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Frau vor vielen Türen © Sergey Nivens

Zwangsstörung: Was ist das?

Haben Sie sich schon einmal dabei ertappt, nochmal nachzusehen, ob die Kaffeemaschine sicher ausgeschaltet ist? Vielleicht haben Sie diese Kontrolle auch zweimal hintereinander durchgeführt, bevor Sie das Haus verlassen haben. Das ist noch kein Grund zur Besorgnis. Wenn Zwänge jedoch das Leben stark beeinflussen und Betroffene darunter leiden, sollte professionelle Hilfe aufgesucht werden . . .

Zwangshandlungen & -gedanken

Wiederkehrende zwanghafte Handlungen oder Gedanken, die zu Leidensdruck führen, kennzeichnen eine Zwangsstörung. Die Hemmschwelle Hilfe zu suchen oft groß, denn nicht selten werden die Zwänge als eigenartig empfunden und rufen Schamgefühle hervor. Doch Ansprechpartner für Zwangserkrankte wie z.B. Fachärztinnen/Fachärzte für Psychiatrie oder Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten sind mit dem Leiden vertraut, können es verstehen und helfen.

Beispiele für Zwangshandlungen

  • Kontrollzwänge, z.B. so oft kontrollieren, ob die Türe zugesperrt ist, dass man zur Arbeit zu spät kommt.
  • Ordnungszwänge, z.B. den Kleiderkasten immer wieder neu sortieren, weil ein Kleidungsstück nicht ganz genau zusammengelegt ist.
  • Waschzwänge, z.B. sich so oft die Hände zu waschen, bis sie wund sind.
  • Sammelzwänge (Messie-Syndrom), z.B. das Ansammeln von Zeitschriften in einem Ausmaß, dass darunter die Wohnqualität massiv leidet.

Zwangsgedanken sind Gedanken, Bilder oder auch Ideen, die sich Erkrankten aufdrängen – immer und immer wieder. Beispielsweise Gedanken, jemandem schaden zu können, sich laufend mit Krankheitserregern zu infizieren, sexuelle oder religiöse Gedankeninhalte oder Grübelzwang. Betroffene sind sich meist ihres Verhaltens bewusst und darüber verängstigt. Sie fühlen sich den Zwängen ausgeliefert und empfinden diese als eine Belastung. Zudem können sie erkennen, dass diese Zwänge vordergründig keinen Sinn ergeben.

Zwangserkrankte erleben das Zwangsverhalten oft als Vorbeugung gegen etwas, das ihnen oder anderen Schaden bringen könnte. Im Hintergrund kann sich während einer Therapie herausstellen, dass der Zwang ein reales Ereignis oder eine ernsthafte Bedrohung als Ursprung hat. Dies kann, muss aber nicht so sein.

Depersonalisation: Als stünde man neben sich

Ein Phänomen, das im Rahmen von Zwangsstörungen auftreten kann, ist die sogenannte Depersonalisation. Es entsteht das Gefühl, sich selbst fremd zu sein. Eigene Bewegungen werden teilweise nicht mehr als solche wahrgenommen, Gedankenleere breitet sich aus. Betroffene fühlen sich im Vergleich zu früher stark verändert und sind darüber irritiert. Der Bezug zur Realität bleibt bei Zwangserkrankten allerdings – im Gegensatz zur Psychose – erhalten. Depersonalisationserscheinungen treten nicht nur im Rahmen von Zwangserkrankungen auf, sondern auch bei anderen psychischen Erkrankungen, z.B. einer Depression.

Wie entsteht eine Zwangsstörung?

Es ist noch nicht eindeutig geklärt, wie es zu Zwangserkrankungen kommt. Neurobiologische Faktoren dürften ebenso wie Erfahrungen der Lebensgeschichte eine Rolle spielen. Zu den neurobiologischen vermuteten Ursachen zählen etwa ein Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn, genetische Faktoren oder Änderungen in der Gehirnfunktion. Zwangsstörungen werden nicht „vererbt“, lediglich das Risiko dafür kann größer sein, wenn Verwandte betroffen sind.

Eine Gruppe antidepressiver Medikamente, die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), haben sich in der Behandlung von Zwangsstörungen als besonders effektiv erwiesen. Daher wird angenommen, dass ein Ungleichgewicht des Neurotransmitters Serotonin zu diesen Erkrankungen führen kann. Jedoch dürften auch Botenstoffe wie Glutamat oder Dopamin daran beteiligt sein. In der Biografie eines Menschen können noch viele andere mögliche Ursachen für die Entstehung dieser Krankheit zusammenspielen, z.B. das soziale Umfeld, erlernte Verhaltensweisen etc.

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