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Ohrinstrumente OP © Viacheslav Iakobchuk

Trommelfellschnitt (Parazentese)

Hinter dem Trommelfell befindet sich die sogenannte Paukenhöhle. Sie ist Teil des Mittelohres und normalerweise mit Luft gefüllt. Unter bestimmten Umständen kann die Belüftung der Paukenhöhle beeinträchtigt sein, und Flüssigkeit sammelt sich an (Paukenerguss). Dann kann eine Parazentese helfen: Ein kleiner Schnitt in das Trommelfell sorgt dafür, dass die Belüftung wiederhergestellt und das Mittelohr entlastet wird.

Die Parazentese gehört zu den häufigsten HNO-ärztlichen Eingriffen. Manchmal wird dabei auch ein sogenanntes Paukenröhrchen in das Trommelfell eingesetzt; es stellt sicher, dass die Öffnung zum Mittelohr längerfristig bestehen bleibt. Das Komplikationsrisiko beider Maßnahmen ist gering.

Mittelohr: Anatomie und Funktion

Anatomisch wird das Mittelohr in drei Teile gegliedert: Trommelfell, Paukenhöhle und Eustachische Röhre (Tuba auditiva, Ohrtrompete).

Das Trommelfell ist eine hauchdünne Membran aus straffem Bindegewebe. Es grenzt den äußeren Gehörgang von der Paukenhöhle ab. Dadurch erfüllt es eine wichtige Schutzfunktion: Es verhindert, dass Krankheitserreger und Fremdstoffe von außen in das Mittelohr eindringen. Auch am Hören ist das Trommelfell maßgeblich beteiligt. Im Zusammenspiel mit der Gehörknöchelchenkette (Hammer – Amboß – Steigbügel) leitet es die von außen kommenden Schallwellen zum Mittel- und schließlich zum Innenohr weiter.

Damit das Trommelfell optimal schwingen kann, muss vor und hinter dem Trommelfell der gleiche Luftdruck herrschen. Das wird durch die Eustachische Röhre gewährleistet: Dieser etwa drei bis fünf Zentimeter lange Gang verbindet den mit Luft gefüllten Teil des Mittelohres – die Paukenhöhle – mit dem Nasen-Rachen-Raum. So wird die Paukenhöhle belüftet, und es kann ein Druckausgleich mit der Umgebungsluft (wie man ihn z.B. vom Fliegen oder Tauchen kennt) stattfinden.

Wenn die Eustachische Röhre verlegt ist, kommt es zu Belüftungsstörungen des Mittelohres. In der Folge bildet sich in der Paukenhöhle ein Unterdruck, der die Schleimhäute reizt und entzündliche Reaktionen und Sekretbildung nach sich zieht. Das Sekret kann über die verlegte Eustachische Röhre nicht abfließen und sammelt sich an - man spricht von einem Paukenerguss oder Serotympanon bzw. Seromukotympanon. Das Trommelfell wölbt sich durch den Erguss nach außen und kann im schlimmsten Falle sogar einreißen (perforieren).  

Wann wird ein Trommelfellschnitt durchgeführt?

Eine Parazentese ist ein kleiner chirurgischer Eingriff, der bei Belüftungsstörungen des Mittelohres bzw. bei einem Paukenerguss helfen kann. Mit einem kleinen Schnitt wird das Trommelfell eröffnet und so die Belüftung des Mittelohres wiederhergestellt. Zudem kann das Sekret aus der Paukenhöhle durch den Schnitt abgesaugt werden. Manchmal wird bei dem Eingriff ein sogenanntes Paukenröhrchen in das Trommelfell eingelegt, z.B. wenn das Sekret besonders zähflüssig ist und nur schwer abfließt, oder wenn es bereits zu einer Einziehung im  Bereich des Trommelfells gekommen ist. Oft wird der Eingriff mit einer Entfernung der Rachenmandel (Adenotomie) kombiniert.

Eine Parazentese wird bei folgenden Beschwerden/Erkrankungen durchgeführt:

  • Bestehender Paukenerguss über mehr als zwölf Wochen.

  • Akute Mittelohrentzündung: Dabei bildet sich ein entzündliches Sekret in der Paukenhöhle, das die Eustachische Röhre verlegen und einen Paukenerguss verursachen kann. Die Betroffenen haben starke Ohrenschmerzen und auch das Hören ist beeinträchtigt. Lässt sich der Paukenerguss mit anderen therapeutischen Maßnahmen (z.B. abschwellende Nasentropfen, schleimlösende Medikamente, Antibiotika) nicht bessern, wird eine Parazentese durchgeführt. Mehr zum Thema Mittelohrentzündung lesen Sie hier.

  • Hörverlust, der auf wiederkehrende Mittelohrentzündungen zurückzuführen ist.

