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Salbe in einem Gefäß © bokan

Neurodermitis: Basis- und Spezialtherapie

Grundlage jeder Neurodermitis-Behandlung ist die sogenannte Basistherapie, die nicht nur während Neurodermitisschüben, sondern auch in beschwerdefreien Phasen durchgeführt werden sollte. Je nach aktuellem Hautzustand werden zusätzlich spezielle Medikamente zur lokalen oder oralen Anwendung verordnet . . .

Basistherapie – auch in beschwerdefreien Phasen 

Die Basistherapie der Neurodermitis besteht insbesondere in der Reduktion von Provokationsfaktoren und in einer stadienabhängigen Behandlung der Haut mit Basistherapeutika. Diese werden dem Hautzustand angepasst und müssen auch dann angewandt werden, wenn keine Entzündungszeichen vorhanden sind. Zentrales Ziel ist es, die Hauttrockenheit zu behandeln:

  • Für sehr trockene Haut werden fette Salbengrundlagen verwendet.
  • Für weniger trockene Haut hydratisierte Öl-in-Wasser-Emulsionen.
  • Spezielle Mittel zur Hautreinigung gehören ebenfalls zur Basistherapie.
  • Neben Salben, Cremes, Lotionen etc. gibt es auch rückfettende Badezusätze.
  • Durch die Verwendung von sogenannten Emollientien direkt nach einem Bad soll das Wasser in der noch feuchten Haut zurückgehalten werden.
  • Weiters kann die Hautfeuchtigkeit durch die Verwendung von fettfeuchten Umschlägen verbessert werden.

Zur Reduktion von Provokationsfaktoren gehört z.B. die Allergenvermeidung und Reduktion der Hautirritation. Dazu eignet sich beispielsweise das Tragen von speziellen Overalls im Kindesalter. Diese sollen die Haut des betroffenen Kindes beim Spielen und vor allem nachts im Bett, wenn der Juckreiz oft am stärksten ist, vor Kratzschäden schützen. Daneben gibt es auch spezielle Neurodermitishandschuhe. Im Erwachsenenalter ist vor allem das Meiden von beruflichen Hautirritantien wichtig. Dazu gehören Arbeiten im feuchten Milieu, starke Hautverschmutzungen, häufiges Händewaschen sowie der häufige Umgang mit hautreizenden Stoffen.

Spezialtherapie – lokal und systemisch

Wenn die Anwendung von Basistherapeutika nicht ausreicht, um die Beschwerden der Neurodermitis zum Abklingen zu bringen, werden zusätzlich spezielle medikamentöse Therapien je nach Schweregrad der Neurodermitis in unterschiedlicher Wirkstärke eingesetzt. Diese werden vorzugsweise lokal (topisch) angewendet. Bei Bedarf – also wenn lokale Therapeutika nicht ausreichend wirken oder die Neurodermitis sehr stark ausgeprägt ist – können kurzfristig auch systemische Medikamente (z.B. Tabletten) eingesetzt werden.

Folgende Medikamente sind bei Neurodermitis gebräuchlich:

Glukokortikoide

  • Äußerlich anzuwendende (topische) Glukokortikoide: Topische Glukokortikosteroide („Kortison“) werden bereits seit einem halben Jahrhundert zur Behandlung ekzematöser Areale eingesetzt. Sie wirken unter anderem entzündungshemmend und werden hinsichtlich ihrer Wirkungsstärke in vier Klassen (von schwach bis sehr stark wirksam) eingeteilt. Topische Glukokortikosteroide werden in der Regel zeitlich befristet oder als Intervalltherapie eingesetzt. Fixe allgemein anerkannte Schemata gibt es nicht. Eine durchgehende Behandlung ist jedoch abzulehnen, weil dadurch das Risiko unangenehmer Nebenwirkungen wie zum Beispiel Hautverdünnung steigt. In der Regel reicht bei der Neurodermitis die Anwendung von topischen Glukokortikosteroiden der Klasse 1 bis 2. Nur bei sehr stark ausgeprägten Hautveränderungen können kurzfristig stark und sehr stark wirksame Glukokortikosteroide (Klassen 3–4) eingesetzt werden.
  • Oral einzunehmende (systemische) Glukokortikoide: Zur Unterbrechung eines akuten Schubes kann vor allem bei Erwachsenen mit schweren Formen einer Neurodermitis eine Kurzzeittherapie mit oral einzunehmenden Glukokortikoiden angewendet werden.

