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Kreisssaal © Tyler Olson

Werdende Väter: Im Kreißsaal

Die Geburt eines Kindes ist ein überwältigendes Erlebnis – nicht immer nur im rein positiven Sinne: Die ansteigenden Wehenschmerzen der Gebärenden, ihr lauter werdendes Klagen, die zunehmende Erschöpfung sowie eventuell auftretende Komplikationen können beim werdenden Vater Angst und überschießende Emotionen auslösen. Eine sorgfältige Geburtsvorbereitung erleichtert es, die Nerven zu bewahren. Schließlich besteht seine Hauptaufgabe darin, bei der Partnerin zu sein und ihr die Geburt so angenehm wie möglich zu machen . . .

Hebamme und Mann als Team

Wichtige Voraussetzung für eine möglichst stressfreie Geburt ist ein vertrauensvolles, harmonisches Klima zwischen der Hebamme und den werdenden Eltern. Da Hebammen im Krankenhaus oft mehrere Geburten gleichzeitig betreuen, müssen sie den Kreißsaal gelegentlich verlassen, um nach anderen Gebärenden zu sehen. In der Hochphase der Geburt ist die Hebamme natürlich zur Stelle, aber in den langen Stunden davor ist oft nur der werdende Vater anwesend. Gerade deshalb braucht er von der Hebamme klare Informationen und Anweisungen, um seine Partnerin ruhig und souverän unterstützen zu können.

Aus all diesen Gründen ist es gut, wenn werdende Väter vor der Geburt das Gespräch mit der Wahlhebamme der Partnerin oder einer Hebamme des Spitals suchen, in dem die Geburt stattfinden soll. Auch die Teilnahme an geburtsvorbereitenden Kursen hilft dabei, Ruhe und einen klaren Kopf zu bewahren.

Der Mann als Anwalt der Frau?

Werdende Elternpaare entwickeln manchmal recht genaue Vorstellungen davon, wie die Geburt im Einzelnen verlaufen soll. Sie bereiten sich optimal vor und wissen, welche schmerzstillenden oder geburtshilflichen Maßnahmen für sie infrage kommen und welche auf keinen Fall.

Läuft allerdings nicht alles genau nach Plan, gerät der werdende Vater manchmal in die Rolle, als „Anwalt“ für die vorab definierten Interessen seiner Partnerin aufzutreten – sollte ihr während der Entbindung die Kraft dazu fehlen. In der Regel ist dies jedoch alles andere als förderlich für eine Geburt, denn so kommt es schnell zu Stress und Streit.

Man sollte die Hebamme und das ärztliche Personal nicht daran hindern, das im Augenblick jeweils Notwendige zu tun. Schließlich sind sie geburtserfahrene Profis. Trotzdem haben werdende Eltern auch ein gewisses Mitspracherecht, wenn es um den Einsatz von geburtshilflichen Maßnahmen geht. Das ist für beide Seiten manchmal ein Drahtseilakt. Umso wichtiger ist es für werdende Elternpaare, sich darauf einzustellen, dass bei jeder Geburt unvorhersehbare Dinge geschehen können. Außerdem sollten sie einen Geburtsort wählen, an dem sie sich gut aufgehoben fühlen.

Alles richtig und alles falsch

Väter machen in der Geburtsphase oft die Erfahrung, dass sie im einen Moment gerade für ihre Partnerin alles richtig machen, und im nächsten Augenblick stimmt plötzlich nichts mehr davon: Die Massage der Füße, des Rückens oder Nackens tut gar nicht mehr gut. Gerade noch sollte der Mann ganz nah sein, jetzt nicht zu nahekommen. Vorhin sollte er helfen, jetzt weggehen, eben noch etwas Liebes sagen, jetzt einfach still sein.

Dieses Heiß und Kalt im Erleben einer gebärenden Frau ist vollkommen normal. Männer tun gut daran, möglicherweise schroffe Zurückweisungen gut gemeinter Aufmunterungen nicht persönlich zu nehmen. In gewisser Weise gehört es zum „Job“ werdender Väter, auch Blitzableiter zu sein, wenn es bei der Geburt richtig zur Sache geht.

Schwere Geburten

Möglicherweise kommt es zu einem Geburtsstillstand, die Herztöne des Kindes fallen ab. Ist die Geburt schon weit fortgeschritten, können unter Umständen Hilfsmittel wie eine Geburtszange oder Saugglocke eingesetzt werden. In manchen Fällen wird entschieden, einen Kaiserschnitt zu machen. In vielen Spitälern kann der Mann im Operationsraum bei der Frau bleiben, wenn beide dies möchten. Sein Platz ist dann am Kopf der Partnerin hinter einem Sichtschutz, der zugleich das Operationsfeld vor Keimen bewahrt. Für die Operation erhalten die meisten Gebärenden eine Periduralanästhesie (PDA), weshalb sie im Prinzip ansprechbar bleiben. Geht es dem Kind gut, kann der Vater das Baby in den Arm nehmen, während die Operationswunde der Mutter versorgt wird. Hilfreich ist in jedem Fall, dass die werdenden Eltern bereits im Vorfeld der Geburt über die Verfahrensweise des Spitals bei einem Kaiserschnitt informiert werden.

Rausgehen, wenn es zu viel wird

Wird es einem werdenden Vater zu viel, droht er missmutig zu werden oder gar in Panik zu geraten, haben sich Absprachen mit der Partnerin bewährt, dass er (vorübergehend) den Raum verlassen kann. Draußen kann er vielleicht durchatmen und mit jemandem reden – einer anderen Hebamme, der diensthabenden Ärztin oder dem diensthabenden Arzt oder mit einer Freundin/einem Freund, die am Telefon für solche Fälle bereit stehen und ihn ein wenig beruhigen können.

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