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Reisender am Flughafen © HappyAlex

HIV: Auf Reisen

Ein Großteil HIV-Betroffener führt ein aktives Leben und unternimmt auch Reisen. Für eine optimale Reisevorbereitung ist ein abgestimmtes Vorgehen mit der HIV-Spezialistin/dem HIV-Spezialisten und einer Reisemedizinerin/einem Reisemediziner wichtig. Da im Verlauf der Erkrankung immer mit einer Verschlechterung der Immunitätslage zu rechnen ist, sollten die empfohlenen Impfungen auf einem aktuellen Stand sein. Grundsätzlich entsprechen die Empfehlungen zu Reiseimpfungen bzw. zur Malariaprophylaxe denen von gesunden Reisenden. Entsprechend der Immunitätslage bzw. antiretroviralen Therapie werden diese individuell angepasst . . .

Sorgfältige Reisevorbereitung

Prinzipiell treffen die für gesunde Reisende gültigen allgemeinen Maßnahmen ebenso für HIV-Infizierte zu. Die Reisevorbereitung sollte rechtzeitig begonnen und sorgfältig geplant werden und Ziel, Art und Dauer der Reise, die eigenen Grenzen, geplante Aktivitäten, lokale Gesundheitsrisiken und Möglichkeiten der medizinischen Versorgung vor Ort berücksichtigen. Sechs bis acht Wochen vor Reisebeginn sollten ausreichend sein, vorausgesetzt der aktuelle Gesundheitszustand erlaubt überhaupt die Reise. Nähere Informationen finden Sie unter Reisemedizin.

Tipp Vor einer Reise sollten sich HIV-Infizierte von ihrer Ärztin/ihrem Arzt eine Bestätigung ausstellen lassen, welche Medikamente sie einnehmen müssen. Dies ermöglicht in der Regel auch, bei Flugreisen die Medikamente im Handgepäck zu transportieren.

Beurteilung der Reisefähigkeit

Im Vordergrund steht immer die Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes. Neben der Immunitätslage spielen Begleiterkrankungen insbesondere bei schon langjährig behandelten bzw. älteren HIV-Patientinnen und -Patienten eine entscheidende Rolle in der Beurteilung der Reisefähigkeit.

  • Keine wesentlichen Einschränkungen bestehen bei CD4-Zellzahlen >500/µL.
  • Asymptomatische HIV-Patientinnen und -Patienten mit CD4-Zellzahlen zwischen 200-500/µL haben ein begrenztes Immundefizit.
  • Bei neu diagnostizierten HIV-Patientinnen und -Patienten mit CD4-Zellzahlen <200/µL sollte solange mit Reisen in bestimmte Länder gewartet werden, bis unter Therapie eine Stabilisierung des Immunsystems erreicht ist. Dadurch werden entsprechende Voraussetzungen für ein optimales Ansprechen auf Impfungen geschaffen und die Risiken für Infektionen minimiert.

Als praktische Leitlinie für die Flugreisetauglichkeit sollte die Patientin/der Patient in der Lage sein, mindestens 50 Meter gehen oder die Treppen eines Stockwerks ohne Beschwerden steigen zu können. Eine erstmals begonnene oder umgestellte antiretrovirale Therapie sollte drei, besser sechs Monate vor Reisebeginn stabil sein. Die Notwendigkeit der ununterbrochenen Tabletteneinnahme während der Reise ist in jedem Falle zu beachten.

Empfohlene Schutzmaßnahmen

Da HIV-Infizierte besonders anfällig gegenüber Infektionskrankheiten sind bzw. diese wesentlich schwerer verlaufen können als bei nicht HIV-Infizierten, werden im Zusammenhang mit Reisen vor allem Insektenschutz und Impfungen empfohlen. Daneben können HIV-Infizierte durch allgemeine Vorsichtsmaßnahmen das Risiko von Infektionen reduzieren. Weiters ist auf guten Sonnenschutz zu achten, da bestimmte Medikamente zu Überempfindlichkeitsreaktionen gegen UV-Licht führen können.

Insektenschutz

Durch einen gewissenhaften Schutz vor Insektenstichen (Expositionsprophylaxe) lässt sich das Risiko für viele durch Insekten übertragene Infektionskrankheiten stark reduzieren. Klassischerweise steht der Schutz vor der nachtaktiven Malariamücke in gefährdeten Gebieten an erster Stelle. Mit der zunehmenden Ausbreitung z.B. von Dengue- und Chikungunya-Fieber, die durch tagaktive Mücken übertragen werden, empfiehlt sich jedoch generell ein ganztägiger Insektenschutz. Dazu zählen folgende Maßnahmen:

  • Langärmelige, locker auf der Haut anliegende, helle Bekleidung, die möglichst viel Körperoberfläche abdeckt. Eine Imprägnierung der Kleidungstücke mit einem Insektizid auf Pyrethroid-Basis erhöht deren Schutzwirkung zusätzlich.
  • Repellents (mückenabweisende Mittel), die Icaridin, Diethylmethylbenzamid oder Diethyltoluoamid (DEET) enthalten.
  • Schlafen unter einem Moskitonetz, das mit einem Insektizid (z.B. synthetisches Pyrethroid) imprägniert ist, oder in einem klimatisierten Raum.

