Gesundheitsportal
Inhaltsbereich

dilute Russell's viper venom time (dRVVT)

Die Bestimmung der DRVVT ist eine Teiluntersuchung der sogenannten Lupushemmstoffdiagnostik. Lupushemmstoffe können im Rahmen von Autoimmunerkrankungen auftreten und zu Störungen der Blutgerinnung (meistens Thromboseneigung) führen.

Warum wird eine Lupushemmstoffdiagnostik durchgeführt?

Lupushemmstoffe (auch Lupus-Antikoagulanzien genannt) sind Antikörper, die gegen bestimmte körpereigene Strukturen (Cardiolipine) gerichtet sind.

Antikörper sind spezielle Eiweißstoffe, die im Blut sowie auch in anderen Körperflüssigkeiten zu finden sind. Die Hauptaufgabe der Antikörper ist normalerweise der Schutz des Körpers vor allem, was dem Körper fremd ist (Bakterien, Pilze, Viren, Parasiten etc.).

Bei bestimmten Erkrankungen kann das Immunsystem Antikörper gegen den eigenen Körper bilden (sogenannte Autoantikörper). Diese Erkrankungen werden

  • Autoimmunerkrankungen genannt.

Die Ursachen für diese Erkrankungen sind unbekannt.

Eine besondere Form der Autoantikörper sind Cardiolipin-Antikörper (auch Antiphospholipid-Antikörper genannt), die gegen Zellmembranbestandteile (Phospholipide) gerichtet sind. Cardiolipin-Autoantikörper können bei folgenden Autoimmunerkrankungen auftreten:

  • Primäres Antiphospholipid-Syndrom (APLS):
    • Hier kann es immer wieder zur Entstehung von Thrombosen (Bildung von Blutgerinnseln in Arterien und Venen) kommen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter kann dieses Syndrom die Ursache für mehrfach ungeklärte Fehlgeburten sein.
  • Sekundäres Antiphospholipid-Syndrom (APLS):
    • Dieses kann bei bestimmten Autoimmunerkrankungen (Systemischer Lupus erythematodes, Kollagenosen) auftreten.

Die im Rahmen eines APLS gebildeten Autoantikörper werden auch als Lupus-Antikoagulanzien (Lupushemmstoffe) bezeichnet, weil sie häufig zu typischen Veränderungen der Blutgerinnung führen:

  • Auf der einen Seite führen Lupus-Antikoagulanzien zwar zu einer Verlängerung der Blutgerinnungszeit – v.a. der partiellen Thromboplastinzeit (aPTT). Diese Verlängerung der im medizinischen Labor messbaren Blutungszeit geht aber paradoxerweise mit einer gesteigerten Blutgerinnungsneigung (sogenannte Thrombophilie) einher.

Aus diesem Grund ist die Untersuchung auf Lupushemmstoffe ein Teil des

  • Thrombophiliescreenings.

Was bedeutet eine verlängerte DRVVT?

Im Rahmen der Lupushemmstoffdiagnostik werden zumeist die folgenden Laboruntersuchungen durchgeführt:

  • Messung der Lupus-sensitiven aPTT (APTTL):
    • Zur Bestimmung der aPTT gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Reagenziensystemen von unterschiedlichen Herstellerfirmen. Insgesamt können aPTT-Reagenzien in „Lupus-empfindliche“ (sensitive) sowie „Lupus-unempfindliche“ (insensitive) eingeteilt werden.
      Im Rahmen der Lupushemmstoffdiagnostik sollten Messungen mit jeweils einem Lupus-sensitiven und einem Lupus-insensitiven Reagenziensystem erfolgen. Wenn die Lupus-sensitive aPTT gegenüber der Messung mit dem insensitiven Reagens verlängert ist, weist dies auf das Vorliegen eines Lupus-Antikoagulans hin.
  • Messung der dRVVT („dilute Russell's viper venom time“):
    • Die dRVVT ist ein Gerinnungstest, bei dem die Gerinnungszeit des Blutes nach Zugabe eines bestimmten Schlangengiftes in Sekunden gemessen wird. Das Vorhandensein von Lupushemmstoffen im Blut führt zu einer Verlängerung des Sekundenmesswertes des dRVVT-Tests.
  • Zur Bestätigung des Vorliegens von Lupushemmstoffen im Blut werden sowohl APTTL als auch dRVVT nach Zugabe von Phospholipiden in den jeweiligen Testansatz wiederholt. Normalisiert sich die Blutgerinnungszeit durch diesen Phospholipidzusatz, ist dies ein Beweis für das Vorhandensein von Lupushemmstoffen.

Als weiterführende Diagnostik bei positiver Lupushemmstoffdiagnostik sollte die Bestimmung von Cardiolipin-Antikörpern erfolgen. Diese Autoantikörper können von unterschiedlichem Immunglobulin(Ig)-Typ sein:

  • IgG, IgA oder IgM.

Thrombophiliescreening

Die Lupushemmstoffdiagnostik ist ein Teil des sogenannten Thrombophiliescreenings. Ziel des Thrombophiliescreenings ist es, ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Venenthrombosen (sogenannte Thromboseneigung) zu entdecken. Ein solcher Verdacht ist in folgenden Situationen gegeben:

  • bei wiederholten Beinvenenthrombosen (insbesondere bei Personen unter 40 Jahren),
  • bei wiederholten Lungeninfarkten (Pulmonalembolien),
  • bei wiederholten Fehlgeburten etc.

