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Arzt überprüft Röntgenbild © Konstantin Sutyagin

Die Diagnostik des akuten Schlaganfalls

Kommt eine Schlaganfall-Patientin oder ein -Patient in die Notfallaufnahme bzw. in die Stroke-Unit – das sind spezialisierte Einrichtungen zur Behandlung von Schlaganfall –, müssen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte innerhalb kürzester Zeit die Entscheidung über die entsprechende Therapie treffen. Nur in den ersten 4,5 Stunden kann Hirnsubstanz gerettet und somit der Grad der Behinderung eingeschränkt werden . . .

Für den Beginn einer Lysetherapie zur Auflösung des Blutgerinnsels beträgt das Zeitfenster drei Stunden nach Einsetzen der ersten Symptome. Daher muss beim Eintreffen der Patientin oder des Patienten im Krankenhaus unverzüglich eine zielgerichtete Diagnostik erfolgen. Neben neurologischen und klinischen Untersuchungen kommen dabei moderne bildgebende Verfahren (CT, MRT, Angiographie) und Ultraschallmethoden (Doppler- und Farb-Duplex-Sonographie, Echokardiographie) zum Einsatz. 

CT – das wichtigste Diagnoseverfahren

Die erste Station für die Schlaganfall-Patientin/den Schlaganfall-Patienten ist immer die Computertomographie (CT). Mithilfe der CT kann mit sehr hoher Sicherheit eine Hirnblutung dargestellt werden. Dabei werden Röntgenstrahlen aus verschiedenen Winkeln auf die Schädeloberfläche gerichtet. Das ermöglicht eine wesentlich plastischere Darstellung des untersuchten Gewebes als eine einfache Röntgenaufnahme. Die Schichtaufnahmen geben Auskunft über Ort, Ausdehnung und Ursache der Durchblutungsstörung. Die CT-Untersuchung ist schmerzlos.

MRT – aussagekräftiger als CT

Die Magnetresonanztomographie (MRT) – auch Kernspintomographie genannt – liefert noch genauere Informationen über das Schlaganfall-Geschehen als die CT. Sie ist jedoch nicht immer verfügbar, außerdem liegen die Ergebnisse nicht so schnell vor wie bei einer CT. Wenn es um die rasche Entscheidung für eine Lysetherapie geht, kommt die MRT als Erstmaßnahme nicht infrage.

Einschränkend ist auch, dass die Untersuchung bei Personen mit Metallprothesen und -implantaten oder mit einem Herzschrittmacher nicht durchgeführt werden darf. Diese Patientinnen bzw. Patienten –  bzw. ihre Angehörigen – sollten dies der Ärztin/dem Arzt vorher mitteilen. Hinzu kommt das Problem, dass die Patientin/der Patient über den gesamten Zeitraum der Untersuchung den Kopf sehr ruhig halten muss. Dies ist bei Personen mit Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen oft nicht gewährleistet. Da jede Zeitverzögerung vermieden werden muss, wird oft die CT als schnellere und letztlich für die Therapie-Entscheidung ausreichende Methode gewählt.

Mithilfe der MRT lassen sich kleinste ischämische Infarkte, Blutungen und Ödeme (Wasseransammlungen) sehr detailliert erkennen. Sie ermöglicht exakte Aussagen über Lage, Ausdehnung und sogar „Alter“ des Schlaganfalls. Die MRT ist ein schmerzloses Diagnoseverfahren.

Duplex-Sonographie

Bei der Duplex-Sonographie handelt es sich um ein Ultraschallverfahren, mit dem sich unter anderem arteriosklerotische Veränderungen in den großen Halsschlagadern und Hirnarterien erkennen lassen. Ihr Vorteil gegenüber anderen Untersuchungsmethoden ist, dass auch Druck, Geschwindigkeit und Volumen des Blutflusses bestimmt werden können. Daraus wird ersichtlich, wie sehr die Gefäßverengung die Durchblutung beeinträchtigt.