Sonnen- und UV-Schutz

Bestimmte Medikamente (v.a. NSAR, Sulfonamide, Tetrazykline, Thiazide, Phenothiazide, Tretinoin, Psoralen oder p-Aminobenzoesäure (PABA)) können zu einer Überempfindlichkeit gegen Sonne bzw. UV-Licht (Photosensibilisierung) führen und Hauterscheinungen unterschiedlichen Schweregrades hervorrufen. Dies gilt auch für den Verzehr, Kontakt mit und die lokale Anwendung von Kräutern oder Pflanzen, die Furocumarine enthalten. Dazu zählen Anis, Dill, Sellerie, Fenchel, Lemon, Zitrone, Petersilie, Pastinake, Ackersenf und Chrysantheme. Übermäßige Exposition gegenüber UV-Strahlen ist für das Entstehen von Hautkrebs verantwortlich.


Folgende Schutzmaßnahmen werden empfohlen:

  • Kleidung plus Sonnenhut mit Krempe und eine Sonnenbrille. Wolle und synthetische Materialien wie z.B. Polyester schützen besser als Baumwolle, Leinen oder Viskose. Ein dichter gewebtes Material lässt weniger Sonnenlicht durch, und dunklere Farben absorbieren besser.
  • Badekleidung mit UV-Schutz (UPF (ultraviolet protection factor) von 40 bis 50) bei längeren Aufenthalten im Wasser.
  • Sonnenschutzcreme gegen UVA- und UVB-Strahlung: Das Auftragen sollte 15 bis 30 Minuten vor der Sonnenexposition erfolgen und bei fortgesetzter Exposition nach zwei Stunden bzw. bei Schwitzen, nach dem Schwimmen und Abtrocknen wiederholt werden.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von Sonnen- und Mückenschutzlotion wird zuerst der Sonnenschutz aufgetragen und 15 bis 30 Minuten später der Mückenschutz. Kombinationsprodukte sind nicht empfohlen.

Impfungen

Impfungen sind für HIV-Infizierte eine der wichtigsten prophylaktischen Maßnahmen gegen viele Infektionskrankheiten, die häufig schwerer und langwieriger verlaufen als bei Gesunden. Daher sollten vor geplanten Reisen Schutzimpfungen gegen im Reiseland vorkommende Infektionskrankheiten so weit möglich in Anspruch genommen werden. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Sie umfassend über verfügbare Impfungen und ihre jeweilige Sinnhaftigkeit beraten und dabei auch Ihren aktuellen Gesundheitszustand berücksichtigen.

Der Impferfolg fällt umso besser aus, je niedriger die HIV-RNA zum Zeitpunkt der Impfung ist, je höher der jemals erreichte Nadir der aktuellen CD4-Zellzahl ist und je jünger die Patientin/der Patient ist. Zur Verfügung stehen zwei Formen von Impfstoffen: Inaktivierte (Tot-)Impfstoffe bzw. Toxoid-Impfstoffe und Lebendimpfungen.

Inaktivierte (Tot-)Impfstoffe bzw. Toxoid-Impfstoffe: können ohne Rücksicht auf das Krankheitsstadium eingesetzt werden.

  • Liegt eine CD4-Zellzahl zwischen 100 bis 300/µL vor, ist mit einer eingeschränkten Impfantwort zu rechnen.
  • Bei einer CD4-Zellzahl <100/µL ist die Impfung als wirkungslos anzusehen.
  • Ideal ist eine CD4-Zellzahl von >300/µL vor einer Impfung, die möglichst schon drei oder mehr Monate Bestand hat.
  • Wurden Impfungen bei einer CD4-Zellzahl von <200/µL verabreicht, ist eine suboptimale Wirkung sehr wahrscheinlich. Eine Wiederholungsimpfung sollte drei Monate nach Immunrekonstitution (Wiederherstellung einer funktionierenden Immunabwehr) unter Therapie erfolgen.

Lebendimpfungen: sollten wegen der Gefahr lebensbedrohlicher Komplikationen bei einer CD4-Zellzahl <200/µL, dem Vorliegen einer AIDS-definierenden Erkrankung bzw. einer symptomatischen HIV-Erkrankung nicht verabreicht werden. Generell ist das Risiko von möglichen Nebenwirkungen nach Lebendimpfungen bei HIV-Infizierten im Vergleich zu Menschen mit intaktem Immunsystem erhöht.

