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Varicella-zoster-Virus © snesivan

Gürtelrose (Herpes zoster)

Die Gürtelrose ist eine durch das Varicella-zoster-Virus (VZV) aus der Familie der Herpes-Viren ausgelöste Infektionskrankheit. Zehn bis 20 Prozent der Varizellen-Erkrankten erleiden später Herpes zoster. Insgesamt entwickeln pro Jahr etwa zwei bis fünf von 1.000 Menschen eine Gürtelrose. Die Erstinfektion mit dem Herpes-Virus findet meist in der Kindheit statt und verursacht Windpocken. Nach dem Abheilen verschwinden die Viren nicht vollständig aus dem Körper, sondern einige bleiben quasi „schlafend“ lebenslang in Nervenknoten vorhanden. Sie können nach Jahren reaktiviert werden.

Welche Ursachen hat eine Gürtelrose?


Als Hauptrisikofaktor gilt ein geschwächtes Immunsystem, entweder als natürlicher Alterungsprozess oder in Verbindung mit Faktoren wie:

Knapp die Hälfte der Betroffenen ist über 65 Jahre alt. Vereinzelt kann eine Gürtelrose auch bei Kindern, Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen und trotz funktionsfähiger Immunabwehr auftreten. Oft findet sich aber auch kein ersichtlicher Grund für eine erneute Vermehrung der Viren.

Geringe Ansteckungsgefahr

Wer bereits die Windpocken hatte, muss selbst bei engem Kontakt zu Menschen mit Gürtelrose keine Ansteckung befürchten. Umgekehrt sind für Personen, die gerade eine Gürtelrose haben, in der Regel keine besonderen Verhaltensregeln zum Vorbeugen einer Ansteckung ihrer Mitmenschen nötig, da Herpes zoster wenig ansteckend ist – mit einer Ausnahme: im Umgang mit schwangeren Frauen.

Gürtelrose und Schwangerschaft

Wenn eine Frau, die nicht geimpft ist oder keine Windpocken-Infektion durchgemacht hat, während der Schwangerschaft mit VZV in Kontakt kommt, entwickelt sie Windpocken und kann in seltenen Fällen ihr Kind über die Plazenta anstecken. Dabei ist eine Ansteckung zwischen der fünften bis 24. Schwangerschaftswoche besonders gefährlich. Für ein Neugeborenes stellt eine Windpocken-Infektion der Mutter besonders kurz vor oder nach der Geburt ein Gesundheitsrisiko dar.

Hinweis Menschen mit Herpes zoster sollten einen engen Kontakt zu schwangeren Frauen vermeiden. Sobald die Bläschen verkrusten, geht jedoch von der Gürtelrose keine Ansteckungsgefahr mehr aus.

Welche Möglichkeiten der Vorbeugung gibt es?

In Österreich ist ein Impfstoff gegen Herpes zoster für Personen verfügbar, der in der Regel gut verträglich ist. Die Impfung bietet allerdings keinen hundertprozentigen Schutz. Lassen sich Menschen ab dem 60. Lebensjahr impfen, sinkt ihr Risiko für eine Gürtelrose um etwa die Hälfte. Tritt trotz Impfung ein Herpes zoster auf, verläuft die Erkrankung meist wesentlich harmloser, d.h. kürzer und milder, als bei ungeimpften Menschen. Auch das Risiko für Komplikationen wird deutlich reduziert.

Laut Österreichischem Impfplan wird die Impfung gegen Herpes zoster für alle Personen ab dem vollendeten 50. Lebensjahr empfohlen, die bereits eine Varizellen-Infektion durchgemacht haben. Auch Personen, die bereits einmal eine Gürtelrose hatten, können geimpft werden.

Welche Symptome können bei Gürtelrose auftreten?

Die Bezeichnung Gürtelrose leitet sich von den typischen Merkmalen der Erkrankung ab: Es bildet sich ein Hautausschlag in Form stecknadelkopfgroßer Bläschen auf geröteter, geschwollener Haut. Dieser Ausschlag breitet sich meist von der Wirbelsäule aus gürtelförmig entlang der infizierten Nervenbahn um den Körper herum aus. Grundsätzlich kann die Herpes-zoster-Erkrankung jede Nervenwurzel befallen – in seltenen Fällen auch mehrere gleichzeitig. Unterschieden werden akute Beschwerden und die erst mit deutlicher Verzögerung auftretende Post-zoster-Neuralgie (PZN).

