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Arzt lehnt an Wand © WavebreakmediaMicro

Psychische Belastungen im Berufsleben

Wer sich in seinem Arbeitsumfeld wohlfühlt und Sinn in seiner Tätigkeit sieht, arbeitet motivierter und lebt gesünder. Im beruflichen Umfeld zeigen sich aber oft Einflüsse, die psychisch belastend sind.

Dazu gehören z.B. fehlender Handlungsspielraum, ständige Konzentration, Mehrfachbelastungen, ständige Erreichbarkeit oder Angst vor Jobverlust – um nur ein paar arbeitsbedingte Faktoren anzuführen. Auch etwa das Raumklima, die Beleuchtungsverhältnisse oder Lärm können massive Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben. 

Äußere ungünstige Bedingungen erhöhen die Stressempfindlichkeit. Konflikte mit der Kollegenschaft oder mit Führungskräften erschweren den Berufsalltag, wenn sie nicht konstruktiv gelöst werden. Ein Mangel an Wertschätzung, fehlende (Weiter-)Entwicklungsmöglichkeiten oder Zurückgesetztwerden rauben Kraft und Arbeitsinteresse. 

Sowohl Über- als auch Unterforderung haben Schattenseiten – ein ausgewogenes Mittelmaß ist jedoch nicht immer machbar. Somit strömt eine Fülle möglicher Belastungsfaktoren auf die menschliche Psyche ein, und je nach Dauer und Intensität resultieren dadurch Beanspruchungen. Persönliche Ressourcen wie etwa Gesundheit oder Motivation steuern Belastungen entgegen, können jedoch nicht immer negative Folgen verhindern.  

Stress am Arbeitsplatz & seine Folgen

Die Arbeitswelt ist laufend Veränderungen unterworfen. Zunehmender Druck am Arbeitsplatz wurde in den letzten Jahren immer mehr zum Stressfaktor. Stress in der Arbeit entsteht vor allem, wenn eine Situation hohe körperliche und/oder psychische Anforderungen stellt (z.B. Zeitdruck, widersprüchliche Arbeitsanweisungen) und zugleich die Möglichkeiten, selbst Einfluss zu nehmen (z.B. die Situation zu entschärfen oder zu kontrollieren), gering sind. Nähere Informationen zu Auswirkungen von Stress finden Sie unter Stress: Auswirkung auf Körper & Psyche.

Menschen, die in der Arbeit psychischen Belastungen ausgesetzt sind, weisen häufiger gesundheitliche Beschwerden auf. Vor allem stressbedingte Symptome, Depressionen oder Angststörungen. Es steigt jedoch auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Demenz oder Infektanfälligkeit.

Arbeit im Dienstleistungssektor besonders belastend

Einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts sowie der Donauuniversität Krems („Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen“) nach erfolgen 32 Prozent aller neuen Zugänge in die Berufsunfähigkeits- und Invaliditätspensionen aufgrund psychischer Ursachen. Das Risiko, an psychischen Arbeitsbelastungen zu leiden, steigt mit zunehmendem Alter, steigendem Arbeitsausmaß und bei Nacht- oder Schichtarbeit an. Diese Risiken sind dabei unabhängig von beruflichen Qualifikationen oder hierarchischen Strukturen.

Überdurchschnittlich hoch sind Berufstätige von arbeitsbedingten psychischen Beschwerden betroffen, die im personenbezogenen Dienstleistungssektor tätig sind – vor allem im Gesundheits- sowie Sozial- und Unterrichtswesen. In der Folge leiden Betroffene z.B. unter Schlafstörungen, Ängsten oder Depressionen. Sowohl Heilmittelverbrauch als auch Krankenstandstage nehmen seit einigen Jahren aufgrund psychischer Erkrankungen zu. Zudem treten Erschöpfungszustände, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit und chronische Krankheiten (z.B. Bluthochdruck oder Erkrankungen des Bewegungsapparats) auf. 

Stress, Rückenprobleme und Muskelbeschwerden über EU-Durchschnitt

Österreich liegt mit arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen im EU-15-Durchschnitt. Allerdings liegen die Österreicherinnen/Österreicher bei Rückenproblemen, Muskelbeschwerden und Stress immer etwas über dem EU-Durchschnitt. 22,3 Prozent der unselbstständig Beschäftigten zwischen 15 und 64 Jahren leiden unter Stress in der Arbeit, 24 Prozent haben Rückenschmerzen und 19,8 Prozent Muskelbeschwerden. Ein Drittel der unselbstständig beschäftigten Männer und ein Viertel der unselbstständig beschäftigten Frauen empfinden Zeitdruck und ein Übermaß an Beanspruchung als so belastend, dass ihr psychisches Wohlbefinden beeinträchtigt ist. Ein angenehmes privates Umfeld kann diese Arbeitsbelastungen nur mäßig positiv beeinflussen.

