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Symbolfoto Psychotherapie © Photographee.eu

Angststörung: Diagnose

Eine frühzeitige Diagnose einer Angststörung ermöglicht eine rasche Therapie und vermindert das Risiko, weitere psychische Erkrankungen (z.B. eine Depression) zu entwickeln. Mittels genauer Erhebung der Krankengeschichte (durch eine Ärztin/einen Arzt, klinisch-psychologischer Diagnostik bzw. eines psychotherapeutischen Gesprächs wird die Verdachtsdiagnose gestellt.

Körperliche Ursachen ausschließen

Bevor die Diagnose einer Angststörung gesichert ist, werden körperliche Leiden ausgeschlossen. Zu den wichtigsten körperlichen Differenzialdiagnosen zählen z.B. Erkrankungen der Lunge, des Herz-Kreislauf-Systems, Schwindelerkrankungen (z.B. des Gleichgewichtsystems) oder neurologische Erkrankungen. Eine körperliche Untersuchung sollte immer stattfinden. Blutwerte (Blutbild, Schilddrüsenhormone etc.) werden erhoben, und ein EKG wird durchgeführt. Je nachdem finden zusätzliche abklärende Untersuchung statt (z.B. Lungenfunktionstest, MR). Zudem muss abgeklärt werden, ob die Angst als Begleiterkrankung einer anderen psychischen Krankheit auftritt (z.B. einer Depression).

Formen von krankhaften Ängsten

Angststörungen werden üblicherweise nach der ICD-10 (International Classification of Diseases) diagnostiziert. Es wird im Allgemeinen zwischen verschiedenen Formen von Angststörungen unterschieden:

  • Angst, unabhängig von einem Objekt oder einer Situation: Es ist nicht greifbar, wovor man genau Angst hat. Diese ist ständiger Begleiter (generalisierte Angststörung) oder taucht in bestimmten Momenten als Panik (Panikstörung) auf.
  • Angst, abhängig von einem Objekt oder einer Situation: Es gibt etwas Konkretes, vor dem man sich fürchtet (Phobie, z.B. soziale Phobie).
  • Angst, vermischt mit Depression (oder auch Zwängen).

Im weiteren Sinne zählen auch Ängste aufgrund einer Posttraumatischen Belastungsstörung oder einer Akuten Belastungsstörung, Ängste hervorgerufen durch Substanzen (z.B. Drogen) oder aufgrund eines medizinischen Problems (z.B. nach einer Krebserkrankung) dazu.

Kurzübersicht über die häufigsten Angststörungen

Zu den häufigsten Angsterkrankungen zählen:

  • Panikstörungen: Die Angst tritt plötzlich auf und ist von deutlichen körperlichen Symptomen begleitet (z.B. Herzrasen, Schwitzen, Schwindel, Übelkeit etc.). Auch Hitze- oder Kältegefühl sowie Kribbeln an Armen/Beinen können auftreten. Man fürchtet sich vor einer Ohnmacht oder davor, verrückt zu werden – im schlimmsten Fall davor zu sterben. Diese Attacken (Panikattacken) treten aus heiterem Himmel auf und dauern einige Minuten, in denen die Beschwerden zunehmen. Häufig ist eine Panikstörung mit einer Agoraphobie gekoppelt.
  • Agoraphobie: Es tritt Angst vor bestimmten Orten auf – häufig kombiniert mit Panikattacken. Diese Orte haben gemeinsam, dass an ihnen ein Angstanfall peinlich auffallen könnte (z.B. an öffentlichen Plätzen oder in engen Räumlichkeiten wie einem Fahrstuhl). Ist eine andere Person des Vertrauens dabei, fällt es Betroffenen leichter, sich dieser Situation auszusetzen.
  • Soziale Phobien: Betroffene meiden es, im Mittelpunkt oder im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Je nach Ausprägung kann es z.B. schwer fallen, einen Vortrag zu halten oder einen Annäherungsversuch beim anderen Geschlecht zu wagen.
  • Spezifische Phobien: Die Angst richtet sich auf etwas ganz Bestimmtes etwa Spinnen oder Höhe.
  • Generalisierte Angststörung: Diese Form der Angst macht sich durch körperliche, seelische und psychische Beschwerden bemerkbar. Zittern, Schwindel, Herzrasen etc. treten auf. Zudem kommt es z.B. zu Schwierigkeit, sich zu konzentrieren, Nervosität oder Schlafstörungen. Die Angst ist hier ein Dauerzustand, der immer einmal mehr – einmal weniger – im Vordergrund steht. Betroffenen ist nicht klar, wovor sie eigentlich Angst haben, und sie sind im Allgemeinen auch sehr besorgt (über sich, ihre Umwelt etc.).
  • Angst mit einer depressiven Störung gemischt: Angst und Depression bestehen gleichzeitig, wobei beide nicht stark ausgeprägt sind. Sind sie es doch, rechtfertigt dies jeweils eine eigene Diagnose (Angststörung und/oder Depression).

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie den Verdacht haben, an einer Angststörung zu leiden, können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • niedergelassene Fachärztin/niedergelassener Facharzt für Psychiatrie
  • Kassenambulanz oder Spitalsambulanz für Psychiatrie
  • Psychotherapeutin/Psychotherapeut
  • Ärztinnen/Ärzte mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin

Sie können zuerst Ihre Ärztin/Ihren Arzt für Allgemeinmedizin kontaktieren und über diese/diesen gezielte Ansprechstellen finden. Auch Psychologinnen/Psychologen können maßgeblich in die Diagnose und Behandlung mit einbezogen sein.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Suche nach Anlaufstellen.

Hinweis Oft ist die Hemmschwelle, über die eigenen großen Ängste zu sprechen, sehr groß. Professionelle Helferinnen/Helfer sind jedoch damit vertraut, zeigen dafür Verständnis und können hilfreiche Maßnahmen einleiten.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die ärztliche Untersuchung werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Weitere Informationen zum Arztbesuch finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Wenn Sie eine Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten machen, haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch Ihren Krankenversicherungsträger zu stellen. Wird dieser genehmigt, erhalten Sie vom Krankenversicherungsträger einen Zuschuss. Dieser beträgt derzeit in der Regel 21,80 Euro pro Einheit Einzeltherapie. Eine volle Kostenübernahme für Psychotherapie (zum Teil auch mit Selbstbehalten) ist in eigenen bzw. mit den Krankenversicherungsträgern vertraglich gebundenen Einrichtungen möglich sowie weiters in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Weitere Informationen zu „Psychotherapie auf Krankenschein“, Kostenzuschüssen und Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten finden Sie unter Services.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung der Sozialversicherungsträger.

Informationen zu Kosten bei einem Spitalsaufenthalt finden Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt? Näheres zu einem Rehabilitationsaufenthalt erfahren Sie unter Rehabilitation.

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