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Buch und Brille © bilderstoeckchen

Weitsichtigkeit (Hyperopie, Hypermetropie)

Bei Normalsichtigen treffen Lichtstrahlen beim Blick in die Ferne gebrochen und gebündelt auf der Netzhaut auf. Die Netzhautebene liegt dabei 23–24 mm hinter der Hornhaut. Bei Weitsichtigkeit ist die Achsenlänge des Auges meist kürzer. Die gebrochenen Lichtstrahlen kommen (theoretisch) hinter der Netzhaut zusammen – sodass ein unscharfes Bild entsteht. Die Augenärztin/der Augenarzt klärt die Weitsichtigkeit unter anderem durch Untersuchungen ab. Häufig gelingt die Korrektur mithilfe einer Brille (Sammellinse, konvexe Linse) oder von Kontaktlinsen . . .

Hyperopie – was ist das?

Der Grund für das Unscharfsehen bei Weitsichtigkeit liegt meist in der Länge des Augapfels. Grob gesprochen, ist das Auge bei Weitsichtigkeit „zu kurz“. Genauer gesagt: Der Abstand von Hornhaut und Linse zur Netzhaut ist geringer als beim normalsichtigen Auge. Ist das Auge im Verhältnis zur Brechkraft etwas „zu kurz“, spricht man von Achsenhypermetropie. In seltenen Fällen kann auch eine Brechungshypermetropie vorliegen, bei der die Brechkraft des Auges zu gering ist. Meist haben Weitsichtige nicht mehr als 4–5 dpt (Dioptrien).

Neugeborene sind in der Regel „weitsichtig“. Das Fixieren eines Gegenstandes ist noch schwach entwickelt. Etwa ab dem vierten Lebensmonat prägt sich die Akkommodation (Wölbungszunahme der Linse bei Naheinstellung) aus. Nahe Objekte können scharf fokussiert werden. Im Laufe des ersten Lebensjahres erfolgen Wachstum des Auges sowie Abnahme der Weitsichtigkeit. Die letztendliche Größe des Auges in Abstimmung mit der Brechkraft von Linse sowie Hornhaut bildet sich erst langsam aus. Bis zum siebenten Lebensjahr erreicht der Augapfel bei Normalsichtigkeit die Länge von 23–24 mm.

Kinder und junge Menschen können durch eine gute Akkommodationsfähigkeit (Naheinstellungsvermögen) meist ihr „zu kurzes Auge“ zumindest zum Teil ausgleichen. Sie verändern mit Muskelarbeit die Form der Augenlinse. Eine Akkommodation findet beim gesunden Auge normalerweise statt, um von Fern- auf Naheinstellung zu wechseln. Bei jungen Menschen jedoch auch, um diese Fehlsichtigkeit „auszugleichen“. Sie akkommodieren beim Blick in die Ferne und in die Nähe. Oft macht sich eine Weitsichtigkeit daher erst im Alter bemerkbar, wenn die Akkommodationsfähigkeit der Linse nachlässt, oder bei starker Ausprägung. Mit jedem Millimeter „fehlender Augenlänge“ nimmt die Weitsichtigkeit um etwa drei Dioptrien zu (+3 dpt).

Hinweis Eine Simulation der Weitsichtigkeit können Sie auf der Website der MedUni Wien ansehen.


Diagnose einer Hyperopie

Die Symptome hängen von der Stärke der Ausprägung der Weitsichtigkeit sowie vom Alter ab. Es kann zu rascher Ermüdbarkeit kommen. Durch die Überanstrengung im Zuge der ständigen Akkommodation können Kopfschmerzen (Stirnbereich, Bereich um das Auge), Magenprobleme, brennende Augen, Fremdkörpergefühl im Auge, müde Augen und gerötete Augen auftreten. Ein Symptom ist zudem verschwommenes Sehen.

Für die Diagnose führt die Augenärztin/der Augenarzt (auch: Ophthalmologin/Ophthalmologe, Fachärztin/Facharzt für Augenheilkunde) ein ausführliches Gespräch (Anamnese), bei dem die Ärztin/der Arzt unter anderem auf eventuelle Probleme bzw. Gründe für den Besuch eingeht. Mithilfe verschiedener Tests und Messinstrumente untersucht die Augenärztin/der Augenarzt verschiedene Strukturen des Auges (z.B. Netzhaut, Glaskörper, Hornhaut etc.) und klärt mögliche Veränderungen, Fehlsichtigkeiten und Erkrankungen ab, die den Beschwerden zugrunde liegen könnten.

Neben der Untersuchung des Glaskörpers und des vorderen Augenabschnittes (mithilfe einer Spaltlampe) sowie des Augenhintergrundes (mithilfe eines Augenspiegels, sogenannte Ophthalmoskopie) führt sie/er eine Prüfung von Pupillenreaktion und Augenbewegung durch. Eine genaue Prüfung der Sehschärfe mit Refraktionsbestimmung (Messung der Brechkraft des Auges mittels Refraktometer) wird vorgenommen. Das Sehvermögen wird ohne sowie mit Brille geprüft (mit Sehprobentafel oder Sehschärfenprojektor). Gegebenenfalls wird zudem der Augeninnendruck gemessen (Tonometrie) und werden weitere Untersuchungen durchgeführt.

