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Mann lehnt alkoholisches Getränk ab ©Andrey Popov

Risiko- und Schutzfaktoren

Die „typische Suchtpersönlichkeit“ gibt es nicht. Verschiedenes spielt bei der Entwicklung einer Abhängigkeit zusammen. Bestimmte Faktoren, z.B. ein genetischer Anteil, geringes Selbstwertgefühl, geringe Problemlösungs- und Frustrationstoleranz gelten als „Risikofaktoren“, andere beeinflussen positiv. Allerdings: Personen mit Risikofaktoren werden nicht automatisch auch abhängig. Diverse Ansätze versuchen, die Entstehung einer Abhängigkeit zu erklären. Dabei geht man von komplexen Zusammenhängen aus, die Substanzeigenschaften, biologische, psychische und soziale Faktoren (Umweltfaktoren) beinhalten . . . 

Faktoren einer Abhängigkeitsentwicklung

Die Faktoren und ihr Zusammenwirken sind individuell verschieden. Bei der Entstehung und Entwicklung einer Abhängigkeit spielen eine Rolle:

  • die Droge (z.B. Wirkung, Abhängigkeitspotenzial, Verfügbarkeit),
  • das Individuum/die Person (z.B. genetische Faktoren, erlerntes Verhalten, Selbstwertgefühl, Frustrationstoleranz, körperliche und psychische Entwicklung),
  • das soziale Umfeld (z.B. Eltern und ihre Vorbildwirkung, Freundeskreis, Konfliktsituationen).

Eine Entwicklung zur Abhängigkeit ist u.a. abhängig von der Droge und ihrem Abhängigkeitspotenzial, der Möglichkeit, diese zu erhalten und zu konsumieren sowie der gesellschaftlichen Akzeptanz. Eine gewisse genetische Komponente spielt ebenfalls eine Rolle. Drogen greifen in Prozesse im Gehirn ein. Viele Drogen steigern die Ausschüttung von Dopamin und die Aktivierung des Belohnungssystems (dopaminerges Belohnungssystem), sodass durch den Drogenkonsum etwa Euphorie empfunden wird. Auch Glutamat, ein stimulierender Neurotransmitter, der u.a. an Gehirnfunktionen wie Lernen und Gedächtnis beteiligt ist, steht in Zusammenhang mit Abhängigkeitserkrankungen („Suchtgedächtnis“). Eine Art gelernte Reaktion des Körpers auf den Drogenkonsum wird angenommen.

Auch Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung können mit Drogenkonsum eng verknüpft sein. Zudem wirkt sich das soziale Umfeld auf die Entstehung und Entwicklung einer Abhängigkeit aus. Der Grundstein für eine spätere Abhängigkeit/Sucht wird oft bereits in der Kindheit gelegt. Bestimmte Beziehungsmuster in Familien (Beziehungskrisen) und/oder Erziehungsstile (z.B. mangelnde Grenzen oder zu strikte Grenzsetzung) können daran beteiligt sein. Belastende Verhältnisse in Schule, Arbeit und Freizeit etc. werden ebenfalls in theoretischen Ansätzen für die Entstehung der Abhängigkeit beschrieben. Schwierigkeiten sich im gesellschaftlichen System zurecht zu finden, mangelnder sozialer Rückhalt, mangelnde Zukunftsperspektiven sowie die Einwirkung der Werbung/Medien und Erlebnisorientierung etc. können ebenfalls Einfluss nehmen.

Neben diesen sozialen Faktoren hat auch eine genetische Belastung eine zentrale Bedeutung. So haben z.B. Kinder suchtkranker Eltern ein wesentlich höheres Risiko, ebenfalls eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln.

Schutzmechanismen

Legale (wie Alkohol oder Nikotin etc.) und illegale Substanzen (wie Cannabis, Kokain etc.) können im Prinzip für jeden schädlich sein. Bestimmte Faktoren können als „Schutzmechanismen“ fungieren. Die Zusammenhänge sind jedoch – genauso wie die Risikofaktoren – noch nicht restlos erforscht.

Folgende Faktoren können vor einer Abhängigkeit „schützen“:

  • Gesundes Selbstwertgefühl, positives Selbstkonzept,
  • Eltern bzw. Erziehungsberechtigte, die verantwortungsbewusst mit bestimmten berauschenden Mitteln (z.B. Alkohol) umgehen – und dies an ihre Kinder vermitteln,
  • frühe Vermittlung einer neutralen (nicht ideologisierten) Aufklärung über potenzielle Suchtmittel – diese muss früh erfolgen, nicht erst im Risikoalter Jugendlicher,
  • Verständnis für die Neugierde Jugendlicher, auch dann, wenn sie beim ersten Experimentieren mit Suchtmitteln erwischt werden. Die meisten Jugendlichen machen zuerst Erfahrungen mit legalen Suchtmitteln. Hier kann auf die Unterschiede zwischen Genuss und Abhängigkeit hingewiesen werden (in nicht bedrohlicher Art und Weise!).
  • ein drogenfreies Familienleben, soziales Umfeld ohne Drogenkonsum (z.B. Freundeskreis, der keine Drogen konsumiert),
  • gute Verhältnisse in der Arbeit/Schule sowie in der Familie,
  • gute Belastungsverarbeitung, Problembewältigungs- und Konfliktlösungskompetenz, gute Kommunikationsfähigkeiten und ein gesundes Maß an Frustrationstoleranz,
  • Freizeitverhalten, das als erfüllend empfunden wird,
  • Unterstützung im Umgang mit Gruppendruck (peer pressure) u.v.m.
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