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Frau mit Einkaufstüten und Tablet © ipopba

Kaufsucht

Ist jemand kaufsüchtig, kann sie/er nicht aufhören zu kaufen. Das Kaufen wird als eine Art Zwang erlebt und wird zu einem Verhalten, das Betroffene nicht mehr kontrollieren können. Die Auswirkungen dieser Sucht sind äußerst folgenreich: nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für die Menschen in ihrem näheren Umfeld. Es kommt vor allem zu finanziellen Schwierigkeiten, die weitere Probleme nach sich ziehen können (beruflich oder familiär). Zudem führt Kaufsucht zu einem großen Leidensdruck. Manchmal rutschen Betroffene auch in kriminelle Bereiche (z.B. Betrug oder Diebstahl). 

Kaufsucht zählt zu den nicht stoffgebundenen Abhängigkeiten. Sie tritt in Konsumgesellschaften auf. Die Diagnose „Kaufsucht“ hat nach wie vor noch keinen Eingang als eigenständige anerkannte Krankheit in die Krankheitsmanuale gefunden. Kaufsucht wird auch als sogenannte „saubere“ Sucht bezeichnet. Sie ist nach außen hin oft kaum wahrnehmbar. Konsum ist zudem in der Gesellschaft meist positiv bewertet. Kaufkraft kurbelt die Wirtschaft an. Man tauscht sich gegenseitig über neue Errungenschaften aus, vergleicht sich miteinander.

Österreich: Ein Viertel kaufsuchtgefährdet

Laut einer Studie der Arbeiterkammer Wien, die 2017 veröffentlich wurde, sind ein Viertel der Österreicherinnen/Österreicher kaufsuchtgefährdet, elf Prozent sind kaufsüchtig. Bei den Frauen ist jede Dritte kaufsuchtgefährdet, bei Männern nur jeder Fünfte. Vorsicht ist vor allem bei Internetkäufen und Ratenzahlungen sowie generell bargeldlosen Zahlungen geboten. Bei Personen, die häufig eine Ratenzahlung in Anspruch nehmen, ist die Kaufsucht doppelt so hoch als bei Personen, die nie in Raten zahlen. 

Wie wird die Diagnose Kaufsucht gestellt?

Bei Kaufsucht stehen nicht die gekauften Gegenstände an sich im Mittelpunkt, sondern der Akt des Kaufens. Zudem leiden Betroffene auch in vielen Fällen an Depressionen, anderen Süchten (z.B. Glücksspielsucht, Internetsucht oder Alkoholabhängigkeit), an einer Persönlichkeitsstörung oder an einem Sammelzwang (zwanghaftes Horten). Vor allem bei der Internetsucht besteht durch die vielen Kaufmöglichkeiten im Internet oft ein Zusammenhang mit Kaufsucht.

Im ICD-10 wird Kaufsucht unter „(Nicht näher bezeichnete) Störung der Impulskontrolle“ eingeordnet. Um Kaufsucht als solche festzustellen, bedarf es einer ausführlichen Anamnese (z.B. mit einer Psychiaterin/einem Psychiater). Zusätzlich können spezifische Fragebögen Anwendung finden (z.B. „Screeningverfahren zur Erhebung von kompensatorischem oder süchtigem Kaufverhalten/SKSK) – etwa im Rahmen einer klinisch-psychologischen Diagnostik. Das SKSK beschreibt süchtiges und kompensatorisches Kaufverhalten und misst das Ausmaß an Kaufsuchttendenz oder -gefährdung.