Ultraschalluntersuchungen der Gefäße und des Herzens dienen der Ursachenfindung des Schlaganfalls. In der Regel werden sie möglichst früh nach Beginn der Symptome durchgeführt (innerhalb von 24 Stunden), ohne jedoch spezifische Therapiemaßnahmen wie z.B. die Lysetherapie zu verzögern. Diese Methode belastet die Patientin oder den Patienten weder mit Röntgenstrahlen noch mit Kontrastmitteln, sie ist ebenfalls schmerzlos.

Angiographie

Noch besser als mit der Duplex-Sonographie lassen sich die einzelnen Hirnarterien durch das Gefäßröntgen – die Angiographie – beurteilen. Aufgrund des Nebenwirkungsrisikos wird die Angiographie jedoch aus rein diagnostischen Gründen nur sehr selten eingesetzt. Die Ergebnisse der Duplex-Sonographie oder der nicht-invasiven Darstellung der Hirnarterien mittels MR (MR-Angiographie) reichen für nahezu alle therapeutisch relevanten Entscheidungen aus.

Bei der Angiographie schiebt die Ärztin/der Arzt einen Gefäßkatheter bis in die Halsschlagader vor und spritzt ein Kontrastmittel. Mögliche Nebenwirkungen: Hämatome, Nachblutungen, allergische Reaktionen auf das Kontrastmittel etc.

Auch bei der Angiographie kommen Röntgenstrahlen zur Anwendung. Die Röntgenaufnahme bildet den mit Kontrastmittel gefüllten Gefäßinnenraum ab – das sogenannte Angiogramm. Der Vorteil der Angiographie ist, dass die Ärztin/der Arzt während der Untersuchung auch verengte Gefäße dehnen bzw. Blutgerinnsel auflösen kann. Die Angiographie wird immer häufiger zur Durchführung therapeutischer Eingriffe, speziell zur Entfernung von großen Blutgerinnseln bei Patientinnen und Patienten mit einem schweren Schlaganfall, eingesetzt. Hier gab es bahnbrechende Ergebnisse großer internationaler Studien in den letzten Jahren, die belegen konnten, dass bei bis zu 50% der Patientinnen und Patienten mit einem schweren Schlaganfall aufgrund eines Verschlusses eines größeren Hirngefäßes durch diesen Eingriff eine Behinderung nach drei Monaten verhindert werden konnte.

Klinische und neurologische Untersuchungen

CT, MRT, Duplex-Sonographie oder Angiographie finden jedoch nie alleine statt. Die Ärztin oder der Arzt führt im Vorfeld auch eine klinische und neurologische Untersuchung durch. Dazu zählen:

  • Befragung (Anamnese) der/des Kranken bzw. der Angehörigen über die Krankenvorgeschichte (regelmäßige Einnahme von Tabletten etc.)
  • Beurteilung des neurologischen Status der Patientin oder des Patienten inklusive NIH-Stroke-Skala (National Institute of Health Stroke Scale). Hier wird beurteilt, ob Lähmungen, Sprach- bzw. Sehstörungen bestehen.
  • Blutabnahme für die Laboruntersuchung: Blutbild sowie Gerinnung, Blutzucker und Elektrolyte werden bestimmt.
  • Kontrolle von Blutdruck, Puls und Körpertemperatur
  • Ein EKG wird geschrieben, um Herzrhythmusstörungen als Ursache des Schlaganfalls auszuschließen.
  • Legen eines venösen Zugangs, falls nicht bereits von der Notärztin oder dem Notarzt durchgeführt.

Wer führt die Untersuchungen durch?

Bei der Diagnostik eines Schlaganfalls sind Fachärztinnen und Fachärzte unterschiedlicher Fachdisziplinen beteiligt:

  • Fachärztin/Facharzt für Neurologie
  • Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin
  • Fachärztin/Facharzt für Neuroradiologie

In der Praxis wird das gesamte Management von einer Ärztin/einem Arzt durchgeführt (an Stroke-Units von einer Neurologin/einem Neurologen). Die MR- oder CT-Bilder werden gemeinsam mit der Radiologin/dem Radiologen besprochen. Die Internistin/der Internist wird nur dann hinzugezogen, wenn zeitgleich mit dem Schlaganfall eine kardiale Komplikation auftritt.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Diagnostik erfolgt im Krankenhaus und wird über die Krankenhauskosten abgerechnet, die durch die Sozialversicherung abgedeckt sind.

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