Auch arbeitslose Menschen haben ein stark erhöhtes Gesundheitsrisiko. Vor allem Angststörungen und Depressionen treten gehäuft auf. 

Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz

Eine wesentliche Rolle spielt die passende oder fehlerhafte Arbeitsorganisation in einem Unternehmen. Besonders wesentlich sind für Beschäftigte Selbstbestimmung (Mitbestimmung bei Arbeitsabläufen und Zeiteinteilung), Anerkennung sowie soziale Unterstützung. Geringe Arbeitsplatzsicherheit, unzufriedenstellende Entlohnung sowie mangelnde Karriereperspektiven erhöhen unter anderem psychische Belastungen am Arbeitsplatz.

Das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) sieht u.a. die verpflichtende Evaluierung von Arbeitsplätzen vor. Darunter versteht man die Ermittlung und Beurteilung von Gefahren durch den Arbeitgeber sowie die Festlegung von Maßnahmen zu ihrer Vermeidung. Seit 2013 müssen auch die Gefahren durch psychische Belastungen festgestellt werden. Zudem sollen unter Beteiligung der Beschäftigten passende Maßnahmen festgelegt, durchgeführt und auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Z.B. können Arbeitsabläufe, -anforderungen, -organisation, -umgebung sowie soziale Beziehungen verbessert werden.

Betriebe müssen im Ausmaß von festgelegten Mindesteinsatzzeiten eine sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung vorsehen. Individuell können auch andere Fachkräfte z.B. aus dem Bereich der Arbeitspsychologie hinzugezogen werden.

Gefahren durch psychische Belastungen

Zu diesen zählen etwa:

  • Starker Zeit- und Termindruck
  • Arbeitsverdichtung/Multitasking
  • Wiederholung immer gleicher Arbeitsvorgänge in kurzer Zeit
  • Zu wenig Mitgestaltungsmöglichkeiten
  • Mangelhafte Unterstützung und Anerkennung durch Vorgesetzte bzw. Kolleginnen/Kollegen
  • Informationsmangel/Informationsflut
  • Druck, freundlich zu sein
  • Knapp kalkuliertes Personal
  • Konfrontation mit menschlichem Leid/Krankheit
  • Unklare Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit
  • Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren
  • Häufige Umstrukturierungsmaßnahmen
  • Isolation
  • Lärm/Hitze/Kälte
  • Enge Raumverhältnisse
  • Körperliche Zwangshaltungen

Betriebliche Gesundheitsförderung

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) im psychischen Bereich setzt z.B. bei Stress oder Überlastungsgefühlen an. Durch Optimierung der Arbeitsorganisation, Konfliktbewältigung und Training von Entspannungstechniken fällt der Umgang mit Stress leichter. Eine angemessene Unternehmenskultur, Teamentwicklungsmaßnahmen und Methoden des Selbstmanagements beugen Überlastung vor.

Eine Studie von 2009 (Gabriel, T. et al.: Burnout-Gefährdung in Großbetrieben & die Rolle von Führung und Schichtarbeit. Leitfaden zur betrieblichen Burnout-Prävention) zeigte auf, dass ein umso höheres Risiko für stressbedingte und Burnout-assoziierte Symptome besteht, je weniger Firmen an Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung stellen.

Nähere Informationen finden Sie unter Betriebliche Gesundheitsförderung.

Work-Life-Balance

Der Arbeitsplatz kann sehr positiv auf unser allgemeines Wohlbefinden und unser Arbeitsvermögen wirken. Ein angenehmes Betriebsklima und eine spannende, angemessene Aufgabe motivieren und bringen Erfolge mit sich. Nicht zu vergessen: Arbeit und Erholung sollten sich die Waage halten – im Sinne des modernen Ausdrucks Work-Life-Balance. Einem ausfüllenden Arbeitstag sollte immer eine ausgewogene Erholung gegenüberstehen. Erholung ist nicht nur wichtig für das persönliche Wohlbefinden und die Erhaltung oder Verbesserung der Gesundheit, sondern auch eine Voraussetzung für gute Leistungen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

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