mehr (Suchtmerkmal: Kontrollverlust).
  • Es geht nicht ohne Arbeit: Die/der Betroffene hält es auch in arbeitsfreien Zeiten wie Urlaub oder Wochenende nicht ohne Arbeit aus. Mails werden abgerufen etc. Um Konflikte zu vermeiden, geschieht es oft heimlich (Suchtmerkmal: Abstinenzunfähigkeit).
  • Nervös ohne Arbeit: Bei der/dem Betroffenen treten entzugserscheinungsähnliche Symptome auf, wenn nicht gearbeitet wird. Möglich sind auch vegetative Symptome wie z.B. Herzrasen, Schweißausbrüche, Atemnot etc. (Suchtmerkmal: Entzugserscheinungen).
  • Es geht noch mehr Leistung: Ähnlich der Dosissteigerung bei Drogenabhängigkeit kommt es bei der Arbeitssucht zu einer gewissen Toleranzentwicklung. Um in den „Arbeitsrausch“ zu kommen, wird immer mehr gearbeitet (Suchtmerkmal: Toleranzentwicklung und Dosissteigerung).

Workaholics-Typen

Nicht immer sind es Perfektionismus oder Verantwortungsstärke, die einen Workaholic ausmachen. Arbeitssucht kann auch durch mangelnde Flexibilität oder Entscheidungsschwierigkeiten gekennzeichnet sein. In der Literatur findet sich eine grobe Unterscheidung in vier verschiedene Typen der Arbeitssucht, die beispielhaft verdeutlicht, wie unterschiedlich und gegensätzlich sie sein kann. Kombinationen untereinander sind ebenso möglich. Jede/jeder Workohalic zeigt individuelles Verhalten.

Typus typische Merkmale
Der verbissene Typ
  • entspricht am ehesten der klassischen Vorstellung (Stereotyp) eines Workaholics
  • entscheidungsstark
  • möchte die eigenen Vorstellungen um jeden Preis durchsetzen
  • gibt nur ungern Verantwortung oder Arbeit ab
  • auffallend zufrieden mit der Arbeit
Der überfordert-unflexible Typ
  • erhöht das Arbeitspensum aus Angst vor Überforderung
  • mangelnde Flexibilität und Spontaneität
  • nur wenig zwanghaft bezüglich Arbeitserledigung
Der überfordert-zwanghafte Typ
  • perfektionistisch
  • zeigt zwanghaft-ritualisiertes Verhalten
  • eher geringes Arbeitspensum
  • überdurchschnittlich unzufrieden mit der Arbeit
Der entscheidungsunsichere Typ
  • nur wenige klassische Anzeichen einer Arbeitssucht
  • entscheidungsschwach
  • arbeitet viel in der Hoffnung, so leichter entscheiden zu können
Quelle: Typen der Arbeitssucht nach Poppelreuter, aus „Psychischen Belastungen am Arbeitsplatz


  
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