Die Ärztin/der Arzt kann Brechungsfehler bzw. organische Ursachen erkennen, die das Sehvermögen beeinträchtigen, sowie weitere Erkrankungen (z.B. Makulaödeme bedingt durch verschiedene Erkrankungen wie diabetische Makulopathie, senile Makuladegeneration etc.) feststellen bzw. ausschließen.

Werden Kinder untersucht, setzt die Augenärztin/der Augenarzt spezielle Augentropfen ein, die das Scharfstellen des Auges für kurze Zeit hemmen und zudem die Pupille erweitern.

Die Stärke der Weitsichtigkeit wird mit vorangestelltem Plus angegeben (z.B. +1,5 D).

Informationen zu Vorsorgeuntersuchungen etc. finden Sie auf der Website der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft.

Hinweis Weitsichtigkeit ist nicht gleich Alterssichtigkeit (Presbyopie). Die Alterssichtigkeit ist durch körperliche Alterung bedingt. Mit der Zeit kommt es dazu, dass die Linse nicht mehr so gut verformbar ist – ihre Elastizität lässt nach, und in der Nähe kann nicht mehr so gut gesehen werden. Man sagt auch: die Akkommodationsfähigkeit der Linse nimmt ab, und diese kann sich nicht mehr so gut an Naheinstellungen anpassen. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Alterssichtigkeit.

Korrektur der Hyperopie

Häufig gelingt die Korrektur mithilfe einer Brille (Sammellinse, konvexe Linse) oder von Kontaktlinsen. Nähere Informationen zu Brillen, Kontaktlinsenarten, Pflege und Kontrolluntersuchungen erhalten Sie bei Ihrer Augenärztin/Ihrem Augenarzt.

Über die Notwendigkeit und Durchführung von chirurgischen Eingriffen (refraktive Chirurgie, Laserbehandlungen) entscheidet die Ärztin/der Arzt (gemeinsam mit den Betroffenen). Sie/er informiert über Vorteile sowie Risiken.

Kurze Informationen u.a. zur Laserbehandlung finden Sie zudem in der Broschüre Operationen zur Beseitigung von Fehlsichtigkeiten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Augenärztin/der Augenarzt (auch: Ophthalmologin/Ophthalmologe, Fachärztin/Facharzt für Augenheilkunde) diagnostiziert eine Weitsichtigkeit und ordnet therapeutische bzw. korrigierende Maßnahmen an. Probleme/Auffälligkeiten können bei Kindern auch mit der Kinderärztin/dem Kinderarzt (Fachärztin/Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde) sowie mit der Hausärztin/dem Hausarzt besprochen werden, die/der gegebenenfalls Überweisungen vornimmt. Im Zuge einer Weitsichtigkeit sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen ratsam.

In Diagnose und Behandlung können Orthoptistinnen/Orthoptisten involviert sein. Optikerinnen/Optiker fertigen und passen u.a. Sehhilfen an, informieren über die Handhabung von Sehhilfen und prüfen die Sehschärfe etc. Untersuchungen des Auges nehmen jedoch ausschließlich Augenärztinnen/Augenärzte vor.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Sehbehelfe, z.B. Brillen, sind individuell gefertigte, optische Instrumente zur Korrektur der Fehlsichtigkeit. Die Krankenversicherungsträger übernehmen die Kosten von Brillen in einfacher und zweckmäßiger Ausführung – gegen Bezahlung des Kostenanteils. Sie benötigen eine ärztliche Verordnung mit der genauen Angabe Ihrer Dioptrienstärke. Näheres weiß Ihre Vertragsärztin/ihr Vertragsarzt für Augenheilkunde. Anschließend erhalten Sie Ihre Brille bei einer Vertragsoptikerin/einem Vertragsoptiker. Der Selbstbehalt für Brillen beträgt für Erwachsene Euro 97,20 und für mitversicherte Kinder ab Vollendung des 15. Lebensjahres Euro 32,40 (2016).

Vom Kostenanteil befreit sind mitversicherte Kinder bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres, Bezieherinnen/Bezieher der erhöhten Familienbeihilfe ohne Altersgrenzen und Personen, die wegen sozialer Schutzbedürftigkeit von der Entrichtung der Rezeptgebühr befreit sind. Eine Zuzahlung durch die Krankenversicherungsträger ist nur dann möglich, wenn der Tarif bzw. die Kosten für Ihre Brille über dem Selbstbehalt liegen (d.h. über Euro 97,20 bzw. 32,40). Bitte bedenken Sie, dass die Krankenversicherungsträger keine Kosten für Sonderwünsche bei der Brillenversorgung (z.B. Markenfassungen, entspiegelte Gläser etc.) übernehmen können.

Bei bestimmten Indikationen wird auch für Kontaktlinsen ein Kostenzuschuss von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Es ist aber unbedingt eine vorherige Genehmigung durch Ihren zuständigen Krankenversicherungsträger erforderlich. Dazu benötigen Sie eine Verordnung von Ihrer Augenärztin bzw. Ihrem Augenarzt und einen Kostenvoranschlag der Lieferfirma.

Hinsichtlich einer Kostenübernahme für refraktive Laseroperationen entscheidet immer der chefärztliche Dienst des zuständigen Krankenversicherungsträgers, ob die erforderlichen Indikationen vorliegen und damit eine Kassenleistung in Anspruch genommen werden kann.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Nähere Informationen zur Regelung für Brillen und Kontaktlinsen finden Sie außerdem unter Heilbehelfe & Hilfsmittel.

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