Calcineurinantagonisten

Topische Calcineurinantagonisten sind erst seit einigen Jahren verfügbar. Sie wirken ebenfalls entzündungshemmend und sind teilweise besser verträglich als Glukokortikoide. Die Calcineurininhibitoren werden vor allem dann verwendet, wenn lokale Glukokortikosteroide nicht einsetzbar sind oder die Behandlungsdauer zu lokalen irreversiblen Nebenwirkungen führen können. Insbesondere der Einsatz im Gesicht, an intertriginösen Hautarealen (das sind Bereiche, in denen dicht benachbarte, teilweise direkt gegenüberliegende Hautflächen ständig miteinander in Berührung kommen, z.B. Achselhöhle, Leistenregion, Kniekehle, Gesäßfalte, Genitalgegend, unterhalb der weiblichen Brust, zwischen den Fingern und Zehen) sowie an der behaarten Kopfhaut bei Kleinkindern erscheint gegenüber topischen Kortikosteroiden vorteilhaft. Auf einen wirksamen Sonnenschutz ist bei Anwendung dieser Medikamente zu achten.

Antimikrobielle und antiseptische Therapien

Antimikrobielle und antiseptische TherapienModerat bis mäßig ausgeprägte Ekzeme bei Neurodermitis, die gut auf eine antientzündliche Therapie mit topischen Glukokortikosteroiden oder Calcineurininhibitoren ansprechen, bedürfen in der Regel keiner zusätzlichen antimikrobiellen Therapie.Moderat bis mäßig ausgeprägte Ekzeme bei Neurodermitis, die gut auf eine antientzündliche Therapie mit topischen Glukokortikosteroiden oder Calcineurininhibitoren ansprechen, bedürfen in der Regel keiner zusätzlichen antimikrobiellen Therapie. Hingegen sollen chronisch wiederkehrende bzw.

Moderate bis mäßig ausgeprägte Ekzeme bei Neurodermitis, di gut auf eine antientzündliche Therapie mit topischn Glukokortikosteroiden oder Calcineurinantagonisten ansprechen, bedürfen in der Regel keiner zustätzlichen antimikrobiellen Therapie. Hingegen sollen chronisch wiederkehrende bzw. chronische Ekzeme zusätzlich topisch antiseptisch behandelt werden. Von der längerfristigen Anwendung topischer Antibiotika wird wegen der Gefahr von Resistenzbildungen und Sensibilisierungen abgeraten. Bei Ekzemen mit deutlichen Zeichen einer bakteriellen Folgeinfektion sollen die Antibiotika oral eingenommen werden, ebenso bei einer Superinfektion mit Herpesviren die Virustatika.

Antimikrobielle Kleidung

Bei chronischer Neurodermitis kann das Tragen von antimikrobiell wirkender Unterwäsche erwogen werden. Sie ist mit Silbernitrat oder einer Ammoniumverbindung beschichtet und hat einen moderaten Effekt.

Antihistaminika

Orale Antihistaminika mit H1-Rezeptor-blockierender Wirkung können in oraler Form unterstützend in der Therapie der Neurodermitis, vorwiegend zur Linderung des Juckreizes, eingesetzt werden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

ImmunmodulatorenEine chronische, schwere Neurodermitis im Erwachsenenalter lässt sich auch durch die orale Gabe des Immunmodulators Ciclosporin A mildern. Die Substanz kann allerdings beträchtliche Nebenwirkungen verursachen. Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für spezifische Therapien werden in der Regel von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Oral einzunehmende Medikamente müssen von einer Ärztin/einem Arzt verordnet und in Ausnahmefällen von einer Chefärztin/einem Chefarzt bewilligt werden. Die Patientin/der Patient muss dann nur die Rezeptgebühr bezahlen. Die nicht unbeträchtlichen Kosten für antimikrobielle Textilien werden von den Krankenkassen nicht übernommen und sind daher von der Patientin/dem Patienten selbst zu bezahlen.

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