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Übergewichtiger Bub mit Brustansatz © kwanchaichaiudom
Übergewichtiger Bub mit Brustansatz © kwanchaichaiudom

Männliche Brustvergrößerung (Gynäkomastie)

Als Gynäkomastie wird eine gutartige Vergrößerung der Brustdrüsen beim Mann verstanden. Diese Umfangsvermehrung kann ein- oder beidseitig, mit oder ohne Schmerzen auftreten. Sie kommt physiologisch unmittelbar nach der Geburt, während der Pubertät und im höheren Alter vor. Krankheitswertige Formen sind häufig durch hormonelle Störungen, Medikamente oder andere Grunderkrankungen (Übergewicht, Leberzirrhose) bedingt. Die echte Gynäkomastie wird von der Pseudogynäkomastie abgegrenzt. Diese ist durch eine Vermehrung des Fettanteils ohne Zunahme des Drüsengewebes charakterisiert und kommt meist bei übergewichtigen Männern vor, kann aber auch durch einen gutartigen Tumor bedingt sein.

Die wichtigste Differentialdiagnose bei einseitiger Gynäkomastie ist Brustkrebs (Mammakarzinom), wobei der männliche Brustkrebs sehr selten ist und nur ein Prozent aller Mammakarzinome ausmacht.

Wie häufig ist eine Gynäkomastie?

Die Häufigkeit der physiologischen, d.h. nicht krankhaften Gynäkomastie schwankt je nach Alter beträchtlich:

  • Sie liegt im frühen Säuglingsalter bei 60 bis 90 Prozent und bildet sich meist innerhalb weniger Wochen nach der Geburt zurück.
  • In der Pubertät tritt sie ab einem Alter von zehn bis zwölf Jahren, am häufigsten aber bei 13- bis 14-jährigen Knaben in bis zu 60 Prozent auf, eine spontane Rückbildung in den nächsten ein bis zwei Jahren wird bei mehr als 40 Prozent aller Betroffenen beobachtet. Die Genitalentwicklung mit Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale und dem physiologischen Hodenwachstum ist nicht betroffen und verläuft normal.
  • Der dritte Häufigkeitsgipfel liegt im Alter zwischen 50 und 80 Jahren, wobei 25 bis 65 Prozent der Männer dieser Altersgruppe betroffen sind.

Wie entwickelt sich eine Gynäkomastie?

Die Entwicklung einer Gynäkomastie läuft zumeist phasenhaft ab. In der mehrere Monate dauernden proliferativen Phase kommt es zu einem Wachstum des Brustdrüsenkörpers. Die Gewebsvermehrung kann sich wieder zurückbilden. In der anschließenden fibrosierenden Phase kommt es zu einer Verfestigung des Gewebes, welche nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Welche Ursachen hat eine Gynäkomastie?

Die Gynäkomastie stellt kein eigenständiges Krankheitsbild dar, sondern ist Symptom eines gestörten Verhältnisses in der Relation von Östrogenen zu Androgenen. Die möglichen Ursachen dieser endokrinen Veränderung sind vielfältig. Allerdings ist die Gynäkomastie in bestimmten Lebensabschnitten eine häufige, physiologische Normvariante (bei Neugeborenen, in der Pubertät oder im Alter).

Pathologische Formen können verschiedene Ursachen haben:

  • Hormonelles Ungleichgewicht zwischen Östrogenen und Androgenen: v.a. erhöhte Östrogenspiegel bzw. -wirkung oder verminderte Androgenspiegel oder -wirkung;
  • Hormonproduzierende Tumoren des Hodens, der Nebennieren oder der Hypophyse (Prolaktinome);
  • Allgemeinerkrankungen: z.B. LeberzirrhoseSchilddrüsenüberfunktion, Adipositas, Niereninsuffizienz;
  • Medikamente: z.B. Spironolacton, Cimetidin, Ranitidin, Omeprazol, Ketotonazol, Bicalutamid, Finasterid, Diazepam, Nifedipin, Digitoxin, Captopril, Enalapril, Amiodaron, anabol-androgene Steroide (AAS für Doping-Zwecke);
  • Drogen: z.B. Alkohol, Heroin, Methadon, Marihuana, Amphetamine;
  • Umwelt- und Ernährungseinflüsse (selten): z.B. Sojamilch, Seifen und Shampoos mit Lavendel- oder Teebaumölzusätzen, Phytoöstrogene, Isoflavone;
  • Mechanische Einflüsse: Druck, Anprall, Reibung (z.B. bei Soldaten);
  • Genetische Faktoren: z.B. Chromosomenanomalien beim Klinefelter-Syndrom.

