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Frau bei ärztlicher Untersuchung © Westend61

Psychosomatik: Diagnose & Therapie

Patientinnen und Patienten mit einer psychosomatischen Erkrankung haben zum Teil einen langen Leidensweg hinter sich. Denn oft dauert es Jahre und benötigt viele verschiedene Untersuchungen, bis eine organische Ursache ausgeschlossen und die psychosomatische Krankheit diagnostiziert werden kann.

„Sprache des Körpers“ mit Gefühlen verknüpfen

Bevor eine zielgerichtete psychosomatische Behandlung erfolgen kann, müssen die Beschwerden medizinisch abgeklärt werden. Es erfolgt eine Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Seelische und soziale Belastungsfaktoren finden nach dem biopsychosozialen Modell dabei ebenso Berücksichtigung wie körperliche Symptome. Eine körperliche Untersuchung und je nach Beschwerden weitere diagnostische Methoden (z.B. Blutwertbestimmung, EKG) sind unabdingbar. Es wird u.a. versucht, die Symptome als „Sprache des Körpers“ zu verstehen und die Gefühle damit in Verbindung zu bringen. Die Symptome (z.B. Nackenschmerzen) bleiben meist so lange bestehen, bis eine adäquate Behandlung erfolgt.

Individuelle Behandlung für Körper und Seele

Reichen körperliche Behandlungsmaßnahmen nicht aus, kommt die psychosomatische Behandlung zum Zug. Dabei spielen vor allem individuelle psychologische, psychotherapeutische und körperliche Therapien eine Rolle. Betroffene besprechen und vereinbaren gemeinsam mit den Behandlerinnen/Behandlern, welche Therapieziele erreicht werden sollen. Dabei hat es sich zum Beispiel bewährt, die Ressourcen und Copingmechanismen zu stärken, Stressverursacher zu entlarven und zu entkräften.

Ein wesentlicher Bestandteil der Therapie ist die Psychoedukation. Dabei soll das Verständnis für die Beschwerden gefördert und der Bezug zum Alltag erläutert werden, z.B. durch Erläuterung der Stresstheorie.

Die konkrete Behandlung hängt von der Krankheit, ihrem Ausmaß und ihrem Schweregrad ab. Sie kann z.B. aus einer Kombination von medikamentöser Therapie gemeinsam mit Psychotherapie bestehen. Auch ein stationärer Krankenhausaufenthalt in einer Psychosomatikabteilung kann notwendig sein. Zudem können gezielte Bewegungsmaßnahmen, physikalische Therapie, Entspannungsverfahren oder Musiktherapie zum Einsatz kommen.

Was können Betroffene selbst tun?

Ein wesentlicher Schritt ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Selbstverantwortung und Selbstmanagement. Betroffene können sich aktiv einbringen, um ihrer Gesundheit Gutes zu tun, z.B. durch:

  • Rechtzeitige Inanspruchnahme von professioneller Hilfe.
  • Mit der Krankheit und nicht gegen sie leben.
  • Nützen von eigenen Kraftquellen und Ressourcen, z.B. Eigenschaften (wie Optimismus) oder Aktivitäten (Hobbys etc.) sowie sozialer Austausch (im Freundeskreis, in einer Selbsthilfegruppe usw.).
  • Expertin/Experte für sich selbst (z.B. Wahrnehmung von Bedürfnissen oder Gefühlen) sowie für die Erkrankung zu werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Ansprechstelle sind Ärztinnen und Ärzte mit einem Diplom der Ärztekammer für Psychosomatische Medizin bzw. teilweise auch für Psychotherapeutische Medizin sowie Psychiaterinnen/Psychiater. In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Psychologinnen/Psychologen, Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten und anderen Spezialistinnen/Spezialisten wird psychosomatisch erkrankten Patientinnen/Patienten eine ganzheitliche und individuelle Behandlung angeboten. Außerdem gibt es Psychosomatik-Stationen, Tageskliniken und Ambulanzen in Spitälern. Weitere Informationen finden Sie unter Services.

Hinweis Es ist wichtig, dass psychosomatische Krankheitsbilder stets organisch schulmedizinisch abgeklärt und auch gegebenenfalls behandelt werden müssen!

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte. Informationen zu Kosten bei einem Spitalsaufenthalt finden Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Bei Inanspruchnahme einer Psychotherapie ist eine volle Kostenübernahme in eigenen bzw. vertraglich gebundenen Einrichtungen der Krankenversicherungsträger möglich sowie in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Es besteht in diesen Fällen jedoch die Möglichkeit, dass ein Selbstbehalt zu leisten ist. Ansonsten haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch die Krankenversicherung zu stellen, wenn Sie eine Psychotherapie bei einer niedergelassenen Psychotherapeutin/einem niedergelassenen Psychotherapeuten machen. Wird dieser genehmigt, erstattet Ihnen der Krankenversicherungsträger einen Teil des an die Psychotherapeutin/den Psychotherapeuten bezahlten Honorars zurück.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung des Gesundheitswesens, deren Kosten von den Krankenversicherungsträgern übernommen werden. Die Kosten für die Behandlung oder Beratung bei niedergelassenen klinischen Psychologinnen/klinischen Psychologen müssen Sie, da es sich um keine Leistung der Krankenversicherung handelt, selbst tragen.

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