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Gruppentherapie-Sitzung © WavebreakmediaMicro

ADHS bei Erwachsenen

Etwa zwei Drittel der Kinder mit ADHS sind auch im Erwachsenenalter weiterhin davon betroffen. Die Diagnosekriterien, die im Kindesalter herangezogen werden, bieten allerdings für Erwachsene wenig hilfreiche Anhaltspunkte. Erwachsene mit ADHS haben im Alltag oft mit Schwierigkeiten zu kämpfen, etwa im Job, im Organisieren eines Haushalts oder ihres Budgets. Zudem zeigen sich soziale Interaktionen oft konfliktbeladen. Eine rechtzeitige Diagnosestellung und Behandlung im Kindesalter kann die Weichen für ein späteres unbeschwerteres Leben stellen.

Diagnostik

Frauen und Männer können die Kernsymptome Hyperaktivität, Mangel an Aufmerksamkeit und Impulsivität durch mehrere Verhaltensstrategien kompensieren. Bei Verdacht auf ADHS ist eine genaue psychiatrische Erhebung der Krankengeschichte sowie Untersuchung notwendig. Es können auch Begleiterkrankungen wie z.B. Substanzmissbrauch, Angststörungen oder Tics auftreten.

Zusätzlich ist eine Abklärung durch eine Internistin/einen Internisten sowie eine Neurologin/einen Neurologen wichtig, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Um eine gesicherte ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter zu stellen, müssen die Erkrankung bzw. deren Symptome vor dem zwölften Lebensjahr aufgetreten sein. Zudem müssen Hyperaktivität sowie ein Aufmerksamkeitsdefizit und mindestens zwei weitere Kennzeichen (z.B. verminderte Kontrolle der Emotionen, Impulsivität) vorliegen.

Therapie

Die Behandlung von ADHS beim Erwachsenen besteht aus Aufklärung über die Erkrankung, Psychotherapie (z.B. Verhaltenstherapie, Gruppenpsychotherapie etc.) sowie im Bedarfsfall auch aus psychosozialen Interventionen (z.B. Hilfe durch eine Sozialarbeiterin/einen Sozialarbeiter). Die sogenannte Psychoedukation gehört zur Psychotherapie. Dabei soll das Verständnis für die Störung gefördert und der Bezug zum Alltag erläutert werden. Übungen zur Konzentrationsförderung, zum Selbstmanagement (z.B. der Gefühle) sowie soziales Kompetenztraining erleichtern den Umgang mit ADHS. Spezielles Verhaltens-Coaching hilft, das tägliche Leben gut zu bewältigen – z.B. mittels strukturierten Tagesablaufs.

Wenn notwendig, gibt es die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung mit Methylphenidat oder Atomoxetin, einem Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Beide Medikamentengruppen greifen in den Botenstoffhaushalt ein und ermöglichen eine bessere Regulation von Neurotransmittern. Die Weiterbehandlung von Erwachsenen mit Methylphenidat bzw. Atomoxetin, das während der Kindheit bzw. Jugend schon eingenommen wurde, ist möglich. Andere Substanzen sind bis jetzt nicht ausreichend untersucht. Allerdings ist in Österreich bisher nur Atomoxetin zur Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter zugelassen.

Hinweis Über Risiken, Nebenwirkungen und Kontraindikationen informiert Sie Ihre Ärztin/Ihr Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihr Apotheker.

Wohin kann ich mich wenden?

Wurde die Diagnose ADHS bereits im Kindesalter gestellt, wird die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt gegebenenfalls die Patientin/den Patienten noch einige Zeit im jungen Erwachsenenalter begleiten und nach gegebener Zeit an eine Fachärztin/einen Facharzt für Psychiatrie überweisen. Diese übernehmen dann die weitere medizinische Betreuung. Auch eine bestehende Psychotherapie kann mit der Therapeutin/dem Therapeuten des Vertrauens weitergeführt werden. Wird die Verdachtsdiagnose mit 18 oder später geäußert, ist die erste Anlaufstelle eine Fachärztin/ein Facharzt für Psychiatrie. Diese/dieser leitet dann weitere diagnostische bzw. therapeutische Schritte ein.

Wer übernimmt die Kosten?

Die Kosten für die ärztliche Untersuchung und Behandlung werden im Normalfall von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte und Rezeptgebühr & Co. Wenn eine Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erfolgt, besteht die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch die Krankenversicherung zu stellen. Wird dieser genehmigt, erhalten Sie vom Krankenversicherungsträger einen Zuschuss. Dieser beträgt derzeit in der Regel 21,80 Euro pro Einheit Einzeltherapie. Eine volle Kostenübernahme für Psychotherapie (zum Teil auch mit Selbstbehalten) ist in eigenen bzw. mit den Krankenversicherungsträgern vertraglich gebundenen Einrichtungen möglich sowie weiters in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden.

Weitere Informationen zu „Psychotherapie auf Krankenschein“, Kostenzuschüssen und Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten finden Sie unter Services.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung der Sozialversicherung. Die Behandlung oder Beratung bei niedergelassenen klinischen Psychologinnen/klinischen Psychologen hingegen muss privat bezahlt werden. Es gibt hierfür keine Kostenübernahme bzw. Zuschüsse vom Krankenversicherungsträger. Behandlungen und Beratungen in Einrichtungen des Gesundheits- oder Sozialwesens oder eines anderen öffentlich finanzierten Bereiches (z.B. Familienberatungsstellen) können teilweise auch kostenlos bzw. kostengünstig in Anspruch genommen werden.

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