  • Vergrößerte Rachenmandeln (Adenoide): Die Rachenmandel befindet sich am hinteren Gaumen nahe der Mündung der Eustachischen Röhre. Eine Wucherung der Rachenmandel kann diese Mündung verlegen. Die Paukenhöhle wird dadurch nicht mehr belüftet, es bildet sich ein Unterdruck, Flüssigkeit sammelt sich an, und ein Paukenerguss ist schließlich die Folge. Mehr dazu hier.
     
  • Mastoiditis: Dabei entzündet sich der sogenannte Warzenfortsatz (Processus mastoideus) des Schläfenbeines, d.h. der Knochen hinter dem Ohr. Eine Mastoiditis entsteht als Folge einer bakteriellen Mittelohrentzündung; die Bakterien breiten sich in den Hohlräumen des Processus mastoideus aus und führen dort zu Entzündungsreaktionen und Eiteransammlungen. Neben einer Antibiotikatherapie wird zur Entlastung eine Parazentese durchgeführt.

  • Labyrinthitis: Eine eitrige Innenohrentzündung kann ebenfalls Folge einer Mittelohrentzündung sein. Dabei leiden die Betroffenen unter Ohrenschmerzen, Fieber, starkem Schwindel, Übelkeit und Erbrechen sowie unter Hörverlust. Auch ein Paukenerguss ist oft vorhanden, dieser kann mit einer Parazentese entlastet werden.
     
  • Polypen oder Tumore in der Nase oder der Nasennebenhöhle, die die Eustachische Röhre verschließen und zu einem Paukenerguss führen. Mehr zum Thema Nasenpolyen finden Sie hier.

  • Morbus Menière: Bei dieser Erkrankung des Innenohres leiden die Betroffenen unter Schwindel, Hörverlust und Tinnitus bzw. Ohrensausen. Die Ursachen des Morbus Menière sind nicht vollständig geklärt, es besteht jedoch ein erhöhter Druck im Innenohr und auch die Druckregulierung im Mittelohr ist beeinträchtigt. Zusätzlich zu anderen Therapien kann eine Parazentese helfen, die Beschwerden zu lindern.

  • Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte: Bei dieser angeborenen Fehlbildung kommt es unter anderem zu Funktionseinschränkungen der Eustachischen Röhre. Sie kann sich aus anatomischen Gründen nicht in der erforderlichen Weise öffnen, wodurch Belüftungsstörungen des Mittelohres entstehen. Die betroffenen Kinder leiden sehr häufig unter Mittelohrentzündungen mit Paukenerguss und benötigen in der Regel eine Parazentese mit Einlage eines Paukenröhrchens. Mehr zum Thema Lippen-Kiefer-Gaumenspalte lesen Sie hier.

  • Klaffende Ohrtrompete (Offene Eustachische Röhre): Normalerweise ist die Eustachische Röhre geschlossen und öffnet sich nur beim Schlucken oder Gähnen, um einen Druckausgleich zu gewährleisten. In bestimmten Fällen, z.B. nach starker Gewichtsabnahme, nach einer Strahlentherapie oder durch hormonelle Faktoren, kann es zu einer Funktionsstörung kommen und die Eustachische Röhre bleibt dauerhaft geöffnet. Die Folgen sind u.a. ein dumpfes Druckgefühl im Ohr sowie ein verzerrtes Hören, d.h., die eigene Stimme, das Atmen, Schlucken und Kauen werden als sehr laut empfunden, die Umgebung hingegen als sehr leise. Neben anderen Behandlungsmaßnahmen können eine Parazentese und ein Paukenröhrchen die Druckverhältnisse regulieren und die Symptome reduzieren.

Wie wird eine Parazentese durchgeführt?

Bei Kindern wird eine Parazentese in kurzer Vollnarkose durchgeführt, bei Erwachsenen ist sie auch in örtlicher Betäubung möglich.

Die Ärztin/der Arzt führt die benötigten Instrumente durch den äußeren Gehörgang zum Trommelfell und setzt unter mikroskopischer Sicht einen kleinen Schnitt im vorderen unteren Quadranten des Trommelfells. Dafür wird entweder ein Skalpell verwendet, oder der Schnitt wird mittels Laser oder elektrischem Strom (Elektrokauter) gesetzt. Der Schnitt ist zwischen ein und drei Millimeter lang. Anschließend wird das Sekret mit einem speziellen Sauger abgesaugt.

Der Eingriff dauert nur wenige Minuten. Der Schnitt im Trommelfell verschließt sich nach rund zwei Wochen von alleine wieder.

Paukenröhrchen (Paukendrainage)

Wenn das Sekret sehr zäh ist und sich nicht absaugen lässt oder wenn der Paukenerguss immer wiederkehrt, wird ein sogenanntes Paukenröhrchen in das Trommelfell eingesetzt. Es stellt sicher, dass der Schnitt im Trommelfell über einen längeren Zeitraum geöffnet bleibt, das Sekret vollständig abfließen kann und die Belüftung des Mittelohres gewährleistet ist. Oft wird auch der Begriff Paukendrainage verwendet.

