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Medikamente © Heidi Baldrian

Akne: Akuttherapie

Für eine erfolgreiche Aknebehandlung sind Geduld und Ausdauer wichtig. Selbst wenn eine schnelle Heilung ausbleibt, sollten Sie die Therapie nicht voreilig ohne Absprache mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt abbrechen und keine zusätzlichen eigenen Maßnahmen ergreifen. Welche Behandlungsoptionen zum Einsatz kommen, hängt in erster Linie von der Form, dem Schweregrad und dem aktuellen Stadium der Akne ab. Dabei werden grundsätzlich die Akut- und die Erhaltungstherapie unterschieden. Medikamentöse und physikalische Verfahren kommen zum Einsatz . . .

Die Aknetherapie verfolgt mehrere Ziele:

  • Unterdrückung der überschießenden Talgbildung,
  • Bekämpfung von Entzündungen und bakteriellen Infektionen,
  • Desinfektion der Haut,
  • Beseitigung von Verhornungsstörungen,
  • Anregung der Neubildung der Haut,
  • Verhinderung von schweren Verläufen und Narbenbildung.

Die Säulen der Akuttherapie

In der Akuttherapie werden Basistherapeutika mit lokal anwendbaren (topischen) und/oder oralen (systemischen) Medikamenten kombiniert und durch physikalische Verfahren ergänzt. Welche Maßnahmen zum Einsatz kommen, richtet sich vor allem nach dem Schweregrad der Akne.

  • Als Basistherapeutika sind (topisches) Retinoid und/oder Benzoylperoxid (BPO) erste Wahl.
  • Diese Basistherapie wird je nach Schweregrad mit einem topischen oder oralen Antibiotikum kombiniert.
  • Alternativ kann Azelainsäure je nach Schweregrad allein oder in Kombination mit den genannten Therapien eingesetzt werden.
  • Bei schweren Akneformen wird häufig orales Isotretinoin verordnet.
  • Bei Frauen mit mittelschwerer bis schwerer Akne wird zusätzlich ein orales antiandrogenes Verhütungsmittel eingesetzt.
  • In der Schwangerschaft wird Azelainsäure je nach Schweregrad der Akne mit Erythromycin und Benzoylperoxid kombiniert. Bei Acne conglobata kann eventuell kurzfristig ein orales Glukokortikoid (Prednisolon) ergänzt werden.
  • Zusätzlich wird die mechanische Komedonenentfernung bei allen Schweregraden mit Ausnahme der Acne conglobata empfohlen.

Lokale medikamentöse Therapie

Für die lokale Anwendung stehen Antibiotika, Benzoylperoxid, Retinoide und Azelainsäure zur Verfügung, die mit unterschiedlichen Wirkmechanismen aknebedingte Hautveränderungen lindern bzw. zum Abheilen bringen sollen.

  • Topische Antibiotika: Eine Lokaltherapie mit Antibiotika (Erythromycin, Clindamycin, Nadifloxacin, Tetracyclin) soll entzündungsfördernde Mechanismen sowie die Besiedelung der Talgdrüsenfollikel mit Propionibacterium acnes vermindern. Die Behandlung sollte so lange dauern, bis das pustulöse Stadium dauerhaft beendet ist. Eine längere Therapie ist auch hinsichtlich der Resistenzbildung von P. acnes nicht sinnvoll.

  • Benzoylperoxid (BPO): Eine Lokaltherapie mit BPO bewirkt, dass sich in der Haut durch oxidative Abbauvorgänge freie Radikale entwickeln. Diese reduzieren die Anzahl der Propionibakterien. Dieser Mechanismus vermeidet Resistenzentwicklungen, die unter einer länger dauernden antibiotischen Aknetherapie beobachtet werden. Weiters wirkt BPO entzündungshemmend. Bei milden Akneformen ist eine Therapiedauer von acht Wochen oftmals ausreichend. BPO kann aber auch als Erhaltungstherapie dauerhaft angewendet werden.

Hinweis Da Benzoylperoxid aufgrund seiner starken Oxidationsfähigkeit ein potentes Bleichmittel ist, können bei einer Aknetherapie mit BPO farbige oder dunkle Kleidung, dunkle Haare und Bettwäsche gebleicht werden. Außerdem sind lokale Hautreaktionen wie Rötungen und Brennen möglich.

  • Topische Retinoide: Sie werden im Wesentlichen durch drei Substanzklassen repräsentiert: Tretinoin, Isotretinoin und Adapalen. Die bestehenden Komedone werden reduziert (komedolytisch), und die Bildung neuer Komedone wird gehemmt (antikomedogen). Topische Retinoide wirken zudem entzündungshemmend und geringgradig antimikrobiell auf Staphylococcus aureus bzw. P. acnes. Die Therapiedauer liegt bei acht bis zwölf Wochen bzw. bei Kombination von Adapalen mit BPO bei zwölf Monaten. Lokale Retinoide gibt es als Gel, Creme, Lotion oder Lösung.

