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Kindertöpfchen und Toilettenpapier © Szasz-Fabian Erika

Notfall bei Kindern: Magen-Darm-Infektion

Eine Magen-Darm-Infektion gehört bei Kindern neben Atemwegserkrankungen zu den häufigsten Diagnosen. Die Erkrankung wird allerdings nur dann zum Notfall, wenn Kinder dabei zu viel Flüssigkeit verlieren. Deshalb kann gerade bei Säuglingen und Kleinkindern eine unbehandelte Gastroenteritis lebensbedrohlich werden. Auslöser sind meistens Viren oder Bakterien. In manchen Ländern der Dritten Welt zählen Magen-Darm-Infektionen immer noch zu jenen Ursachen, die für die hohe Kindersterblichkeit verantwortlich sind . . .

Symptome bei Magen-Darm-Infektion

Eine akute Magen-Darm-Infektion führt immer zu vermehrtem Flüssigkeitsverlust. Dabei gehen dem Körper wertvolle Salze (Elektrolyte) und Wasser verloren. Die Folge kann eine gefährliche Dehydrierung (Austrocknung) sein. Wird nicht ausreichend Flüssigkeit zugeführt, kann diese bis zur Bewusstlosigkeit und in weiterer Folge zum Tod führen. Eine Magen-Darm-Infektion beginnt meist mit folgenden Symptomen:

  • Bauchschmerzen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Erbrechen,
  • breiige, wässrige, teilweise faulig riechende Stühle,
  • unverdaute Nahrungsreste,
  • manchmal Blut oder Schleim,
  • häufig Fieber.

Folgende Symptome deuten beim Säugling auf eine Dehydrierung hin:

  • Müdigkeit und apathisches Verhalten,
  • eventuell Fieber,
  • eingesunkene Fontanelle (nicht verknöchertes Areal im Bereich des Schädeldachs),
  • schwacher Saugreflex,
  • seltener Lidschlag,
  • Urinproduktion ist deutlich vermindert (Windel ist trocken).

Folgende Symptome deuten beim Kleinkind auf eine Dehydrierung hin:

  • Müdigkeit, verlangsamt und teilnahmsloses (apathisches) Verhalten,
  • eventuell Fieber,
  • großes Durstgefühl,
  • trockene Schleimhäute,
  • Urinproduktion ist deutlich vermindert,
  • schnelle Gewichtsabnahme,
  • durch den Flüssigkeitsverlust bleiben beim Zusammenschieben der Haut Hautfalten stehen.

Bei diesen Symptomen sollten Sie sofort eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen:

  • Alter des Säuglings: je jünger (Alter < 6 Monate) desto größer die Austrocknungsgefahr,
  • vorbestehende Erkrankung,
  • Neugeborene mit Fieber über 38 Grad über mehrere Stunden,
  • Fieber über 40 Grad, ab 41 Grad besteht Lebensgefahr!
  • bei erstmaligem Auftreten eines Fieberkrampfes,
  • schlechter Allgemeinzustand des Kindes und weitere Krankheitssymptome, z.B. Hauterscheinungen,
  • blutiger Stuhl,
  • andauerndes häufiges Erbrechen und hohe Stuhlfrequenz,
  • klinische Dehydratationszeichen,
  • Bewusstseinsveränderung,
  • fehlendes Ansprechen auf die Flüssigkeitszufuhr,
  • blutiger Urin,
  • andauernde Durchfälle bis zu zwei Wochen,
  • fehlende Möglichkeiten einer adäquaten ambulanten Therapie (besonders bei Reisen).

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Die wichtigste Therapie ist die Verabreichung von Flüssigkeit. Sollte das Trinken nicht mehr möglich sein, muss das Kind unbedingt ins Krankenhaus. Bevor es so weit kommt, versuchen Sie folgende Maßnahmen:

  • Gezuckerten Tee (keinen Schwarztee) schluckweise verabreichen,
  • kühle Getränke sind besser als warme,
  • in der Akutphase (den ersten Stunden) nur Flüssigkeit verabreichen,
  • keine Getränke mit Kohlensäure,
  • bei Babys kann Milch mit Tee versetzt werden im Verhältnis 1:1 später 2:1,
  • keine Medikamente ohne Rücksprache mit der Ärztin/dem Arzt geben.

Wenn das Erbrechen nachlässt, ist es wichtig, dem Kind nach spätestens sechs bis acht Stunden leichte Kost anzubieten, z.B.: Zwieback, Kekse, Salzstangen, leichte Suppen, auf keinen Fall fette Speisen, Süßigkeiten oder unverdünnte Fruchtsäfte. Auch bei Durchfall können Sie leichte Kost anbieten. Bei gestillten Kindern sollte die Muttermilchernährung nicht unterbrochen werden.

Wissenswertes zu Magen-Darm-Infektion

Die meisten viralen Magen-Darm-Infektionen sind selbstlimitierende Erkrankungen, die keiner medikamentösen Therapie bedürfen – d.h. sie heilen von alleine. Es stehen zwar verschiedene kommerziell erhältliche Medikamente zur Verfügung, diese sind aber für Kinder wegen der Nebenwirkungen nicht zu empfehlen.

Die Auslöser können Viren, Bakterien oder auch Parasiten sein. Rota- und Norovieren sind die häufigsten Erreger, gefolgt von Adeno-, Entero-, Calici- und Astroviren. 70 Prozent aller Magen-Darm-Infektionen werden durch diese Viren verursacht. Die klassische Lebensmittelvergiftung ist wesentlich seltener und wird meist durch Campylobacter, Shigellen oder Salmonellen ausgelöst. In weniger als zehn Prozent sind Parasiten (z.B.Giardia lamblia, Entamoeba histolytica) die Verursacher von Durchfallserkrankungen. Besonders gefährdet sind Kinder bei Fernreisen oder in Ländern mit einem niedrigen Hygienestandard.

Hinweis Die Übertragung einer viraler Gastroenteritis erfolgt ausschließlich von Mensch zu Mensch, meistens über den fäkal-oralen Weg. Deshalb ist Händewaschen die wichtigste und beste Präventionsmaßnahme.

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