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Epilepsie: Therapie

Bei ca. 2/3 der Betroffenen kann durch eine medikamentöse antiepileptische Therapie anhaltende Anfallfreiheit erreicht werden. Bei ungefähr der Hälfte dieser Patientinnen/Patienten kann die Therapie langfristig auch wieder abgesetzt werden. Beim übrigen Drittel entwickelt sich eine therapieresistente Epilepsie (Anfälle trotz maximaler Therapie). Die Prognose hängt dabei entscheidend von der Ursache und der jeweiligen Epilepsieform ab.

Medikamentöse Therapie

Die Therapie der Epilepsie erfolgt zunächst immer mit Medikamenten, sogenannten Antiepileptika, die durch einen stabilisierenden Einfluss an den Nervenzellmembranen oder im Neurotransmitterstoffwechsel wirken. Das Ziel der medikamentösen Epilepsietherapie ist es, Anfallsfreiheit bei fehlenden oder minimalen Nebenwirkungen zu erreichen. In den letzten Jahren konnten hier durch die Entwicklung neuer Antiepileptika wesentliche Fortschritte erzielt werden. Diese neuen Medikamente sind besser verträglich und nebenwirkungsärmer. So treten z.B. Müdigkeit und Schwindel sowie langfristige Belastungen für den Organismus seltener auf als bei „alten“ Antiepileptika.

Die Auswahl der Medikamente erfolgt abhängig von der Epilepsieform. Zunächst sollte immer mit einem Medikament behandelt werden (Monotherapie). Falls damit keine ausreichende Anfallskontrolle gelingt, kann in weiterer Folge auch eine Kombination von Medikamenten zur Anwendung gelangen (Kombinationstherapie). Entgegen der weit verbreiteten Ansicht von einer „unheilbaren Erkrankung“ besitzt die Epilepsie eine relativ günstige Prognose. So können zwei Drittel aller Epilepsiepatientinnen/-patienten medikamentös erfolgreich behandelt werden, wobei in vielen Fällen die Medikamente langfristig auch wieder abgesetzt werden können. Bei einem Drittel der Patientinnen/Patienten kann jedoch keine befriedigende medikamentöse Einstellung erreicht werden, man spricht dann von einer therapieresistenten Epilepsie.

Epilepsiechirurgie

Für manche jener Patientinnen/Patienten, denen mit Medikamenten nicht geholfen werden kann, besteht die Möglichkeit der Epilepsiechirurgie. Falls die Lokalisation jener Hirnregion gelingt, von der die Anfälle ausgehen, kann durch einen epilepsiechirurgischen Eingriff eine Heilung erreicht werden. Diese erfolgversprechende Möglichkeit wird jedoch oft viel zu spät und zu wenig genützt. So dauert es durchschnittlich zwanzig Jahre von der Diagnose bis zum chirurgischen Eingriff.

Neurostimulation

Falls weder mit Medikamenten noch mit einer Operation eine befriedigende Anfallskontrolle gelingt oder eine Operation aufgrund der Art der Epilepsie nicht möglich ist, kann bei manchen Patientinnen/Patienten durch die Vagus-Nerv-Stimulation eine Verbesserung der Anfallssituation erzielt werden. Bei dieser wird der Nervus vagus im Halsbereich durch einen Impulsgeber simuliert. Dieser ist ähnlich wie ein Herzschrittmacher unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Eine nicht-invasive Alternative stellt die erst kürzlich eingeführte transkutane Vagus-Nerv-Stimulation dar. Als andere Stimulationsverfahren stehen seit Kurzem einerseits die tiefe Hirnstimulation des vorderen Thalamus und andererseits die sogenannte responsive Hirnstimulation des epileptischen Fokus zur Verfügung, bei denen Elektroden direkt ins Gehirn implantiert werden. Alle genannten Stimulationsverfahren sind jedoch rein palliative Methoden. Das heißt, sie führen im Allgemeinen zu einer Verminderung der Anfallshäufigkeit und nur in Ausnahmefällen zur Anfallsfreiheit.

Weitere Behandlungsansätze

Hier ist die ketogene Diät, eine spezielle Ernährungsform mit extrem hohen Fettanteil, zu erwähnen. Diese Therapie kommt insbesondere bei schwer behandelbaren kindlichen Epilepsieformen zur Anwendung. Sie ist nur als Ergänzung zur medikamentösen Therapie anzusehen. Diese Therapieform muss durch entsprechend erfahrene Ärztinnen/Ärzte und DiätologInnen/Diätologen überwacht werden.

Für andere komplementäre Behandlungsmethoden (z.B. Homöopathie, Kräutertherapie, Akupunktur, konnte – abgesehen von Einzelfallberichten – bis dato kein überprüfbarer positiver Effekt nachgewiesen werden.

Was Sie selbst tun können

Ein weitgehend selbstsicherer Umgang mit der eigenen Erkrankung und ein fundiertes Wissen darüber ermöglicht Betroffenen eine leichtere Bewältigung des Alltags. Informieren Sie vertraute Personen und planen Sie „Notfallmaßnahmen“. Es ist wichtig und hilfreich, dass während eines Anfalls jemand anwesend ist, der weiß, was zu tun ist. Wenn Angehörige, Partnerinnen/Partner oder Personen aus dem Freundeskreis gut informiert sind, ist es für diese auch leichter verdächtige Vorzeichen zu erkennen. Mit Epilepsie kann man in den meisten Fällen ein ganz „normales“ Leben führen, in einen Arbeitsprozess eingebunden sein und Freundschaften, Liebe sowie Partnerschaft pflegen.

Wie verhält man sich bei einem Anfall?

  • Ruhe bewahren,
  • Anfall genau beobachten, Dauer registrieren,
  • die/den Betroffene/n vor Verletzungen schützen (insbesondere den Kopf schützen),
  • nichts in den Mund stecken,
  • keine Wiederbelebungsversuche unternehmen,
  • etwas Weiches unter Kopf und Schultern legen,
  • beengende Kleidung öffnen,
  • sobald als möglich in die stabile Seitenlagerung bringen,
  • solange bei der Betroffenen/dem Betroffenen bleiben, bis diese/dieser sich wieder ganz erholt hat.

Die Rettung verständigen falls…

  • der Anfall länger als fünf Minuten dauert,
  • unmittelbar weitere Anfälle folgen,
  • die/der Betroffene sich verletzt hat,
  • die/der Betroffene nicht aufwacht.

Weitere Informationen erfahren Sie unter Notfall: Epileptischer Anfall.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Diagnose und Therapie einer Epilepsie fällt in das Fachgebiet der Neurologie. Fachärztinnen/Fachärzte für Neurologie bzw. Kinderärztinnen/Kinderärzte mit Weiterbildung in Neuropädiatrie sind demnach die richtigen Ansprechstellen. Zudem werden meist auch Ärztinnen/Ärzte aus weiteren Fachgebieten (z.B. Innere Medizin) hinzugezogen. Die Allgemeinmedizinerin/der Allgemeinmediziner koordiniert die Überweisungen und wird in die Betreuung eingebunden. Es gibt zudem spezialisierte Epilepsieambulanzen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen.

Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte. Informationen zu Kosten bei einem Spitalsaufenthalt finden Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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