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Schuppenflechte am Ellenbogen © hriana
Schuppenflechte am Ellenbogen © hriana

Psoriasis: Was ist das?

Psoriasis (Schuppenflechte) ist eine Hauterkrankung, die durch Entzündung und Schuppungen der Haut gekennzeichnet ist. Der medizinische Fachausdruck leitet sich vom griechischen „psao“, zu Deutsch „kratzen“, her. Die Schuppenflechte beruht auf einer erblichen Veranlagung. Hauterscheinungen entstehen, wenn weitere Auslösefaktoren hinzukommen. Hierzu zählen Infekte, Verletzungen der Haut, Stress und bestimmte Medikamente. Die Erkrankung tritt in unterschiedlichen Formen und Schweregraden meist in Schüben auf. Die Lebensqualität kann stark beeinträchtigt sein, v.a. durch den ausgeprägten Juckreiz und aus kosmetischen Gründen. Zu den Symptomen zählenu.a. eine Schuppung und Rötung der Hautoberfläche. 

Welche Ursachen hat Psoriasis?

Die Psoriasis beruht auf einer Fehlfunktion des Immunsystems, bei der körpereigenes Gewebe als körperfremd erkannt und angegriffen wird – es handelt sich somit um eine Autoimmunerkrankung. Das komplexe Geschehen ist mit ausgeprägten Entzündungsvorgängen in der Haut verbunden. Begleitend kommt es zu einer Verdickung der Oberhaut (Epidermis) sowie abschnittsweise zu einer fehlerhaften Verhornung (Parakeratose) mit einem Verlust der Körnerzellenschicht (Stratum granulosum). Die hornbildenden Zellen (Keratinozyten) sind geschwollen und zeigen ein ungewöhnlich rasches Wachstum. Daraus resultiert eine starke Schuppung an der Hautoberfläche.

Die genauen Entstehungsursachen sind nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen. In erster Linie scheint Psoriasis eine erbliche Erkrankung zu sein. Der genetische Anteil am Psoriasisrisiko wird auf zirka 60 bis 70 Prozent geschätzt. Dabei wird von einem komplexen Zusammenspiel verschiedener genetischer Faktoren ausgegangen, deren Wirkung sich „summiert“.

Eine erbliche Veranlagung allein bedeutet nicht, dass die Psoriasis auch zwangsläufig auftreten muss. Damit es zum Ausbruch der Erkrankung kommt, müssen weitere Auslösefaktoren (sogenannte Provokations- oder Triggerfaktoren) wirksam werden. So können Umwelteinflüsse wie Infektionen, Rauchen, emotionaler Stress sowie bestimmte Medikamente das erstmalige Ausbrechen oder die Verschlechterung einer bereits vorhandenen Schuppenflechte bewirken.

Welche Formen und Symptome gibt es?

Das Erscheinungsbild der Psoriasis ist ausgesprochen vielgestaltig, daher werden verschiedene Formen unterschieden.

Psorasis vulgaris

80 Prozent der Betroffenen leiden an Psoriasis vulgaris. Sie wird auch als Psoriasis vom Plaquetyp bezeichnet. Diese Form beginnt meist plötzlich als kleinfleckig über den Körper verstreuter Hautausschlag, häufig begleitet von Juckreiz. Die Herde (Plaques) sind stark gerötet und schuppen zunächst noch wenig. In den meisten Fällen vergrößern sich im Lauf der Zeit die Herde sehr langsam und kontinuierlich, bis sie schließlich zusammenfließen. Die Herde entwickeln sehr dicke, fest haftende, gelblich bis silbrig glänzende Schuppen und können sehr groß werden. 

An manchen Körperstellen tritt Psoriasis vulgaris besonders häufig auf. Zu diesen sogenannten Prädilektionsstellen gehören behaarter Kopf, Streckseiten der Arme und Beine (Ellenbogen, Kniescheibe), Rücken und Gesäß. Charakteristisch ist auch die Erkrankung des Nabels und zwischen den Pobacken (Analfalte). Es können aber auch andere Körperfalten sowie Hände und Füße erkranken. Lediglich die Schleimhaut bleibt psoriasisfrei. An den betroffenen Stellen kommt es häufig zu Juckreiz, Spannungsgefühl sowie trockener und rissiger Haut, oft verbunden mit Schmerzen

