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Arzt-Patientinnen-Gespräch © Chinnapong
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Wechseljahre: Therapie bei Beschwerden

Die Wechseljahre gehören zum Leben jeder Frau dazu. Es handelt sich hierbei um keine Krankheit. Häufige Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche oder Stimmungsschwankungen sind bei vielen Frauen nicht so stark ausgeprägt, dass sie einer Behandlung bedürfen und klingen mit der Zeit von selbst wieder ab. Bei anderen Frauen wiederum kann die hormonelle Veränderung sehr belastend sein. Ein Drittel der Frauen hat starke, ein Drittel mittlere und ein Drittel fast keine Beschwerden („Drittel-Regel”).
Derzeit gilt die Behandlung mit Hormonpräparaten als die wirksamste Möglichkeit, belastende Wechseljahrsbeschwerden zu lindern. Sie eignet sich aber nur für kurze Zeit, da sie langfristige Risiken haben kann. Daneben gibt es auch noch andere Möglichkeiten der Behandlung. Allerdings fehlt für die meisten der wissenschaftliche Nachweis.   

Wann ist eine Behandlung mit Hormonen angezeigt?

Es ist normal, dass die fruchtbare Phase einer Frau endet und im mittleren Alter der Hormonspiegel sinkt. Diese Hormone müssen nicht unbedingt ersetzt werden. Bei Frauen, die kaum bzw. keine Beschwerden haben, gibt es keinen Grund, Hormone einzunehmen. Für Frauen mit starken Symptomen, die Krankheitswert annehmen, kann eine kurzfristige Hormontherapie Erleichterung bringen. Sie sollte nach dem Prinzip „So viel wie notwendig und so wenig wie möglich“ erfolgen. Es gibt jedoch keine Garantie, dass die Beschwerden zur Gänze verschwinden. Zudem können sie nach Absetzen der Hormontherapie erneut auftreten, da die Umstellung auf ein neues hormonelles Gleichgewicht durch die Behandlung nur verschoben wurde.

Die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt informiert über Nutzen und Risiken einer Hormontherapie und kann so bei der persönlichen Entscheidung unterstützen.

Welche Hormone werden eingesetzt?

Es gibt verschiedene Hormonpräparate, die zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt werden. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer Monotherapie, bei der ein Gelbkörperhormon oder nur Östrogene eingesetzt werden, und einer Kombinationstherapie, bei der eine Kombination aus Östrogen und Gestagen verwendet wird.

Hinweis Da Östrogene als Monotherapie das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut zu stark anregen und in manchen Fällen zu Endometrium- oder Gebärmutterkörperkrebs führen können, wird in der Regel eine Kombinationstherapie verordnet. Eine Östrogenmonotherapie kann bei Frauen, die eine Gebärmutteroperation hinter sich haben, erfolgen.

Es gibt zwei Behandlungsformen, wo Gestagene und Östrogene kombiniert werden:

  • Kontinuierliche, kombinierte Hormonbehandlung: Hierbei kann durchgängig ein kombiniertes Östrogen-Gestagen-Präparat eingenommen werden.
  • Zyklische Behandlung: Während einer Phase (z.B. über drei Wochen) werden nur Östrogene und während der anderen Phase wird auch ein Gestagen eingenommen.

Am häufigsten erfolgt die Hormontherapie durch die Einnahme von Präparaten mit Östrogen und Gestagen. Diese hat sich als die wirksamste Behandlungsmethode herausgestellt.

Lokale Hormontherapie

Bei einer ausschließlich lokalen Hormonbehandlung im Bereich der Scheide kann normalerweise auf Gestagen verzichtet werden. Durch die Anwendung von östrogenhaltigen Mitteln kann sich die dünner und trockener gewordene Scheidenschleimhaut wiederaufbauen. Dies kann z.B. vor Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Infektionen schützen. Nebenwirkungen wie Schmierblutungen und Brustspannen können auch bei einer lokalen Hormonbehandlung auftreten.

Hinweis Ob die betroffene Frau noch fruchtbar ist, sollte im individuellen Fall anhand der Hormonwerte und der klinischen Symptomatik besprochen werden.

Wie werden die Hormonpräparate eingenommen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich die Hormonpräparate zu verabreichen. Dabei haben die unterschiedlichen Darreichungsformen verschiedene Vor- und Nachteile. Die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt kann im Detail über die verschiedenen Arten und Anwendungsmöglichkeiten der Hormone informieren. Prinzipiell gibt es:

  • Tabletten oder Kapseln,
  • Pflaster oder Gel zum Auftragen auf die Haut,
  • Spritzen oder Hormonkristalle (diese sind allerdings kaum mehr in Verwendung) sowie
  • Creme, Gel, Tablette oder Zäpfchen zum Einführen in die Scheide.

Je nach Präparat kann sich der Behandlungsrhythmus unterscheiden. So werden Tabletten meist täglich eingenommen, Hormonpflaster ein bis zweimal pro Woche gewechselt und die lokale Scheidentherapie entweder täglich oder in individuellen Abständen durchgeführt.