Folgende Standardimpfungen werden generell für HIV-Infizierte empfohlen:

Je nach Reiseziel werden für HIV-Infizierte folgende Reiseimpfungen empfohlen:

  • Inaktivierte (Tot-)Impfstoffe bzw. Toxoid-Impfstoffe gegen Meningokokken, Hepatitis A, Hepatitis B, Typhus abdominalis, Japanische Enzephalitis.
  • Lebendimpfungen gegen Tollwut (nach Tierkontakt mit dem Risiko einer Tollwutübertragung ist auch eine kombinierte aktive/passive Prophylaxe möglich). Die Gelbfieberimpfung sollte nur bei zwingender Indikation und einer CD4-Zellzahl >200/µL verabreicht werden. Unterhalb dieser CD4-Zellzahl darf sie nicht eingesetzt werden, da hier ein erhöhtes und teilweise lebensgefährliches Risiko für Komplikationen besteht. Ein ärztliches Attest über die Notwendigkeit der Befreiung von der Gelbfieberimpfung bei Einreise in ein Land mit obligatorischer Gelbfieberimpfung kann, muss aber nicht akzeptiert werden. Eine Zwangsimpfung vor Ort ist auf jeden Fall zu vermeiden.
  • Malariaprophylaxe: Medikamente der ersten Wahl sind Chloroquin, Mefloquin, Atovaquon/Proguanil und Doxycyclin. Primaquin bleibt Ausnahmefällen vorenthalten. Für die meisten Malariamittel sind keine oder nur geringe Interaktionen mit antiviraler Medikation bekannt. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Sie über die verträglichste Medikamentenkombination beraten.

Weitere empfohlene Vorsichtsmaßnahmen für bestimmte Länder

 Verhaltensmaßnahme  Verhinderung von  
Barfuß laufen vermeiden,
Handtuchunterlage am Strand bzw. auf Sonnenliegen  
Strongyloides- oder Hakenwurm-Infektionen  
Vermeidung jeglichen Kontaktes zu umherstreunenden Tieren   Tollwut (vor allem Hunde), Bartonellose, Toxoplasmose (Katzen)  
kein Verzehr unpasteurisierter Milch und Milchprodukte   Brucellose, Q-Fieber, FSME, Listeriose  
kein Verzehr aufgewärmter Speisen bzw. längere Zeit im Kühlschrank gelagerter Speisen   Listeriose, Infektion durch Salmonellen, Shigellen, Yersinien, Campylobacter, enterotoxische Escherichia coli  
Vermeidung von Tierbissen, -kratzern und Kontakt mit Speichel (Lecken)   Tollwut, Infektionen durch Capnocytophaga und Pasteurella species
Vermeidung von Vogelkontakten bzw. Kontakt zu aufgewirbeltem Vogelkot (Papageien)    Cryptococcose 
Meiden von Streichelzoos auf Bauernhöfen (Tiere mit Durchfall)  Cryptosporidiose  
kein Schwimmen in mit Fäkalien kontaminiertem Wasser   Cryptosporidiose, Giardiasis, Toxoplasmose, Leptospirose  
kein Baden in stehenden Gewässern   Bilharziose  


Reiseassoziierte Erkrankungen

Reisebedingte Erkrankungen führen bei HIV-Infizierten zu häufigeren und längeren stationären Aufenthalten als bei Gesunden.

Reisediarrhoe

An erster Stelle in der Erkrankungsstatistik steht der Reisedurchfall. Die Reiseapotheke sollte daher ein Antibiotikum (v.a. Azithromycin, Rifaximin) zur Behandlung des Reisedurchfalls enthalten. Eine ausbleibende Besserung trotz eingenommener Antibiotika, Austrocknung des Körpers (Dehydratation) sowie Fieber bzw. blutige Stühle erfordern eine ärztliche Betreuung. Nähere Informationen erhalten Sie unter Richtig essen & trinken auf Reisen.

Infektionsrisiko durch sexuelle Kontakte

Ungeschützte sexuelle Kontakte bergen das Risiko einer Reihe von Infektionserkrankungen wie Hepatitis B, Syphilis, Gonorrhoe, Ulcus molle (Haemophilus ducreyi), Lymphogranuloma venereum (Chlamydia trachomatis) bzw. inguinale (Calymmatobacterium granulomatis), Trichomoniasis sowie Zytomegalie-, Herpes- und humanen Papillomaviren.

Ausführliche Informationen finden Sie unter Sexuell übertragbare Krankheiten.

Bakterielle Atemwegsinfektionen

HIV-Infizierte weisen häufiger Erkrankungen der Atemwege als nicht HIV-Infizierte auf. Häufigste Erreger sind Streptococcus pneumoniae und Haemophilus species. Die Pneumokokkenimpfung kann das erhöhte Risiko schwerer Verläufe verringern.

Tuberkulose

Bei längeren Aufenthalten in südlichen und östlichen Ländern sollte eine Untersuchung auf Tuberkulose in Form eines Tuberkulin-Tests oder eines Antigen-spezifischen Interferon-Gamma-Tests vor und sechs Monate nach der Reise durchgeführt werden.

Chagas-Krankheit

  • Erreger: einzelliger Parasit Trypanosoma cruzi.
  • Verbreitungsgebiet: Südstaaten der USA bis in den Süden Argentiniens und Chile.
  • Übertragung: durch Raubwanzen bei Aufenthalt in Lehmhütten sowie durch kontaminierte Nahrungsmittel (v.a. frische Fruchtsäfte).
  • Krankheitserscheinungen: Das akute Stadium verläuft oft beschwerdefrei, jedoch können auch Fieber, eine periokkuläre Schwellung (Romaña’s Zeichen) bei Stich in Augennähe bzw. eine generalisierte Lymphadenopathie, Splenomegalie, Herzversagen oder Meningoenzephalitis auftreten. Einer Jahre bis Jahrzehnte andauernden beschwerdefreien Phase folgt bei bis zu einem Drittel der Infizierten das chronische Stadium mit Erkrankungen v.a. des Herzens und des Verdauungstraktes.
  • Behandlung: schwierig, die einzigen verfügbaren Arzneimittel Nifurtimox und Benznidazol wirken vor allem in akuten Phasen und haben teilweise schwere Nebenwirkungen.

Viszerale Leishmaniose

  • Erreger: einzellige Parasiten der Gattung Leishmania.
  • Verbreitungsgebiet: v.a. Mittelmeerregion, Südamerika, zunehmend auch Afrika und Asien.
  • Übertragung: durch nachtaktive Sandmücken sowie Benutzung kontaminierter Spritzen bei intravenösem Drogenkonsum.
  • Krankheitserscheinungen: hohes Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Lymphknotenschwellung, Bronchitis, Oberbauchschmerzen durch Leber- und Milzvergrößerung, im Verlauf erheblicher Gewichtsverlust.
  • Behandlung: Antibiotika.

Penicilliosis

  • Erreger: Pilz Penicillium marneffei.
  • Verbreitungsgebiet: Südostasien (v.a. Nordthailand und Südchina, aber auch in Ostindien).
  • Übertragung: wahrscheinlich über die Lunge, Hautwunden sowie durch orale Aufnahme der Erreger.
  • Krankheitserscheinungen: Hautläsionen (häufig an unbedeckten Körperstellen oder auch am ganzen Körper), Fieber.
  • Behandlung: Antipilzmittel wie Ketoconazol, Itraconazol, Miconazol, Flucytosin, Amphotericin B.

Kokkzidioidomykose

  • Erreger: Pilz Coccidioides immitis.
  • Verbreitung: Südwesten der USA, Zentral- und Südamerika.
  • Übertragung: durch Staubexposition und Kontakt zu Boden bei Feldarbeiten.
  • Krankheitserscheinungen: Lungen- und Gehirnhautentzündung, Hautveränderungen.
  • Behandlung: Antipilzmittel wie Clotrimazol, Bifonazol, Fluconazol oder Itraconazol.

Histoplasmose

  • Erreger: Histoplasma capsulatum.
  • Verbreitungsgebiet: Lateinamerika, mittlerer Westen der USA (Ohio und Mississippi Flusstäler), Afrika, Indonesien, Australien, vereinzelt in Europa.
  • Übertragung: durch Staubexpositionen auf Farmen oder in Höhlen.
  • Krankheitserscheinungen: unspezifisch mit Fieber, Schwäche, Gewichtsverlust, Hepatosplenomegalie und Lymphadenopathie, weniger häufig auch Husten, Brustschmerzen und Luftnot.
  • Behandlung: Amphotericin B.

Reisebeschränkungen

Derzeit (Stand April 2014) wird in 13 Ländern die Einreise von Menschen mit HIV entweder kategorisch verweigert oder bereits bei Einreisen für Kurzzeitaufenthalte eine Offenlegung der HIV-Infektion verlangt. Diese Länder sind u.a.: Brunei, Äquatorial Guinea, Iran, Irak, Jordanien, Papua Neu-Guinea, Katar, Russland, Solomon Inseln, Sudan, Vereinte Arabische Emirate und Jemen.

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