Bei einem medizinischen Verdacht auf eine Thromboseneigung sollten die folgenden Laboruntersuchungen durchgeführt werden:

  • Bestimmung der Hemmstoffe des Gerinnungssystems:
    • Antithrombin III,
    • Protein C,
    • Protein S.
  • Bestimmung der APC-Resistenz.
  • Lupushemmstoffdiagnostik:
    • Bestimmung des sogenannten Lupus-Antikoagulans,
    • Untersuchung auf sogenannte Antiphospholipid-Syndrome (Autoantikörper-Diagnostik – Bestimmung von Cardiolipin-Antikörpern).
  • Homocystein-Bestimmung im Blut (erhöhte Werte stellen einen Risikofaktor für Venenthrombosen dar).

Finden sich im Rahmen des Thrombophiliescreenings auffällige Befunde (sogenanntes positives Thrombophiliescreening), sind weiterführende Untersuchungen angezeigt:

  • Nachweis einer Faktor-V-Leiden-Mutation mittels genetischer Mutationsanalyse (Polymerase-Kettenreaktion, PCR).
  • Nachweis anderer genetischer Risikofaktoren (z.B. G20210A-Mutation im Faktor-II-Gen).

Tiefe Venenthrombose (TVT)

Bei einer tiefen Venenthrombose (TVT) kommt es zum Verschluss einer tief gelegenen Vene durch die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus). In den meisten Fällen sind Beinvenen betroffen.

Als Ursache der TVT kommen

  • Schädigungen der Venenwand (z.B. Entzündungen),
  • Störungen des Blutstroms (z.B. Wirbelbildungen bei Krampfadern) sowie
  • Veränderungen der Zusammensetzung des Blutes (Ungleichgewicht zwischen gerinnungsfördernden und -hemmenden Faktoren) infrage.

Neben diesen direkten Ursachen gibt es zahlreiche Einflüsse, die das Auftreten einer TVT begünstigen. In diesen Fällen liegt dann eine sogenannte Thrombophilie (sprich: Thromboseneigung) vor:

  • Bettlägerigkeit (z.B. nach Operationen),
  • langes Sitzen (z.B. Langstreckenflüge – sogenanntes „Economy Class Syndrome“),
  • angeborener Mangel an Antithrombin III, Protein C bzw. Protein S,
  • andere angeborene Störungen wie Faktor-V-Leiden-Mutation etc.,
  • Lebererkrankungen,
  • Tumorerkrankungen (v.a. im Bereich von Bauchspeicheldrüse bzw. Prostata),
  • höheres Lebensalter,
  • Einnahme der „Anti-Baby-Pille“ plus Rauchen u.v.m.

Die Beschwerden einer TVT können vielfältig sein. Typisch sind

  • Schwellung des betroffenen Beines,
  • Schmerzen beim Drücken auf die betroffene Wade,
  • evtl. bläuliche Verfärbung des betroffenen Beines (sogenannte „Zyanose“).

Es gibt aber auch Fälle einer TVT, bei denen diese typischen Beschwerden komplett fehlen.

Die größte Gefahr einer TVT liegt darin, dass sich ein Teil des Blutgerinnsels ablöst und über das venöse Blutgefäßsystem zum Herzen und schließlich zur Lunge wandert. Ein solcher abgelöster Teil eines Thrombus wird

  • „Embolus“ genannt – die Erkrankung heißt „Embolie“.

Eine Embolie kann einen akut lebensbedrohlichen Zustand darstellen. Denn je nach Größe des Embolus kann es zu einer mehr oder minder großen Verstopfung von Lungengefäßen kommen. Diese Erkrankung wird als

  • „Pulmonalembolie“ bezeichnet – die Schädigung der Lunge durch diese Embolie heißt „Lungeninfarkt“.

In Hinblick auf die Diagnose einer TVT sollten die folgenden Untersuchungen erfolgen:

  • Genaue Befragung der Patientin bzw. des Patienten (Anamnese),
  • Bestimmung von Fibrinogen-Spaltprodukten (D-Dimere) im Blut,
  • Ultraschalluntersuchung des Beines,
  • Phlebographie (Röntgendarstellung der Beinvenen mit Kontrastmittel).

Die Behandlung der TVT setzt an unterschiedlichen Punkten an:

  • Kompression des betroffenen Beines mit elastischen Binden bzw. einem Kompressionsstrumpf.
  • Vermeidung von Sitzen und Stehen.
  • Strenge Bettruhe ist zumeist nicht erforderlich.
  • Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten:
    • Verabreichung von Heparin (in der Praxis wird am häufigsten sogenanntes fraktioniertes, niedermolekulares Heparin eingesetzt),
    • Thrombolyse (d.h. medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels) mit sogenannten Fibrinolytika.

Bei Patientinnen und Patienten mit immer wieder auftretenden (rezidivierenden) Thrombosen ist die Durchführung einer

  • Thromboembolie-Prophylaxe erforderlich.
    • Dazu werden entweder niedermolekulare Heparine bzw. Vitamin-K-Gegenspieler (z.B. Marcoumar® oder Sintrom®) verwendet.

Weitere Informationen zu

Synonyme: dRVVT
LOINC: 6303-2

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
sek (Sekunden) <49 sek <49 sek <49 sek <49 sek

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse