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Künstliche Befruchtung © arahan

Künstliche Befruchtung

Ende der siebziger Jahre kam es erstmals zu einer erfolgreichen Befruchtung außerhalb des weiblichen Körpers. Heutzutage kommen hauptsächlich zwei Methoden zur Anwendung: die In-vitro-Fertilisation (IVF) und intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI). Erkundigen Sie sich persönlich bei Ihrer Spezialistin/Ihrem Spezialisten nach weiteren medizinischen Hilfen bei der Fortpflanzung, und bauen Sie auf gute Beratung . . .

Was passiert bei der In-vitro-Fertilisation?

Wenn eine normale Samenqualität festgestellt wurde und auch bei Verschluss von Eileiter, Endometriose oder PCO-Syndrom ist die herkömmliche IVF eine bewährte Methode. Bevor mit dieser Kinderwunsch-Behandlung begonnen werden kann, ist eine wochenlange Hormonbehandlung der Frau notwendig. Die Eierstöcke werden dadurch stimuliert, im Anschluss daran erfolgt die operative Eizellentnahme (mittels Punktion). Während der Therapie finden zu bestimmten Zeiten gynäkologische Ultraschalluntersuchungen und Hormonkontrollen statt.

Die Eizellentnahme erfolgt unter lokaler Betäubung (manchmal auch in Vollnarkose). Unter Ultraschall-Kontrolle kann die Ärztin/der Arzt zielgenau ein Eibläschen samt Eizelle anstechen und mit einer Hohlnadel absaugen. Parallel dazu gibt der Mann Samenflüssigkeit ab. Die Spermien werden speziell aufbereitet und zu den Eizellen in ein Reagenzglas gegeben. Das erfolgreichste Spermium sucht sich selbst den Weg zur Eizelle. Nach ungefähr 18 Stunden wird kontrolliert, ob eine Befruchtung stattgefunden hat. Es werden ein bis drei Embryonen nach fünf Tagen in die Gebärmutter eingebracht (Blastozystentransfer). Anschließend nisten sich im Idealfall einer oder mehrere dieser Embryonen dort ein und entwickelt sich weiter. Unterstützend werden in der Anfangsphase noch Hormone, z.B. Gelbkörperhormon, verabreicht. Ungefähr zwei Wochen nach der Übertragung kann durch Bestimmung des „Schwangerschaftshormons“ (hCG) im Blut festgestellt werden, ob der Versuch erfolgreich war. In ca. 20 Prozent der Fälle können sich Paare dann auf ein Kind freuen. Der Prozentwert ist stark von individuellen Faktoren abhängig. Die auch sonst üblichen kontinuierlichen Kontrolluntersuchungen überwachen den Verlauf der Schwangerschaft.

Für die Samengewinnung gibt es außer Masturbation noch andere Möglichkeiten. Nähere Informationen erfahren Sie unter Spermiengewinnung & Insemination. Seit Beginn 2015 sind auch Eizellspenden in Österreich erlaubt. 

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Sind die männlichen Spermien nur in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, reicht oft eine künstliche Befruchtung (IVF) oder Insemination (Einbringen von Samen in die Gebärmutter) aus. In manchen Fällen (z.B. zu wenig Samenzellen) wird zur erfolgreichen Kinderwunsch-Behandlung allerdings die intrazytoplasmatische Spermieninjektion – kurz ICSI – eingesetzt. Sie läuft bis auf den Vorgang der Befruchtung genauso ab wie die IVF. Mit einer Glaspipette wird das ausgewählte Spermium allerdings direkt in die Eizelle eingespritzt. Diese Befruchtungsmethode ist in etwa 30 Prozent der Fälle erfolgreich.

Risiken von IVF & ICSI

Ihre Ärztin/Ihr Arzt berät Sie über mögliche individuelle Risiken und auch Nebenwirkungen der Behandlung. Generell sind Komplikationen (z.B. Verletzungen von Gefäßen) bei der Entnahme von Eizellen möglich, wenn auch selten. Durch die Stimulation der Eierstöcke kann es z.B. zu Zysten kommen. Zudem ist das Risiko einer Eileiter- sowie Mehrlingsschwangerschaft (die wiederum mit einem erhöhten Frühgeburtsrisiko einhergeht) oder von Fehlbildungen erhöht (das Risiko von Fehlbildungen bei ICSI kann derzeit noch nicht genau vorausgesagt werden).

Spezialmethoden der Fortpflanzungsmedizin

Werden Ei- und Samenzellen außerhalb des Körpers zusammengebracht, aber anschließend in den Eileiter transportiert, spricht man von intratubarem Gametentransfer (GIFT). Die Befruchtung findet in diesem Fall nicht im Reagenzglas, sondern im Eileiter statt. Bei dem intratubaren Zygotentransfer (ZIFT) wird die befruchtete Eizelle in den Eileiter transportiert. Diese Methoden kommen selten zur Anwendung.

Polkörperanalyse

Bei der Polkörperanalyse werden während der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle die Polkörper der Eizelle untersucht. Mittels dieser Methode lässt sich feststellen, ob das Erbgut intakt ist; das Geschlecht lässt sich damit allerdings nicht voraussagen. Die Polkörperanalyse ist ein Verfahren der sogenannten Präimplantationsdiagnostik.

„Schlüpfhilfe“

Eizelle und auch Embryo sind von der Zona pellucida – einer festen Hülle – umgeben. Während der frühen Entwicklung des Embryos muss er durch diese Schicht schlüpfen, um sich in der Gebärmutter einzunisten. Ist die Zona pellucida aber ungewöhnlich hart, gibt es Möglichkeiten, das „Schlüpfen“ des Embryos zu erleichtern.

Gesetzliche Situation in Österreich

Eine In-vitro-Fertilisation ist national zwar keine Leistung der Sozialversicherung, es gibt allerdings Kostenunterstützung über den sogenannten IVF-Fonds. Dieser übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen 70 Prozent der Kosten für insgesamt vier IVF-Behandlungen. Detaillierte Informationen hierzu sowie spezialisierte Krankenanstalten, die mit dem Fonds abrechnen, finden Sie in der Broschüre des Gesundheitsministeriums „Wir möchten ein Baby.“

IVF-Behandlungen werden in Österreich dokumentiert: Die Gesundheit Österreich GmbH führt ein IVF-Register – auch zum Zwecke der Qualitätskontrolle. Das Gesetz sieht zudem vor, dass bei einer künstlichen Befruchtung eine psychologische Beratung während der Therapie erfolgt. Sowohl Ei- als auch Samenzellen und Embryonen können eingefroren werden (Kryokonservierung) – natürlich im Rahmen der gültigen Gesetzgebung. Am 21. Jänner 2015 wurde im Nationalrat die Novellierung des Fortpflanzungsmedizin-Gesetzes beschlossen. Zu den Neuerungen zählen unter anderem, dass Eizellspenden erlaubt sind und auch lesbische Paare Unterstützung aus dem IVF-Fonds erhalten. Nähere Informationen finden Sie auf der Website des Parlaments.

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