Hinweis Während einer Therapie mit Tretinoin und Isotretinoin sollte die Sonne gemieden werden. Bei Adapalen ist hingegen der Aufenthalt in der Sonne möglich. Topische Retinoide dürfen nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden.

  • Azelainsäure: Bestehende Komedone werden reduziert, die Bildung neuer Komedone wird gehemmt. Azelainsäure wirkt zudem entzündungshemmend und antimikrobiell. Die empfohlene Therapiedauer beträgt mehr als zwölf Wochen. Azelainsäure kann auch in sonnenreichen Jahreszeiten und Urlaubsländern angewandt werden.

Systemische medikamentöse Therapie

Wenn Basistherapeutika und lokale medikamentöse Therapien keine zufriedenstellende Wirkung erzielen, kommen Medikamente zum Schlucken Anwendung.

  • Antibiotika: Systemische Antibiotika vermindern einerseits die Besiedelung der Talgdrüsenfollikel mit Probionibacterium acnes und andererseits verschiedene entzündungsfördernde Mechanismen.
  • Isotretinoin: Die Bildung von Mitessern wird vermindert. Die Größe der Talgdrüse wird reduziert (um bis zu 90 Prozent) und die Talgproduktion deutlich gesenkt. Die Entzündungsreaktion wird gebremst und die Bakterienzahl indirekt vermindert (durch eine Veränderung des follikulären Mikromilieus).
  • Antiandrogene (Verhütungsmittel): Durch eine antiandrogene Therapie kann die Talgsyntheserate um bis zu 65 Prozent reduziert werden. Sie wird je nach Bedarf bei Frauen mit diversen Akneformen eingesetzt.
  • sonstige Systemtherapien: Eine systemische Therapie mit Glukokortikoiden, Dapson oder Zink kann in Sonderfällen erwogen werden

Physikalische Therapie

Ergänzend oder alternativ können bei aktiver Akne physikalische Therapien eingesetzt werden. Für die meisten Verfahren von Lichttherapie und chemischem Peeling fehlen derzeit Daten zur Wirksamkeit bzw. Verträglichkeit. Empfohlen wird hingegen die manuelle Aknetherapie bei leichter bis mittelschwerer Akne zur Unterstützung einer medikamentösen Therapie.

Wie wird eine manuelle Aknetherapie durchgeführt?

Einleitend wird die Haut mit einem milden Syndet (seifenfreies Reinigungsmittel) gesäubert und anschließend desinfiziert. Eine optimale Vorbereitung der Komedonenentfernung kann mittels eines Gerätes mit warmem Wasserdampf erfolgen (Vapozon). Häufig werden auch oberflächliche Peels zur Lockerung der Komedonen eingesetzt.

Unter Lupenbetrachtung werden mit sterilen Instrumenten geschlossene und offene Komedonen entfernt. Auch floride („blühende“ = eitrige) Akneläsionen können vorsichtig eröffnet werden. Bei empfindlichen Patientinnen und Patienten oder großen betroffenen Arealen kann eine Vorbehandlung mit einer lokal betäubenden Creme erfolgen. Erneute Desinfektion und das Auflegen einer beruhigenden Maske nach der Ausreinigung schließen die Behandlung ab.

Die Frequenz der manuellen Aknetherapie kann je nach Schwere der Erkrankung zwischen zweimal wöchentlich zu Beginn und einmal monatlich als Erhaltungstherapie variieren. Im Einzelfall Kann eine jahrelange Behandlung notwendig sein.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Verschreibung von medikamentösen Therapien gegen Akne erfolgt nach entsprechender Diagnose von Fachärztinnen/Fachärzten für Dermatologie und Venerologie.

Die manuelle Aknetherapie wird von Hautärztinnen/Hautärzten und Kosmetikinstituten angeboten. Sie sollte von der Ärztin/vom Arzt verordnet und von einer gut geschulten Kosmetikerin durchgeführt werden, um eine Verschlimmerung oder Narbenbildung zu verhindern. Die Kosten dafür hat die Patientin/der Patient selbst zu tragen.

Besonders große Mitesser (Makrokomedonen) können von einer Ärztin/einem Arzt mittels Elektrokauter (elektrisches Brenneisen meist in Form einer kleinen Drahtschlinge) entfernt werden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für medikamentöse Aknetherapeutika sowie für die Elektrokauterisierung besonders großer Mitesser werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden. Die Kosten für manuelle Aknetherapien hat die Patientin/der Patient selbst zu tragen.

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