Die Erkrankung kann in jedem Alter erstmals auftreten, meist jedoch zwischen 15 und 35 Jahren. Bei den meisten Betroffenen kommt es zu einem schubartigen chronischen Verlauf, mit individuell sehr unterschiedlichen Varianten. Ein über Jahre gleichbleibender Befall der Prädilektionsstellen ist ebenso möglich wie eine schnelle Ausbreitung der Hautveränderungen über große Teile der Körperoberfläche. Die Häufigkeit der Schübe ist individuell variabel. Außerdem können sich im Lauf der Jahre Phasen geringer und hoher Krankheitsaktivität abwechseln. Zwischen den Schüben können lange Phasen völliger Beschwerdefreiheit liegen. 

In leichten Fällen wird die Krankheit manchmal nur als kosmetisch störend wahrgenommen. In schweren Fällen ist die Lebensqualität oft deutlich eingeschränkt. Die Krankheit ist derzeit nicht heilbar. Eine angemessene Behandlung kann die Hautsymptome deutlich lindern und die Lebensqualität verbessern.

Psoriasis der Kopfhaut

Bei mehr als 70 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Psoriasis vulgaris sind auch Herde auf dem behaarten Kopf vorhanden (Psoriasis capitis). Sie können lokal begrenzt oder großflächig auftreten und überschreiten typischerweise den Haaransatz. Die Herde sind stark schuppend und entzündlich gerötet. Ein gelegentlich auftretender Haarausfall bildet sich meistens nach erfolgreicher Behandlung wieder zurück. Juckreiz ist fast immer vorhanden.

Als Basistherapie dienen Shampoos mit schuppenlösender Wirkung. Bei sehr starken, fest sitzenden Schuppen kann eine Vorbehandlung mit auswaschbaren, emulgierenden Cremes oder Lösungen mit Salicylsäure oder Ölen erfolgen. Lösungen oder Schäume mit Kortikoiden (möglichst ohne Alkohol!) stellen die wirksamste Therapie dar, insbesondere bei Juckreiz. Für die längerfristige Anwendung eignen sich ergänzende Präparate mit Vitamin-D3-Abkömmlingen. Patientinnen und Patienten berichten von guten Erfahrungen mit UV-Lichtkämmen. Vor deren Verwendung müssen die Schuppen beseitigt sein. 

Psoriasis guttata

Typisch für Psoriasis guttata (tropfenförmige Psoriasis) sind bis zu linsengroße, rote und leicht schuppende Veränderungen an der gesamten Hautoberfläche. Diese Form tritt häufig im Kindes- oder Jugendalter auf – bevorzugt nach Infekten, besonders nach Streptokokkeninfektionen (Mandelentzündung oder Scharlach). Auslöser können auch Medikamente sein, z.B. Lithium, Betablocker, ACE-Hemmer oder Chloroquin/Hydroxychloroquin. Eine Psoriasis guttata kann in eine Psoriasis vulgaris übergehen, aber auch vollständig abheilen.

Psoriasis in den Körperfalten

Von Psoriasis intertriginosa am häufigsten betroffen sind

  • Achselhöhlen,
  • Hautfalten in der Leistengegend (Inguinalfalten),
  • die Haut unter der weiblichen Brust, am Nabel und in der Analfalte (Pofalte).
  • Bauchfalten bei Übergewicht.

Bei Körperfalten liegt Haut an Haut, daher sind diese Stellen meist feucht. Dadurch können sich die Schuppen leicht ablösen. Meist ist nur ein hochroter, glänzender Herd erkennbar.

Psoriasis inversa

Die Hautveränderungen betreffen vorwiegend die Beugen der großen Gelenke (z.B. in den Kniegelenksbeugen) ohne gleichzeitige Erkrankung der Gelenksstreckseiten. Diese Form ist sehr selten und geht mit schwerwiegenden Entzündungen einher.

Pustulöse Psoriasis

Bei den pustulösen Erscheinungsformen der Psoriasis werden unterschieden:

Generalisierte Formen (befallen die gesamte Körperoberfläche):

  • Psoriasis pustulosa generalisata: zunächst einzeln stehende, später meist zusammenfließende Pusteln auf der gesamten Körperoberfläche mit Fieber, starkem Krankheitsgefühl und Schwellung der Lymphknoten.
  • Psoriasis cum pustulatione: explosionsartiges Auftreten von Pusteln im Bereich bestehender Herde von Psoriasis vulgaris (wenn sich diese akut verschlimmert).