Diagnosekriterien

Folgende Kriterien müssen erfüllt sein, damit man von Kaufsucht sprechen kann:

  • Das eigene Kaufverhalten erzeugt Leidensdruck und benötigt viel Zeit. Soziale und berufliche Beziehungen leiden ebenso. Es treten finanzielle Probleme auf, bzw. die gekauften Gegenstände häufen sich an und nehmen z.B. Wohnraum in großem Maß in Anspruch.
  • Exzessives Kaufen tritt nicht im Rahmen einer Manie oder Hypomanie auf.
  • Zudem muss mindestens einer der folgenden Punkte auf Fehlanpassung bezüglich Konsum zutreffen:
    • Häufige und starke Beschäftigung mit Kaufen bzw. Kaufimpulse, die sich unabwendbar aufdrängen und eigentlich sinnlos erscheinen.
    • Häufiges Kaufen (von Dingen, die nicht benötigt werden) über die vorhandenen finanziellen Mittel hinaus und über einen längeren Zeitraum als eigentlich geplant.

Die Selbstregulationsfähigkeit Betroffener ist beeinträchtigt, die Selbstkontrolle im Hinblick auf Kaufen nicht mehr möglich. Beim Versuch auf Verzicht des Kaufens stellen sich Entzugssymptome ein, z.B. innere Unruhe, Konzentrationsprobleme oder Gereiztheit. Auch das Realitätsempfinden kann abweichen. Meist kaufen Betroffene zur Problembewältigung oder um Gefühle von Angst oder Depression zu mildern. Kurz nach dem Kauf fühlen sich Kaufsüchtige überschwänglich gut, es folgt allerdings rasch das Stimmungstief. Niedergeschlagenheit, Enttäuschung oder ein schlechtes Gewissen sind typische Empfindungen, die nach exzessivem Kaufen wiederkehren.

Abgrenzung zu kompensatorischem Kaufverhalten

Von Kaufsucht muss das sogenannte kompensatorische Kaufverhalten abgegrenzt werden. Dieses ist ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Kaufsucht. Es ist gekennzeichnet durch:

  • Hinausschieben (aber im Endeffekt doch Lösung) von Problemen

  • gelegentliches Kaufen zur Entspannung und Belohnung

  • zeitweise teilweiser Kontrollverlust beim Einkaufen

  • Gegenstände haben einen hohen symbolischen Wert

  • Shopping ist ein häufig ausgeübtes Hobby

Wir wird Kaufsucht behandelt?

Die völlige Abstinenz ist bei dieser Form der Sucht nicht zu erreichen und auch nicht lebbar. Das ergibt sich auch aus der Tatsache, dass jeder Mensch einkaufen muss (Lebensmittel etc.). Therapieziel ist meist eine Neugestaltung des Lebens mit nicht belastendem Kaufverhalten. Wieder einen selbstkontrollierten Umgang im Kaufverhalten zu erlernen ist allerdings eine herausfordernde Aufgabe. Diese kann durch therapeutische Maßnahmen (z.B. verhaltenstherapeutische Ansätze) gestützt werden. Die Behandlung erfolgt ambulant bzw. im niedergelassenen Bereich und umfasst vor allem Psychotherapie bzw. klinisch-psychologische Behandlung. Zudem werden noch andere Behandlungsmaßnahmen eingesetzt, z.B. Bewegung, Musiktherapie, kunsttherapeutische Ansätze sowie Unterstützung durch Sozialarbeit etc. Auch der Besuch von Selbsthilfegruppen kann hilfreich sein. Treten Begleiterkrankungen wie etwa eine Depression auf, werden diese dementsprechend behandelt.

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie den Verdacht haben, an Kaufsucht zu leiden oder dafür gefährdet zu sein, können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Psychiaterin/Psychiater

  • Psychotherapeutin/Psychotherapeut

  • klinische Psychologin/klinischer Psychologe

  • Ambulanz des Anton-Proksch-Instituts

  • Ambulanz der Sigmund Freud Privat Universität Wien

Unter Gesundheitssuche finden Sie hilfreiche Informationen zur Arzt- bzw. Therapeutensuche. 

Auch für Angehörige gibt es Beratungsangebote. Denn auch für diese kann die Situation mitunter sehr belastend sein. Nähere Informationen finden Sie unter Angehörige von psychisch Erkrankten sowie unter Co-Abhängigkeit.

Wie erfolgt die Übernahme der Kosten?

Informationen finden Sie unter Abhängigkeit: Leistungen und Kosten.

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