Gynäkomastie
Inhaltsverzeichnis
Welche Ursachen hat eine Gynäkomastie?
Gynäkomastie - eine gutartige Vergrößerung des männlichen Brustdrüsengewebes - kann verschiedenen Ursachen haben. Meist liegen natürliche hormonelle Veränderungen zugrunde. In manchen Fällen sind hormonelle Störungen oder andere Erkrankungen die Ursache. Eine wichtige Rolle haben dabei die Sexualhormone Östrogen und Testosteron. So regt Östrogen das Wachstum des Brustgewebes an, Testosteron bremst es. Daneben können auch Medikamente, die den Hormonhaushalt beeinflussen, eine Gynäkomastie verursachen, z.B. bestimmte Entwässerungsmittel oder anabolen Steroide.
In ca. 25 Prozent der Fälle kann keine Ursache für eine Gynäkomastie festgestellt werden.
Auch Fetteinlagerungen bei starkem Übergewicht können eine Vergrößerung der männlichen Brust hervorrufen. Die Vergrößerung betrifft jedoch nicht das Brustdrüsengewebe, sondern das Fettgewebe. Fachleute bezeichnen diese Vergrößerung der männlichen Brust als Pseudogynäkomastie oder falsche Gynäkomastie.
Eine Vergrößerung der Brust bei Männern kann auch durch Brustkrebs verursacht sein. Brustkrebs ist bei Männern sehr selten.
Gynäkomastie in der Pubertät und im Alter
Natürliche Veränderungen der Hormonspiegel in bestimmten Altersabschnitten können ein stärkeres Wachstum des Brustdrüsengewebes auslösen, z.B. im Säuglingsalter, in der Pubertät oder im höheren Alter. Fachleute bezeichnen dies als physiologische Gynäkomastie. Mindestens ein Drittel aller männlichen Personen ist davon betroffen.
- In der Kindheit oder Pubertät hat Östrogen vorübergehend einen stärkeren Einfluss auf das Wachstum der Brustdrüse als Testosteron. Das verursacht in den meisten Fällen keine Beschwerden und ist symmetrisch. In manchen Fällen wird die Brustvergrößerung von einem Spannungsgefühl und leichten Schmerzen begleitet. Die Brustvergrößerung geht meist innerhalb von sechs Monaten bis zu zwei Jahren wieder zurück.
- Auch bei Männern im mittleren und höheren Alter kann aufgrund des natürlichen Rückgangs des Testosteronspiegels eine Gynäkomastie auftreten.
Gynäkomastie aufgrund von Hormonstörungen
Gynäkomastie kann auch durch eine krankhafte Hormonstörung ausgelöst werden. Dabei kommt es aus verschiedenen Gründen zu einem Überschuss von Östrogen und/oder zu einem Mangel an Testosteron. In der Folge vergrößert sich bei den betroffenen Männern das Brustdrüsengewebe. Fachleute bezeichnen dies als pathologische oder echte Gynäkomastie.
Die Hormonstörungen können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Dazu zählen:
- Hypogonadismus
- Erhöhter Östrogenspiegel, z.B. bei Adipositas
- Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, z.B. Östrogene, Antiandrogene
- Alkoholmissbrauch
- Missbrauch von anabolen Steroiden
- Andere Erkrankungen, z.B. Leberzirrhose, chronische Nierenkrankheit, Klinefelter-Syndrom, Hodentumor
- In seltenen Fällen können auch meist gutartige Tumoren der Hirnanhangdrüse – sogenannte prolaktin-produzierende Hypophysenadenome – eine Gynäkomastie verursachen.
Welche Symptome können auftreten?
Eine Gynäkomastie zeigt sich als tastbare Erweiterung des Brustdrüsengewebes unterhalb der Brustwarze. Das Gewebe ist weich und elastisch. Meist tritt die Vergrößerung beidseitig auf, manchmal auch nur einseitig. Dies kann zu einem Spannungsgefühl der Brüste und Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen bzw. Druckschmerz führen. Eine Gynäkomastie kann auch beschwerdefrei verlaufen.
Im Unterschied zur Gynäkomastie zeigt sich Brustkrebs bei Männern in der Regel als schmerzloses festes oder hartes Gewebe, meist unterhalb des Brustwarzenhofs. Zudem können bei Brustkrebs etwa Einziehungen der Brustwarze und Lymphknotenschwellungen in der Achsel derselben Seite auftreten.