Lokalisierte Formen beschränken sich auf bestimmte Körperregionen:

  • Pustulosis palmoplantaris (PPP): Bei dieser genetisch eigenständigen Erkrankung kommt es an Handflächen und/oder Fußsohlen zur Ausbildung von Pusteln mit teilweise lakunenartiger Verbreitung. Bei großer Fläche und vielen frischen gelben Pusteln ist die Erkrankung schmerzhaft und schränkt das Gehen oder Greifen deutlich ein. Die Rückfallquote der Erkrankung ist sehr hoch. Rauchen kann sich negativ auswirken.
  • Acrodermatitis continua suppurativa (Hallopeau): Bei dieser sehr seltenen Erkrankung kommt es an den Spitzen der Extremitäten (akral) zur Ausbildung von sogenannten Pustelseen mit starker Entzündung, die schnell zum Verlust des Nagels und der Nagelmatrix führt. Die Knochen der Finger- und Zehenendgelenke können im Verlauf der Erkrankung zerstört werden.

Psoriasis der Nägel

Bei vielen Patientinnen/Patienten mit Psoriasis sind die Finger- und/oder Fußnägel mehr oder weniger auffällig verändert. Noch häufiger ist eine Erkrankung der Nägel bei gleichzeitiger Psoriasisarthritis. In der Regel sind mehrere Nägel an Händen und Füßen beidseitig gleichzeitig erkrankt.

Es gibt unterschiedliche Veränderungen an den Nägeln: Der Nagel verdickt sich und bildet Narben auf seiner Oberfläche, sodass er einem Fingerhut ähnelt. In vielen Fällen kann der Nagel leicht vom Finger bzw. von der Zehe abgelöst werden. Weiters kann sich die Nagelunterhaut verdicken, in Längsrichtung können Risse und in Querrichtung Linien auftreten. Außerdem kommt es zu Verfärbungen mit gelblichen oder lachsfarbenen Bereichen. Manchmal nehmen die Nägel eine weißliche oder undurchsichtige Färbung an. Dabei kann der Nagel brüchig oder krümelig werden. Die Nägel können abfallen oder zerstört werden. Die Entzündung kann sich auch unter das Nagelbett ausdehnen, sodass die Läsionen keinen Luftkontakt haben und daher nur schwer abheilen.

Psoriatische Erythodermie

Die gesamte Haut ist erkrankt, entzündlich gerötet und zeigt meistens eine eher feine, lockere Schuppung. Die Erythodermie ist die seltenste und gleichzeitig schwerste Form der Psoriasis vulgaris. Oft besteht heftiger Juckreiz. Die Patientinnen/Patienten fühlen sich sehr krank, haben Fieber, sind abgeschlagen, klagen über Gewichtsverlust und schmerzende Gelenke. Die Lymphknoten sind geschwollen.

Welche Begleiterkrankungen können auftreten?

Psoriasis ist eine systemische – das heißt den gesamten Organismus betreffende – Erkrankung. Sie umfasst Hautsymptome, eine mögliche Gelenksbeteiligung (Psoriasisarthritis) sowie charakteristische Begleiterkrankungen (Komorbiditäten). Dazu zählen andere chronisch entzündliche Erkrankungen mit möglicherweise überlappenden Krankheitsmechanismen, v.a.

  • Bewegungsapparat:  Rheumatoide Arthritis (zirka vierfach häufiger).
  • Verdauungstrakt: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED; zirka zweifach häufiger).
  • Stoffwechsel: Metabolische Veränderungen wie z.B.FettstoffwechselstörungenDiabetesneigung sowie Adipositas.
  • Herz-Kreislaufsystem: Ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck sowie von Herz- und Gefäßfolgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sowie eine erhöhte Sterblichkeit mit einer um drei bis vier Jahre verkürzten Lebenserwartung wird insbesondere für jüngere Patientinnen/Patienten mit schwerer Schuppenflechte angenommen.
  • Psyche: Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang mit bestimmten psychischen Störungen, darunter Affektstörungen und Depressionen.
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