Der Auslöser wird allerdings in vielen Fällen nicht gefunden (idiopathische Gynäkomastie) bzw. spielen mehrere Faktoren zusammen.

Welche Symptome können auftreten?

Klinisch zeigt sich die Gynäkomastie als meist beidseitige Vergrößerung der Brustwarze und des Warzenhofs einschließlich eines meist in Strängen tastbaren Drüsenkörpers, der häufig druckschmerzhaft ist. Sie kann zu subjektiven Beschwerden wie Spannungsgefühl der Brüste und Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen führen, aber auch völlig  beschwerdefrei sein (asymptomatisch). 

Wie wird die Diagnose gestellt?

Ziel ist die Abgrenzung einer physiologischen von einer pathologischen Gynäkomastie, wobei die Diagnose einer physiologischen Veränderung der Brust stets eine Ausschlussdiagnose darstellt. Die Anamnese ist auf Beginn und Verlauf des Beschwerdebildes, Ernährung, Alkohol- oder Drogenkonsum, eine genaue Auflistung der bestehenden Medikation, auf diverse Symptome eines Androgen-Mangels oder anderer Erkrankungen gerichtet. Ein schmerzhaftes und rasches Brustwachstum wird hierbei als eher ungünstig bewertet. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung werden Brust und Genitalregion (zum Ausschluss eines Hodentumors) einschließlich der lokalen Lymphknoten abgetastet. 

Eine Gynäkomastie wird diagnostiziert, wenn das tastbare Drüsengewebe im Brustwarzenbereich einen Durchmesser von mindestens zwei Zentimetern hat. Eine weitere Quantifizierung kann anhand der Tanner-Stadien (1986) erfolgen:

  • Stadium B1: kein Brustdrüsenkörper tastbar,
  • Stadium B2: Warzenhof vergrößert, Brustdrüsenkörper vorgewölbt,
  • Stadium B3: Brustdrüsenkörper größer als Warzenhof,
  • Stadium B4: Warzenhof wird durch Brustdrüsenkörper angehoben (Knospenbrust),
  • Stadium B5: entspricht der ausgereiften weiblichen Brust.

Die Labordiagnostik umfasst Hormon-, Leber- und Nierenwerte sowie bei Verdacht Tumormarker und Chromosomenanalyse. Ergänzend werden folgende bildgebende Verfahren durchgeführt:

Eine Gewebeentnahme ist bei Verdacht auf einen bösartigen Tumor, v.a. bei asymmetrischen Befunden angezeigt.

Wie erfolgt die Behandlung einer Gynäkomastie?

Nicht jede Gynäkomastie muss behandelt werden. Angestrebt wird die Ausschaltung bzw. Behandlung ursächlicher Faktoren. Eine physiologische oder idiopathische Gynäkomastie bildet sich häufig von selbst zurück. Sie erfordert nur dann eine Behandlung, wenn sie Schmerzen oder einen psychischen Leidensdruck aufgrund ästhetischer Gründe verursacht. Je nach Auslöser stehen medikamentöse Therapien (nur in der reversiblen Phase) oder operative Verfahren (zur kosmetischen Korrektur) zur Verfügung, wenn eine länger bestehende (sechs bis zwölf Monate), bereits fibrosierte Gynäkomastie vorliegt. Bei hohem seelischen Leidensdruck kann z.B. eine klinische Psychologin/ein klinischer Psychologe hinzugezogen werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Brustwachstum können – je nach Alter – folgende Stellen kontaktiert werden:

  •  Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Andrologie und Urologie,
  • Fachärztin/Facharzt für Endokrinologie,
  • Fachärztin/Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für Diagnose sowie medizinisch notwendige medikamentöse und chirurgische Therapie werden in der Regel von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Hinweis Rein kosmetische Behandlungen sind vom Patienten selbst zu bezahlen.

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