Wann zur Ärztin oder zum Arzt?
Fachleute empfehlen eine Abklärung einer Brustvergrößerung bei Männern insbesondere bei folgenden Anzeichen:
- Rasches bzw. starkes Wachstum der Brust
- Starke Schmerzen an den Brüsten
- Ungewöhnliche insbesondere einseitige Veränderungen der Brust, z.B. harter Knoten abseits der Brustwarze.
- Große psychische Belastungen, die mit der vergrößerten Brust verbunden sind
- Es ist zusätzlich ein Knoten an einem der Hoden tastbar.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Zunächst erhebt die Ärztin oder der Arzt die Krankengeschichte und fragt u.a. nach Beschwerden und der Einnahme von Medikamenten.
Bei der anschließenden Untersuchung werden die Brüste abgetastet und die Beschaffenheit des vergrößerten Gewebes geprüft. Auch Hoden und eventuell Lymphknoten werden untersucht. Mit der körperlichen Untersuchung kann die Ärztin oder der Arzt beurteilen, ob es sich um eine Gynäkomastie oder um eine Fetteinlagerungen von einer Pseudogynäkomastie handelt. Die Diagnose einer Gynäkomastie stellt die Ärztin oder der Arzt, wenn unterhalb der Brustwarze eine tastbare Gewebeverdichtung mit einem Durchmesser von ungefähr 2 cm oder größer vorhanden ist. Die Ärztin oder der Arzt achtet auf Anzeichen, die auf eine andere Erkrankung hinweisen können.
Nach der körperlichen Untersuchung kann die Ärztin oder der Arzt die Ursachen meist eingrenzen. Bei Unklarheiten kann sie oder er weitere Untersuchungen vorschlagen, z.B. eine Ultraschalluntersuchung der Brust oder eine Mammografie. Bei Verdacht auf eine hormonelle Störung oder andere Erkrankungen kann die Ärztin oder der Arzt Laboruntersuchungen des Blutes vorschlagen.
Wie erfolgt die Behandlung einer Gynäkomastie?
Viele Fälle von Gynäkomastie erfordern keine Behandlung, z.B. eine physiologische Gynäkomastie in der Pubertät. Bei einer Gynäkomastie in Folge einer Hormonstörung oder einer anderen Erkrankung richten sich die Möglichkeiten der Behandlung nach der jeweiligen Grunderkrankung. Die Ärztin oder der Arzt informiert zu Nutzen sowie Risiken von Behandlungsmöglichkeiten.
Bei einer schmerzhaften Gynäkomastie kann die Ärztin oder der Arzt zur Linderung der Beschwerden eine kurzfristige Behandlung mit dem Anitöstrogen Tamoxifen vorschlagen.
Bei einer länger bestehenden, stark ausgeprägten Brustvergrößerung gibt es die Möglichkeit einer Korrektur mittels plastischer Chirurgie. Dabei wird Binde- und Fettgewebe chirurgisch entfernt.
Wohin kann ich mich wenden?
Für die Untersuchung einer männlichen Brustvergrößerung oder anderer auffälliger Veränderung der Brust und für die Behandlung von Beschwerden können sich die Betroffenen an folgende Stellen wenden:
- Ärztin oder Arzt für Allgemeinmedizin sowie Primärversorgungseinheit,
- Fachärztin oder Facharzt für Urologie und Andrologie,
- Fachärztin oder Facharzt für Innere Medizin mit Zusatzgebiet Endokrinologie und Stoffwechsel,
- Fachärztin oder Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde sowie Kinder-Primärversorgungs-Einheit.
Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?
Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Rein kosmetische Behandlungen sind vom Patienten selbst zu bezahlen.
Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:
- Recht auf Behandlung
- Arztbesuch: Kosten und Selbstbehalte
- Was kostet der Spitalsaufenthalt
- Rezeptgebühr: So werden Medikamentenkosten abgedeckt
- Heilbehelfe & Hilfsmittel
- Gesundheitsberufe A-Z
- sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.
Hinweis
Rein kosmetische Behandlungen sind vom Patienten selbst zu bezahlen.
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Letzte Aktualisierung: 31. August 2026
Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal
Expertenprüfung durch: Priv.Doz. Dr. Thomas Scherer, Facharzt für Innere Medizin, Zusatzfach: Innere Medizin Endokrinologie und Stoffwechselerkrankung