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Kindertöpfchen und Toilettenpapier © Szasz-Fabian Erika
Kindertöpfchen und Toilettenpapier © Szasz-Fabian Erika

Notfall bei Kindern: Magen-Darm-Infektion

Eine Magen-Darm-Infektion (Gastroenteritis) gehört neben Atemwegserkrankungen zu den häufigsten Diagnosen im Kindesalter. Zum Notfall wird die Erkrankung dann, wenn Kinder dabei zu viel Flüssigkeit verlieren. Gerade für Säuglinge und Kleinkinder kann eine unbehandelte Gastroenteritis lebensbedrohlich werden.

Auslöser sind Infektionen mit Viren oder Bakterien. In manchen Ländern der Dritten Welt zählen Magen-Darm-Infektionen immer noch zu jenen Ursachen, die für die hohe Kindersterblichkeit verantwortlich sind.

Wie äußert sich eine Magen-Darm-Infektion?

Eine Magen-Darm-Infektion beginnt meist mit folgenden Symptomen:

  • Bauchschmerzen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Erbrechen,
  • breiige, wässrige, teilweise faulig riechende Stühle,
  • manchmal Blut oder Schleim,
  • häufig Fieber.

Mehr zum Thema: Akuter Durchfall (Gastroenteritis) 

Welche Maßnahmen sind wichtig?

Die wichtigste Therapie bei Magen-Darm-Infektionen ist die Verabreichung von Flüssigkeit. Versuchen Sie folgende Maßnahmen:

  • Geben Sie Ihrem Kind in der Akutphase (den ersten Stunden) nur Flüssigkeit, nichts zu essen,
  • am besten eignet sich gezuckerter Tee (kein Schwarztee) in kleinen Schlucken,
  • bei Babys kann Milch mit Tee versetzt werden im Verhältnis 1:1 später 2:1,
  • keine Getränke mit Kohlensäure geben,
  • kühle Getränke sind besser als warme.
  • In der Apotheke sind fertige Lösungen (orale Rehydrationslösung, ORL) zum Ersatz des Flüssigkeits- und Elektroytverlustes erhältlich. Liegt keine oder nur eine leichte Dehydratation vor, kann diese zu Hause verabreicht werden (unter voriger ärztlicher Rücksprache!).
  • verabreichen Sie generell keine Medikamente ohne Rücksprache mit der Ärztin/dem Arzt.

Sobald das Erbrechen nachlässt, können Sie dem Kind nach etwa sechs bis acht Stunden leichte Kost anbieten, z.B. Zwieback, Kekse, Salzstangen, leichte Suppen, Nudel- oder Kartoffelgerichte. Auf keinen Fall geeignet sind fette Speisen, Süßigkeiten oder unverdünnte Fruchtsäfte. Auch bei Durchfall können Sie leichte Kost anbieten. Bei gestillten Kindern sollte die Muttermilchernährung nicht unterbrochen werden.

Hinweis Sollte das Trinken nicht mehr möglich sein, muss das Kind unbedingt ins Krankenhaus!

Wann wird die Situation zum Notfall?

Eine akute Magen-Darm-Infektion führt immer zu vermehrtem Flüssigkeitsverlust. Dabei gehen dem Körper wertvolle Salze (Elektrolyte) und Wasser verloren. Die Folge kann eine gefährliche Dehydrierung (Austrocknung) sein. Wird dann nicht ausreichend Flüssigkeit zugeführt, kann diese bis zur Bewusstlosigkeit und in weiterer Folge zum Tod führen.

Folgende Symptome deuten beim Säugling auf eine Dehydrierung hin:

  • Müdigkeit und apathisches Verhalten,
  • eventuell Fieber,
  • eingesunkene Fontanelle (nicht verknöchertes Areal im Bereich des Schädeldachs),
  • schwacher Saugreflex,
  • seltener Lidschlag,
  • Urinproduktion ist deutlich vermindert (Windel ist trocken).

Folgende Symptome deuten beim Kleinkind auf eine Dehydrierung hin:

  • Müdigkeit, verlangsamt und teilnahmsloses (apathisches) Verhalten,
  • eventuell Fieber,
  • großes Durstgefühl,
  • trockene Schleimhäute,
  • Urinproduktion ist deutlich vermindert,
  • schnelle Gewichtsabnahme,
  • durch den Flüssigkeitsverlust bleiben beim Zusammenschieben der Haut Hautfalten stehen.

Bei diesen Symptomen sollten Sie sofort eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen:

  • vorbestehende Erkrankung,
  • Neugeborene mit Fieber über 38 Grad über mehrere Stunden,
  • Fieber über 40 Grad, ab 41 Grad besteht Lebensgefahr!
  • bei erstmaligem Auftreten eines Fieberkrampfes,
  • schlechter Allgemeinzustand des Kindes und weitere Krankheitssymptome, z.B. Hauterscheinungen,
  • blutiger Stuhl,
  • blutiger Urin,
  • andauerndes häufiges Erbrechen und hohe Stuhlfrequenz,
  • klinische Dehydratationszeichen,
  • Bewusstseinsveränderung,
  • fehlendes Ansprechen auf die Flüssigkeitszufuhr,
  • andauernde Durchfälle bis zu zwei Wochen,
  • fehlende Möglichkeiten einer adäquaten ambulanten Therapie (besonders bei Reisen).

Ein wichtiges Kriterium ist zudem das Alter des Kindes:je jünger (Alter < 6 Monate), desto größer die Austrocknungsgefahr. Säuglinge mit Magen-Darm-Infektion sollten daher immer ärztlich begutachtet werden. 

Wissenswertes zu Magen-Darm-Infektionen

Die meisten viralen Magen-Darm-Infektionen sind selbstlimitierende Erkrankungen, die keiner medikamentösen Therapie bedürfen – d.h. sie heilen von alleine ab. Es stehen zwar verschiedene kommerziell erhältliche Medikamente zur Verfügung, diese sind aber für Kinder wegen der Nebenwirkungen nicht zu empfehlen.

Die Auslöser können Viren, Bakterien oder auch Parasiten sein. Rota- und Noroviren sind die häufigsten Erreger, gefolgt von Adeno-, Entero-, Calici- und Astroviren. 70 Prozent aller Magen-Darm-Infektionen werden durch diese Viren verursacht. Die klassische Lebensmittelvergiftung ist wesentlich seltener und wird meist durch Campylobacter, Shigellen oder Salmonellen ausgelöst. In weniger als zehn Prozent sind Parasiten (z.B. Giardia lamblia, Entamoeba histolytica) die Verursacher von Durchfallserkrankungen. Besonders gefährdet sind Kinder bei Fernreisen oder in Ländern mit einem niedrigen Hygienestandard.

Hinweis Die Übertragung einer viralen Gastroenteritis erfolgt ausschließlich von Mensch zu Mensch, meistens über den fäkal-oralen Weg. Deshalb ist Händewaschen die wichtigste und beste Präventionsmaßnahme.

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