Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Kind sieht in die Luft während Therapeutin Kinderzeichnungen ansieht © alexsokolov

ADHS: Therapie

Die Therapie von ADHS besteht aus mehreren Säulen, die einander ergänzen. Eine wichtige Rolle spielt die Aufklärung und Miteinbeziehung von Familie und sozialem Umfeld (etwa Schule, Kindergarten). Eltern sowie sonstige Personen, die betroffene Kinder betreuen, sollten als eine der wichtigsten therapeutischen Maßnahmen gut über ADHS aufgeklärt werden.

Kindergarten und Vorschulalter 

Eine Reihe an Maßnahmen erleichtert Klein- und Vorschulkindern das tägliche Leben:

  • Klare Botschaften und Regeln,
  • gut geplante Tagesstruktur,
  • Vermeiden von Überforderung sowie
  • Verstärkerpläne für Problemverhalten.

Mittels Ergotherapie (ggf. auch ergotherapeutisches Reiten oder Klettern), Motopädagogik und Spielen in der Gruppe werden motorische, sensorische und soziale Fähigkeiten verbessert, das Selbstbewusstsein wird gestärkt.

Psychotherapie und Medikamente

Zu den psychotherapeutischen Maßnahmen in diesem Alter gehören Eltern- und Erziehungsberatung sowie Spieltherapie. Für Klein- und Vorschulkinder stehen derzeit in Österreich keine zugelassenen Medikamente zur Verfügung. In Ausnahmefällen kann der Wirkstoff Methylphenidat ab einem Alter von vier Jahren verabreicht werden.

Schulalter

Wenn Kinder mit ADHS mit der Schule beginnen, sehen sie sich (sowie auch ihr Umfeld) mit großen Herausforderungen konfrontiert. Sie sollen still sitzen, aufmerksam zuhören und sich viele neue Dinge merken. Bei Betroffenen sind jedoch Selbststeuerung und -kontrolle nicht altersgemäß entwickelt. Die Kinder nehmen zwar alle Informationen wahr, aber nur für eine kürzere Zeitspanne. Zwischen zwei verschiedenen Aufgaben zu wechseln, fällt schwer. Mit klaren Vorgaben, wann, wo und wie z.B. Hausübungen gemacht werden sollen, könnten Schulkinder mit ADHS ihre Selbstregulation erhöhen.

Für Lehrpersonal gibt es eigene Empfehlungen, um die Kinder dementsprechend zu fördern und zu unterstützen. Wie auch bei Klein- und Vorschulkindern helfen klare Botschaften und Regeln, eine gut geplante Tagesstruktur, das Vermeiden von Überforderung immer wieder mal ein gerechtfertigtes Lob.

Vielseitige Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapie von ADHS im Schulalter setzt sich zusammen aus:

Auch spezifische klinisch-psychologische Behandlungstechniken werden eingesetzt. Die Behandlung erfolgt in den meisten Fällen ambulant. Eine stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus oder eine teilstationäre Behandlung (teils im Krankenhaus, teils im sozialen Umfeld) kann bei schwerer Ausprägung bzw. Begleiterkrankungen notwendig sein.

Psychotherapeutische Ansätze

Bei der psychotherapeutischen Behandlung von Schulkindern mit ADHS stehen verhaltenstherapeutische Maßnahmen im Vordergrund. Das schulische sowie soziale Umfeld wird mit einbezogen. Das Training von Eltern bzw. von Bezugspersonen und spezielle Fortbildungen für das Lehrpersonal fördern das Verständnis für ADHS und helfen, den Alltag gemeinsam besser zu bewältigen.

Mittels Psychoedukation soll das Verständnis für die Störung gefördert werden. Übungen zur Verbesserung der Konzentration, zum Selbstmanagement sowie soziales Kompetenztraining und Spieltherapie führen Schritt für Schritt zu einem besseren Umgang mit der Situation. Auch eine Therapie in der Gruppe ist möglich. Dabei können sich Kinder und Jugendliche austauschen und gemeinsam von und miteinander lernen. Einer der wichtigen Punkte ist es, ADHS zu kontrollieren und sich nicht davon überwältigen zu lassen.

Zurückhaltender Einsatz von Medikamenten

Ab dem Alter von sechs Jahren ist eine medikamentöse Behandlung mit unterschiedlichen Wirkstoffen möglich. Zum einen stehen Stimulanzien (Wirkstoff Methylphenidat oder Amphetamin) zur Verfügung, zum anderen sogenannte Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (Wirkstoff Atomoxetin). Beide Medikamentengruppen greifen in den Botenstoffhaushalt ein und ermöglichen eine bessere Regulation von Neurotransmittern. Während einer medikamentösen Behandlung sind regelmäßig ärztliche Kontrollen notwendig. Der Einsatz der Medikamente sollte zurückhaltend erfolgen und nur, wenn wirklich notwendig.

Hinweis Über Risiken, Nebenwirkungen und Kontraindikationen informiert Sie Ihre Ärztin/Ihr Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihr Apotheker.

Zur Nahrungsergänzung finden ungesättigte Fettsäuren Anwendung, die sich positiv auf Gehirn und Nerven auswirken können.

Wohin kann ich mich wenden?Wohin kann ich mich wenden?

Sollten Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind an ADHS leidet, wenden Sie sich an eine Kinderpsychiaterin/einen Kinderpsychiater bzw. eine Kinderärztin/einen Kinderarzt mit Spezialisierung auf Psychosomatik oder eine der spezialisierten ADHS-Ambulanzen. Diese/dieser leitet dann weitere notwendige Untersuchungen bzw. Therapien ein.

Wer übernimmt die Kosten?

Die Kosten für die ärztliche Untersuchung und Behandlung werden im Normalfall von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte und Rezeptgebühr & Co.

Wenn eine Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erfolgt, besteht die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch den Krankenversicherungsträger zu stellen. Wird dieser genehmigt, erhalten Sie vom Krankenversicherungsträger einen Zuschuss. Dieser beträgt derzeit in der Regel 21,80 Euro pro Einheit Einzeltherapie. Eine volle Kostenübernahme für Psychotherapie (zum Teil auch mit Selbstbehalten) ist in eigenen bzw. mit den Krankenversicherungsträgern vertraglich gebundenen Einrichtungen möglich sowie weiters in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden.

Weitere Informationen zu „Psychotherapie auf Krankenschein“, Kostenzuschüssen und Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten finden Sie unter Services.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung der Sozialversicherung. Die Behandlung oder Beratung bei niedergelassenen klinischen Psychologinnen/klinischen Psychologen hingegen muss privat bezahlt werden. Es gibt hierfür keine Kostenübernahme bzw. Zuschüsse vom Krankenversicherungsträger. Behandlungen und Beratungen in Einrichtungen des Gesundheits- oder Sozialwesens oder eines anderen öffentlich finanzierten Bereiches (z.B. Familienberatungsstellen) können teilweise auch kostenlos bzw. kostengünstig in Anspruch genommen werden. Zur Ergotherapie finden Sie Informationen unter Ergotherapeutin/Ergotherapeut. Motopädagogik ist privat zu bezahlen.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse