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Frau entspannt am Sofa © Kaspars Grinvalds

„Workaholics“: Vorbeugung & Hilfe

Wie bei vielen anderen Suchterkrankungen mangelt es Betroffenen lange an Einsicht. Erst mit zunehmendem Leidensdruck stellt sich nach und nach das Bewusstsein für die Sucht ein . . .

Da „Arbeit“ als Grundbedürfnis und Existenzsicherung nicht gemieden werden kann wie andere Suchtauslöser, z.B. Alkohol oder Nikotin, muss ein kontrollierter, maßvoller Umgang mit Arbeit erlernt werden. Im Laufe der Aufarbeitung soll eine gesunde Beziehung zur Arbeit aufgebaut werden. Um einer Arbeitssucht vorzubeugen und ersten Anfängen entgegenzuwirken, können folgende Verhaltensweisen hilfreich sein:

  • Arbeit nicht mit nach Hause nehmen,
  • alles nach und nach erledigen und nicht gleichzeitig,
  • das Diensthandy abends und am Wochenende abschalten,
  • sich an ein maximales tägliches Arbeitspensum halten,
  • sich Fristen (wenn möglich) nicht zu knapp setzen,
  • einfach auch mal „Nein“ sagen,
  • sich helfen lassen,
  • Arbeit delegieren,
  • nicht alles perfekt machen wollen,
  • sich in Teamarbeit versuchen,
  • sich Fehler verzeihen,
  • zwischendurch mal einen Tag frei nehmen oder
  • bei Gleitzeitregelung früher nach Hause gehen.

Maßnahmen wie Entspannungs- und Stressbewältigungstechniken wie z.B. autogenes Training, sportliche Betätigung als Ausgleich oder das Wiederauffrischen alter bzw. Suchen neuer Hobbys helfen, die Freizeit zu genießen. Auch der Austausch mit Gleichgesinnten in einer Selbsthilfegruppe kann helfen, das eigene Tun reflektierter zu sehen und mit anderen mitzufühlen.

Test: Bin ich ein Workaholic?

Leben Sie, um zu arbeiten, oder arbeiten Sie, um zu leben? In einem kurzen Test können Sie herausfinden, ob Sie von Arbeitssucht gefährdet sind (Risikotest zur Arbeitssucht nach Robinson, 2000). Beachten Sie dabei allerdings, dass dieser Fragebogen lediglich zur Orientierung dient, ob eine mögliche Gefährdung zur Arbeitssucht gegeben ist – keineswegs zur Selbstdiagnose!

Hier geht es zum Risikotest zur Arbeitssucht nach Robinson (TÜV Rheinland).

Was kann ich als Angehörige/r tun?

Arbeitssucht kann massive Auswirkungen auf das soziale Umfeld (etwa Familie, Partnerschaft, Freundeskreis) haben. Der Umgang mit der Situation – vor allem im näheren Umkreis von Betroffenen – ist oft eine Herausforderung. Was soll man konkret tun, wenn man merkt, dass jemand in die Sucht nach Arbeit abgleitet? Meist werden klare Konfrontationen damit abgeblockt, oder es wird auf später vertröstet, wenn alles anders werden wird. Süchtige werden „blind“ für ihr eigenes Problem. Das ist Teil dieses Teufelskreislaufes und keine kalkulierte Absicht. Suchen Sie das offene Gespräch, und konfrontieren Sie die Betroffene/den Betroffenen gezielt mit der Arbeitssucht. Versuchen Sie, ihn/sie davon zu überzeugen, sich professionell unterstützen zu lassen. Vermeiden Sie, die Arbeitssucht zu bestärken oder zu verstärken (z.B. durch Verharmlosung des Problems oder Unterstützung im süchtigen Verhalten).