Östrogene und Gestagene sind als Tabletten und Pflaster erhältlich. Es gibt Tabletten, die nur ein Östrogen oder Gestagen enthalten und individuell kombiniert werden können und es gibt Tabletten mit einer Kombination von beiden Hormonen in zyklischer oder einphasiger Zusammensetzung. Pflaster, die auf die Haut geklebt werden (meist Bauch oder Hüfte), geben die Hormone über die Haut an den Körper ab.
Östrogene gibt es auch als Gel und Scheidencremes sowie als Zäpfchen. Gels werden regelmäßig in die Haut eingerieben. Cremes und Zäpfchen werden für die Behandlung von Beschwerden im Genitalbereich angewendet.

Welche Risiken und Nebenwirkungen kann eine Hormonbehandlung haben?

In den ersten Monaten einer Hormonbehandlung kann es zu Schmierblutungen (manchmal auch Dauerblutungen), Spannungsgefühl in den Brüsten, Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) oder Übelkeit kommen. Das liegt meist daran, dass sich der Körper auf die Hormonzufuhr von außen einstellen muss. Sollten die Beschwerden länger anhalten, muss mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt besprochen werden, ob auf ein besser verträgliches Präparat umgestellt werden sollte. Häufig entstehen diese Beschwerden durch zu hohe Anfangsdosen und verschwinden meist, wenn die geeignete Dosierung gefunden wurde.

Wichtig: Eine Hormontherapie sollte so kurz und so niedrig dosiert wie möglich verabreicht werden. Dauert eine Hormonbehandlung über Jahre an, besteht ein erhöhtes Risiko für verschiedene ernsthafte Krankheiten, wenn die Organe bereits vorgeschädigt sind. Hierzu zählen Thrombosen, Brustkrebs oder Lebererkrankungen. Für Hormone, die kontinuierlich aus Pflastern oder als Creme/Gel über die Haut aufgenommen werden, ist das Risiko nach derzeitigem Wissen geringer.

Hinweis Durch eine Hormontherapie mit Östrogen allein oder in Kombination mit Östrogen und Gestagen besteht ein geringfügig erhöhtes Brustkrebsrisiko. Die Brustkrebsgefahr steigt v.a. dann, wenn die Hormone in Kombination, lange, in späteren Lebensjahren begonnen wird und über die natürlichen Wechseljahre hinaus eingesetzt werden. Wenn die Hormontherapie abgesetzt wird, reduziert sich das Krebsrisiko wieder. Ob Ähnliches für das Risiko Eierstockkrebs zu entwickeln gilt, ist nicht genau geklärt. Östrogen als Monotherapie für lange Zeit eingenommen, gilt zudem als Risikofaktor für Krebs der Gebärmutterschleimhaut.

Wann dürfen keine Hormone eingenommen werden?

Bei folgenden Krankheiten sollte auf die Einnahme von Hormonen verzichtet werden:

Hinweis Bei erhöhtem Risiko für Brustkrebs, Thrombosen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen muss der Nutzen der Hormonbehandlung gegenüber den Risiken sorgfältig abgewogen werden.

Welche Alternativen gibt es zur Hormontherapie?

Die Wechseljahre sind für viele Frauen ein Anlass, mehr auf einen gesunden Lebensstil zu achten. Eine gesunde Ernährung, mehr Bewegung und der Verzicht auf Rauchen und Alkohol tragen allgemein zur Gesundheit bei. Besonders körperliche Aktivitäten wirken sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System, die Knochengesundheit und die allgemeine Fitness aus. Auch Entspannungstechniken, Atemtraining, Meditation oder Yoga können zu einem besseren allgemeinen Wohlbefinden beitragen – auch wenn mit diesen Methoden Hitzewallungen wahrscheinlich nicht gelindert werden können.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche pflanzliche Präparate zur Linderung von Wechseljahrsbeschwerden, welche oft in Form eines Nahrungsergänzungsmittels angeboten werden. Hierzu zählen etwa Produkte aus Rotklee und Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) sowie Produkte, die pflanzliche Östrogene enthalten (Phytoöstrogene). Phytoöstrogene (z.B. Isoflavone) sind pflanzliche Substanzen, die ähnlich wie Östrogene wirken. Isoflavone kommen natürlich etwa in Soja, verschiedenen Bohnensorten, Getreide oder Rotklee vor.

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden auswirken, jedoch auch Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden haben. Vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sowie rezeptfreien, pflanzlichen Arzneimitteln sollte immer mit einer Ärztin/einem Arzt gesprochen werden. So können mögliche Unverträglichkeiten abgeklärt und Wechselwirkungen mit Medikamenten vermieden werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Treten erste Anzeichen für die Menopause auf, können Sie sich zur Abklärung von Beschwerden an eine Fachärztin/einen Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe mit dem Schwerpunkt Gynäkologische Endokrinologie wenden.

Beratung und Hilfe erhalten Sie u.a. auch bei folgenden Stellen:

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

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