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Übergewichtiger Bub mit Brustansatz © kwanchaichaiudom

Männliche Brustvergrößerung (Gynäkomastie)

Als Gynäkomastie wird eine zumeist gutartige Vergrößerung der Brustdrüsen beim Mann verstanden. Diese Umfangsvermehrung kann ein- oder beidseitig, mit oder ohne Schmerzen auftreten. Sie tritt am häufigsten unmittelbar nach der Geburt, während der Pubertät und im höheren Alter auf. Krankheitswertige Formen sind häufig durch hormonelle Störungen oder andere Grunderkrankungen bedingt. Die echte Gynäkomastie wird von der Pseudogynäkomastie abgegrenzt. Diese ist durch eine Vermehrung des Fettanteils oder einen gutartigen Tumor bedingt . . .

Häufigkeit & Verlauf

Die Häufigkeit der Gynäkomastie schwankt je nach Alter beträchtlich. Sie liegt im frühen Säuglingsalter bei 60 bis 90 Prozent, in der Pubertät bei etwa 50 bis 60 Prozent, und bei Männern im Alter zwischen 50 und 69 Jahren bei rund 70 Prozent. Die Entwicklung einer Gynäkomastie läuft zumeist phasenhaft ab. In der mehrere Monate dauernden sogenannten proliferativen Phase kommt es zu einem Wachstum des Brustdrüsenkörpers. Die Gewebsvermehrung kann sich wieder zurückbilden. In der anschließenden fibrosierenden Phase kommt es zu einer Verfestigung des Gewebes, welche nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Ursachen

Die Gynäkomastie ist in bestimmten Lebensabschnitten eine häufige Normvariante, z.B. bei Neugeborenen, in der Pubertät oder im Alter.

Pathologische Formen können verschiedene Ursachen haben, z.B.:

  • Hormonelles Ungleichgewicht zwischen Östrogenen und Androgenen: v.a. erhöhte Östrogenspiegel bzw. -wirkung oder verminderte Androgenspiegel oder -wirkung;
  • Hormonproduzierende Tumoren: z.B. Tumoren des Hodens;
  • Allgemeinerkrankungen: z.B. Schilddrüsenüberfunktion, Adipositas, Niereninsuffizienz, Leberzirrhose;
  • Medikamente: z.B. Antihypertensiva (v.a. Spironolacton, Eplerenon), Protonenpumpen-Hemmer, aber auch im Leistungssport missbräuchlich verwendete sogenannte anabol-androgene Steroide (AAS);
  • Drogen: z.B. Alkohol, Heroin, Marihuana;
  • Umwelt- und Ernährungseinflüsse (selten): z.B. Sojamilch, Seifen und Shampoos mit Lavendel- oder Teebaumölzusätzen.

Der Auslöser wird allerdings in vielen Fällen nicht gefunden (idiopathische Gynäkomastie) bzw. spielen mehrere Faktoren zusammen.

Diagnose

Gegenwärtig gibt es keine international akkordierten wissenschaftlichen Leitlinien zur Diagnose der Gynäkomastie. Die Anamnese ist auf Beginn und Verlauf des Beschwerdebildes gerichtet. Ein schmerzhaftes und rasches Brustwachstum wird hierbei als eher ungünstig bewertet. Nach Ausschluss einer Vermehrung von Fettgewebe (Lipomastie) wird der Allgemeinzustand erhoben sowie Brust und Genitalregion (zum Ausschluss eines Hodentumors) untersucht. Eine Gynäkomastie wird klinisch diagnostiziert, wenn das tastbare Drüsengewebe im Brustwarzenbereich einen Durchmesser von mindestens zwei Zentimetern hat. Eine weitere Quantifizierung kann anhand der Tanner-Stadien (1986) erfolgen:

  • Stadium B1: kein Brustdrüsenkörper tastbar,
  • Stadium B2: Warzenhof vergrößert, Brustdrüsenkörper vorgewölbt,
  • Stadium B3: Brustdrüsenkörper größer als Warzenhof,
  • Stadium B4: Warzenhof wird durch Brustdrüsenkörper angehoben (Knospenbrust),
  • Stadium B5: entspricht der ausgereiften weiblichen Brust.

Die Labordiagnostik umfasst Hormon-, Leber- und Nierenwerte sowie bei Verdacht Tumormarker und Chromosomenanalyse. Bei Bedarf können bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Mammographie, Röntgen, Computertomographie und Magnetresonanztomographie zum Einsatz kommen. Eine Gewebeentnahme ist nur bei Verdacht auf einen bösartigen Tumor angezeigt.

Therapie

Nicht jede Gynäkomastie muss behandelt werden. Angestrebt wird die Ausschaltung bzw. Behandlung ursächlicher Faktoren. Eine physiologische oder idiopathische Gynäkomastie bildet sich häufig von selbst zurück. Sie erfordert nur dann eine Behandlung, wenn sie Schmerzen oder einen psychischen Leidensdruck aufgrund ästhetischer Gründe verursacht. Je nach Auslöser stehen medikamentöse Therapien (nur in der reversiblen Phase) oder operative Verfahren (zur kosmetischen Korrektur) zur Verfügung. Bei hohem seelischen Leidensdruck kann z.B. eine klinische Psychologin/ein klinischer Psychologe hinzugezogen werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Brustwachstum können – je nach Alter – folgende Stellen kontaktiert werden:

  •  Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Andrologie und Urologie,
  • Fachärztin/Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für Diagnose sowie medizinisch notwendige medikamentöse und chirurgische Therapie werden in der Regel von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Hinweis Rein kosmetische Behandlungen sind vom Patienten selbst zu bezahlen.

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