Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Mann mit zwei Notebooks und Headset © weseetheworld

„Workaholics“: Süchtig nach Arbeit

Der Begriff des „Workaholics“ wurde erstmals in den 1970er-Jahren im angloamerikanischen Raum verwendet. Angelehnt an das Wort „Alkoholismus“ umschreibt der Ausdruck suchtartiges Verhalten in Bezug auf Arbeit, kurz Arbeitssucht . . .

Vor wenigen Jahrzehnten noch als „Managerkrankheit“ oder „Leiden der Leitenden“ eingegrenzt, ist Arbeitssucht in allen Arbeitsbereichen des Menschen vorzufinden. Sie kann überall dort entstehen, wo sich der Mensch mit Arbeit beschäftigt – bei der Hausfrau ebenso wie beim Studenten, einem Handwerker oder eben einer Abteilungsleiterin.

Facettenreiche Arbeitssucht

Ein hohes Arbeitspensum bedeutet nicht zwingend, dass jemand arbeitssüchtig ist. Auch bei normalem oder geringem Arbeitsausmaß kann suchtartiges Verhalten erkennbar sein. Und nicht jede Vielarbeiterin/jeder Vielarbeiter ist automatisch arbeitssüchtig. Von der Arbeitssucht abzugrenzen ist zudem ein übermäßiges Stundenpensum durch z.B. herrschende Arbeits- und Rahmenbedingungen (Vorgesetzte/r, Abgabetermine etc.), die nicht der Selbstbestimmung unterliegen. Häufig sind Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz straff, so dass es ohne Selbstbestimmung zu Überarbeitung kommt, insbesondere wenn bei Zeitdruck und Nichtausführung Konsequenzen drohen. 

Neben langen „To-Do“-Listen, die erledigt werden wollen und gleichzeitig immer länger werden, sind es E-Mails, Anrufe, Anfragen und Aufträge, die ständig für Nachschub sorgen. Kaum jemand, die/der heutzutage nicht über Stress in der Arbeit klagt. Die Arbeitssucht charakterisiert sich vielmehr dadurch, dass das Verhalten und der Zugang zur Arbeit außer Kontrolle geraten und sich die Betroffene/der Betroffene davon vereinnahmen lässt. Auf Kosten der Freizeit, der Erholung, der Familie, der Freunde sowie der eigenen Gesundheit. Arbeit hat oberste Priorität.

„Arbeite fleißig, arbeite hart“

Der Workaholic ist im Gegensatz zu anderen Suchterkrankten eine gesellschaftlich nur wenig bzw. selten negativ auffallende Persönlichkeit, da hoher Fleiß und Leistungsbereitschaft gemeinhin als gute Ausprägungen, ja sogar positive Charaktereigenschaften gewertet werden. Allerdings kann der Körper auf Dauer nicht dermaßen überfordert werden. Regenerations- und Erholungszeiten sind lebensnotwendig, damit die Gesundheit keinen Schaden nimmt. Ähnlich anderen substanzungebundenen Süchten wie z.B. der Kauf-, Sex- oder Spielsucht kann Arbeitssucht als Verhaltenssucht bezeichnet werden. Dennoch findet sie in offiziellen Krankheitsklassifikationen keine ausdrückliche Erwähnung.

Fehlende Work-Life-Balance

Die Arbeitssucht ist kein neues Phänomen der Leistungsgesellschaft. Seitdem sich der Mensch mit Arbeit beschäftigt, kann es zu einem Ungleichgewicht zwischen Arbeitsbe- und -entlastung kommen. Einem deutlichen Wandel unterlagen in der nahen Vergangenheit die Rahmenbedingungen und Spielregeln der Arbeitswelt: Internet, Smartphone, Tablet und Co. begünstigen die permanente Erreichbarkeit. Ein kleines Telefonat am Wochenende oder die Beantwortung eines Mails kurz nach Mitternacht – das „Abschalten“ und Sicherholen wird durch neue Kommunikationstechnologien erschwert. Die „Droge“ Arbeit ist jederzeit und allerorts verfügbar.

Unternehmenskulturen wie z.B. Überstundenpauschalen („All-in-Verträge“), Bereitschaftsdienste oder das Nichteinhalten täglicher Maximalarbeitszeiten begünstigen ebenso die Entstehung der Arbeitssucht. Besonders gefährdet sind Selbstständige und Freiberufler: Für sie ist es noch schwieriger, Arbeit und Freizeit voneinander zu trennen, da das Unternehmen Lebensgrundlage ist. Womöglich sind Arbeits- und Wohnort ident.

Wenn Arbeit krank macht . . .

Workaholics verlieren die Kontrolle über ihr Arbeitsausmaß, der Leidensdruck nimmt überhand, schlussendlich werden sie von der Arbeit voll und ganz vereinnahmt. Auch in privaten Lebensbereichen dominiert die Arbeit, wenn auch „nur“ in Gedanken. Da Konflikte innerhalb der Beziehung oder Familie vorprogrammiert sind, arbeiten Betroffene manchmal sogar heimlich. Wird nicht gearbeitet, geht das mit schlechtem Gewissen einher. Es ist ein Wechselspiel zwischen rauschartigem Arbeiten und Leiden unter Nichtstun.

In einem schleichenden Prozess kommt es durch die überbordende Arbeitsbelastung zu körperlichen und/oder seelischen Konsequenzen. Ernsthafte Auswirkungen auf die Gesundheit machen sich meist erst nach Jahren bis Jahrzehnten bemerkbar.

Durch Arbeitssucht begünstigte Gesundheitsprobleme:

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse