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Mehrlinge auf der Geburtenstation © Anatoly Tiplyaskin
Mehrlinge auf der Geburtenstation © Anatoly Tiplyaskin

Mehrlingsgeburt

Von einer Mehrlingsschwangerschaft spricht man, wenn in der Gebärmutter zwei oder mehr Kinder zeitgleich heranreifen. Die häufigste Form sind Zwillingsschwangerschaften, sie kommen bei einer von 86 Schwangerschaften vor. Durch den Einsatz moderner Kinderwunschbehandlungen steigt die Häufigkeit zunehmend an.

Mehrlingsschwangerschaften gelten generell als Risikoschwangerschaften. Es sind verschiedene Komplikationen möglich, weswegen engmaschige Kontrolluntersuchungen notwendig sind.

Wie entsteht eine Mehrlingsschwangerschaft?

Die häufigste Form der Mehrlingsschwangerschaft ist die Zwillingsschwangerschaft. Dabei unterscheidet man in der Medizin zwischen eineiigen und zweieiigen Zwillingen.

Eineiige (monotygote) Zwillinge

Ungefähr ein Drittel aller Zwillinge ist eineiig. Sie besitzen das gleiche Erbgut, haben immer das gleiche Geschlecht und sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Eineiige Zwillinge entstehen, wenn sich die Eizelle innerhalb der ersten beiden Wochen nach der Befruchtung in zwei Hälften mit identischem Erbgut teilt, die sich unabhängig voneinander weiterentwickeln. Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt diese Teilung stattfindet, unterscheidet man verschiedene Formen der Zwillingsschwangerschaft:

  • Teilung in den ersten zwei bis drei Tagen: Erfolgt die Teilung der Eizelle schon in den ersten zwei bis drei Tagen nach der Befruchtung, also noch bevor sie sich in der Gebärmutter einnistet, erhält jeder Zwilling jeweils eine eigene Fruchtblase sowie einen eigenen Mutterkuchen (ca. zehn Prozent aller Zwillinge). Man spricht von dichorialen-diamnialen Zwillingen
  • Teilung ab dem vierten Tag: Erfolgt die Teilung ab dem vierten Tag nach der Befruchtung, also nach der Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut, erhält jeder Zwilling eine eigene Fruchtblase, sie teilen sich jedoch einen Mutterkuchen. Die Anlage der Plazenta hat zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen, sie wird im Laufe der Schwangerschaft beide Kinder versorgen. Dies ist die häufigste Form der Zwillingsschwangerschaften (ca. 20 Prozent), man spricht von monochorialen-diamnialen Zwillingen.
  • Teilung nach dem achten Tag: Manche Zwillinge entstehen erst, wenn die Bildung der Fruchtblase bereits stattgefunden hat. Sie entwickeln sich daher in einer gemeinsamen Fruchtblase und teilen sich eine Plazenta (ca. ein Prozent aller Zwillinge), man spricht von monochorialen-monoamnialen Zwillingen.
  • Späterer Zeitpunkt: Wenn sich die Eizelle noch nach dem 14. Tag nach der Befruchtung teilt, ist eine vollständige Teilung nicht mehr möglich. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits die Grundstrukturen der Organe angelegt, die beiden Kinder teilen sich Organe oder Körperteile. Man spricht von siamesischen Zwillingen, dies kommt insgesamt sehr selten vor.

Zweieiige (dizygote) Zwillinge

Ungefähr zwei Drittel aller Zwillinge sind zweieiig. Sie entstehen durch die Befruchtung von zwei einzelnen Eizellen. Die zwei befruchteten Eizellen entwickeln sich von Anfang an nebeneinander, d.h. die Zwillinge entwickeln sich in jeweils einer Fruchtblase mit je einem eigenen Mutterkuchen. Zweieiige Zwillinge sind erbverschieden (wie Geschwister). Sie können das gleiche Geschlecht oder verschiedene Geschlechter haben.

Mehrlinge

Drillinge entstehen, wenn entweder drei einzelne Eizellen zeitgleich befruchtet werden (dreieiige Drillinge) oder aber wenn sich eine befruchtete Eizelle in drei genetisch idente Zellen teilt (eineiige Drillinge). Bei Vierlingen und anderen Mehrlingen verhält es sich dementsprechend nach dem gleichen Prinzip.

Wie häufig sind Mehrlingsschwangerschaften?

Die Häufigkeit der natürlich vorkommenden Zwillingsschwangerschaften wird mittels der so genannten Hellin-Regel angegeben. Diese besagt, dass von 86 Schwangerschaften eine eine Zwillingsschwangerschaft ist (Häufigkeit 1:85). Bei Drillingen sinkt diese Wahrscheinlichkeit auf 1:862 (1:7.400), bei Vierlingen auf 1:863 (1:640.000).

Aufgrund moderner Kinderwunschbehandlungen (z.B. Hormonbehandlungen, In-Vitro-Fertilisation) ist die Häufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften heute jedoch insgesamt höher.

Wie erfolgt die Diagnose einer Mehrlingsschwangerschaft?

Die Ärztin/der Arzt kann eine Mehrlingsschwangerschaft bereits bei der ersten Ultraschalluntersuchung feststellen. Andere Hinweise, die auf eine Mehrlingsschwangerschaft hindeuten, entwickeln sich im Laufe der Schwangerschaft: Der Bauchumfang der Schwangeren ist größer, es sind mehr Kindsbewegungen zu spüren etc.. Auch schwangerschaftstypische Beschwerden (z.B. Übelkeit) sind manchmal ausgeprägter vorhanden, da die Hormonspiegel bei Mehrlingsschwangerschaften stärker beeinflusst werden.

Anhand der Ultraschalluntersuchung lässt sich in der frühen Schwangerschaft auch erkennen, ob sich die Kinder eine Fruchtblase und/oder eine Plazenta teilen. Dies ist wichtig, um das Risiko für Komplikationen und die Notwendigkeit von engmaschigen Kontrolluntersuchungen abschätzen zu können.

Bei Zwillingen kann nicht immer schon in der Schwangerschaft mit Sicherheit beurteilt werden, ob es sich um eineiige oder mehreiige Zwillinge handelt. Zwillinge, die sich eine Plazenta teilen, sind immer eineiig. Hingegen können Zwillinge, die jeweils in einer eigenen Fruchtblase heranwachsen und eine eigene Plazenta haben, sowohl eineiig als auch mehreiig sein.

Welche Komplikationen können bei einer Mehrlingsschwangerschaft auftreten?

Der Schwangerschaftsverlauf bei Mehrlingen birgt für die Kinder ein höheres Risiko und für die werdende Mutter oft eine erhebliche Mehrbelastung. Da häufiger mit Komplikationen und schwangerschaftsspezifischen Krankheiten zu rechnen ist, werden Mehrlingsschwangerschaften immer als „Risiko“-Schwangerschaften eingestuft. Eine engmaschigere Überwachung des Schwangerschaftsverlaufes ist notwendig. 

Zu den möglichen Komplikationen zählen:

  • Frühgeburt: Ungefähr 30 bis 60 Prozent der Mehrlingsschwangerschaften enden mit einer Frühgeburt. Die durchschnittliche Schwangerschaftsdauer verkürzt sich dabei mit der Zahl der Mehrlinge. Mögliche Ursachen für die Frühgeburt sind eine Gebärmutterhalsschwäche (Zervixinsuffizienz), vorzeitige Wehen aufgrund der übermäßigen Dehnung der Gebärmutter oder ein vorzeitiger Blasensprung.
  • Funktionsstörungen der Plazenta wie z.B. Plazentainsuffizienz, die zu einer Unterversorgung eines oder aller Feten führen.
  • Nabelschnurkomplikationen: Insbesondere Mehrlinge, die sich eine Fruchtblase teilen, haben ein höheres Risiko für z.B. Nabelschnurumschlingungen oder Nabelschnurknoten. Eine mangelnde Versorgung der Feten ist die Folge.
  • Lageanomalien, die eine natürliche Geburt erschweren oder unmöglich machen.
  • Fetofetales Transfusionssyndrom (FFTS): Dies ist eine gefürchtete Komplikation bei Zwillingen, die sich eine Plazenta teilen (monochoriale Zwillingsschwangerschaft). Über die Plazenta sind die Blutkreisläufe der beiden Kinder indirekt miteinander verbunden. In vielen Fällen bilden sich auch direkte Gefäßverbindungen (Anastomosen) aus, über die ein Blutaustausch zwischen den Kindern stattfinden kann. Besteht dabei ein Ungleichgewicht – d.h. ein Zwilling verliert mehr Blut an den anderen Zwilling als er zurückbekommt – entsteht eine lebensbedrohliche Situation für beide Kinder.
  • Komplikationen bei der Mutter: Hyperemesis gravidarum, Bluthochdruck, Präeklampsie, Ödeme, Thrombosen sowie Eisenmangel und Anämie treten bei Mehrlingsschwangerschaften häufiger auf als bei Einlingsschwangerschaften.

Wie läuft die Geburt von Mehrlingen ab?

Auch bei einer normal verlaufenden Mehrlingsschwangerschaft wird die Geburt immer als sogenannte „Risikogeburt“ eingestuft. Bei einer Zwillingsschwangerschaft ist eine vaginale Geburt prinzipiell möglich. Es müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu zählen:

  • Die Zwillinge haben jeweils eine eigene Fruchtblase (diamniale Zwillinge),
  • die Geburt erfolgt nach der vollendeten 34. Schwangerschaftswoche,
  • das vorangehende Kind liegt in Schädellage (mit dem Kopf nach unten). Liegt das zweite Kind, in Längslage oder in Beckenendlage, kann es geboren werden. Bei einer Querlage wird versucht, das Kind zu wenden. Sollte eine Wendung nicht gelingen, wird ein Kaiserschnitt vorgenommen.

Sind diese Kriterien erfüllt, unterscheidet sich die Geburt von Zwillingen kaum von einem normalen Geburtsvorgang. Nachdem das erste Kind geboren ist, wird es abgenabelt und untersucht. Wie lange es dauert, bis der zweite Zwilling folgt, kann variieren.

In allen anderen Fällen sowie bei einer Mehrlingsschwangerschaft mit drei oder mehr Kindern wird immer ein primärer Kaiserschnitt geplant. 

Wohin kann ich mich wenden?

Da bei einer Mehrlingsschwangerschaft eine Hausgeburt nicht möglich ist, findet die Geburt in einem Krankenhaus statt. Informationen über den Ablauf einer Spitalsgeburt finden Sie unter Die Spitalsgeburt. Krankenhäuser in Ihrer Nähe finden Sie unter Services (Spitalssuche).

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die Entbindung in einem Krankenhaus sind durch die Sozialversicherung abgedeckt. Dabei können alle notwendigen medizinischen Leistungen und geburtshilflichen Angebote in Anspruch genommen werden. 

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