Akute Gürtelrose

Die unkomplizierte Gürtelrose nimmt meist folgenden Verlauf:

  • Uncharakteristischer Beginn mit Beschwerden wie z.B.: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Lichtscheu, Kopfschmerzen, Fieber, geschwollene Lymphknoten.
  • Danach treten Brennen und starke Schmerzen in jenem Hautbereich auf, der durch den betroffenen Nervenstrang versorgt wird: v.a. Brustkorb, seltener Gesicht, Hals, Arme, Rücken oder Beine (jeweils einseitig).
  • Zwei bis drei Tage später zeigt sich ein typischer Hautausschlag (Exanthem): kleine erhabene Rötungen und mit klarer Flüssigkeit gefüllte Bläschen. Diese brechen nach weiteren drei bis fünf Tagen auf, trocknen innerhalb einer Woche ab und bilden braune Krusten.
  • Nach zwei bis vier Wochen heilen die Hautveränderungen vollständig ab.

Welche Komplikationen können vorkommen?

Bei etwa einem Drittel aller Patientinnen/Patienten ist Herpes Zoster mit Komplikationen verbunden. In der Altersgruppe der über 60-Jährigen erleidet bereits etwa jede/jeder Vierte zumindest eine der folgenden Herpes-zoster-Komplikationen:

  • Augen: Entzündung von Bindehaut, Hornhaut und Sehnerv mit Sehstörungen.
  • Gehörgang: Schwindel, Hörprobleme, Gesichtslähmung.
  • Gehirnhäute und Gehirn: Entzündung mit dem Beschwerdebild einer Meningitis oder Enzephalitis, wie z.B. Lähmungen und Sensibilitätsstörungen.
  • Haut: Narbenbildung.
  • Bakterielle Superinfektionen.

Post-zoster-Neuralgie (PZN)

Bei einer/einem von zehn Patientinnen/Patienten treten Wochen oder Monate später erneut Schmerzen in den ehemals betroffenen Körperregionen auf. In diesen Fällen liegt vermutlich eine anhaltende Nervenschädigung vor. Unterschieden werden drei Formen von PZN-Schmerzen:

  • brennender, bohrender Dauerschmerz;
  • kurze, einschießende Schmerzattacken;
  • heftige Berührungsschmerzen: breiten sich häufig in benachbarte Hautregionen aus, die nicht von der Gürtelrose befallen waren.

Die Schmerzen sind häufig stark ausgeprägt und schwer zu behandeln. Sie können chronisch werden und im schlimmsten Fall lebenslang fortbestehen. Oft leiden die Betroffenen auch unter starkem Juckreiz. Das Risiko für eine PZN steigt mit zunehmendem Alter.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Aufgrund der Form des Ausschlages kann meist eine Diagnose gestellt werden. In unklaren Fällen wird eine Blutprobe oder ein Bläschenabstrich genommen und ein Erregernachweis durchgeführt. Bei Verdacht auf eine Post-zoster-Neuralgie werden das Ausmaß der Nervenschädigung, Schmerzcharakter und Schmerzintensität festgestellt.

Wie erfolgt die Behandlung einer Gürtelrose?

Eine Gürtelrose bildet sich bei zwei Drittel der Betroffenen nach zwei bis vier Wochen wieder zurück, meist auch ohne Behandlung. Dennoch sollte möglichst frühzeitig mit einer Therapie begonnen werden, um das Komplikationsrisiko zu senken – am besten innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten der Hautveränderungen bzw. so lange noch frische Bläschen vorhanden sind. Ziel dieser Behandlung ist es, den Viren möglichst früh Einhalt zu gebieten und einer weiteren Schädigung der Nerven – der Post-zoster-Neuralgie (PZN) – vorzubeugen. Wichtig ist in jedem Fall, auf ausreichend Ruhe und Schonung zu achten.

Akutbehandlung

Die Therapie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Dauer der Erkrankung zu verkürzen. Zum Einsatz kommen v.a. folgende Maßnahmen:

  • Antivirale Medikamente (z.B. Brivudin, Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir): Sie sollen eine Virusvermehrung rasch eindämmen und dadurch Komplikationen verhindern.
  • Schmerztherapie (z.B. mit NSAR): Ein frühzeitiger Beginn in den ersten Tagen kann einer PZN vorbeugen.
  • Desinfizierende Puder und hautpflegende Lösungen: Sie können eine Infektion der Bläschen verhindern und Juckreiz lindern.

Behandlung der Post-Zoster-Neuralgie (PZN)

Zum Einsatz kommen medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapieoptionen, u.a.:

Wohin kann ich mich wenden?

Bei den ersten Anzeichen einer Gürtelrose sollte eine Ärztin/ein Arzt für Allgemeinmedizin aufgesucht werden. Auch bei anhaltenden Schmerzen nach durchgemachter Gürtelrose sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, um die Chronifizierung von Nervenschmerzen zu verhindern. Dazu können Sie sich an die Hausärztin/den Hausarzt oder eine Fachärztin/einen Facharzt für Neurologie wenden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVASVASVBVAEB).

Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

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