Als Angehörige/r können Sie indirekt durch die Arbeitssucht der Partnerin/des Partners in Ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt werden. Außerdem haben Sie so gut wie keine Kontrolle über das Verhalten des anderen, aber über Ihr eigenes. Achten Sie daher darauf, dass nicht immer Sie zurückstecken und Ihre Wünsche und Vorhaben nicht zu kurz kommen. Wird der Feierabend, das Wochenende oder der Urlaub (wieder mal) beeinträchtigt, verschoben oder abgesagt, bleiben Sie trotzdem bei Ihren Plänen, z.B. dem ursprünglich geplanten Kinobesuch oder dem Ausflug am Wochenende. Auch den Urlaub müssen Sie nicht absagen, sondern Sie können sich gegebenenfalls Alternativen überlegen. Wenn es Ihnen zu viel wird, scheuen Sie auch nicht davor zurück, sich rechtzeitig professionell helfen zu lassen (z.B. durch psychologische Beratung oder Psychotherapie) oder eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Je länger Sie warten, desto verzwickter wird die Lage auch für Sie.

Was Unternehmen machen können

Arbeitgeber, die meinen, Arbeitssüchtige seien willkommene Arbeitstiere, irren – denn die langfristigen Folgen von Arbeitssucht schaden auch dem Unternehmen. Es sollte gegengesteuert werden, indem z.B. Regelungen hinsichtlich Arbeitszeit, Pausen und Urlaub angepasst werden, Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter maximale tägliche Arbeitszeiten einhalten müssen, Überstunden nicht ausbezahlt werden oder in der betrieblichen Gesundheitsförderung Programme zur Stressprävention geboten werden (z.B. Coaching, Entspannung). Ein persönliches Gespräch mit möglicherweise Betroffenen kann helfen, individuelle Lösungswege und Hilfsangebote zu finden. Im Allgemeinen ist es hilfreich, sich vor einem solchen Gespräch Hilfe und Tipps von Profis im Bereich Arbeitssucht zu holen.

Wohin kann ich mich wenden?

Sie bemerken Zeichen der Arbeitssucht an jemandem in Ihrer Umgebung, der/dem Sie helfen möchten, oder Sie haben den Verdacht, selbst unter Arbeitssucht zu leiden? In derartigen Fällen wenden Sie sich am besten an folgende Stellen:

Diese/dieser wird zusammen mit Ihnen eine genaue Erhebung vornehmen und beurteilen, ob ein Arbeitssucht vorliegt. Im Vordergrund der Behandlung steht der Umgang mit dem Suchtverhalten. Angewendet werden einzel- oder gruppentherapeutischen Maßnahmen. In vielen Fällen kann auch eine Familientherapie erforderlich sein, da die Beziehungen innerhalb der Familie meist durch die Arbeitssucht belastet sind. Mitunter kann z.B. bei akuter Burn-out-GefahrManie oder Depressionen ein stationärer Aufenthalt erforderlich sein.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen.

Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte sowie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Bei Inanspruchnahme einer Psychotherapie ist eine volle Kostenübernahme in eigenen bzw. vertraglich gebundenen Einrichtungen der Krankenversicherungsträger möglich sowie in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Es besteht in diesen Fällen jedoch die Möglichkeit, dass ein Selbstbehalt zu leisten ist. Ansonsten haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch die Krankenversicherung zu stellen, wenn Sie eine Psychotherapie bei einer niedergelassenen Psychotherapeutin/einem niedergelassenen Psychotherapeuten machen. Wird dieser genehmigt, erstattet Ihnen der Krankenversicherungsträger einen Teil des an die Psychotherapeutin/den Psychotherapeuten bezahlten Honorars zurück. Die Krankenversicherungsträger leisten allerdings nur dann einen Zuschuss, wenn eine sogenannte krankheitswertige Störung vorliegt. Näheres zur Kostenerstattung erfahren Sie auf der Website der Sozialversicherungsträger.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung der sozialen Krankenversicherung, deren Kosten von den Krankenversicherungsträgern übernommen werden. Die Kosten für die Behandlung oder Beratung bei niedergelassenen klinischen Psychologinnen/klinischen Psychologen müssen Sie, da es sich um keine Leistung der Krankenversicherung handelt, selbst tragen.

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