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Frau mit geschlossenen Augen © fizkes
Frau mit geschlossenen Augen © fizkes

Psychosomatik: Was ist das?

Die Psychosomatik ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, das sich mit dem Einfluss psychischer und sozialer Faktoren auf den Körper auseinandersetzt. Sie beschäftigt sich somit mit der Wechselwirkung von Psyche und Körper. Diese ist sehr komplex. 

Bei psychosomatischen Erkrankungen können zum Beispiel seelische Belastungen, Lebenskrisen oder traumatische Erfahrungen körperliche Beschwerden auslösen und/oder verstärken. Aber auch körperliche Erkrankungen bzw. Beschwerden können die Psyche stark belasten. Man spricht dann von sogenannten somatopsychischen Reaktionen. 

Was bedeutet Psychosomatik?

Der Vorreiter der Psychosomatik, Thure von Uexküll, führte den Begriff des „biopsychosozialen Systems“ ein. Er betonte, dass alle Erkrankungen in Zusammenhang mit biologischen (organischen und körperlichen) und psychischen/seelischen Funktionen stehen. Daneben spielen auch Beruf, Wohnverhältnisse und andere soziale Bedingungen eine große Rolle. 

Die moderne Psychosomatik bezeichnet heutzutage jenen Bereich der Medizin und angrenzender Wissenschaften, der die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen Körper, Psyche und sozialem Umfeld (z.B. Beruf, Familie) bei der Diagnose und Therapie von Beschwerden sowie Erkrankungen unter den aktuellen wissenschaftlichen Gegebenheiten berücksichtigt.

Welche psychosomatischen Krankheitsbilder gibt es?

Bei psychosomatischen Erkrankungen können etwa seelische Belastungen, Stress, Lebenskrisen oder traumatische Erfahrungen körperliche Beschwerden auslösen und/oder verstärken. Dabei kann es z.B. zu Verdauungsproblemen, chronischen Schmerzen, Herzbeschwerden oder Tinnitus kommen. Aber auch körperliche Erkrankungen bzw. Beschwerden können die Psyche belasten. Man spricht dann von sogenannten somatopsychischen Reaktionen. Bei diesen entstehen im Rahmen einer schwerwiegenden körperlichen Erkrankung psychische Probleme bzw. Störungen (z.B. depressive Reaktionen auf einen Herzinfarkt).  

Zu den sogenannten psychosomatischen Erkrankungen im engeren Sinne gehören die sogenannten somatoformen (funktionellen) Störungen.

Zudem können auch chronische Schmerzstörungen, Essstörungen (z.B. Magersucht, Bulimie) sowie sexuelle Funktionsstörungen als Störungen aus dem Kreis der Psychosomatik bezeichnet werden.

Psychosomatische Zusammenhänge bei diversen Erkrankungen

Es gibt zudem viele verschiedene Erkrankungen, bei denen sich Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche zeigen und psychosomatische Zusammenhänge bei Diagnose und Therapie eine Rolle spielen können. Psychosomatische Aspekte können in unterschiedlichen medizinischen Fachrichtungen Berücksichtigung finden (z.B. Gynäkologie, Innere Medizin, Kinderheilkunde etc.).  

Im Zuge der sogenannten Integrierten Psychosomatik können bei diesen ganzheitliche Behandlungsansätze zur Anwendung kommen. Etwa in folgenden Bereichen:

Welche Ursachen haben psychosomatische Beschwerden?

Ein allgemeines Erklärungsmodell setzt die Anforderungen und Belastungen eines Menschen in Beziehung zu seinen Bewältigungsmöglichkeiten. Das heißt: In Krisen ist der Mensch gefordert, die Balance zwischen Anforderungen einerseits und deren Bewältigung andererseits aufrecht zu erhalten. Und sie wieder nachhaltig herzustellen, wenn sie aus dem Lot gekommen ist.

Bei sehr schwerwiegenden und andauernden psychosozialen Belastungen oder akuten bzw. chronischen psychischen Traumatisierungen können diese Bewältigungsmechanismen nicht mehr hilfreich eingesetzt werden.  Aber auch schon bei geringeren Belastungsanforderungen kann auf dem Hintergrund ungünstiger individueller Voraussetzungen oder geringer Ressourcen die Balance für längere Zeit aus dem Lot geraten. Es kommt zu einer Art mehr oder weniger schwerwiegenden psychischen Verletzung, die dann zu einer “psychischen Narbe“ führen kann. In der Folge ist es möglich, dass sich etwa psychische bzw. psychosomatische Folgen zeigen.

Der Entstehungsprozess von psychosomatischen Beschwerden ist demnach vielschichtig und nach wie vor Gegenstand der Wissenschaft. Genetische, biologische, soziale und psychische Aspekte zählen dabei zu den wesentlichen Faktoren. Je nach bestehenden Beschwerden oder zugrundeliegender möglicher Erkrankung können im Rahmen der Diagnose und Therapie individuelle Erklärungsmodelle entwickelt werden. 

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