Paukenröhrchen gibt es in verschiedenen Materialien (z.B. Silikon, Gold, Titan, Teflon) und Formen (z.B. in T-Form). Sie sind zwischen zwei und drei Millimeter groß und haben einen Durchmesser von ungefähr 1–1,5 Millimeter.

Der Sitz des Röhrchens wird nach der Operation in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Es verbleibt zwischen drei und zwölf Monaten im Trommelfell. Danach fällt es in den meisten Fällen von selbst aus dem Ohr. Ist dies nicht der Fall, wird es in einem kleinen chirurgischen Eingriff wieder entfernt.  

Was muss nach der Operation beachtet werden?

Nach der Operation kann das Sekret aus dem Mittelohr nach außen abfließen. Ein Sekretausfluss aus dem Ohr (Otorrhoe) ist daher normal. Wird er jedoch plötzlich mehr oder fällt ein übler Geruch auf, kann dies Anzeichen für eine akute bakterielle Entzündung im Mittelohr sein. Oft wird dann mit Ohrentropfen behandelt, die Antibiotika enthalten.

Durch das Loch im Trommelfell bzw. das Paukenröhrchen besteht generell die Gefahr, dass Wasser oder Keime in das Mittelohr gelangen und dort eine Infektion verursachen. Die Empfehlungen bezüglich des Trockenhaltens der Ohren gehen jedoch stark auseinander. Einige Ärztinnen/Ärzte erlauben den Patientinnen/Patienten mit Paukenröhrchen, auch ohne Ohrschutz zu baden, Haare zu waschen oder schwimmen zu gehen, andere empfehlen, die Ohren stets trocken zu halten, um Infektionen zu vermeiden.

Einige Spritzer Wasser, wie sie z.B. beim Schwimmen oder Baden ans Ohr gelangen, scheinen kein Problem darzustellen, denn das Wasser gelangt in diesen Fällen kaum tief genug ins Ohr, um in das Mittelohr einzudringen. Auch Haare waschen scheint kein Risiko mit sich zu bringen, solange man darauf achtet, dass nicht allzu große Mengen an (Seifen-)Wasser in den Gehörgang gelangen. Auf das Tauchen sollte jedoch verzichtet werden, denn schon bei geringer Wassertiefe kann der Druck so hoch sein, dass Wasser in die Paukenhöhle gepresst wird. Zudem enthält Badewasser in Seen oder Schwimmbädern oft Keime, die ein zusätzliches Infektionsrisiko bedeuten können.

Den Gehörgang mit Watte oder ähnlichen Materialien zu verschließen scheint in jedem Fall ungeeignet zu sein; einerseits dichten diese Maßnahmen ohnehin nicht vollständig ab, andererseits können damit Verletzungen oder Verunreinigungen des Gehörganges verursacht werden. Die effektivste Möglichkeit, den Gehörgang abzudichten und zu schützen, stellen individuell angepasste Ohrstöpsel (Schwimmotoplastiken) dar; sie sind z.B. bei Hörgerätetechnikern erhältlich. Ob ihr Einsatz bei Patientinnen/Patienten mit Paukenröhrchen jedoch wirklich gerechtfertigt ist, ist unklar. Die aktuellen Empfehlungen sprechen sich eher gegen den routinemäßigen Einsatz von Vorsichtsmaßnahmen im Wasser aus. Der klinische Nutzen scheint in keinem Verhältnis zu dem damit verbundenen Aufwand zu stehen. 

Welche Komplikationen können auftreten?

Die Parazentese mit Einlage eines Paukenröhrchens ist eine der am häufigsten durchgeführten Operationen der HNO-Heilkunde, das Risiko für Komplikationen ist gering. Möglich sind:

  • leichte Blutungen unmittelbar nach dem Eingriff, Schmerzen kommen sehr selten vor;
  • Verletzung oder Lageveränderung der Gehörknöchelchenkette während der Operation; dies kann zu einer Beeinträchtigung des Hörvermögens führen;
  • dauerhafte Öffnung des Trommelfells, das heißt der Schnitt verschließt sich nach dem Eingriff nicht von selbst wieder. Mit einer sogenannten Tympanoplastik kann der Defekt behoben werden;
  • Mittelohrentzündung infolge einer Infektion;
  • eine Verstopfung des Paukenröhrchens (z.B. durch Sekret);
  • ein Verrutschen des Röhrchens in die Paukenhöhle;
  • eine Abstoßung des Röhrchens (z.B. aufgrund starker Sekretion). 

Wohin kann ich mich wenden?

Eine Parazentese wird von einer Fachärztin/einem Facharzt für HNO-Heilkunde durchgeführt. Sie gehört zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen im HNO-Bereich. 

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten der Behandlung werden im Regelfall vom zuständigen Krankenversicherungsträger übernommen.

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