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Mann blickt nachdenklich, im Hintergrund Frau © Daisy Daisy

Angehörige von psychisch Erkrankten

Leidet ein Mensch an einer psychischen Erkrankung, stellt das auch sein näheres Umfeld (Angehörige, Freundeskreis etc.) meist vor viele Herausforderungen und Fragen. Die vertraute Person verändert sich – manchmal anfangs unbemerkt oder sogar sehr plötzlich. Informationen über die jeweilige Krankheit sowie Austausch mit anderen Angehörigen oder Beratungsgespräche geben Rückhalt. Meist möchten Angehörige den Betroffenen helfen oder sie motivieren, Hilfe zu suchen. In einigen Fällen ist auch rasche Erste Hilfe notwendig. Doch oft machen die Situationen sprach- oder hilflos. Das kann bis zur eigenen Handlungsunfähigkeit führen. Selbst Ansprechstellen aufzusuchen (z.B. um über das Problem zu sprechen oder sich zu informieren) kann ebenfalls eine große Hürde darstellen, ist allerdings ein wichtiger Schritt zur Bewältigung der Situation . . .

Welche Maßnahmen Angehörige stützen

Der Alltag mit einem Menschen, der an einer psychischen Erkrankung leidet, kann Angehörige stark fordern. Manche Verhaltensweisen schaukeln sich zudem gegenseitig auf, das kann Beziehungsprobleme verschlimmern. Es ist normal, dass in einem selbst widersprüchliche Gefühle auftauchen: Angst, Traurigkeit, Schuldgefühle, Wut etc. Zudem ist es völlig nachvollziehbar, dass eine solche Situation überfordern kann und man alleine nicht mehr weiter weiß. Es kommt auch vor, dass Angehörige psychisch erkrankt sind oder erkranken. Folgende Maßnahmen sind unter anderem eine Stütze zur Bewältigung der Lage:

  • Information über die Erkrankung: Symptome und Krankheitsverlauf zu kennen, hilft Anzeichen richtig zuzuordnen und Betroffene besser zu unterstützen. Die Erlebnisse werden besser zugeordnet, man weiß wo man Hilfe findet. Nähere Informationen zu seelischen Erkrankungen sowie professionelle Anlaufstellen finden Sie unter Psyche.

  • Darüber reden: Mit jemandem Vertrauten zu sprechen ist genauso wichtig wie Hilfe „von außen“ hinzuzuziehen. Professionelle Helferinnen/Helfer oder andere Angehörige haben zudem mehr Abstand und bringen eine andere Sicht auf die Dinge mit. Diese können auch Orientierung bieten, wieviel und welche Unterstützung Betroffene benötigen.

  • Sich seiner Grenzen bewusst sein: Es ist wichtig, auch auf sich selbst zu achten. Wenn es Ihnen selbst schlecht geht, können sie andere nicht gut unterstützen. Zudem besteht die Gefahr z.B. in ein Burnout  d.h. selbst in eine seelische Befindlichkeitsstörung zu geraten. Viele Angehörige haben auch den Anspruch an sich, es dürfe ihnen nicht gut gehen, wenn es einem nahestehenden Menschen nicht gut geht. Diese Annahme oder Überzeugung führt jedoch meist in einen Teufelskreis.

  • Verständnisvoller, aber konsequenter Umgang mit Betroffenen: Zuhören und Mitgefühl sind wesentlich, damit Menschen mit einer seelischen Erkrankung sich verstanden fühlen. Durch bewusstes Setzen von Grenzen anderer lernen diese jedoch auch ihre eigenen besser kennen und einzusetzen.

Zudem sind in der Broschüre von HPE „Darüber reden können“ 10 praktische Anhaltspunkte für Angehörige angeführt.

Was tun im Notfall?

Zu den Kennzeichen einer psychiatrischen Krise zählen:

  • Störungen des Bewusstseins (z.B. Benommenheit, Verwirrtheit, keine Reaktion auf Ansprechen bei starrem Blick),

  • Störung des Realitätsbezugs: Wahrnehmung, Denken und Handeln sind nicht realitätsnah und wirken „komisch“, z.B. „wirres“ Reden, Halluzinationen und Wahnvorstellungen,

  • unkontrolliertes (aggressives) Verhalten,

  • überflutende Gefühle, z.B. von Angst oder Trauer,

  • Ankündigung von selbst- oder fremdgefährdendem Verhalten (z.B.
    Suizidabsichten) sowie

  • Nervenzusammenbruchetc.

Bei einem psychiatrischen Notfall droht oft Lebensgefahr (z.B. bei Gefahr der Selbstschädigung oder eskalierender Gewalt). Eine akute Verschlechterung eines Krankheitszustandes mit unter Umständen nicht rückgängig zu machenden Folgen ist möglich. Daher ist bei einem psychiatrischen Notfall rasche medizinische Hilfe unumgänglich! Rufen Sie die Rettung unter 144 bzw. im Falle von akuter Gefahr für die Sicherheit die Polizei unter 133. Weitere Informationen zu Erste Hilfe im psychiatrischen Notfall finden Sie unter Notfall: Psychiatrische Krise.

Was ist der Unterschied zur psychischen Krise?

Psychiatrische Krisen werden leicht mit psychischen Krisen verwechselt. Diese werden durch durch belastende Lebensereignisse und/oder veränderte Umstände ausgelöst. Betroffene Personen können diese momentan nicht mit ihren üblichen Problemlösungsstrategien bewältigen. In der Folge haben sie Probleme, ihr Berufsleben sowie ihr soziales Leben zu meistern. Durch rechtzeitiges Handeln können so manche Folgeerkrankungen (z.B.posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen) oder gefährliche Situationen (z.B.Suizid, Gewalthandlung) vermieden werden. Nähere Informationen finden Sie unter So leisten Sie Erste Hilfe für die Psyche!.

Anlaufstellen für Angehörige

Viele Angehörige sagen: „Ich habe keine Erkrankung, sondern die/der andere. Daher brauche ich keine Hilfe, nur die/der Betroffene.“ Da seelische Krankheiten jedoch auf menschliche Beziehungen auswirken, kann Beratung sehr hilfreich sein. Neben Selbsthilfegruppen sowie Beratung durch Professionalistinnen/Professionalisten ist etwa der sogenannte Trialog ein interessanter Erfahrungsaustausch. Bei diesem diskutieren Menschen mit psychischen Problemen und Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen mit den Behandlerinnen/Behandlern.

Hier finden Sie Ansprechstellen, die Ihnen weiterhelfen können:

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